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Das Leben des Friedrich Schiller: Eine Wanderung

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Wandernd, wie der Untertitel verheißt, will Sigrid Damm sich ihrem Objekt annähern. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Blick. Die bronzene Klassikerstarre, die Friedrich Schiller anhaftet, versperrt noch heute vielen den Weg zu ihm. Eine neue Form musste her, weder wissenschaftliche Biografie noch biografische Romanform. Wie im Selbstgespräch versunken, gleichsam meditierend, arbeitet die Biografin über die Entstehungsgeschichte seiner Werke einen Dichter heraus, dessen Vita neben der des dionysischen Goethe stets merkwürdig abgedunkelt erscheint. Sigrid Damm schaltet einfach das Licht an. Und schlagartig wird es hell um den Menschen Friedrich Schiller.

Die äußere Ereignislosigkeit des biografischen Lebenswegs erstaunt. Stuttgart, Mannheim, Jena, Weimar. So lautet die Simpelstrecke des jungen Stuttgarter Regimentsmedicus, der 1782 am Mannheimer Nationaltheater mit seinen Räubern zum „teutschen Shakespear“ aufstieg, wie die Presse jubelte. Bereiste der spätere Freund und Rivale Goethe südliche Zonen, ließ sich von außen inspirieren und meißelte schon früh an seiner Büste für die Nachwelt, so taugte der Idealist Schiller wenig zum Star und schöpfte einzig aus seinem überreichen Innenleben. Keinen der zahlreichen Handlungsorte seiner Dramen hat er je zu Gesicht bekommen. Wenig weltläufige empfand er sich als „Thier, dem gewiße Organe fehlen“.

Obwohl fast ein Nationalheld, gestaltete sich Schillers künftiges Leben als wilde Abfolge aus chronischer Geldnot, Schulden, Spiel- und Verschwendungssucht, diversen Krankheiten und noch diverseren Liebschaften. Fast scheint es, als hätte er um seine kurze Lebensspanne gewusst. Das Ergebnis seines Arbeitsrausches ist bekannt. Der Dichter als Individuum zählte dabei nicht, alles wurde dem Werk untergeordnet. Vielleicht ein Erklärungsmuster für den Schleier, der über der Person liegt -- und den Sigrid Damm lüftet.

Durchsetzt von einer wahren Zitatensammlung, fließend eingewoben in den Text, wird eine ganze Epoche lebendig. Dies erinnert an den Überraschungserfolg Christiane und Goethe, mit dem Sigrid Damm sich monatelang in den Bestsellerlisten aufhielt. Dieses kleine Wunder könnte sich leicht wiederholen. Schiller möchte nun entdeckt werden. --Ravi Unger

489 pages, Hardcover

Published August 31, 2004

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Sigrid Damm

38 books6 followers

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Ernst.
655 reviews30 followers
March 10, 2025
Bin Schiller und Goethe noch nie so nahe gewesen, die Autorin hat wirklich ein schönes Buch daraus gemacht, sie selbst hält sich als Biografin ganz weit im Hintergrund auf, äußerst selten bringt sie etwas von sich ein. Ich bin kein geübter (und auch kein besonders enthusiastischer) Biografie-Leser, kann daher nicht richtig beurteilen, was eine gute Biografie ausmacht. Ich kann bloß sagen, dass mir gut gefallen hat, wie Damm es macht. Sie bewegt sich immer ganz nahe an der Hauptfigur, alles scheint bestens belegt, sie verwendet sehr viele Zitate aus Briefen und weist immer drauf hin, wenn mal Belege fehlen.

Ich war schon drauf und dran 5🌟auszupacken, weil es mich dermaßen überrascht hat, dass ich ein biografisches Werk mit diesem Umfang so gebannt bis zum Ende verfolgt habe. Allerdings, klitzekleine Einschränkung, ab ca. der Hälfte hatte es ein paar Längen, wo ich über einzelne Seiten dann etwas schneller drübergeflogen bin. Aber es wurde immer wieder spannend.
Inhaltlich hat mir die erste Hälfte wahrscheinlich auch deshalb mehr zugesagt, weil dieser lebenskünstlerische Existenzkampf Schillers - zwischen Geldmangel, quasi politischer Verfolgung, Asyl, Schulden machen, Gläubiger hinhalten, dann doch wieder jeden kleinen Geldsegen beim Kartenspiel verzocken, oder für Luxus beim Fenster rauswerfen - noch unmittelbarer/drastischer geschildert war, als teilweise die späteren erfolgreicheren Jahre, die sich intensivierende Freundschaft zu Goethe. Große Anteilnahme habe ich hingegen durchgehend bei seiner Krankheitsgeschichte empfunden.

Was ein bisschen schade ist, aber das wäre wahrscheinlich zuviel verlangt, ist dass man wenig vom Drumherum, vom Lebensalltag der Menschen, außerhalb der Dichterfürstenblase, erfährt, aber dazu gibt es natürlich andere historische Bücher.
Profile Image for Heike.
Author 9 books3 followers
November 17, 2018
In "Das Leben des Friedrich Schiller" entwirft Sigrid Damm ein sehr gründliches Bild Schillers, unterstützt durch zahlreiche, gelungen in den Text eingefügte Zeitzeugenzitate. Es gelingt nicht immer so gut, solche Zitate derart angenehm in den Text einzubauen, und obwohl dies die dritte oder vierte Schillerbiographie ist, die ich las, erfuhr ich doch noch neue Informationen. Hauptsächlich sind es die Worte von Schiller selbst, die wir hier lesen können, gut in den Kontext gesetzt, aber auch viele Weggefährten kommen zu Wort. Auf viele Aspekte, die in anderen Biographien nur am Rande (wenn überhaupt) vorkommen, geht Sigrid Damm angenehmer Ausführlichkeit ein. Die Beziehung Schillers zu seinen Eltern ist zum Beispiel in diesem Buch gut beleuchtet worden, auch über die Eltern selbst gibt es Hintergrundinformationen. Das, was mir in Safranskis Biographie oft gefehlt hat: der Mensch Schiller, findet sich hier auf sehr erfreuliche Weise. Die Persönlichkeit, das Wesen Schillers, sein Umgang mit seiner Vaterrolle, seine sehr direkte Art, die Mischung aus Empfindlichkeit und fehlender Diplomatie, all dies wird hier gut dargestellt, hilft, auch den Menschen hinter dem Werk kennenzulernen. Lediglich die Ehe kommt ein wenig zu kurz.

Schillers Werk selbst wird ebenfalls gut dargestellt, wenn auch manchmal ein wenig mehr Ausführlichkeit hier willkommen gewesen wäre. Interessant die spannungsreiche Beziehung zwischen Schiller und Herzog Carl August, die auch durch einige Zitate aus Briefen Carl Augusts gut illustriert wird. Normalerweise kommt der Herzog selbst in derlei Biographien kaum zu Wort, so wurde auch er hier für den Leser etwas anschaulicher.

Sigrid Damm schafft es sehr gut, dem Relevanten genug Raum zu geben und sich nicht zu sehr in Nebensächlichkeiten zu verlieren. Dadurch liest das Buch sich flüssig. Etwas störend fand ich, daß sie sich selbst immer wieder ins Spiel brachte. Am Anfang des Buches steht ein ausführlicher Bericht, wie sie früher zu Schiller stand, wie sich dem Werk und dem Menschen näherte. Auch später kommen immer wieder Einschübe über ihre Besuche an manchen Orten, ihre Gedanken bei diesem und jenem - ich finde es immer eher unangenehm, wenn ein Autor sich derart in den Vordergrund schiebt. Wenn ich eine Biographie über Schiller lese, dann, weil ich etwas über Schiller erfahren möchte. Wann und warum der Autor der Biographie Schiller für sich entdeckt hat, oder welche Gedanken beim Anblick des Grabes der Mutter aufkommen, ist für mich nicht relevant.
Der andere Kritikpunkt ist die - mir schon aus anderen Büchern bekannte - Vorliebe Sigrid Damms für unvollständige Sätze bei der Einleitung oder Zusammenfassung eines Themas (zB "Die Nachricht vom Tod der Schwester. Die Trauer der Eltern um den Verlust der Tochter. Elisabetha Dorotheas Angst um den Ehemann." oder "Schillers Vorliebe für Geschichte. Sein Interesse am Wallenstein-Stoff, den er bereits als Historiker bekundet hat."). Gerade inmitten des ansonsten so angenehm lesbaren Stils fallen sie auf und sind zumeist ohnehin überflüssig.
Manche Absätze bestehen lediglich aus einer Aneinanderreihung von Fragen ohne Antworten. Auch dies finde ich überflüssig. An manchen Stellen können wir nur mutmaßen, das ist normal. Die Mutmaßungen müssen dem Leser aber nicht vorgekaut werden.

Erfreulich ist es, daß Sigrid Damm meistens die Zeitzeugen sprechen läßt und ihre Interpretationen den Leser nicht aufdiktiert (was die Autorinnen von "Schillers Doppelliebe" leider nur zu gerne taten). Sie schildert zum Beispiel zwar ihre Eindrücke des Goethe-Schiller-Denkmals (welche sich von meinen grundlegend unterscheiden), maßt sich aber nicht an, die Freundschaft der beiden Dichterfürsten zu beurteilen oder kleinzureden. Sie läßt die beiden Freunde und andere Zeitzeugen zu Wort kommen. Das geschieht auch bei anderen Punkten und gefiel mir sehr gut (leider wurde diese Neutralität aber nicht durchgängig beibehalten).

So ist dieses Buch recht lebendig und erfreulich zu lesen, für mich eine hervorragende Ergänzung zu Safranskis Schillerbiographie, weil der Mensch und sein Umfeld hinter dem Werk hervortritt. Die oben genannten Eigenheiten der Autorin haben für mich an manchen Stellen das Lesevergnügen ein wenig beeinträchtigt, im Ganzen kann ich das Buch aber sehr empfehlen.
690 reviews7 followers
April 10, 2015
Gut zu lesende Biographie, in die sich angenehm auch die Autorin immer wieder einschaltet. Nicht stringent erzählt, sondern mit Gedanken, Fokussen und Besonderheiten gespickt. Einige Punkte und Geschichten hätte ich gerne etwas ausführlicher beleuchtet gehabt, aber da hat jeder seine Schwerpunkte. Nach der Goethe-Safranski-Biographie die perfekte Fortsetzung mir Schiller. So macht Literaturgeschichte Spaß.
Profile Image for Bela.
9 reviews
February 26, 2024
Hat mich 100% nerviger gemacht und die Schiller Obsession in die Wege geleitet
2 reviews
November 9, 2025
Sigrid Damm führt uns durch das Leben von Friedrich Schiller und seinen Gefährten, gewährt uns dabei einen tiefen Einblick in die privaten Hinterlassenschaften dieser Gesellschaft und erzeugt dadurch ein sehr tiefgehendes Porträt der Person Schiller, aber auch vieler anderer Personen, die in diesem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben – und auch von der damaligen Zeit. Es ist schon schade, dass das Zeitalter der Briefe vorbei ist; wie wenig werden wir unserer Nachwelt zum Durchstöbern hinterlassen …
Mir sind Schiller und seine Zeitgenossen sehr ans Herz gewachsen, und es ist immer schön, wenn einem bewusst wird, wie wenig man doch weiß, wie oberflächlich die eigenen Gedanken zu Themen sind, von denen man glaubt, einen befriedigenden Überblick zu haben – bis man tiefer in die Materie eintaucht. Es war mir eine große Freude, mehr über diesen Menschen und über seine Zeit zu lernen, und wie gesagt: Gerade Schiller ist jemand, den ich während meiner Lektüre tief ins Herz geschlossen habe. Interessanterweise konnte ich schon immer mehr mit Schiller als mit Goethe anfangen, aber das basierte noch auf ein idealisiertes, mythisches Bild der Figur Schiller. Die Nähe am Menschen Schiller – soweit es Briefe und Zeugnisse erlauben – hat mein Bild von ihm aber in keinster Weise geschwächt, sondern nur vergrößert und verstärkt.
Das Buch hat durchaus Längen, diese aber wiederum haben auch einen Mehrwert, indem sie tiefere Einsicht und Verständnis erzeugen. Auch bin ich nicht immer ganz von der Erzählung Sigrid Damms überzeugt, spüre, dass noch mehr möglich gewesen wäre, kann aber auch nicht bestreiten, dass sie eine überaus einfühlsame und kompetente Reiseführerin gewesen ist. Alles in allem also eine Leseempfehlung für alle, die dem behandelten Thema etwas abgewinnen können.
723 reviews3 followers
January 6, 2023
Really nice journey through the life of Schiller.
Displaying 1 - 6 of 6 reviews

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