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Macht

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Liv ist Pflegerin, Mitte dreißig und führt ein scheinbar perfektes Leben in einem Osloer Einfamilienhaus. Sie liebt ihren Mann Terje und ihre beiden Kinder Rosa und Johannes. Aber was kaum jemand weiß, nicht einmal ihr Mann: Liv ist vor Jahren vergewaltigt worden.
Der Gang zum Zahnarzt ist für sie eine Herausforderung, wenn sie nachts von der Bushaltestelle nach Hause läuft, muss sie Terje anrufen. Überall lauert die Angst. Liv bemüht sich, die Oberfläche frei von Kratzern zu halten. Auch wenn sie hinter der Fassade damit beschäftigt ist, ihr Trauma zu bewältigen: Sie will die Opferrolle nicht annehmen. Der Vorfall liegt ein halbes Leben zurück, warum soll er immer noch bestimmen, was sie im Hier und Jetzt tut? Doch als eine neue Patientin ins Pflegeheim eingeliefert wird, deren Bruder vor Jahren wegen einer Vergewaltigung angeklagt worden ist, muss Liv ihr mühsam aufgebautes Leben verteidigen. Bei ihrer Familie und ihrer Freundin Frances findet sie Kraft und Trost: Sie wagt die Konfrontation und übt den Befreiungsschlag – denn sie will unbedingt die Macht über sich selbst zurück.
Heidi Furres Roman ist ein Buch mit großer Schlagkraft, ein Text, der sich mit dem Thema sexualisierter Gewalt auseinandersetzt, aber nicht die Tat, sondern die Frau, die sie erlebt hat, in den Mittelpunkt stellt. Eindringlich schildert Heidi Furre das Nebeneinander von Zweifel und Selbstbestimmtheit, Empathie und Wut.

176 pages, Hardcover

First published August 4, 2021

18 people are currently reading
503 people want to read

About the author

Heidi Furre

5 books50 followers
Heidi Furre er forfatter og fotograf. Hun kommer fra Stord, men er bosatt i Oslo.

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23 (4%)
1 star
5 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 89 reviews
Profile Image for Elena.
1,034 reviews415 followers
February 14, 2023
"Aber ich weiß, dass es so was gibt. Es existiert in mir und in anderen. Anscheinend existiert es in einer von zehn Frauen. Es. Alle sind sich einig, dass es nicht existieren darf, und trotzdem tut es das. Was gesagt wird und was passiert, passt nicht zusammen." - Heidi Furre, "Macht"

Liv arbeitet als Pflegerin, ist Mitte dreißig, hat einen Ehemann und zwei Kinder, die sie liebt, und wohnt in einem Osloer Einfamilienhaus - augenscheinlich ein perfektes Leben. Doch was niemand, nicht einmal ihr Mann, weiß: Liv kostet es extrem viel Kraft, diese Fassade täglich aufrecht zu erhalten, denn sie wurde als junge Frau vergewaltigt. Die Opferrolle möchte sie aber auf keinen Fall ausfüllen, egal, wie viel sie deshalb von sich selbst verbergen muss. Ihre sorgsam aufgebauten Mauern drohen jedoch einzustürzen, als eine neue Patientin ins Pflegeheim eingeliefert wird, deren Bruder vor Jahren wegen einer Vergewaltigung angeklagt worden ist. Nach und nach beginnt sich Liv, ihrer Freundin Frances und ihrem Ehemann gegenüber zu öffnen.

In "Macht" gibt Heidi Furre, aus dem Norwegischen übersetzt von Karoline Hippe, einer Frau eine Stimme, die das durchgemacht hat, was statistisch gesehen jede zehnte Frau in Norwegen erlebt: Eine Vergewaltigung. Dabei konzentriert sie sich jedoch nicht auf die Tat, sondern stellt die Frau in den Mittelpunkt, mit all ihren widerstreitenden Gefühlen und Handlungen, ihrem Schwanken zwischen Zweifel und Selbstbestimmung, ihren Verdrängungsmechanismen, ihren Bewältigungsstrategien und schließlich ihrem Weg der seelischen Heilung und Emanzipation. In Zeitsprüngen erzählt die Autorin aus Livs Leben und lässt die Lesenden tief in ihre Gedanken blicken. Trotz dieser Einblicke konnte ich eine gewisse Distanz zwischen mir und der Protagonistin nicht überbrücken, nahe habe ich mich Liv nie gefühlt, weshalb mich das Buch auch bis zum Schluss nicht so überzeugt hat, wie ich es mir durch den Klappentext erhofft habe. Stilistisch konnte ich "Macht" einfach nicht genug abgewinnen. Dennoch sehe ich die große Relevanz des Buchs und bin Heidi Furre sehr dankbar, dass sie Missstände so klar und offen anspricht. Ich wünsche dem Roman viele Leser*innen und vor allem viele Menschen, die - wie ich - nach dem Zuklappen noch viel über das Gelesene nachdenken. Ohne Zweifel eine der wichtigsten Neuerscheinungen des Frühjahrs!
Profile Image for buchdate.
159 reviews184 followers
Read
July 31, 2024
Auch wenn »Macht« nur 170 Seiten kurz ist, ist es kein Buch für „Zwischendurch“ 💭
Denn »Macht« macht was mit einem, besonders, wenn man es als Frau liest.

In dem Buch geht es um das Tabuthema Vergewaltigung. Die Autorin fokussiert sich dabei aber weniger auf den Täter oder das Geschehen an sich, sondern mehr auf die vergewaltigte Frau, das Opfer, und wie das Leben danach aussieht. Unsere Protagonistin Liv ist die Eine von Zehn Frauen, die vergewaltigt worden ist. Wir lernen in scheinbar zusamenhanglosen, kurzen Kapiteln ihre Gedankenwelt kennen und verfolgen ihren Kampf darum, kein “Opfer” zu sein. Liv hat die Vergewaltigung nicht zur Anzeige gebracht, weil es sich um eine Aussage-gegen-Aussage Konstellation handelt und ihr wenig Erfolgschancen voraussgesagt wurden. Jetzt lebt sie damit, nie Gerechtigkeit zu erfahren, stellt sich aber auch die Frage, ob eine Verurteilung überhaupt Gerechtigkeit herstellen kann. Sie fragt sich, ob alles vermeidbar gewesen wäre, wenn sie sich doch anders gekleidet, entschieden, verhalten hätte. Liv wahrt nach Außen den Schein einer “normalen” Frau, doch innerlich kommt sie nie zur Ruhe — sucht ihren Vergewaltiger im Internet, fährt zu seinem Haus, um dann wieder umzukehren.

Diese sprunghaften, unbeständigen Gedanken, die Zwänge, der Selbsthass und die was-wäre-wenn Fragen — mit alldem wird man beim Lesen konfrontiert. Das Buch ist schwer, unfair und wahr. Es war eine sehr ernüchternde Geschichte, nicht weil sie schlecht war, sondern sehr weh tut und die harte Realität vieler Frauen ist. Dabei ist dieses Thema und der Umgang damit so bedeutsam und verdient so viel mehr Aufmerksamkeit.

Heidi Furre schreibt:
»Eine von zehn Frauen in Norwegen wird Opfer einer Vergewaltigung.(…) Es existiert in mir und in anderen. Alle sind sich einig, dass es nicht existieren darf, und trotzdem tut es das. Was gesagt wird und was passiert, passt nicht zusammen.«

Fazit:
Ein schweres Buch, das ganz viel Wut auslöst, aber so so wichtig ist. Eine klare Leseempfehlung, auch wenn ich mich mit dem Schreibstil etwas schwer getan habe.
Ich fände es aber falsch, ein solches Thema mit Sternen zu bewerten, deswegen lasse ich das an dieser Stelle offen.

(Rezensionsexemplar)
Profile Image for Nina (ninjasbooks).
1,594 reviews1,680 followers
February 12, 2022
Språket er makt. Språk kan løfte fram det usynlige, gjere det mogeleg å sjå der det berre var mørke før. Furre har et så vakkert og tankevekkende språk som beskriv korleis ei valdtekt smyg seg inn i eit liv på alle måter.
Profile Image for Julia.
270 reviews54 followers
March 7, 2023
Es ist kein leichter Roman, keiner, den man mal eben liest, mal eben wegsteckt, denn thematisch dreht sich alles, was Heidi Furre hier schreibt, um Vergewaltigung und sexualisierte Gewalt.

Auf den rund 170 Seiten begleiten Liv, die mit Mann und KIndern in Oslo lebt, gut situiert ist, und, was die wenigstens wissen, vor Jahren vergewaltigt wurde. Dieser Roman gleicht einem Protokoll dessen, was in ihrem Alltag, dem Danach, passiert, wie sie vehement versucht, nicht in die Opferrolle zu fallen, wenngleich die Tat als ständiger Begleiter, in unheimlich vielen Facetten, auftaucht.

Der Roman ist sehr fragmentarisch, sehr beobachtend, in weiten Teilen auch sehr distanziert und beschreibt, was diese Frau durchmacht. Auch, wenn ich Furres Wahl der stilistischen Mittel nachvollziehen kann, hatte ich tatsächlich Probleme damit, mich wirklich in den Roman einzufinden. Über die Distanz konnte es mich am Ende nicht überzeugen.
Profile Image for Frederike.
182 reviews179 followers
February 14, 2023
Jeden Tag sieht Liv die Scherben auf dem Boden liegen. Die Scherben von dem Tag, als sich ein Körper auf sie legte, sie zerbrach. Es sind ihre Scherben, die Heidi Furre in dem Roman „Macht“ aufliest, zusammensetzt, um sie zu heilen. Eine jede Scherbe enthält Gedanken, die Liv gegenwärtig umtreiben: von Sie erzählt sachlich, lakonisch und kalt, wie betäubt fast. Jeden Satz wählt sie mit Bedacht, beschreibt ihren Alltag als Mutter, als Ehefrau, als Pflegerin. Als Betroffene – die sie nicht sein will. Wachen Auges beobachtet sie ihre Umwelt, beruft sich einem Mantra gleich immer wieder auf die Dinge, die ihr helfen, Abstand zu gewinnen, die Unmittelbarkeit und Ernsthaftigkeit zu relativieren, ihre Fassade aufrechtzuerhalten. Bis sie unmittelbar einstürzt. In ihrem Job als Pflegerin fühlte sie sich sicher, sie hatte Abstand zum Leben, sie hatte Macht: Ihre Patient*innen waren von ihr, ihrer Hilfe abhängig. Doch als eine neue Patientin in die Einrichtung zieht, löst sich etwas: Ihr Bruder ist Schauspieler – und wurde vor Jahren bekannt dafür, eine Frau vergewaltigt zu haben. Er wurde nie verurteilt, aber die Erinnerung bleibt. Wann immer er in der Nähe ist, hat sie Angst, seine Augen lösen die Fassade langsam auf. Und gleichzeitig ist es ein Befreiungsschlag, der sie zwingt, sich zu öffnen. Das Mittel: Konfrontation. Reden. Freimachen.
.
Die lakonisch schneidende, harte Sprache, derer sich Heidi Furre bedient, um Livs Gefühlsleben darzustellen, unterstützt den Inhalt ihrer Worte, die Botschaft, die sie zu vermitteln versucht, unglaublich gut. Dass es nämlich keine Bagatelle ist, dass es Gegenwärtig ist. Sie stellt Liv, die Frau, die Leidtragende, wie sie sich bezeichnet, in den Vordergrund, ihre Ängste, die Anstrengung, die es sie kostet, ein normales Leben zu führen, nicht jeden Tag, bei jeder Berührung, jedem noch so kleinen Ding „daran“, an „den Vorfall“ erinnert zu werden. Ihren Körper als eben das zu betrachten: als Mutterkörper, der liebt, der lebt und atmet, der sich kümmert. Nicht als Objekt, das es zu benutzen gilt. Dennoch lässt sie kontroverse Gedanken, ein Nebeneinander von Bitternis und Empathie zu, lässt Liv darüber fantasieren, wie weit ihre moralischen Grenzen gesteckt sind, Rache zu üben, ihrerseits die Macht zurückzugewinnen und auszunutzen.
.
Das Buch hat mich mitgenommen, wütend gemacht, weich werden lassen. Und immer wieder diese Sätze, die innehalten lassen, die ich unterstreichen musste, bald waren ganze Seiten schraffiert von grauem Graphit. Schlagende Zeilen, die schmerzen und Augen öffnen. Das waren die ersten zwei Drittel. Doch gen Ende verlor die Geschichte an Biss, was in gewisser Weise auch für die Entwicklung Livs stehen kann, klar. Doch für mein Empfinden war es zu überhastet, gewollt. Davon abgesehen: WOW. Eine große Empfehlung (respektive TW)!
Profile Image for zona ☕️.
182 reviews15 followers
April 21, 2023
Das Buch hat absolut seine Daseinsberechtigung und behandelt ganz ungefiltert ein sehr intensives Thema. Die “Lesefreude”, insofern es sowas bei diesem Thema geben kann, blieb für mich allerdings auf der Strecke. Ich hatte das Gefühl, dass das Buch eher geschrieben wurde, um etwas zu verarbeiten als, um einem Leser viel Mehrwert zu bieten. Versteht mich nicht falsch, das ist auch völlig legitim. Hat mir nur leider nicht so gut gefallen und nicht so viel gegeben beim Lesen.
Profile Image for Co_winterstein.
146 reviews10 followers
February 14, 2023
Macht von Heidi Furre

"..., die Erinnerung an den Zwang wacht immer im Hintergrund (S.55)."

Triggerwarnung: Vergewaltigung

Autsch, diese Buch geht an die Nieren. Trifft mitten ins Herz. Tut richtig weh! So gut ist es geschrieben, so sehr konnte ich mich einfühlen, in Livs Trauma, das immer und immer wieder auftaucht - diese nie verarbeitete Vergewaltigung in Jugendjahren.

Liv, Mitte Dreißig, hat sich mit ihren Ängsten und verschiedenen Coping Strategien ein scheinbar glückliches Leben aufgebaut, sie
wohnt mit ihrer Familie in einem gemütlichen Reihenhaus und auch ihr Job als Pflegerin gefällt ihr, bis eines Tages eine neue Patientin in das Pflegeheim einzieht, deren Bruder, ein berühmter Schauspieler ist, der vor Jahren der Vergewaltigung beschuldigt und in einem Prozeß aber freigesprochen wurde.
Liv wehrt sich mit aller Macht gegen das Aufreißen der alten Wunde, gegen Flashbacks, versucht das traumatische Ereignis zu vergessen, doch es kommt immer wieder an die Oberfläche, beim Zahnarzt, auf dem Nachhauseweg, im Wald ...
Die Autorin Heide Furre zeigt, wie Liv
gegen das Schamgefühl kämpft, gegen den Ekel, die auftauchenden Ängste und die Erinnerungen an die Rangelei mit dem Täter, wieviel Lebenskraft sie braucht, um im Alltag zu funktionieren.
Deutlich wird, was für eine zerstörerische Kraft das Erlebte nach Jahrzehnten noch hat und was für verheerende Konsequenzen es hat, den freien Willen eines Menschen zu brechen.

Die seelischen Qualen der Hauptfigur fühle ich als Lesende mit. Und doch kommt der Roman ohne Anschuldigungen aus, es geht Furre nicht darum, den Täter als soziopathisches Monster darzustellen, sondern vielmehr darum, wie Liv mit so einem Trauma überleben kann.
In meinen Augen ist der Roman ein großartiges literarisches Werk, ein eindringliches Buch. Mitreißend, fesselnd, furchterregend auch.
Auch wenn es da nicht explizit steht, so schien es mir (oder vielleicht möchte ich es auch nur glauben), dass Liv schließlich Trost findet, in der Kunst von Niki de Saint-Phalles, die ein ähnliches Schicksal erlitten hat, erst mit 64 Jahren in ihrem Buch "Mon secret" offenbarte, in Jugendtagen vergewaltigt worden zu sein.

Obwohl es so ein schmaler Band ist, habe ich richtig lange gebraucht, es zu lesen. in jedem Satz steckt sovieles, dem es nachzuspüren galt und auch danach braucht ich einige Zeit, es wirken zu lassen. Ein schmerzhaftes Buch!
Leseempfehlung für Menschen, die sich dem Thema gewappnet fühlen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for sarah pascalle.
251 reviews16 followers
December 2, 2024
TW: vergewaltigung

uff. danke heide furre für dieses unglaublich wichtige buch, welches bisher meiner meinung nach VIEL zu wenig aufmerksamkeit hat. ich bin selber nämlich nur ganz zufällig beim stöbern in der bücherhalle auf dieses buch gestoßen und beim reinlesen hat es mich sofort in den bann gezogen.
jede seite, jeder satz, jedes WORT in diesem buch hat eine so unglaubliche schlagkraft wie ich sie noch nie zuvor beim lesen erlebt habe. gerade so ein sensibles und schreckliches thema auf diese art rüberzubringen ist eine kunst an sich, davon abgesehen, dass ich sofort ein fan des schreibstils geworden bin. ich bin immer noch ein wenig sprachlos und werde es wohl noch eine ganze weile sein, denn dieser kurze roman lässt einen wohl nicht so schnell wieder los.

eines der vielen gänsehaut-zitate im buch:
"du glaubst vielleicht, ich sei ein kaputter mensch. dass ich hier einfach rumliege und eine vergewaltigte bin. aber das bin ich nicht. ich bin alles andere. das leben bleibt für vergewaltigte nicht stehen. es ist sonntagmorgen. ich spiele mit johannes auf dem fußboden. besser gesagt, ich liege auf dem autoteppich und lasse ihn mit seinen kleinen autos über mich rüberfahren. er weiß nicht, dass auch ich ein kind bin, aber in diesem augenblick eine erwachsene spiele.

bitte bitte bitte lest dieses buch (unter beachtung der TW!!)
Profile Image for Thea Trøen Bjertnes.
Author 3 books5 followers
Read
October 6, 2021
Heidi Furre skriver gode setninger. Da jeg leste denne romanen, tok jeg meg i å bli provosert av hovedpersonen Liv og hennes syn på voldtekt. Hvem sier så det mest om? Det er et spørsmål å tenke på. Enkelte steder skulle jeg ønske at forfatteren hadde vært mer minimalistisk i stilen, kutta vekk noen gjentakelser. Et par formuleringer slår meg som klisjéaktige, men det kan være at det er intensjonen. Alt i alt er det en viktig roman å lese, selv om den brakte meg en del grubling.
Profile Image for mari_liest.
317 reviews
February 17, 2023
TW: Vergewaltigung, sexuelle Gewalt

„Ich weiß nicht, wo die Gewalt bleibt, wenn sie verübt worden ist. Sickert sie in die Matratze? […] Wenn sie wie Säure ist, ätzt sie sich durch die Matratze, durchs Parkett, in den Waldboden. Dringt in Hirn und Muskeln. Wird hässlich, zieht hässliche Furchen ins Gesicht.“

Liv, ihr Mann, Terje, und ihre beiden Kinder, Rosa und Johannes, leben in Oslo. Sie arbeitet als Pflegerin in einem Altenheim. Von außen scheint es die perfekte Szenerie. Doch im Inneren von Liv brodelt es, unaufhaltsam, leise, dann wieder laut. Vor rund 15 Jahren wurde sie vergewaltigt. Seitdem ist für sie nichts mehr wie es war. Jeder Weg könnte Unheil bringen, jeder Frau könnte es auch geschehen sein. Nachts am Heimweg telefoniert sie immer mit ihrem Mann. Nur ihre Freundin, Frances, weiß Bescheid, nicht ihr Mann Terje. Mit Einzug einer neuen Patientin fängt Liv’s Fass langsam an überzulaufen. Denn mit der Patientin kommt auch deren Bruder, ein bekannter Schauspieler, der vor Jahren wegen Vergewaltigung angeklagt, aber freigesprochen wurde. Und so stülpt sich der innere Orkan langsam nach außen.

„Mein ganzes Leben lang habe ich gedacht, ich sei frei und souverän. Bis ich kapierte, dass das nicht so stimmt. Dass solche Dinge jedem und jederzeit passieren können. Das ist es, was mich so beschäftigt. Nicht der Vorfall an sich, sondern der Terror seiner Existenz.“

Heidi Furre hat eine starke Protagonistin geschaffen. Denn auch wenn Liv vergewaltigt wurde, als Opfer sieht sie sich nicht. Empfindet sogar Ekel für Frauen, die in der Opferrolle verharren, sich die Macht über ihr Leben und Tun nehmen lassen. Liv nennt es „den Vorfall“, nicht Vergewaltigung. Mit der Geburt ihrer Kinder bahnte sich der Vorfall wieder in ihre Gedanken.

Wie ein Adler kreisen die Gedanken um die Frage, ob sie Schuld hat? Ob sie nicht laut genug „Nein“ sagte? Hätte sie einfach nicht mit dem Typen mitgehen sollen? Was es vielleicht doch „nur nicht ganz einvernehmlich“?

„Denkt er darüber nach? Jetzt, in diesem Moment, denkt er darüber nach, was er hätte anders machen können? Kennt er meinen Namen noch? Wie funktioniert das körperliche Gedächtnis bei demjenigen, der vergewaltigt hat?“

Mit leiser, aber schlagkräftiger Power schafft es die Autorin das Innere der Protagonistin zu zeichnen. Wie sie mit dem Vorfall hadert, mit ihrem Tun, wie Überlegungen und Gedanken sich permanent in ihren Alltag, ihr Denken und Handeln schleichen. Wie sie mit der sexuellen Gewalt, die ihr widerfahren ist, umgeht; sich bemüht die Hoheit über ihr Leben zurückgewinnen.


Beim Lesen stellte ich mir immer die Frage, wer hier die „Macht“ über wen hat: hat „der Vorfall“ Liv im Griff oder hat Liv das Trauma bei den Eiern? Ihre Verbissenheit nach außen stark zu sein, tat mir im Herzen weh, denn natürlich ist man als Außenstehende oft der Meinung, dass „man darüber reden muss“. Ist es so? Hilft reden wirklich jedem Menschen? Benötigen manche Menschen nicht einfach nur ihren intrinsischen Umgang damit ohne mit reden wieder Wunden aufzureißen? Wenn man über etwas redet bekommt es eine gewisse „Hülle“, eine Art von „Daseinsberechtigung“, ein Ding, um dass man sich „kümmern“ muss.

Furre hat ein eindrückliches Buch geschrieben, dass nicht kalt lässt. Die Geschichte ist literarisch genial geschrieben; der Schreibstil absolut passend, zu der eindrücklichen Traurigkeit, die das Thema beinhaltet. Mit einer Kühlheit im Schreibstil ist es kaum möglich eine „Verbindung“ zu Liv aufzubauen und das fand ich hier absolut passend und gewieft. Eine beeindruckende Geschichte über das „Weiterleben nach einer Gewalterfahrung“, die schwer verdaulich, dennoch extrem wichtig ist! #leseempfehlung
Profile Image for Annenas.
85 reviews7 followers
February 15, 2023
Liv ist eine von zehn. Eine von zehn Personen, die statistisch gesehen einmal in ihrem Leben vergewaltigt wird. Welche Auswirkungen eine Vergewaltigung auf das Leben „danach“ haben kann, zeigt Heidi Furre in „Macht“ eindringlich auf.

Liv, die Ich-Erzählerin, die in ihrer Studienzeit vergewaltigt wurde, bezeichnet sich selbst als Überlebende. Sie möchte kein „typisches Opfer“ sein, reißt sich zusammen, gibt sich größte Mühe, den Tag vor 15 Jahren zu verdrängen und scheint äußerlich alles im Griff zu haben. Sie hat zwei Kinder, einen Mann, ein Haus und einen Job als Pflegerin. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich selbst in den simpelsten Alltagssituationen die Zwänge und Verhaltensmuster, die sie nach ihrer Vergewaltigung entwickelt hat.

Heidi Furre nutzt in „Macht“ kurze, pointierte Sätze, um Liv recht nüchtern und wie benebelt berichten zu lassen. Livs Gedanken scheinen wirr, haben auf den ersten Blick nichts mit ihrer Vergewaltigung zutun, um am Ende dann doch wieder genau dort anzukommen.
Zugegeben, bei dem ein oder anderen Gedanken fiel es mir schwer, zu folgen 🤪

Auch, wie sie zur Tat und dem Täter - sie nennt ihn Räuber - steht, wechselt ständig.
Mal ist sie wütend, gibt ihm die komplette Schuld und möchte Rache, mal hat sie Verständnis für ihn, verharmlost die Tat und gibt sich eine Teilschuld. Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass dies ein fiktiver Roman ist, so authentisch wirkt die Protagonistin auf mich.

Was am Ende des Romans bleibt, ist (erneut) das bedrückende Wissen um ein System, in dem die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Es gibt immer noch zu viele Zufallsbegegnungen und Menschen, die zur falschen Zeit an einem falschen Ort waren. Kein Wunder, dass es so still ist, obwohl so viele betroffen sind. Es gilt hinzuschauen, wer die Macht hat, wem geglaubt und wem Schutz geboten wird. Allein schon deshalb spreche ich eine Leseempfehlung aus!

„Macht“ ist das erste - von Karoline Hippe - ins Deutsche übersetzte Buch der norwegischen Autorin Heidi Furre.

Vielen Dank an Vorablesen und den DuMont Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!
Profile Image for Lisa.
22 reviews45 followers
February 26, 2023
Die Autorin nimmt uns mit durch den Alltag der Protagonistin Liv, die Opfer einer Vergewaltigung ist. Wir lernen Liv in verschiedenen Episoden kennen, die ihre innere Konflikte zeigen. Dabei gelingt es Heidi Furre besonders gut, die Gedankenwelt der Protagonistin in den Vordergrund zu stellen. Man merkt, wie stark sie in normalen Situationen zwischen Angst und Misstrauen, aber auch dem Versuch der Bewältigung ihres Erlebnisses hadert.
Ein wichtiges Buch, da es die Emotionen der Opfer in den Vordergrund stellt. Durch den Schreibstil ist es schwierig, eine Bindung zur Protagonistin zu spüren. Stilistisch finde ich es raffiniert gelöst, da es die emotionale Distanz und das Unverständnis zwischen Opfer und Außenstehenden gut darstellt. Man kann sich nicht ausmalen, wie sehr es einen im Alltag einschränken kann. Das Buch hilft jedoch besser zu verstehen.
Profile Image for Frida.
51 reviews
Read
March 8, 2022
Tror jeg likte denne godt, men må tenke litt på den. Tittelen forklarer på en måte alt: hvem har makta og hvordan skal man makte å gå videre etter et overgrep
Profile Image for Åsmund Ådnøy.
320 reviews31 followers
January 27, 2022
Voldtekt er et sår som aldri gror i Makta av Heidi Furre.

Liv er sykepleier i 30-årene og har to barn. For femten år siden ble hun voldtatt av en mann som hun ble med hjem fra byen.

Romanen skildrer hvordan voldtekten gjennomsyrer hele livet til hovedpersonen, i alt fra dagligdagse gjøremål til relasjonene hun har til mann og barn. Heidi Furre har et presist, og samtidig elastisk språk som setter ord på alle Livs følelser på en troverdig måte. Det er gjennomarbeidet, poetisk og rystende. Vi blir med inn i tankene hennes, og alle de ulike overlevelsesmekanismene hun bruker for å klare dagene.

Forsida har store bokstaver i glinsende gullfarge. Det å pakke seg inn i dyre klær, fikse på utseendet og prøve å komme unna seg selv, er noen av Livs overlevelsesmekanismer. På et tidspunkt flytter hun fra hybelen, og gir fra seg nøkkelen til neste leieboer. "Nøkkelen var det siste objektet eg skulle kvitte meg med. Alle andre ting eg hadde hatt med meg inn i rommet hans, var borte. Berre kroppen som stod att. Den fekk bli med på lasset."

Selv om traumet dominerer livet hennes, er ikke Makta en bok om håpløshet.

Dette er den første boka jeg har lest av Heidi Furre, men det blir ikke den siste.
Profile Image for Isa ◡̈ .
232 reviews42 followers
January 30, 2023
»MACHT« von Heidi Furre, 🇳🇴 übersetzt von Karoline Hippe
[TW: Vergewaltigung; Depression; Medikamtensucht]

»Früher hielt ich mich für einen guten Menschen. Jetzt glaube ich, ich bin nicht besser, als ich sein muss. Dass ich, wenn es um Leben oder Tod ginge, entweder wie angewurzelt dastehen oder kämpfen würde. Bei jeder Bedrohung sinke ich tiefer in meine schlimmsten Abgründe. Deshalb muss ich den Bedrohungen immer einen Schritt voraus sein.« (S.39)

Liv ist die Protagonistin und Ich-Erzählerin des Romans »MACHT« von der norwegischen Fotografin und Autorin Heidi Furre. In ihrem Roman schreibt die Autorin über das Weiterleben nach einer Vergewaltigung, über den Willen und Weg, die Macht über sein Leben, Gedanken und Ängste zurückzugewinnen.

Liv, Anfang 30, lebt mit ihrem Mann Terje und ihren beiden kleinen Kindern Johannes und Rosa in einem Einfamilienhaus in Oslo und arbeitet als Pflegerin. Eine traumatisierende Vergewaltigung vor 15 Jahren prägt ihr scheinbar perfektes Leben: So ist der Gang zur Zahnärztin eine Herausforderung, ein Haus am Wald ist kann kein Zuhause werden, und auch Schlaf und Ruhe findet sie ohne Medikamente nicht mehr. Äußerlich bemüht Liv sich sehr, den Schein zu wahren und eine gute Frau, Pflegerin und Mutter zu sein. Ihrem Mann hat sie nichts von ihrer Vergewaltigung erzählt:

»Es gibt einen Raum, den ich nie geöffnet habe. Nein, es ist kein Raum, es ist ein Wald. Wenn es so große Teile von mir gibt, die Terje noch nie gesehen hat, gibt es dann auch solche Weiten in ihm? Was in den Tiefen des anderen existiert, ist unerreichbar. Der Gedanke ist zunächst erschreckend, aber er verschafft auch Respekt, ein Bewusstsein dafür, den anderen nie vollständig besitzen zu können. Ich gönne ihm das, was auch immer er zu verbergen hat, genauso, wie ich es mir gönne.« (S.60)

Als Leser:in erleben wir Liv’s Gedankenwelt, in der sehr deutlich wird, wie sehr dieses traumatische Erlebnis nicht nur ihre Gedanken selbst bestimmt, sondern ebenso ihre Angewohnheiten und Lebensentscheidungen beeinflusst. Wir erleben aber auch eine starke Frau, die ihr Leben wieder selbstbestimmt führen will. Im Roman entdeckt Liv die französische Künstlerin Niki de Saint Phalle, die ihre Vergewaltigung nicht nur öffentlich thematisiert, sondern auch künstlerisch verarbeitet hat. Dies ist keine fiktive Romanfigur, sondern eine reale Person, von der zwei Fotos (1961) in der inneren Umschlagsgestaltung genutzt worden sind.

Ein wichtiges Buch, das den Fokus auf die Zurückgewinnung der Macht über sich selbst nach einer Vergewaltigung legt und dabei aufzeigt, wie traumatisch dies sein kann.

Die Autorin hat bereits 4 Romane veröffentlicht, die aber bislang nicht ins Deutsche übersetzt worden sind. Die lakonische, präzise und nüchterne Sprache unterstreicht die Thematik des Romans sehr gut und lässt einen das Buch quasi nicht mehr aus den Händen legen. Große Leseempfehlung* für diesen mächtigen Roman. 

*bitte TW beachten!

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»I used to think I was a good person. Now I think I'm no better than I need to be. That if it was a matter of life or death, I would either stand rooted to the spot or fight. With every threat I sink deeper into my worst depths. That is why I must always be one step ahead of the threats.« (own translation; p.39)

Liv is the protagonist and first-person narrator of the novel "MACHT" by Norwegian photographer and author Heidi Furre. In her novel, the author writes about moving on after rape, about the will and way to regain power over one's life, thoughts and fears.

Liv, in her early 30s, lives with her husband Terje and their two small children Johannes and Rosa in a detached house in Oslo and works as a carer. A traumatising rape 15 years ago has left its mark on her seemingly perfect life: going to the dentist is a challenge, a house by the forest cannot become a home, and she can no longer find sleep and rest without medication. Outwardly, Liv tries hard to keep up appearances and be a good wife, carer and mother. She has not told her husband about her rape:

»There is a room I never opened. No, it's not a room, it's a forest. If there are such large parts of me that Terje has never seen, are there such vastnesses in him? What exists in the depths of the other is unreachable. The thought is frightening at first, but it also gives respect, an awareness of never being able to fully possess the other. I begrudge him whatever he has to hide, just as I begrudge myself.« (own translation; p.60)

As reader:in, we experience Liv's world of thought, in which it becomes very clear how much this traumatic experience not only determines her thoughts themselves, but equally influences her habits and life choices. But we also experience a strong woman who wants to lead her life in a self-determined way again. In the novel, Liv discovers the French artist Niki de Saint Phalle, who has not only made her rape a public theme, but has also dealt with it artistically. This is not a fictional character in the novel, but a real person, of whom two photographs (1961) have been used in the inside cover design.

An important book that focuses on regaining power over oneself after rape, showing how traumatic this can be.

The author has already published 4 novels, but they have not yet been translated into German. The laconic, precise and sober language underlines the theme of the novel very well and makes it almost impossible to put the book down. High reading recommendation* for this powerful novel. 

*please note TW!

»MACHT« by Heidi Furre, 🇳🇴 | [TW: Rape; Depression; Drug Addiction]
Profile Image for Janine.
1,440 reviews19 followers
July 24, 2023
In diesem Roman wird eindringlich beschrieben was eine Vergewaltigung mit Frauen machen kann und dabei geht es nicht nur um die Vergewaltigung an sich, sondern wie sehr es einen verändert und wie man als Frau versucht weiterzumachen sowie auch der Versuch das Erlebte sogar zu verdrängen.
Viele Opfer dieser Tat können ihr Leben nicht einfach so weiterführen, jedoch gelingt es der Protagonistin Liv ein normales Leben zuführen. Zumindest scheinbar. Liv hat niemanden erzählt, was ihr damals passiert ist, versucht sich selbst einzureden, dass das einschneidende Erlebnis doch gar nicht so "schlimm" sei. Sie hat sogar eine eigene Familie mit Kindern, doch die Erinnerungen holen sie ein und gewaltige Emotionen kochen wieder in ihr hoch. Auch in Alltagssituationen zeigt es sich immer wieder wie die Erinnerungen der Vergewaltigung sie verfolgen.

Die Autorin schafft es gut aufzuzeigen, dass die Verdrängung keine Lösung ist, zumindest nicht langfristig und sie schafft es eindringlich zu zeigen was eine Frau nach der Vergewaltigung durchmachen muss - Scham, Wut, Ekel, Zweifel, Selbsthass und viele andere Emotionen stehen hier im Vordergrund. Es ist ein wichtiges Buch um das Schweigen der Frauen zu brechen. Keine Frau sollte so etwas erleben und durchmachen müssen. Um so wichtiger ist es, dass man darüber spricht, sich wehrt und sich auch die nötige Hilfe sucht.
Aufgrund des sachlichen und distanzierten Schreibstils ist mir Liv fremd geblieben und es ist manchmal schwer gewesen gewisse Handlungen nachvollziehen.
Das Ende des Buches hat mir nicht zugesagt und ich fand, dass es irgendwie nicht wirklich zum Ganzen gepasst hat.
Insgesamt ein wichtiges Buch, dass an den Leser appelliert das Schweigen zu brechen und verdeutlicht, dass dies nicht nur ein einfaches Verbrechen ist.

3,5 von 5 Ottis
Profile Image for Jule.
154 reviews3 followers
January 31, 2023
Intensiv und aufwühlend

„Er ist so unbedeutend. Er ist nur diese eine Nacht. So, wie auch ich für ihn unbedeutend war.“

Mit diesen oder ähnlichen Worten versucht die Hauptprotagonisten Liv die Mach über ihr Leben zurück zu gewinnen. Sie will ihrem Vergewaltiger keine Macht über ihr Leben einräumen.
Doch schnell wird deutlich, dass dies alles andere als einfach ist, denn auch Jahre nach der Vergewaltigung lebt Liv mit täglichen Ängsten und wird immer wieder mit dem Thema konfrontiert.
Sei es wenn sie nachts im Dunkeln nach Hause geht oder auf der Arbeit, wenn der Bruder einer Patientin, der vor Jahren der Vergewaltigung bezichtigt wurde, ihr auf dem Flur begegnet.

Heidi Furre schildert in ihrem Roman „Macht“ auf sehr deutliche und intensive Weise, wie es ist vergewaltigt worden zu sein und wie es das Leben beeinflussen kann.
Durch den authentischen Schreibstil und die geschilderten Situationen wird dem Leser die Möglichkeit gegeben mit Liv zu fühlen und ihre Gedankenwelt besser zu verstehen.
Hierbei wird deutlich, dass es nicht um die Tat an sich geht, sondern um das Leben danach.
Viele der gelesenen Situationen klingen noch lange nach und lassen den Leser nicht so schnell los.
Allerdings gab es zwischendurch immer wieder Passagen, an denen ich nicht mitkam und kurz verwirrt war, sodass der Lesefluss gestoppt wurde.
Dies ist aber nur ein kleiner Punkt in einem Roman, der so viel mehr ist.
Heidi Furre zeigt, dass über dieses Thema gesprochen werden muss und wie schwer es für Menschen wie Liv ist die Macht über das Leben zurück zu erlangen.
Denn es gibt genug Menschen auf dieser Welt, die das Gleiche wie Liv durchmachen müssen.
Profile Image for prostderpoesie.
216 reviews11 followers
January 27, 2025
tw: sexualisierte gewalt, vergewaltigung

„Vergewaltigt zu werden ist wie eine Reise an einen Ort, den man schon mal in einem Film gesehen hat.
So war das. […] Jetzt bin ich dran. Ich hatte so viele Porträts von Frauen gesehen, die getötet oder verschwunden waren. Nun war ich auch so ein Gesicht.“

uf das war sehr sehr hart und sehr poetisch. wunderschön geschrieben gibt heidi furre einen rohen einblick in die gedanken(spiralen) der frau, mutter, ehefrau und pflegerin liv jahre nach einer vergewaltigung. eine, die traumatisiert ist, funktioniert, funktionieren muss und probiert weiterzuleben, weiterzumachen nach dem „vorfall“, wie sie ihn nennt, der alles verändert hat.
eindrucksvoll fand ich, wie sie immer wieder ihre privilegien als reiche frau reflektiert hat und auch ihre freundschaft zu frances, die so ehrlich und dabei einfühlsam mit ihr umgeht. das buch ist in ganz kurzen, aber dadurch nicht minder dichten, kapiteln wie ein mosaik aus fragmenten eines alltags, der in scherben liegt, erzählt.

es gab viele stellen, bei denen ich mehrfach schlucken musste, eine war die hier, weil mir das verb „übermannen“ erst dadurch bewusst wurde:

„ich frage mich, ob Männer das wissen - dass Frauen Angst davor haben, übermannt zu werden. Als ich jünger war, habe ich mich mit meinen ersten Liebhabern zum Spaß gebalgt. Das tue ich jetzt nicht mehr. Ich habe nie gewonnen, aber ich wäre auch nie auf den Gedanken gekommen, ich könnte sterben, wenn ich mich aus dem Griff des anderen nicht befreien konnte.“
Profile Image for Jana - booksncofffee.
43 reviews37 followers
Read
December 2, 2024
kurzes Buch, trotzdem nichts für zwischendurch.

In „Macht“ erleben wir den Alltag und die Gedanken von Liv, die vor 15 Jahren vergewaltigt wurde. Sie möchte sich nicht als „Opfer“ oder „Überlebende“ bezeichnen, sondern will einfach nur, dass alles normal ist und sie alles unter Kontrolle hat.
Ihre Gedanken sind dadurch sehr aufwühlend, aber auch nachvollziehbar.

Das Buch hat mich an mehreren Stellen sehr zum Nachdenken angeregt. Vor allem, weil sie oft darüber spricht, dass es einem „nachhängt“, wenn man über die eigene Vergewaltigung spricht, dass man ab dann nur noch als Vergewaltigte wahrgenommen wird, nicht mehr als normaler Mensch. Dass die Leute sie anders behandeln, wenn sie darüber Bescheid wissen. Und dass sie deshalb so viele Jahre nicht mal ihren Mann davon erzählt hat.

Insgesamt wirklich sehr bewegend und stark.
Profile Image for Ingrid.
51 reviews
November 21, 2024
Die Protagonistin ist eine Mutter von zwei Kindern die in der Pflege arbeitet und in einem schönen Haus in Oslo lebt aber mit den Folgen einer Vergewaltigung kämpft.
Liv wirkt auf mich kalt, auch im Umgang mit ihren Kindern. Sie schweigt über die Tat, geht shoppen um alles zu verarbeiten. Es geht im Buch fast nur um Alltagssituationen, die aber oft nicht zusammenpassen.
Man bleibt in Livs konfuser Gedankenwelt hängen, die Geschichte ist langatmig und es passiert einfach nicht viel.
Die Botschaft des Romans, dass Opfer von sexueller Gewalt nicht in der Opferrolle verharren sollten, wird so nicht überzeugend vermittelt. Für mich war das Buch leider langweilig und die Story übertüncht durch Alltagsbanalitäten.
Profile Image for Nadja.
141 reviews10 followers
February 18, 2023
Liv wurde vergewaltigt. Und obwohl die Tat schon längst passiert ist, sind die Auswirkungen davon in Livs Gedanken omnipräsent. Als sie bei ihrer Arbeit als Altenpflegerin auf den Bruder einer Bewohnerin trifft, der vor Jahren wegen einer Vergewaltigung angeklagt wurde, beginnt ein neuer Abschnitt in Livs Verarbeitungsprozess.

Man setzt sich quasi in Livs Kopf und schaut zu, was sich in ihren Gedanken alles abspielt. Ich fand das unglaublich interessant. Gewisse Passagen sind sehr pointiert und regen wirklich zum nachdenken an. Meiner Meinung nach ein Buch, das man langsam lesen sollte, alleine schon wegen der Schwere der Thematik.
Profile Image for Greta.
29 reviews1 follower
December 29, 2024
das buch behandelt ein wichtiges thema und ist dabei schonungslos und irgendwie hart zu lesen. ich habe aus den erzählungen zwar was mitnehmen können. es war insgesamt aber einfach für den tatsächlichen inhalt zu lang(atmig). zeitgleich brauchte es aber auch genau diese langatmigkeit to make the point clear i guess.
Profile Image for Maja.
161 reviews4 followers
Read
July 21, 2024
Extrem gut geschrieben, aber (logischerweise) sehr schwer zu verdauen. Absolut zu empfehlen, aber bitte passt auf euch auf und greift nicht zu diesem Buch, wenn ihr das Gefühl habt, das Thema könnte euch Schwierigkeiten bereiten <3
Profile Image for minou.
35 reviews
October 3, 2024
3,5⭐️
habe mich als frau, lange nicht mehr so verstanden gefühlt.
Displaying 1 - 30 of 89 reviews

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