Das schöne und traurige Leben von Marke, Herrscher zu Tintâgel, von ihm selbst erzählt.
Man kennt ihn als den betrogenen Ehemann - in ihrem fulminanten Roman erzählt Viola Alvarez die Geschichte von Marke, dem legendären König von Cornwall, seiner Frau Isolde und deren Liebhaber Tristan, neu. Befallen von einer unerklärlichen Starre, lässt Marke sein Leben an sich vorüberziehen: seine harte Kindheit in der Bretagne, seine Zeit als mächtigster Herrscher der Britischen Inseln, seine Zwangsheirat mit der naiven Isolde und seine Begegnung mit Brangaene, der großen Liebe seines Lebens, der einzigen Frau, die ihn retten kann ...
Alvarez studied German, History and Scandinavian Studies in Freiburg. She publishes novels. In addition, she works as a lecturer and consultant in leadership development and gives seminars for personality development.
As assistant director and dramaturge Alvarez initially worked at the Hamburger Theater. Later in Cologne she founded together with her husband, the storytellers project 'In Bocca Al Lupo "(now Galant Theatre), where they also staged themselves and whre she worked as a director for seven years
Alvarez is the proprietor of an Institute for Management Development, and lives in the Rhineland.
König Marke von Cornwall kennt man aus der Legende von Tristan und Isolde als eifersüchtigen Ehemann. In diesem Buch lässt ihn Viola Alvarez selbst zu Wort kommen - während er durch eine merkwürdige Lähmung ans Bett gefesselt ist, schweifen seine Gedanken zurück über seine Lebensgeschichte.
Als Siebenjähriger wurde er, wie es unter Adeligen Sitte war, bereits zu Verwandten in die Bretagne geschickt, um dort in verschiedenen Dingen ausgebildet zu werden. Sein Vater starb kurz nach seiner Abreise, seine Schwester, die kurze Zeit später geboren wurde, hat Marke noch nie gesehen. Er lernt bei den eher rauhbeinigen Bretonen kämpfen und töten - und trifft einige Jahre später als Halbwüchsiger die faszinierende "Loba", eine französische Gräfin, die ebenfalls zu seiner Verwandtschaft gehört und ihm nicht mehr aus dem Kopf geht.
Bei seiner Rückkehr nach Cornwall findet er verbrannte Erde vor, die Iren fallen ein ums andere Mal im Land ein, auch seine Heimat, Burg Tintagel, ist ziemlich heruntergekommen. Marke übernimmt die Herrschaft von seiner Mutter, die stellvertretend für ihn regiert hatte, und versucht in einem langen, schwierigen Prozess, das Land zu schützen, die Burg zu modernisieren und wichtige Bündnisse zu schließen.
Den Wunsch zu heiraten hat er nie verspürt, die wichtigste Frau in seinem Leben ist seine Schwester, die er zärtlich "Fluflu" nennt. Eines Tages jedoch muss er sich dem Druck von außen beugen und aus taktischen Gründen Isolde von Irland ehelichen, in seinen Augen eine kleine dumme Gans, die nur Augen für den begabten Sänger und Musiker Tristan hat.
In Isoldes Gefolge befindet sich jedoch eine Frau, die Marke ebenbürtig ist. Brangaene ist schön, klug und geistreich, alles, was Isolde nicht ist ...
"Das Herz des Königs" ist kein alltäglicher historischer Roman und hebt sich angenehm von den vielen Klischeebüchern ab, die es auf dem Gebiet gibt (Ausnahmen bestätigen die Regel...)
Viola Alvarez schreibt in einer ausgefeilten und trotzdem ungekünstelten Sprache, flüssig zu lesen und dabei ein Genuss. König Marke wird weder schöngeredet noch verteufelt, er ist einfach ein Mensch mit Fehlern und Stärken, dem auch ein herrlich ironischer Humor eigen ist, über den man einfach schmunzeln muss. Genauso tief empfindet man mit ihm seine Verzweiflung über falsche Entscheidungen oder die Liebe zu Fluflu und später Brangaene.
Auch die anderen Figuren sind selten einseitig gezeichnet, von ein, zwei Bösewichtern abgesehen.
Zwischen den Kapiteln eingestreut sind kleine Auszüge aus der Chronik Cornwalls in mittelalterlicher Sprache (keine Angst, eine Übersetzung findet sich gleich darunter) sowie Gedichte und Lieder von Chronisten und Barden aus jener Zeit. Ob diese Einsprengsel authentisch oder von Frau Alvarez gut erfunden sind, wird nicht geklärt (ein Nachwort mit Informationen über die historischen Hintergründe des Buches ist das einzige, was mir bei dem Buch ein wenig gefehlt hat).
Dies ist eines der Bücher, die man am Schluss nur seufzend beiseite legt und am liebsten gleich noch einmal aufschlagen möchte. Viola Alvarez ist definitiv eine Entdeckung auf dem Gebiet des historischen Romans.
Ich liebe die Legende von Tristan und Isolde, die ich schon in zahlreichen Varianten gelesen, gesehen und gehört habe. Dieses Buch erzählt alles aus der Sicht König Markes in Form eines langen Bewusstseinsstroms. Besonders gefallen mir die eingeschobenen Briefe zwischen Romancharakteren sowie Auszüge aus Legende und Chronik. Wenn ich könnte, gäbe ich diesem Buch noch viel mehr Sterne.