Nach vielen Jahren wiedergelesen. Ehrlich, es gibt bessere (Kinder-)Bücher über die Zeit...Klaus Kordon zum Beispiel.
Recheis deckt zwar das ganze sog. Tausendjährige Reich ab, aber die sehr kurzen Kapitel sind oftmals eben doch nur Erinnerungssplitter, man könnte das dichter erzählen.
Trotzdem ist das Buch wertvoll - nicht nur, weil Erinnerungen von Zeitzeugen heute noch wertvoller sind als vor 30 Jahren, als das Buch erstmals erschien. Sondern auch (und darüber kann man streiten), weil das Buch Zeugenschaft, Hilflosigkeit und Gewissenskonflikte vieler, die immer dagegen waren, fortwährend thematisiert (es ist heute sehr einfach, zu sagen, man selbst wäre dagegen gewesen und hätte Widerstand geleistet - und andererseits ist auch klar, daß die meisten Opfer des NS den Luxus dieser Entscheidung auch nicht hatten). Andererseits zieht Recheis die richtigen Schlüsse, und die sind heute oft vergessen, beispielsweise, wenn man an Aktionen wie "Sucht uns" des deutschen ZPS und die Reaktion der Verantwortlichen auf die Kritik daran denkt:
"Wir sollten wachsam sein gegen die Anfänge, auch in uns selber, sogar wachsam gegen unseren eigenen Idealismus, wenn er Andersdenkenden keinen Platz mehr läßt und sie zu 'Feinden' macht. Wir sollten uns bewußt sein, daß jede Intoleranz gegen Menschen, die anders sind als wir, schon die Wurzel kommenden Unrechts in sich trägt."