Im voraus, würde mir jemand das Buch in die Hände drücken ohne mir zu sagen, welches Genre es ist oder worum es sich handelt, würde ich dem wahrscheinlich zwei Sterne geben. Es erhält aber nur einen da es komplett am Ziel verfehlt, dass sich der Author mehrfach in diesem Buch gesetzt hat.
Dieses Buch soll nämlich Hard-Sci-Fi sein. Das einzige Harte an diesem Buch war wie hart es zu lesen war.
Selbst wenn man die Endauflösung, wo Träume über quantenmechanische Verbindungen als Botschaften dienen sollen , beseite legt, es fehlt grundlegend an Verstand in diesem Buch. Zweierlei Probleme sind präsent: a. einfache Zusammenhänge werden als imposante Herausforderungen dargelegt (siehe, dass die Lösung von x^2/(x+1) gegen Unendlich eine schwierige Frage sein soll, oder dass der Physikdoktorandin von Grund auf erklärt werden muss, wie ein Rasterelektronenmikroskop funktioniert) und b. es fühlt sich sehr danach an, als ob sich Situationen ausgedacht worden sind und dann alles massiert worden ist, um diese entstehen zu lassen (siehe so ziemlich alles beim Alien. Ist schön und gut, dass es einen niedrigen Metabolismus hat, das bedeutet trotzdem nicht, dass ein riesiger Tropfen an Blut, der alle paar Minuten zirkuliert, genug zur Osmose von Nährstoffen beiträgt. Ist halt nur dafür da damit die Astronauten, die in der Arterie rumhängen, davor wegrennen müssen. Das super langsame Denken ist auch nur dafür konzipiert, dass man das Alien davor nicht verstehen kann. Ein Winterschlaf ähnlicher Zustand wäre viel, viel sinnvoller als einen Gedanken alle paar Tage zuende zu bringen. An sich ist das auch nicht verwerfenswert, aber nenn es dann bitte nicht harte sci fi. Man kriegt den Eindruck, dass der Author sich vollständig an seinem Wissen aus der Schule orientiert hat und sich nicht weiter darüber Gedanken gemacht hat.
Charakterbeschwerden habe ich auch ein paar. Zu erwarten, dass alle Charaktere zu jederzeit sich komplett logisch und bedacht verhalten ist Unsinn. Aber dass die Hauptcharakterin einen Rivalen im Astronautenprogramm dabei erwischt, wie er bei der finalen Prüfung am fuschen war, die gesamte Prüfung durch, und dann nichts sagt weil sie ihm dann seinen Traum wegnehmen würde durch ihr Handlen???? Was???????? Und dass dieser dann später sich absichtlich den Arm bricht, damit sie doch auf die Mission an seiner Stelle gehen kann weil er sich schuldig fühlt?????? Was für einen Unsinn ist das denn? Das gesamte Buch lang wird zudem auch noch eine recht trockene Beziehung zwischen der Hauptcharakterin und ihrem Chef behandelt, aber das wird damit beendet, dass sie ihm einen Brief schreibt und gut ist? Immer wieder kriegt man den selben Eindruck, es wurden sich Situationen ausgedacht und alles wurde mit Krachen gebogen, dass diese dann auch passieren.
Persönlich fand ich das Pacing zudem ziemlich durcheinander. Es wird zu viel Zeit an den Momenten verbracht, die nicht super relevant waren, aber dann zu wenig an den Momenten, wo man tatsächliche Interaktionen hätte aufbauen können. Die ganzen Tode haben mich völlig kaltgelassen. Alles, dass wir von Gabriella wussten, ist dass sie mit einem Typen auf der Mission eine Beziehung angefangen hat, dass die Spanierin war, und dass sie Ingenieurin war. Ähnlich auch den anderen, die einzige Person, die tatsächlich behandelt worden ist, ist die Hauptcharakterin.
Persönliche Kommentare noch, der Author ist sehr offensichtlich in SpaceX und Elon Musk verliebt. Sehr sehr offensichtlich. Das konstante rumgehacke auf der NASA und generell allen Regierungsprogrammen beiseite, es ist lustig, dass einer der Hauptgründe warum die Mission mit dem Starship geflogen wird ist weil im Buch das SLS explodiert wo in der Realität SpaceX Feuerwerkshows liefert (ja, mir ist bewusst, dass das SLS viel zu teuer ist). Außerdem, "sein bubenhaftes Grinsen", "typisch für ihn als Raketeningenieur"? Ich glaube, ich könnte kotzen. Das hier wurde 2022 veröffentlicht! Es war schon länger klar, dass Musk ein Arschloch war! Die konstanten Kommentare bezüglich wie unsinning Regierungen sind wurden auch irgendwann alt.
Übrigens, dieses Buch tropft nur mit Sinophobie. Gefühlt jede Interaktion mit einem Chinesen kommt jedes Mal Misstrauen auf, dass die ja alles klauen wollen würden, dass sie die Mission sabotieren wollen würden, was denken die wirklich weil die ja konstant überwacht werden würden. Man kann auch nach einer Weile damit aufhören, mein Gott.
Letzter Kommentar, aber ich muss auch noch erwähnen, dass die Frauen auf der Mission eine 100% Todesquote und die Männer 0%, trotz 4/2 überlegen zu sein. Weiß nicht ob es absichtlich war oder nicht, aber irgendwie fand ich es auffällig? Lustig? Weiß es nicht ganz. Und warum hat eigentlich nur Hongbo das Raumfahrtzentrum nach ihr benannt bekommen? Waren die anderen beiden nicht wichtig genug, um erwähnt zu werden (dem nach, was im Buch geschah tatsächlich schon).
Zuletzt, die Prose ist jetzt auch nicht das gelbe vom Ei. Jede Metapher muss direkt danach erläutert werden, die Satzkonstruktion ist Wirrwarr, und in jedem Kapitel findet man mehrere Schreibfehler.
Allgemein war es für mich eine Übung darin, ein schlechtes Buch zu lesen um bessere wertschätzen zu können.