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Die äußere Ereignislosigkeit des biografischen Lebenswegs erstaunt. Stuttgart, Mannheim, Jena, Weimar. So lautet die Simpelstrecke des jungen Stuttgarter Regimentsmedicus, der 1782 am Mannheimer Nationaltheater mit seinen Räubern zum „teutschen Shakespear“ aufstieg, wie die Presse jubelte. Bereiste der spätere Freund und Rivale Goethe südliche Zonen, ließ sich von außen inspirieren und meißelte schon früh an seiner Büste für die Nachwelt, so taugte der Idealist Schiller wenig zum Star und schöpfte einzig aus seinem überreichen Innenleben. Keinen der zahlreichen Handlungsorte seiner Dramen hat er je zu Gesicht bekommen. Wenig weltläufige empfand er sich als „Thier, dem gewiße Organe fehlen“.
Obwohl fast ein Nationalheld, gestaltete sich Schillers künftiges Leben als wilde Abfolge aus chronischer Geldnot, Schulden, Spiel- und Verschwendungssucht, diversen Krankheiten und noch diverseren Liebschaften. Fast scheint es, als hätte er um seine kurze Lebensspanne gewusst. Das Ergebnis seines Arbeitsrausches ist bekannt. Der Dichter als Individuum zählte dabei nicht, alles wurde dem Werk untergeordnet. Vielleicht ein Erklärungsmuster für den Schleier, der über der Person liegt -- und den Sigrid Damm lüftet.
Durchsetzt von einer wahren Zitatensammlung, fließend eingewoben in den Text, wird eine ganze Epoche lebendig. Dies erinnert an den Überraschungserfolg Christiane und Goethe, mit dem Sigrid Damm sich monatelang in den Bestsellerlisten aufhielt. Dieses kleine Wunder könnte sich leicht wiederholen. Schiller möchte nun entdeckt werden. --Ravi Unger
489 pages, Hardcover
Published August 31, 2004