In einer Erzählung träumen sich zwei Frauen auf eine WG-Party, tanzen in der leeren Küche und schlafen danach miteinander auf dem Fußboden. In einer anderen erlebt die Erzählerin eine aufwühlende Sommernacht mit ihrer Geliebten und malt sich am nächsten Tag die gemeinsame Zukunft, bereits aber auch das ernüchternde Ende aus.
Darja Kellers Erzählungen handeln von der Magie des Kennenlernens, von Sehnsüchten, Trennungen und Verletzlichkeit. Es geht um das Allein- und Zusammensein, um das erste und das letzte Mal. Vor der Kulisse Zürichs kreist Keller in Sihl City um die Bedeutung der Imagination und der Fantasie für das eigene Begehren. Hätten ihre Texte ein Credo, so wäre es vielleicht: »Stell dir vor.«
Liebevolles Portrait von Zürich im Sommer, von verheissungsvollen Begegnungen und den kleinen Enttäuschungen in der Liebe. Lockere und fliessend-flickernde Sprache.
Kurz sind die Texte, kurz das Buch. Trotzdem schafft es die junge Autorin "Darja Keller" mit ihren Worten eine emotionale und fühlbare Stimmung zu generieren. Queere Liebe, Sommernächte, die Urbanität Zürichs, das Gefühlschaos am Morgen danach, die Unsicherheiten und euphorischen Momente: "Sihl City" hat alles.
Besonders die titelgebende Erzählung und die längere Episode konnten mich packen und liessen die Sehnsucht hervortreten. Mehr davon bitte.
In „Sihl City“ schreibt Darja Keller in Fragmenten und Erzählungen über das Begehren: Das Begehren nach Berührung, Körperlichkeit, aber auch die Sehnsucht nach Glück und Gemeinsamkeit, sowie der Genuss des Alleinseins. Das sind die Oberbegriffe, welche die einzelnen Texte verbindet. Jede Erzählung steht für sich, eine handelt vom ersten Kennenlernen, eine andere vom ernüchternden Ende, einer möglichen Verbindung. Gemeinsam ergeben sie einen emotionalen Weg durch die Gefühlswelt einer jungen queeren Person, so echt, dass man sich darin wiederfindet.
Diese kurze Geschichten spielen in Zurich ab und bilden die Erfahrung einer jungen, queeren Frau ohne feste Beziehung mit vielen Freunden und die Betrachtung von schönen kleinen Dingen ab. Die Sätze waren kurz und bissig, die Emotionen flach aber wiederkehrend. Ich habe es gern gelesen.
Szenisch und atmosphärisch toll, besonders im Bezug auf (queeres) Verlangen und Begehren. Sprachlich noch nicht über ganz ausgereift. Bin gespannt in Zukunft noch mehr von der Autorin zu lesen.