Eine vergessene Insel, ihr stiller König und die Sehnsucht nach einem Leben abseits der Welt. »Der Inselmann« ist das ebenso berührende wie sprachmächtige Porträt eines Außenseiters und eine Hymne auf den Eigensinn.
Anfang der Sechziger in einem entlegenen Teil Deutschlands. Das Ehepaar Roleder zieht auf eine unbewohnte Insel inmitten eines großen Sees. Es ist eine Flucht nach innen, vor der Stadt und der Wirklichkeit. Mit dabei ist ihr Sohn Hans, der auf der Insel ein neues Zuhause findet. Und noch so viel mehr. Denn mit der Zeit scheint der schüchterne Junge geradezu mit der Insel, den Bäumen, dem Laub, dem Moos und dem Gestein zu verwachsen. Hans wird zum König der Insel. Bis, mit dem Bescheid der Schulbehörde, die Realität in seine kleine große Traumwelt einbricht und ihn von Insel und Eltern trennt. Es ist der Beginn einer beschwerlichen Odyssee, gelenkt zunächst von gnadenlosen Institutionen des Staates und schließlich dem einen großen, pochenden Wunsch: zurückzukehren auf seine Insel, in die ersehnte Einsamkeit im Schatten der Welt. Doch: Wie wird die Insel, wie werden die Eltern ihn empfangen?
Dirk Gieselmanns Debüt ist die faszinierende literarische Studie eines Insellebens und erzählt von der Sehnsucht nach Einsamkeit in einer Gesellschaft, die das Individuum niemals alleine lässt, im Guten wie im Schlechten. »Der Inselmann« ist ein Roman, der nachhallt, voller berückender Bilder, leuchtender Sätze und magischer Kulissen.
4.5 stars Recommended by my Goodreads friend Maren who shares similar thoughts about the beauty of islands and island life, this was a very good read.
The beauty of the island in this story sits alongside its mystery, harshness and often brutal isolation.
Its isolation mirrors the protagonist’s lonely and harsh upbringing; a 10-year-old boy, learning to adjust to his new world after his parents moved onto the island. Its flora and fauna become his escape, perhaps a friend. He dreams, he thinks about life on the mainland back across the water, questions things and tries to cope. The island is his security blanket. To say more about the storyline would risk spoilers.
The author uses short sentences, minimal, often frosty dialogue, describes changes in the weather and seasons to help shape the story’s arc, adding to the atmosphere, mood and overall success of this novel.
I’ve added an extra half star for the opportunity to learn more German.
Deutsche Fassung:
4.5 Sterne Empfohlen von meiner Goodreads Freundin Maren, die ähnliche Gedanken über die Schönheit der Inseln und das Inselleben hat. Dies war eine sehr gute Lektüre.
Die Schönheit der Insel in dieser Geschichte geht einher mit ihrem Geheimnis, ihrer Härte und ihrer oft brutalen Isolation.
Dies spiegelt das einsame und harte Aufwachsen des Protagonisten wider: ein zehnjähriger Junge, der lernt, sich in seiner neuen Welt zurechtzufinden, nachdem seine Eltern auf die Insel umziehen. Die Pflanzen- und Tierwelt auf der Insel wird seine Zuflucht, vielleicht sogar ein Freund. Er träumt, er denkt an das Leben auf dem Festland auf der anderen Seite der See, hinterfragt und versucht, zurechtzukommen. Auf der Insel fühlt er sich geborgen, sie bietet ihm Sicherheit. Um Spoiler zu vermeiden, schreibe ich nicht mehr.
Der Autor verwendet kurze Sätze, minimale und oft nüchterne Dialoge, sowie beschreibt Wetter- und Jahreszeitenwechsel, um den Handlungsbogen zu prägen und so zur Atmosphäre, Stimmung und zum Gesamterfolg dieses Romans beizutragen.
Für die Möglichkeit, mehr Deutsch zu lernen, habe ich einen zusätzlichen halben Stern vergeben.
Intensiv, traurig, poetisch, für mich mit einem zu schnellen Ende, hätte gern noch länger gelesen.
Themen: Würde, Freiheit, Einsamkeit, Rückzug.
"Wie er versucht, diese Hindernisse zu überwinden, dabei strauchelt und sich immer wieder aufrichtet, welch ein zerbrechlicher und sanfter und doch starker Junge dieser Hans ist – das wollte ich so genau wie möglich beschreiben." - Dirk Gieselmann -
„Wer angekommen ist, hat weit zu gehen.“ (Tomas Tranströmer, aus: Aus einem afrikanischen Tagebuch, 1963 in: Sämtliche Gedichte)
Wenn ein Buch mit einem Donner-Satz wie „Es war so kalt, dass selbst der Wind fror.“ (S. 7) beginnt, hat der geneigte Leser nicht nur eine Gänsehaut vom Lesen, sondern womöglich auch DAS Debüt des Jahres vor sich. Vorausgesetzt, man lässt sich auf den folgenden gut 170 Seiten auf den lyrisch-reduzierten Schreibstil von Dirk Gieselmann ein, der mit „Der Inselmann“ (2023, Kiepenheuer & Witsch) ein famoses Erstlingswerk veröffentlicht hat.
Wie passt nun die Beschreibung des 1. Satzes zu der Überschrift dieser Rezension? Nun, auch in der Stille ist bzw. kann es laut sein – vorausgesetzt, man spitzt die Ohren und nimmt (ungewohnte) Geräusche, Klänge etc. wahr und lässt diese an sich heran.
Hans Roleder zieht in den 1960er Jahren mit seinen Eltern auf eine einsame Insel – genau verorten lässt sich der Ort der Handlung nicht, aber dass es auf dem Gebiet der ehemaligen DDR spielt, lässt sich durch Kleinigkeiten im Text erahnen.
Von Anfang an liegt eine Atmosphäre des Frostes über dem Text (s. erster Satz). Diese Kälte zieht sich dann auch wie ein roter Faden bis zum Ende, denn was die Leserinnen und Leser über Hans, seine Eltern, das (Zusammen-)Leben auf der Insel, den Umgang untereinander erfahren, lässt einem immer wieder eisigen Schauer über den Rücken laufen.
Und trotzdem: durch die einfühlsam reduzierte Sprache, die dadurch etwas Lyrisches bekommt (der Einfluss Tomas Tranströmers auf Herrn Gieselmann scheint nach meinem Eindruck sehr groß zu sein – ich meine das als Kompliment!), wird die (Lese-)Temperatur wieder erhöht, Ruhe kehrt ein und als Leser:in kann man sich fallen lassen in die Geschichte um den „Inselmann“, die für mich jetzt schon zu DEN Debüts und Büchern des Jahres 2023 gehört!
Wohlverdiente 10 von 5* Sternen und eine glasklare Leseempfehlung!
>>Die Insel ist der Gipfel eines Berges, der aus dem Wasser ragt, geformt von einem Gletscher im Winter der Welt. ...<< "Der Inselmann" von Dirk Gieselmann ist die Geschichte des Jungen Hans, dessen zentraler Dre- und Angelpunkt diese eine Insel inmitten eines Sees ist. In sehr leisen und melancholischen Tönen erfahren wir von eben dieser Insel, wieso Hans dort lebte und was ihn immer wieder dort hin zieht... sein Leben lang. Zudem erfahren wir auch etwas über ihn und seine Familie und was Hans ganz persönlich im Leben prägte, formte... und zu dem Mann machte, der er schließlich wurde. Das Buch hat nicht viele Seiten, aber jede einzelne steckt so voller Wortkraft! Dirk Gieselmann hat eine wie ich finde sehr besondere, nahezu poetische Art des Erzählens gewählt und baute für mich persönlich eine ganz besondere, einzigartige Stimmung auf, die mich an diese Geschichte, ja... an diese fiktive Legende fesselte. Zu viel darf man hier glaube ich gar nicht sagen, denn es ist für all jene, die den leisen Erzähltönen gerne folgen oder folgen möchte, all jenen denen Naturbeschreibungen und die Verbundenheit mit eben dieser am Herzen liegen sehr zu empfehlen! 📖💖 ✒Für mich persönlich war dieses Buch anders als erwartet und eben etwas ganz besonderes, das absolut heraussticht, mitunter durch diese wundervollen leisen poetischen aber auch melancholischen Erzähltöne.
Ein Junge steht mit seinem Vater und seiner Mutter am Ufer eines Sees. Sie warten auf einen Kahn, der sie auf eine Insel übersetzen soll. Es ist Winter, der Kahn kommt nicht, ist im Eis eingefroren. Als er die kleine Familie endlich zur Insel, ihrem neuen Zuhause bringt, wirkt dieses wie eine verlassene, unwirtliche Festung.
So fängt dieser außergewöhnliche Roman von Dirk Gieselmann an. Er erzählt die Geschichte eines Jungen, Hans, der in der Natur einer kleinen Insel, die für ihn „von Beginn an die größte der Welt“ ist, obwohl er sie in einer halben Stunde umrunden kann, eine Heimat findet. Er krönt sich selbst zum Inselkönig, macht sich den Ort zu eigen. Benennt beispielsweise die Bucht nach seinem einzigen Freund aus der Stadt, baut sich einen Kalender aus Kieselsteinen am Strand, sucht die Weihnachtsgeschenke für seine Eltern in der Natur und findet im Hund des verstorbenen Schäfers, der vor ihnen die Insel bewohnt hat, einen Freund.
„Hans wollte sie beide umarmen, den Vater, die Mutter, damit sie und diese Welt nicht gleich wieder zerbräche, ganz fest umarmen, damit alles heil bliebe und eins.“
Gieselmann schreibt in einer Sprache, die Bilder heraufbeschwört, die Landschaften vor dem inneren Auge flirren lässt. Das ist teilweise so beeindruckend, dass man bestimmte Sätze und Abschnitte noch mal lesen muss, weil man sie nicht gleich wieder vergessen, sondern festhalten möchte.
„Wohin zieht sich das Frühjahr zurück, bis es zurückkehren darf? Wo übersteht er den Winter?
Aber es sind nicht nur die Naturbeschreibungen, nicht nur das Leben des Jungen auf der Insel, die zu überzeugen vermögen. Es ist das Gesamtbild. Alles harmoniert miteinander, die Sprache ist durchgehend schön, die Geschichte bis zum Ende überzeugend. Selten liest man diese Art von Büchern, die bewegen, ohne tief graben oder laut schreien zu müssen. Die es schaffen, etwas in einem zu berühren, scheinbar mühelos. Und genau solch ein Buch ist „Der Inselmann“.
Dirk Gieselmann nimmt uns mit: Auf die Insel, auf die der zehnjährige Hans mit seinen schweigsamen Eltern zieht, und ein Stück weit in ein sprachliches Neuland, denn seine Sätze sind unverbraucht, seine Kreationen begeisterten mich.
"Der Inselmann" ist ein berührender Roman, ein melancholischer, einer, der wehtut. Gleichgültigkeit ist etwas Gutes in der Geschichte: Der Insel, die Hans als Rettung empfindet, die seine Sicherheit, Konstante und sein Glück ist, ist einerlei, was geschieht. Sie lässt ihn sein, wie er ist. Das ist etwas, das die Menschen in dem Buch nicht können.
Ich mochte Hans, seine feinfühlige und aufmerksame Art, seine interessanten Gedanken.
Inhaltlich ist schnell zu viel verraten.
Ich empfehle den Roman allen, die ruhige und bewegende Geschichten mögen, und mit Fragen, die unbeantwortet bleiben, klarkommen, denn nicht alles wird ausgeführt in diesem Buch voller Schweigen.
So viel Schönes und viel Trauriges haben sich in diesem kleinen, aber großartigen Buch vereint! "Der Inselmann" erzählt die Geschichte eines Jungen, der zum Inseljungen wird, dann zum Mann und schließlich zum Inselmann. Hans ist elf Jahre alt, als seine Eltern mit ihm die Stadt verlassen und sich auf den Weg machen - über's Wasser, über den See um genau zu sein, auf eine kleine, abgelegene Insel, die in Mitten dieses Sees liegt. Dort sind sie die einzigen Bewohner und Hans wird Stück für Stück eins mit der Natur. Er ist der selbstgekrönte König seiner Insel, findet Geborgenheit in der Einsamkeit und Stille, die ihn von nun an umgeben. Fremde Menschen werden ihm immer fremder, bis er allmählich und dann ganz plötzlich aus seinem Paradies verbannt wird. Dieses Paradies, das ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen wird. Dirk Gieselmann erzählt mit klarer Sprache von Inseln, von Jungen, von Walen, von Menschen, vom Erwachsenwerden und von Einsamkeit. Der Text liest sich sehr lyrisch, manchmal wie eine Ballade - Die Ballade vom Inselmann. Es handelt sich um eine Art Hybrid aus Gedicht, Roman, Sage, dunklem Märchen, eindringlich und einnehmend. Die Atmosphäre ist düster. Man hat es hier mit einer traurigen Geschichte zu tun. Vor allem aber ist es eine schöne Geschichte. Der Text selbst spricht mehrfach von diesem Gegensatz und es stimmt wirklich. Diese Geschichte ätherisch und voller Melancholie. Der Spannungsbogen wird eng gespannt und durchweg aufrecht erhalten. Der Text bildet von der Einstiegsszene bis zum Schluss ein stimmiges Gesamtbild. Erzählt wird nicht nur von Hans, sondern auch in kurzen Einschüben von den Menschen, die er trifft. Seinen matten Eltern, seinem besten Freund Kalle, seinem Widersacher Manne. Außerdem erzählt das Buch Geschichten über Inseln, ihre Bewohner und das Wasser, das sie umschließt. Der Roman ist dünn. Es liest sich leicht an einem Tag oder in einer Nacht. Erst einmal begonnen, wollte ich am liebsten gar nicht mehr aufhören ihn zu lesen. Das Buch hat mich begeistert. Es hat mir unwahrscheinlich gut gefallen. "Der Inselmann" ist mein erstes Highlight im Jahr 2023.
"Hans wollte sie beide umarmen, damit alles heil bliebe und eins." S.45
Hans ist zehn, als sein Leben sich ändert und er mit seinen Eltern auf eine einsame Insel im See zieht, die zu einem Fundament seines Lebens wird.
Ein Leben, auf das Hans fast schon stoisch reagiert, denn er erscheint dabei selten als Handelnder, sondern mehr als aufmerksamer Beobachter.
Hans der Beobachter Hans der Duldsame Hans der Geprüfte
Besonders gefiel mir in diesem Erstlingswerk die Sprache - Poetisch, ja fast lyrisch, begeisterte mich der sehr ruhige Erzählton. Die Sätze sind einfach, schmucklos und erschaffen trotzdem oder gerade deshalb eine Atmosphäre von ungeahnter Tiefe.
So prägnant die Sprache in diesem Buch ist, so vage bleiben viele Bereiche der Handlung. Weder die Zeit, noch der Ort werden greifbar und wirken eher nebelverhangen - was aber ganz hervorragend zur Atmosphäre des Buches passt.
Gleichzeitig ist Hans eher passiv, sein Leben geprägt von seinen Reaktionen auf die Entscheidungen und Handlungen anderer.
Dabei ist er aber alles andere als stumpf, seine Tiefe, seine Talente und seine liebevolle Beobachtungsgabe finden nur keine Möglichkeit sich im Außen auszudrücken.
Hans wirkt seperiert in dem Desinteresse der anderen, gefangen in in der seelischen Tristesse der ihn umgebenden Lieblosigkeit.
Für mich war Hans Lebensweg teils schwer zu ertragen, wie gerne hätte ich ihn zwischendurch gedrückt, ihm versichert, dass er gut ist, wie er ist. Gleichzeitig bin ich sehr begeistert von der geschickten Konstruktion, der sprachlichen Gestaltung, der atmosphärischen Umsetzung und habe jede Seite genossen.
Mit ihrem gesamten Besitz wurden Hans Roleder und seine Eltern an einem bitterkalten Tag auf die Insel gebracht. Mitten in einem Binnensee hatte dort mit seinem Hütehund bis zu seinem Tod ein Schafhüter gelebt, dessen Aufgabe Vater Roleder übernehmen wird. Wer sich zuvor schon keine neuen Schuhe leisten konnte, muss bitterarm sein. In einer Epoche, in der Männer im Krieg „im Osten“ gefallen sind und viele Menschen ihr Land verlassen, scheint Schweigen über die Gründe der Umsiedlung eine kluge Haltung zu sein. Die Laika-Mission verortet die Ereignisse zeitlich in den 50ern des vorigen Jahrhunderts. Die Eltern wirken verloren in ihrem Exil, so schweigsam, dass die Mutter ihre Sprache völlig verliert, weil sie sie nicht nutzt. In poetischer Sprache folgt der Autor seinem 10jährigen Protagonisten, wie er das „endliche Nichts“ seiner Insel erobert, ihre Extreme aus Eiseskälte und Nachtschwärze. Hans rätselt über den Tod des verstorbenen Schäfers, von dem der Vater weiß, dass ihn eine Kriegsverletzung folterte. Seine Einschulung bringt dem Jungen die Vertreibung aus seinem Kindheitsparadies durch alltägliche Schikane des Einzelgängers. Hinter Stacheldraht und Dornenhecken eingesperrt, werden die USA zum geträumten, unerreichbaren Königreich für ihn. Ein halbes Jahrhundert vergeht; Hans‘ weiteres Schicksal zerfasert in eine Zukunft, in der er als König der Insel zur Legende geworden ist. Die Menschen haben noch immer nicht gelernt, eigenwillige Zeitgenossen samt ihren Eigenheiten anzunehmen.
In Hans‘ Naturbeobachtungen bei der Eroberung seiner Insel sehr poetisch, verknüpft Dirk Gieselmann das Außenseitertum von Vater und Sohn zu einer berührenden Parabel über Ausgrenzung.
Bardzo chciałam, żeby ta książka mnie zachwyciła i momentami pojawiały się faktycznie błyski zachwytu - bo to przecież jest bohater z rodzaju takich, którzy zawsze kradną mi serce: nieprzystosowany, inny, uciekający w samotność, dzikość. Tu jednak nie mogę się pozbyć poczucia pewnego rozczarowania, zbyt rozmyte było to wszystko, zbyt niedookreślone, jakby autor lękał się lub nie potrafił spuentować tego, co zaczął snuć. Napisane jest to bardzo lirycznie, poetycko, trochę przypominało mi to nawet "Ptaki" Vesaasa, czegoś mi tu jednak zabrakło.
Ein wirklich schönes und gleichzeitig leicht trauriges Buch, dass einen in das Leben eines Jungen eintauchen lässt, welcher am liebsten fern ab von allen gesellschaftlichen Zwängen auf "seiner" Insel leben möchte. Jedoch kommt es nach kurzer Zeit auf der Insel anders und so bleiben vorerst nur Erinnerungen und Sehnsüchte.
Ich habe dieses Buch sehr genossen. Der Autor schafft es, dass man nach wenigen Sätzen in der Geschichte versinkt und nie Probleme hat wieder den Anschluss zu finden.
Der Inselmann ist ein Roman über einen zu Beginn 10jährigen Jungen, der mit seinen Eltern von der Stadt auf eine in einem See gelegene Insel übersiedelt. Der Leser erfährt nicht ausdrücklich, in welcher Zeit die Geschichte spielt, auch nicht in welchem Ort.
Hinweise deuten auf die späten 50iger und die beginnenden 60iger Jahre in Deutschland hin. Es herrscht materielle Not in der Stadt. Die Eltern sind arm. Der Vater "noch nicht alt, doch schon gebückt und abgezehrt". Der junge Hans liebt seine Eltern mehr als sie ihn. Der Vater sieht in der Übersiedlung auf die Insel den einzigen Ausweg aus dem unerträglichen Leben in der Stadt.
Nach der Übersiedlung leben Vater, Mutter und Kind Hans einige entbehrungsreiche, für Hans aber glückliche Jahre zu dritt auf der Insel. Bis der schulpflichtige Hans den Eltern entrissen wird und in ein Heim, genannt die Burg, gebracht wird. Hier bleibt er bis zu seinem 18. Lebensjahr unter sehr harten Bedingungen, wandert dann zurück in die Stadt und zum See, um nach einer Unterbrechung von einigen Jahren endgültig auf die Insel zurück zu kehren und dort bis ans Ende seiner Tage als Inselmann zu leben.
Der Autor schildert dieses Leben in eindrucksvollen, poetischen Worten. Die Insel erscheint als ein Ausweg aus der harten, trostlosen und einsamen Wirklichkeit. Die Eltern sind durch ihre Erfahrungen, so scheint es, zu verhärtet, um liebevoll sein zu können. Dem jungen Hans gelingt es dennoch, bis zu seiner Deportation auf die Burg, Zuflucht und so etwas wie Glück in der Natur der Insel und in ihren tierischen Lebewesen zu finden.
Diese Zeit wird sehr lyrisch beschrieben. Der Leser schöpft Hoffnung für dieses junge Leben, wie auch für die Insel und ihre Bewohner, als da wären Schafe, Vögel, Fische und vor allem der Hütehund Bull.Doch kann es gelingen, der Wirklichkeit und ihren Zwängen durch einen Rückzug in die Natur und durch einen Rückzug in sein inneres Selbst zu entfliehen ? Kann die Natur Trost spenden, um in einer harten menschlichen Umgebung zu überleben ? Ist das überhaupt möglich in einer Welt ohne liebevolle soziale Bindungen ? Liebevolle Zuwendung können die Eltern hier jedenfalls nicht geben.
All diese Fragen scheinen durch die Erlebnisse, die Hans in der Burg macht, beantwortet zu werden, und zwar mit "nein" ! Das Moor und die Burg, hierzu habe ich mir notiert: herzzerreißend schrecklich ! Und dennoch: Hans kehrt zurück, innerlich nicht zerbrochen, weil er sich an "seine" Insel erinnert und weil er in "seiner" Insel, so scheint es, sein Seelenheil gefunden hat. Ja, vieles "scheint" in diesem Roman zu sein: die Insel erwartet ihn und erwartet ihn nicht. Letztlich ist und bleibt das Individuum ganz alleine in seiner einsamen Existenz....
Der Roman hat mich zutiefst berührt. Ich kann gar nicht mal sagen wodurch eigentlich. Ist es die lyrische, mitfühlende, melancholische Sprache, die wunderschönen Naturbeschreibungen, das Leid der Protagonisten, das deutlich wird und die traurige Ausweglosigkeit menschlicher Existenz ?
Der Inselmann lässt mich in trauriger, aber nicht hoffnungsloser und schon gar nicht verbitterter Stimmung zurück. Das Leben ist schön, in all seine Facetten !
Poetische Traurigkeit Ein Junge zieht mit seinen Eltern auf eine kleine Insel in einem riesigen See. Sie verlassen die Stadt und alle anderen Menschen. Auf der Insel gibt es nur Schafe und einen Hund. Das Buch ist aus Sicht des Jungen Hans geschrieben und umfasst einen Zeitraum von über 70 Jahren. Zu Beginn ist er 9 Jahre alt. Die Beziehung zu den Eltern ist von seiner Seite aus sehr eng, aber von den Eltern her eher nicht. Er erwähnt mehrmals, dass er seine Eltern mehr liebt als diese ihn. Das hat mich schon recht traurig gemacht. Das dünne Buch bezieht sich immer nur auf einige Episoden, die aber in meinen Augen das Leben von Hans sehr gut charakterisieren. Es gibt eigentlich drei Zeiträume: Kindheit auf der Insel, Jugend in einer Art Besserungsanstalt, Erwachsenleben wieder auf der Insel. Hans hat ein sehr einsames Leben, scheint das aber gar nicht so zu empfinden. Heimweh verspürt er vor allem nach der Insel und dem Hund. Trotzdem kümmert er sich später liebevoll um die Mutter. Es ist ein einfaches, sehr hartes Leben. Vor allem die Jahre in der Anstalt. Ein Wunder, das sie ihn nicht gebrochen hat. Dort gab es nur Arbeit, Schläge und wenig zu Essen. Wie soll daraus bessere Menschen gemacht werden? Dabei sind die Wünsche von Hans nur sehr bescheiden. Dafür ist das Buch sehr wortgewaltig. Die Sätze sind sehr fein gedrechselt. Jedes Wort sitzt, vieles ist sehr poetisch. Manchmal vielleicht ein wenig Zuviel des Guten? Insgesamt habe ich die Lektüre sehr genossen. Mir gefiel auch der immer wieder aufkommende Vergleich mit einem einsamen Wal. Die Kindheit von Hans wird in den 1950iger Jahren angesiedelt (die Hündin Leika, die ins All geschossen wurde wird erwähnt). So führt sie auch fast bis in die Gegenwart. Trotzdem bleibt die Umgebung, das Land, in dem das Buch spielt sehr diffus. Es bekommt dadurch einen zeitlosen Charakter. Die beschriebenen Umstände außerhalb der Insel haben einen leicht dystopischen Touch. Ich musste an die DDR denken. Doch eigentlich spielt es keine Rolle. Wo und wann es angesiedelt ist. Mir wird Hans und sein einsames Schicksal noch lange im Gedächtnis bleiben.
"Der Inselmann" ist ein Debutroman des Autoren Dirk Gieselmann, umfasst 171 Seiten und erscheint im Frühjahr 2023 bei Kiepenheuer & Witsch. Der Roman spielt irgendwann in der Nachkriegszeit in Deutschland. Die Familie Roleder lebt mit Sohn Hans zur Miete in einer kleinen Wohnung, als die Eltern beschließen, auf die der Stadt vorgelagerte Insel zu ziehen. Hals über Kopf packen sie ihre sieben Sachen und setzen in Nebel und Kälte über. Auf der Insel herrschen keine idealen Bedingungen: die Schafherde wurde vom Schäfer verlassen, die Hütte heruntergekommen, der Hütehund verschwunden. Die stillen Eltern beginnen stoisch ihr Tagwerk, doch der junge Hans hat sein Paradies gefunden. Bis die Schulbehörde sein Verschwinden bemerkt und ihn in eine Besserungsanstalt abschiebt. Doch statt zu zerbrechen, überlebt Hans auch diesen Terror und geht weiter seiner Wege. Das Werk wird deutlich geprägt von seinem Sprachstil. Abgebrochene Sätze, starke Verben, Gedankensprünge machen das Lesen zuerst etwas schwierig. Doch wer sich darauf einlässt wird mitgenommen in eine ganz besondere Welt, in der es eben nicht viele Worte braucht, um trotzdem bleibende Eindrücke zu hinterlassen, in der Gedanken auch mal hin - und herspringen, in der nicht jede Ecke beleuchtet werden muss, sondern es dem Leser überlassen ist, die Lücke zu füllen. Hinzu kommen starke Protagonisten, die menschliches Leid erleben, daran zerbrechen oder ihrem Schicksal zeitweise entfliehen, um letztendlich doch davon eingeholt zu werden. Spätestens jetzt weiß man auch, das es kein fulminantes Happy End geben wird...und das ist absolut in Ordnung. Für mich ein wirklich empfehlenswertes Buch mit einer ausdrucksstarken Sprache, der man leider nicht oft begegnet.
"Той сега беше там, където му е мястото: на другия край на света. "
Романът на Дирк Гизелман "Островният човек" ще ви отведе надалеч. С един опустошително красив език, в един опустошително тъжен свят. Поздравления за появата ти, скъпи Дирк! ♥️ За книгата: Един забравен остров, неговият мълчалив крал и копнеж за живот далеч от света. Книгата ни дава представа за един толкова трогателен като езиков портрет аутсайдер, но е и химн към самите нас. Началото на 60-те години в отдалечена част на Германия. Двойката Роледер се мести на необитаем остров насред голямо езеро. Това е бягство надалеч, далеч от града и реалността. Заедно с нея е и синът ѝ Ханс, който намира нов дом на острова. И още толкова много. Защото с времето срамежливото момче сякаш расте с острова, дърветата, листата, мъха и скалите. Ханс става крал на острова. Докато един ден известието на училищното настоятелство го връща в реалността и неговия малък - голям свят се разбива, както и мечтите му. Отделя го от острова и родителите му. Това е началото на една трудна одисея, насочена в началото от безмилостни институции на държавата и накрая от едно голямо, нестихващо желание: да се върне на своя остров, към желаната самота в сянката на света. Но: Какво е останало от острова, как ще намери родителите си? Дебютът на Dirk Gieselmann е увлекателно литературно проучване на островния живот, което разказва за копнежа за самота в общество, което никога не оставя индивида сам, за добро или лошо. "The Islandman" е роман, който е пълен с успокояващи сетивата изображения- описания, ярки изречения и вълшебен пейзаж.
Der Inselmann von Dirk Gieselmann ist ein Leseerlebnis.
Ein Mann und eine Frau sowie ihr 10jähriger Sohn Hans ziehen auf eine abgelegen Insel. Dieses Buch ist sprachlich stark und ausdrucksvoll. Für mich ist es eine Überraschung, dass jemand heute noch über so eine Sprache verfügt, die wie eine imposante, kraftvolle Mischung aus Siegfried Lenz und Christoph Ransmayr wirkt.
Beispiel: Die Insel ist der Gipfel eines Bergs, der aus dem Wasser ragt, geformt von einem Gletscher im Winter der Welt.
Mich hatte der Autor schon dadurch, dass er seinem Roman ein Zitat von Tomas Tranströmer voranstellte. Dirk Gieselmann verzichtet auf einen journalistischen Stil und setzt dafür auf Naturbeschreibungen. Die Umgebung und die Kälte sind übermächtig. Getragen wird der Roman durch die Eindrücke, die auf den Jungen einwirken. Er ist von der Insel fasziniert. Der Blick eines 10jährigen wird hier glaubhaft wie selten gezeigt. Doch dann wird er für Jahre von der Insel in ein Internat verfrachtet.
Ort und Zeit werden nicht direkt benannt, aber vermutlich sind es die sechziger Jahre. Das kann man aus Sprache und dem Verhalten der Figuren schließen.
Mit 176 Seiten ist der Roman nicht umfangreich, aber er ist doch prall gefüllt mit sinnlichen, eindrucksvollen Beschreibungen. Ich denke, dass Buch ist nicht für jeden das Richtige, aber es gibt eine relevante Leserschaft, die ausgehungert nach so einer wuchtigen, melancholischen Sprache ist.
Der Inselmann ist ein literarisches Werk von Dirk Gieselmann, das Buch hat 176 Seiten und ist in 5 Kapitel gegliedert. Dieses Buch erzählt das Leben von Hans Roleder, der von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter mit dem gesellschaftlichen Leben verstimmt ist.
Aus Armut und anderen Gründen kam die Familie von Hans Roleder auf eine kleine Insel. Hans passte sich schnell an das Leben auf der Insel an, während Hans' Eltern sich Sorgen machten, über das Leben zu verbessern. Hans sieht sich als König der Insel und genießt unbeschwert die Zeit auf der Insel. Doch eines Tages erhielt Hans den Befehl, die Insel zu verlassen und zur Schule zu gehen, und sein Leben änderte sich...
Die Geschichte von Hans erinnert mich an den berühmten "Der kleine Prinz". Wie der kleine Prinz ist auch Hans ein einsamer Junge. Seine Insel ist der Planet des kleinen Prinzen. Er hat die schönsten Erinnerungen und besten Freunde auf der Insel. Der Schreibstil des Autors ist sehr schön und voller poetisches Gefühl, und er stellt die Charaktere der Figuren, das Leben und die Landschaft auf der Insel klar und lebendig dar. Obwohl seine Sprache prägnant ist, ist sie sehr faszinierend und es lohnt sich, sie immer wieder zu lesen. Ich bin sicher, ich werde es noch einmal lesen, wenn ich Zeit habe!
Leider hat mich die Geschichte überhaupt nicht berührt. Eigentlich bin ich sehr empfänglich für außergewöhnliche Geschichten, aber hier ist der Funke einfach nicht übergesprungen. Dennoch kann ich das Buch allen empfehlen, die sich gerne mit Sprache, Gedanken und Beschreibungen beschäftigen. Nur, weil es für mich nicht funktioniert hat, heißt es ja noch lange nicht, dass es bei anderen auch so sein muss.
Klappentext: Anfang der Sechziger in einem entlegenen Teil Deutschlands. Das Ehepaar Roleder zieht auf eine unbewohnte Insel inmitten eines großen Sees. Es ist eine Flucht nach innen, vor der Stadt und der Wirklichkeit. Mit dabei ist ihr Sohn Hans, der auf der Insel ein neues Zuhause findet. Und noch so viel mehr. Denn mit der Zeit scheint der schüchterne Junge geradezu mit der Insel, den Bäumen, dem Laub, dem Moos und dem Gestein zu verwachsen. Hans wird zum König der Insel. Bis, mit dem Bescheid der Schulbehörde, die Realität in seine kleine große Traumwelt einbricht und ihn von Insel und Eltern trennt. Es ist der Beginn einer beschwerlichen Odyssee, gelenkt zunächst von gnadenlosen Institutionen des Staates und schließlich dem einen großen, pochenden Wunsch: zurückzukehren auf seine Insel, in die ersehnte Einsamkeit im Schatten der Welt. Doch: Wie wird die Insel, wie werden die Eltern ihn empfangen?
Dieser Debütroman von Dirk Gieselmann hat es in sich, ein richtig gutes Buch. Es ist ein Roman über einen Mann, der nicht das sein dürfte was er im Grunde war: ein Einsiedler und glücklich mit sich selbst in der Natur. Die Natur verortet auf einer einsamen Insel in einem Binnensee, sein persönliches Paradies. Es geht um Hans Roleder, der mit 10 Jahren mit seinen Eltern auf diese Insel zieht. Sein Vater übernimmt das Amt des Schafshüters auf dieser Insel nachdem der vorherige an Kriegswunden leidende Schäfer verstarb. Die Geschichte scheint Ende der 1950er Jahren/zu Beginn der 1960er angesiedelt zu sein. Dirk Gieselmann schreibt sprachgewaltig. Nicht nur das Verschmelzen von Junge und Natur ist wunderbar beschrieben, auch wenn er dann die Insel verlassen muss auf Grund der Schulpflicht und „seiner“ Insel entrissen wird. Diese Ausgrenzung und das Aberkennen von Freude am Alleinsein ist prägnant und treffend portraitiert. Die Gesellschaft ein nromiertes Bild wie ein Kind, wie ein heranwachsender Mann zu sein hat und er, Hans, ist es nicht. Er, der König der Insel, möchte nur wieder an seinen Sehnsuchtsort. Fazit: Ein wirklich starkes Debüt, dass sprachlich glänzt und eine einfühlsame Geschichte erzählt.
Ein Außenseiter auf seiner abgeschiedenen, vergessenen Insel – ein trauriges Porträt. Berührend in seiner aussagekräftigen, bildreichen Wortwahl, zart in seiner detaillierten Beschreibung von kindlichen Kleinigkeiten, die in ihrer Wiederholung als Erinnerung im Erwachsenenalter des Inselmannes subtil an passender Textstelle immer wieder auftauchen - so wird ein fein gewebter Strang gezogen durch das recht einsame, traurige Leben eines schwachen, verträumten, schüchternen, armen, jedoch fantasiereichen Jungen, der den täglichen Anforderungen gegenüber den Eltern, der Schule, als Erwachsener scheinbar nicht gerecht werden kann. Dieser Hans Rohleder findet auf dieser an sich unbewohnten Insel sein geliebtes Zuhause, beschrieben in einem zarten, fast liebevoll berührenden Sprachstil. Die klare Beschreibung der Eltern, des Fährmanns, der Burg und auch ihr Zusammenleben mit Freunden in der Stadt spiegelt ein authentisches Bild wider in Armut, Einsamkeit und Angst. Ein berührendes Leseerlebnis!
Ausgehend von dem wunderschönen Cover, welches bereits Natur, Stille und Einsamkeit symbolisiert setzt sich dieser Eindruck auf allen Seiten dieses leider schlanken Buches ungebrochen fort. Durch die bildhaften Beschreibungen sowie aufgrund der sprachgewaltigen, teils poetischen Erzählung fühlte ich mich die ganze Lesezeit vor Ort; angesprochen waren alle Sinne, ich sah Farben und roch Gerüche. Hans zieht als kleiner Junge mit seinen Eltern auf diese Insel und wird dort eins mit der Natur. Einsam? War er einsam? Ich denke, nein, er ist in dieser Abgeschiedenheit unendlich glücklich. Bis in das Leben in die (für ihn grausame) Realität zurückbeordert und er für lange Zeit nicht mehr auf seine Insel kann und darf. Auch hier fühlt und leidet man mit, durchlebt mit Hans schmerzlich diese Jahre des Vermissens. Erst lange Zeit später gelingt es ihm zurückzukehren an diesen einzigen Ort, an dem er glücklich zu sein vermag. Die Formulierungen und der Schreibstil des Autors – ein großes Kompliment; wunderschön.
Ein kleiner Roman, der oft gleichzeitig traurig und schön ist. Es ist die Geschichte von Hans, der Anfang der 1960er Jahre mit seinen Eltern auf eine Insel zieht. Eine Insel, mitten in einem See. Die Stadt, ihre Menschen und all die guten und bösen Dinge, für die sie stehen, sind irgendwie greifbar nah und dennoch Welten entfernt. Die Beweggründe des Vaters bleiben ungeklärt, doch für Hans gleicht der Umzug auf die Insel dem Gang in eine neue Welt. Er hilft dem Vater bei der Arbeit mit den Schafen und zieht auf der Insel umher mit seinem treuen vierbeinigen Begleiter. Die Insel ist sein Königreich und Hans ist der König. Bis eines Tages die Nachricht kommt, dass Hans zur Schule muss. Bildung ist hierbei scheinbar nie die Priorität; es geht einzig darum, dass die Eltern und vor allem Hans sich fügen müssen. Die Gesellschaft und ihre Institutionen zeigen sich hier von ihrer grausamsten Seite; Hans‘ Kindheit wird brutal geopfert. Endlich erwachsen begibt er sich auf die Reise zurück auf die Insel, zu seinen Eltern, seinem Hund, seinem Zuhause und sich selbst. Mit der Metapher eines einzelnen Wals werden immer wieder Einsamkeit und Alleinsein gegenübergestellt. Hans, der als kleiner Junge weit weg von den meisten anderen Menschen ein für Außenstehende einsam wirkendes Leben auf der Insel führt vs. Hans, der als Jugendlicher in Institutionen in „Gemeinschaft“ leben muss. Erzählt wird ganz wunderbar melancholisch.
Von dem Cover war ich sofort angezogen, und das hat dann das Buch weiter fortgesetzt - insbesondere auch wegen dem schönen, poetischen Schreibstil. Eine Familie flüchtet vor der Gesellschaft, vor dem Trend der Zeit - sie zieht auf eine Insel. Wobei ist nicht das auch ein Trend der Zeit? Flucht aufs Land? Weg von den Menschen? Also gehen sie doch mit dem Trend der Gesellschaft? Kann man sehen, wie man möchte.
Im Laufe der Zeit etabliert sich still und heimlich ein Inselkönig - damit beginnen dann auch die Probleme. Die Realität dringt sehr schnell in die einstige Traumwelt der Familie ein. Kann man überhaupt glücklich werden, wenn man die Flucht ergreift?
Für mich war das Buch eine wunderbare Erzählung, in die man sehr gut einsteigen kann - das Buch regt auch zum Nachdenken und weiterphilosophieren an. Von mir gibt es eine Empfehlung - es hat mich gut unterhalten.