Als die ersten Ukrainer:innen nach Deutschland kommen, auf der Flucht vor dem Krieg und der Zerstörung, die das russische Nachbarland über sie gebracht hat, weiß Bianca, sie muss etwas tun. Als Kind polnischer Eltern, die 89 vor dem Sozialismus flohen und in Deutschland eine neue Heimat fanden, fühlt sie sich in der Pflicht. Und so stellt sie das unbesetzte Zimmer in ihrer Wohnung zur Verfügung und hat ab sofort eine ukrainische Mitbewohnerin, Ana. Doch der Start der beiden Frauen ist nicht leicht, die Verständigung schwierig, das Erlebte zu belastend, die Situation ungewiss. Die Küche wird zum neuen Mittelpunkt der WG, hier am Tisch nähern sie sich an, diskutieren, trinken Wein, kochen und finden erste Gemeinsamkeiten. Und so werden aus Fremden, Bekannte und schließlich Freundinnen; auch wenn eine Frage bleibt: Was bringt die Zukunft?
Ein toller und informativer Erfahrungsbericht der Autorin und Schauspielerin Bianca Nawrath, die im Frühjahr 2022 die Kriegsgeflüchtete Anna aus der Ukraine bei sich aufnimmt. Mit viel Witz und Herz berichten die Frauen, wie sie das neue Zusammenleben gemeinsam bestreiten. Egal ob Sprachbarierre, laute Nachbarn oder unkooperative Ämter - zusammen stehen sie diese Dinge durch und daraus entsteht eine wunderschöne Freundschaft. Bianca Nawrath hat es geschafft, so ein furchtbares Thema mit sehr viel Innensicht und Selbstreflexion aufzuarbeiten, und gibt auch viel Raum für Anna, deren Kapitel ich beinahe am liebsten mochte. Ich bin begeistert und möchte auch in Zukunft noch alles von ihr lesen.
Ein tolles Konzept und ein interessanter Erfahrungsbericht. Doch irgendwann hat sich das anekdotische für mich etwas erschöpft. Letzten Endes hat mir das gefehlt, was im Nachtrag anklang: eine Beschäftigung mit der Frage nach Grenzen, sind sie noch zeitgemäß, wieso können wir (überwiegend) ukrainische Geflüchtete mit offenen Armen aufnehmen, nicht aber solche mit augenscheinlich muslimischen Wurzeln etc. Da hätte ich mir tiefe über die persönlichen Erfahrungen hinaus gewünscht. 3,5*
Eine bewegende, unterhaltsame und lesenswerte Chronik zweier Frauen, die wegen des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine aufeinandertreffen. Die Berlinerin Bianca stellt der vor dem Krieg geflohenen Anna ein Zimmer in ihrer Wohnung zur Verfügung. Über die nächsten 170 Tage lernen sich die beiden besser kennen, tauschen sich über deutsche und ukrainische Eigenarten aus und verbringen viel Zeit miteinander. Durch die Lektüre bekommt man einen Eindruck davon, was es bedeutet, vor einen Krieg in ein Land zu fliehen, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Eigenheiten erst durch eine Erklärung Sinn bekommen.