Jump to ratings and reviews
Rate this book

Gleich unter der Haut

Rate this book
»Ich weiß manchmal nicht, ob ich die Person im Spiegel bin oder die davor und ob das überhaupt einen Unterschied macht«, sagt die dreiundzwanzigjährige Lou über sich selbst. Niklas fühlt sich von der ungewöhnlichen Frau angezogen. In den gemeinsamen Momenten lässt sie ihn sogar die Trauer um seine verstorbenen Eltern, die Eintönigkeit seines Alltags und die Pflege seiner demenzkranken Großmutter für Augenblicke vergessen. Doch Lou hat etwas zu verbergen. Warum verschwindet sie immer wieder, verändert von einem Moment auf den anderen ihre Stimme und ihren Charakter, was hat es mit ihren Erinnerungslücken auf sich? Und vor allem: Ist sie tatsächlich die Frau, die sie vorgibt zu sein? Niklas bittet Lou, ihm ihre Geschichte zu erzählen, aber seine Freundin schweigt, findet keine Worte für das Unaussprechliche. Und so sehr die beiden auch auf eine gemeinsame, eine bessere Zukunft hoffen: Die Erlebnisse der Vergangenheit lassen sich nicht ausradieren. »Irgendwann kommt der Punkt, an dem sich die Realität durch die Gedanken an den Tod verändert«, sagt Lou. Und ja, er kommt, der Punkt, und mit einem Mal scheint es nur noch einen einzigen Ausweg zu geben. 'Gleich unter der Haut erzählt die Geschichte zweier junger Menschen, die den Wunsch teilen, endlich alles hinter sich zu lassen. Ein Roman über das Ungesagte, das sie in ihrem Innern gefangen hält. Über das, was man nicht sehen möchte. Ein Roman, der seine Leser*innen miterleben lässt, wie schnell die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen und jeder Einzelne durch die äußeren Umstände zum Mörder werden kann.

260 pages, Hardcover

First published August 30, 2022

24 people want to read

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
10 (43%)
4 stars
7 (30%)
3 stars
6 (26%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Monerl.
482 reviews14 followers
February 3, 2023
Es muss ja nicht immer heile Welt sein, und in "Gleich unter der Haut" ist nichts heile! Kein Wohlfühlbuch, bei dem man denkt, am Ende wird alles gut. Dieses Buch ist eine Tragödie, das ist spätestens nach dem 1. Drittel klar. Doch wie es endet, war bis zum Schluss außer meiner Vorstellungskraft!

Wir lernen drei traumatisierte Menschen kennen, zwei davon Geschwister. Sie müssen mit dem Verlust der Eltern zurechtkommen, doch beide schaffen es nicht, dieses schwere Schicksal zu verarbeiten. Nora lebt weiter, automatisiert ihren Alltag und hat als emotionale Stüzte ihre Freundin. Doch essen kann sie seit dem Unfall nicht mehr, was man ihr auch ansieht.

Niklas hat kein Leben mehr. Er distanziert sich von allem und allen und zieht sich mit seiner dementen Oma, die er pflegt, in ihrem Haus zurück. In ihm ist jeder Lebensfunke erloschen. An diesem Punkt trifft er Lou, eine Art Gleichgesinnte, mit der er wieder fühlen lernt, die jedoch noch traumatisierter ist als er. Kann das gut gehen? Natürlich nicht!

Die Autorin schafft es durch Lous Geheimnis Spannung aufzubauen. Sprachlich treffend mit gelungenen Dialogen entfaltet sich die Geschichte und treibt die Leserschaft an. Kein Wort hier ist zu viel, alles sehr treffend. Kleine Häppchen von Lous Vergangenheit verwirren Niklas wie auch die Leserschaft. Die Handlung ist rund, abgeschlossen und schmerzhaft, wenn sich die Ahnung verfestigt, die man nicht lesen will. Identifikationsfiguren gab es für mich in diesem Buch keine.

#fazit
Ein sehr gelungenes Debüt, das meine Vorfreude auf das nächste Buch der Autorin steigert!
Profile Image for Dunja Brala.
595 reviews41 followers
March 29, 2023
Ich habe nicht mit leichter Hand zu diesem Buch gegriffen. Ich ahnte schon, dass diese Leseerfahrung keine leichte sein würde. Schon der Klappentext deutet darauf hin, dass es hier um schwere Kost geht.

Niklas und seine Schwester Nora haben bei einem Verkehrsunfall die Eltern verloren. Als junge Erwachsene müssen sie mit diesem Verlust klarkommen. Das gelingt Ihnen nicht besonders gut. Während Nora in Hamburg studiert, versorgt Niklas seine demente Großmutter alleine, lässt sein Studium schleifen und fühlt sich in seinem Leben nicht mehr zu Hause. Er lernt eine junge Frau in einer schwierigen Situation kennen. Er nennt sie Lou. Die Last, die Lou auf ihren Schultern trägt, scheint noch schwerer zu sein, als die von Niklas. Zwischen beiden entsteht eine Beziehung.
Ich habe mir so sehr gewünscht, dass Niklas und Lou ihr Glück finden und es ihnen gelingt aus ihrer zersprungen Zukunft etwas schönes zu kitten. Gleichzeitig hatte ich das Bedürfnis, Niklas zuzurufen: „Nimm die Beine in die Hand und renn weg. Sie macht dein Unglück nur noch größer!“
Was nun wirklich zwischen den beiden passiert, müsst ihr selber lesen.

Berthe Obermanns hat ein Debüt hingelegt, wie man es nicht so häufig findet. Sie schafft es viele Themen in ihren Roman und auf die Schultern weniger Menschen zu packen. Der Plot wirkt trotzdem nicht überfrachtet. Das liegt, meines Erachtens nach, an der reduzierten und trotzdem sehr literarischen Sprache. Obwohl ich mit zurückhaltendem Gefühl angefangen habe zu lesen, entwickelte der Text sehr schnell einen Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte. Das Buch habe ich an zwei Tagen verschlungen. Die Autorin schaffte es, mich bei der Stange zu halten und mit ihrer minimalistischen, aber doch bildlichen Sprache ist ihr das sehr gut gelungen. „Es ist, als würde alles was Lous‘ Augen betrachten, in sie hinein fallen und sich darin auflösen.“, nur ein Beispiel für die wunderbare Schreibweise.
Den Kontrast, zwischen der Demenz der Großmutter, deren Persönlichkeit nach und nach verschwindet und der multiplen Identität von Lou, fand ich sehr stark. Auch die Beziehung der Geschwister Nora und Niklas fand ich gut weil sehr realistisch dargestellt wurde. Über Nora hätte ich gerne noch mehr erfahren. Das Ende des Romans ist ebenfalls gut gewählt. Für mich endet die Geschichte so mit nachvollziehbarer Konsequenz.
Ich gratuliere Berthe Obermanns zu diesem tollen Erstlingsroman, dessen Inhalt mir sicherlich noch lange im Kopf kreisen wird. Ich freue mich auf alles, was die Autorin uns literarisch noch bieten wird.
Profile Image for Diana (buecher.berge).
150 reviews11 followers
September 27, 2023
»Wenn es wehtut, kann sie es besser ertragen: den Hass und den Ekel und die anderen Menschen. Vor allem aber sich selbst.«

Seit dem plötzlichen Unfalltod seiner Eltern fühlt sich Niklas, als wäre sein Leben nicht mehr seins. Er geht nicht mehr in die Uni, er trifft sich nicht mehr mit anderen Menschen, er existiert nur noch, um seine demente Oma zu pflegen. Außer seiner Schwester Nora, die in einer anderen Stadt lebt, hat er niemanden mehr. Doch auch Nora kämpft mit dem Verlust, wird dünner und dünner. Niklas kann weder Nora noch sich selbst helfen. Wut, Trauer, unausgesprochene Worte, ungeweinte Tränen, eine Zukunft, die keine mehr sein wird, lähmen den jungen Mann, der in den stillen Momenten an ein Ende denkt, das ihn ein für allemal von seinen Seelenqualen erlöst. In einer kalten Winternacht, in einem der wenigen Momente, in denen er das Haus verlässt, sieht er sie: eine junge Frau. Seine Gedanken fangen an, um sie zu kreisen, etwas in ihm fühlt sich angezogen von etwas in ihr. Als sie sich wieder treffen nimmt er all seinen Mut zusammen und spricht sie an. Sie stellt sich als Lou vor, auch wenn das nicht ihr richtiger Name ist. Doch für Niklas ist sie Lou. Ist sie ein leuchtender Stern in seiner finsteren Nacht. Doch ist auch Lou von einer Dunkelheit umgeben, die noch undurchdringlicher, schwärzer, gefährlicher ist. Niklas verbringt so viel Zeit wie möglich mit der mysteriösen, sprunghaften, schreckhaften 23-Jährigen, die viel nachdenkt, wenig spricht und deren Körper gezeichnet ist von feinen Linien. Doch je näher Niklas ihr kommen möchte, desto größer scheint die Distanz zwischen den beiden zu werden. Bis Niklas nicht mehr weiter weiß und Lou um eine Erklärung bittet: für ihr plötzliches Verschwinden, ihre Erinnerungslücken, ihre Sprachlosigkeit. Und Lou versucht es. Versucht, Niklas ihre Geschichte zu erzählen und findet doch keine Worte für das Unaussprechliche. Während Niklas die Hoffnung nicht aufgibt für eine Zukunft, in der das Licht die Dunkelheit überwiegen könnte, weiß Lou, dass es Momente im Leben gibt, die nie wieder zurückzunehmen sind, die alles verändern und eine Seele bei lebendigem Leib ertrinken lassen.

»Ich sehe sie von außen und frage mich, wie es in ihrem Innern aussieht.«
Es ist schwer, Worte für diese Geschichte zu finden. Von den ersten Zeilen an kreiert die Autorin mit wenigen Worten eine Stimmung so dunkel und düster wie die tiefste Winternacht. Eine Kälte umgibt die Figuren, ihre Hoffnungslosigkeit ist fast am eigenen Körper spürbar. Ich achte beim Lesen selten auf die genaue Wortwahl, doch bei »Gleich unter der Haut« ging es nicht anders: Jedes Wort wirkt mit Bedacht gewählt, steht genau da, wo es stehen soll, keins zu viel, keins zu wenig, ein kunstvolles Gesamtbild erschaffend, das durch Sanftheit und Schmerz zu uns Lesenden spricht. Niklas und Lou sind zwei zerbrochene Seelen, allein in einer Welt, die keinen Raum lässt für tiefen, lähmenden, andauernden Schmerz. Sie werden zu Randfiguren und doch existiert eine eigene verzweifelte Sehnsucht in ihren Herzen, die Ihresgleichen sucht. Sie finden sich, geben sich Halt und nähern sich Hand in Hand einem Abgrund von dem sie doch tief in sich wissen, dass sie sich ihm am Ende ganz allein stellen müssen.

»Sie lacht laut und leidet leise.«

Erschütternd, bedacht und so leise erzählt »Gleich unter der Haut« eine Geschichte von seelischem Leid in seinen vielfältigen Formen. Von Hoffnungslosigkeit und dem Wunsch, nicht mehr fühlen zu müssen. Dem Wunsch, gesehen zu werden und verstanden. Ein geflüsterter Hilfeschrei zweier junger Menschen, den niemand hört. Der Roman erinnert uns daran, wie wichtig es ist, umsichtig zu sein mit uns selbst und den Menschen um uns, denn wir wissen nicht, wer außen lacht und im Innern in Tausend Scherben zerbricht. Erinnert uns daran, wie wertvoll es ist, jemanden zu finden, der das Licht und die Dunkelheit in uns erkennt, uns akzeptiert und einen Teil des Weges mit uns geht.

»und immer, wenn ich ihr Gesicht von der Seite aus betrachte, ist es ein bisschen wie ankommen und wie bleiben wollen.«

»Gleich unter der Haut« hat den Teil in mir gefunden, der vor langer Zeit kaputt gegangen ist. Und trotz all des Leids, des Schmerzes, der Ausweglosigkeit mit der ich Lou und Niklas auf das unvermeidbare Ende habe zusteuern sehen, hat der Roman versucht, diesen kaputten Teil in mir zu wärmen. Ich habe viel gefühlt beim Lesen, mich an eigenen Schmerz erinnert. Je tiefer ich in Lous und Niklas' Geschichte versunken bin, desto mehr Raum hatte ich zugleich für meine Gedanken. Ich habe das Buch mit einem Gefühl weggelegt, das ich nicht so recht benennen kann. Irgendwo zwischen Trauer und dem Wissen, dass es so kommen musste, dass nicht jede*r gerettet werden kann, dass manchmal, so furchtbar es ist, zu viel kaputt ist. Jetzt, beim Schreiben, kommen mir die Tränen. Denn diese Geschichte geht gleich unter die Haut.

»Wenn schon sein, dann mit ihm, weil er ihr dabei hilft, dass sie sich selbst wieder spüren kann, sich selbst wieder sieht.«

P.S.: Wer Triggerwarnungen brauchte, sollte sich vorab informieren.
Profile Image for Gisela.
348 reviews14 followers
January 29, 2023
Meine Meinung:

Poetisch und absolut authentisch

Auf Instagram habe ich dieses Buch mehrfach entdeckt. Die begeisterten Bewertungen haben mich überzeugt. Habe mir das Buch umgehend im Buchladen bestellt. Mit zwei weiteren Bücherfreundinnen hatte ich ein Buddy Read. Das war richtig toll, da die Geschichte keine leichte Kost ist.

Zwei jungen Menschen hat das Leben übel mitgespielt. Einmal haben wir Niklas, dessen Eltern bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen sind. Zum anderen die geheimnisvolle Lou. Die junge Frau macht für Niklas das Leben wieder lebenswert. Bei ihr braucht er sich nicht zu verstellen. Für Niklas ist Lou eine Seelenverwandte. Doch jedes mal wenn er das Gefühl hat, Lou erzählt ihm ihre Geschichte, läuft sie davon. Niklas hört oft tagelang nichts mehr von ihr. Vermisst sie mit jedem Atemzug. Möchte ohne sie nicht mehr sein.

Ich bin ehrlich gesagt froh, die Geschichte nicht alleine gelesen zu haben. Sie kommt düster daher und dennoch voller Hoffnung. Ich hatte beim Lesen so viele Wünsche für die Beiden. Habe mir das Ende ausgemalt. Den Austausch sehr genossen.


Die Story behandelt sehr viele schwierige Themen. Zum einen ist da die weit fortgeschrittene Demenz von Niklas Oma. Zum anderen die Essstörungen seiner Schwester. Was mit Lou wirklich los ist, konnte ich nur erahnen. Immer wenn ich dachte, jetzt weiß ich es genau, ist sie wieder davon gelaufen. Dieses Drama geht tief unter die Haut. Im Fokus stehen unverarbeitete Traumas. Dinge die überall passieren. Vor denen Menschen gerne die Augen verschließen. Über Betroffene gerne voreilig ein Urteil fällen. Mir war beim Lesen oftmals richtig kalt. Auch die Protagonisten setzen sich gerne der Kälte aus. Sei es in der freien Natur oder in ihren Herzen.


Fazit:

Dies ist keine Geschichte, bei der man es sich vor dem Kamin gemütlich macht. Vielmehr behandelt sie Themen, die einen auffordern sich damit auseinanderzusetzen. Mehr möchte ich Euch nicht verraten.

Der Schreibstil mutet poetisch an. Wunderbare Zitate steigern den Lesegenuss. Die Personen kommen absolut authentisch rüber. Das Ganze spielt sich im wunderschönen Konstanz ab. Ich bin absolut begeistert und gratuliere Berthe Obermanns zum genialen Debüt.
Profile Image for Christiane Fischer.
512 reviews6 followers
July 10, 2023
Hochgelobt und gehypt. An diesem Buch kommt man einfach nicht vorbei, dementsprechend gehe ich mit hohen Erwartungen an das Lesen:

GLEICH UNTER DER HAUT
Berthe Obermanns

Niklas hat seine Eltern verloren. Auch er sass im Auto, als dieser Falschfahrer kam, jetzt sind sie tot und er lebt - wenn auch nur in seiner Hülle.
Jetzt gibt es nur noch Nora, seine jüngere Schwester und Oma, die stark an Demenz erkrankt ist. Sie erkennt ihn nicht mehr. Er wickelt, wäscht und füttert sie. Zur Uni kann er auch nicht mehr - es geht einfach nicht - Sperre im Kopf!
Da trifft er Lou, oder wie auch immer sie heißt. Ihren Namen will sie ihm nicht verraten. Lou ist anders, mal freundlich und in der nächsten Minute jähzornig. Auch sie hat viele Narben - innerlich und äußerlich.
Zum ersten Mal fühlt er das Leben in seinen Körper zurückkehren, ganz langsam. Vielleicht will er doch nicht sterben, für sie würde er weiter leben - mit ihr.
Doch sie hat Schnee im Kopf, da kann man nicht einfach eine Beziehung eingehen.
Keine Liebesgeschichte. Punkt.

Wow, was war das? Eine Geschichte, die unter die Haut geht.
Der wunderschöne Schreibstil der Autorin will so gar nicht zur Geschichte passen. Woher nimmt Berthe Obermanns diese Worte?

„Meine Beine hängen wie Magnete am Boden, ich muss Kraft aufwenden, um sie anzuheben, stelle mir vor, wie Lous Hände mir dabei helfen, wie sie sich um meine Fußgelenke legen und meine Beine nach oben ziehen, bilde mir sogar ein, ihre Finger an meinen Knöcheln zu spüren.“ (S. 100)

Dem Buch mit einer Rezension gerecht zu werden ist mir fast unmöglich.
Eine Geschichte, die mich bestimmt noch lange beschäftigen wird und über das ich noch einige Momente länger nachdenken muss.
Keine schöne Geschichte, aber ein Lesegenuss. Chapeau Berthe Obermanns für ein unglaubliches Debüt.
4½/ 5
Profile Image for Martina Weiss.
486 reviews5 followers
January 21, 2023
Über dieses Buch bin ich mehrmals im Internet gestolpert, und da alle Rezensionen sich förmlich vor Lob überschlugen, kam ich kaum drumherum es mir zu kaufen.
Und es war jeden Cent wert!
Das ist ein Debütroman? Niemals, das kann gar nicht sein… diese Erzählung ist von Anfang bis Ende einfach perfekt inszeniert (auch das Lektorat hat hervorragende Arbeit geleistet).
Es ist ein intensives Buch, ein extrem zartfühlendes, ein schmerzhaft authentisches, kein Wohlfühlbuch.
Sprachlich extrem prägnant und einfühlsam, ohne Kitsch und Schnörkel, lernen wir Niklas kennen. Ein junger Mann, der vor nicht allzu langer Zeit seine Eltern verlor und sich um seine kranke Oma kümmert, die ohne Bezug zum Jetzt und Heute nur noch vor sich hin vegetiert. Einen anderen Sinn gibt es nicht mehr für Niklas, der alles in seinem Leben hingeschmissen hat und über das Verlusttrauma nicht hinwegkommt. Er lernt eines nachts Lou kennen, eine junge Frau, die ihn sofort fasziniert und ihm das Gefühl des Verstandenseins vermittelt. Doch auch sie ist eine sehr kaputte Seele und die beiden tun einander einfach nicht gut. Das schmerzt beim Lesen, weil man ja auch wünscht, dass sie eine gemeinsame Zukunft haben, sich gegenseitig helfen können.
Die Dialoge zwischen den beiden sind poetisch, zart und intensiv ihr Zusammensein.
Man fühlt alle Emotionen beim Lesen, nichts wirkt gekünstelt oder übertrieben.
Eine Geschichte, die definitiv noch lange in mir nachhallen wird.
1 review
January 16, 2023
Wow, was für ein Debüt! Ich bin sehr beeindruckt - sowohl von der bewegenden, bis zuletzt superspannenden Geschichte um zwei traumatisierte junge Menschen als auch von der beinahe poetischen Sprache der Autorin. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen schildert Berthe Obermanns in "Gleich unter der Haut" das Unaussprechliche - ohne dabei jedoch ins Kitschige oder Pathetische abzurutschen. Das Buch hat mich von der ersten Seite an gefesselt und sehr beeindruckt und das Ende war dann der Wahnsinn. Niemals hätte ich damit gerechnet, ich bin noch immer sprachlos, geschockt und sehr berührt.... Eine absolute Leseempfehlung von mir!!
Profile Image for Hens Books.
146 reviews26 followers
May 21, 2024
TW: Demenz, Suizid(-Gedanken), mentale Gesundheit, Traumatisierung, Depression, Schizophrenie, Essstörung

Niklas ist Student. Zumindest eingeschrieben ist er an der Uni, denn studieren tut er eigentlich nicht, er pflegt hauptsächlich aufopferungsvoll seine demenzkranke Oma. Nachdem er seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat, ist die Pflege seiner Oma das letzte, wobei er wirklich funktioniert. Bis er Lou kennenlernt: Er spürt sofort, sie haben etwas gemeinsam, sie sind Gleich unter der Haut. Sie sind traumatisiert, haben zu früh die Kontrolle über das Leben verloren und wissen nicht, wie sie die vielen Leerstellen in ihrem Dasein füllen sollen. Können sie gemeinsam heilen? Kann Minus mal Minus wirklich zu Plus werden?

Obermanns Debüt „Gleich unter der Haut“ befasst sich mit dem Kontrollverlust. Alle Figuren verlieren in diesem Buch irgendwie die Kontrolle über ihr Leben und das Leben anderer, über ihre Gesundheit, über ihre Beziehungen, über ihre Zukunft, wofür sie eigentlich gar nicht viel können. Sie greift sich damit sehr fatalistisch, sehr direkt, sehr schwer aushaltbar ein zeitloses, bedeutsames Thema der Menschheit. Inwieweit kann man sein Leben und das Leben seiner Mitmenschen kontrollieren? Inwieweit muss man es gar kontrollieren? Inwieweit kann man loslassen und vertrauen?
Lou und Niklas finden und verlieben sich, nicht über Äußerlichkeiten oder das gesprochene Wort, sondern über ihre innere Zerrissenheit und Versehrtheit. Sie suchen beim anderen Halt und Trost. Diese sich antastende Beziehung ist großartig gezeichnet. Auch das Verhältnis zwischen Niklas und seiner demenzkranken Oma geht tief.
„Gleich unter der Haut“ ist sehr schwer zu ertragen, sehr negativ, sehr depressiv, sehr lebensverneinend, sehr schonungslos und dennoch ein sehr empfehlenswerter, unvergesslicher Text. Ich habe trotz der Schwere schnell gelesen, einen Leseflow entwickelt und die hochsensible poetische Sprache genossen. Dieses Debüt macht Hoffnung auf weitere intensive Leseerfahrungen…
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.