Im ehemaligen Brasilien ist Magie verboten. „Fortschritt durch Technik“ lautet das Motto der Regierung, die vor nichts zurückschreckt, um den Drogenhandel einzudämmen und die Existenz der Armen auszuradieren. Doch in den Favelas brodelt der Widerstand, angefeuert durch den verbotenen Kampftanz Capoeira und die Orishas, die alten Götter. Mittendrin landet Jul, die in Salvador da Bahia ein Praktikum absolvieren will. Wäre da nicht der verführerische Beat der Trommeln, der sie in seinen Bann zieht …
Teil 1 der neuen Urban Fantasy-Reihe Emerging Empires.
„Rising Bahia“ ist ein Buch, mit dem ich mich echt schwer getan habe. Ich wollte es mögen, wirklich. Denn es hat ein paar tolle Elemente, die man sonst auf dem deutschsprachigen Buchmarkt nicht findet. Mythologie-Nacherzählungen gibt es mittlerweile ja viele. Ich bin selbst großer Fan von Rick Riordan. Aber meistens geht es dabei um sehr eurozentrische Mythologien: griechisch, römisch, nordisch, wenn man Glück hat, ist mal die ägyptische Mythologie mit dabei. „Rising Bahia“ ist da anders, denn im Zentrum dieses Urban Fantasy Romans stehen die Orishas, die alten Götter des Candomblés, einer Religion aus dem afrokaribischen Raum, die man vor allem im Norden von Brasilien noch findet. Genau in dieser Region, in Salvador de Bahia, ist der Roman angesiedelt. Jul ist zwanzig, hat so eben ihr Abitur in Deutschland gemacht, ist Mode-Influencerin und will nun das Land kennenlernen, in dem sie geboren und aus dem sie als Baby wegadoptiert wurde. Nur ist Brasilien mittlerweile eine dystopische Diktatur, die von einem rechten Hardliner beherrscht wird und nun Reich des Südens heißt. Die Regierung Ramos setzt auf Fortschritt durch Technik und hat alles, was mit Magie zu tun hat, verboten. Darunter auch Candomblé und Capoeira, den brasilianischen Kampftanz, den Jul für sich entdeckt. Schnell findet Jul auch heraus, dass sie die Tochter einer Orisha ist und damit allerlei magische Fähigkeiten hat. Sie beschließt diese Fähigkeiten für das Gute einzusetzen und um zu versuchen, die Lebensbedingungen der Armen und Unterdrückten im Reich des Südens zu verbessern. Das klingt eigentlich nach einer vielversprechenden Prämisse. Ich hätte mir nur gewünscht, dass die Autorin das Buch vielleicht erst in ein paar Jahren geschrieben hätte. „Rising Bahia“ ist der zweite Roman von Mo Schneyder und sie sagt selbst, dass sie ihn während eines NaNos und vor dem ersten geschrieben hat. Das merkt man dem Buch leider ziemlich an. Am meisten Probleme hatte ich mit Jul, der Protagonistin. Sie ist eigentlich ganz sympathisch und sehr engagiert. Nur ist sie nicht sonderlich standhaft. Im Gegenteil, sie ändert ständig ihre Meinung, so schnell, dass mir zum Teil davon schwindlig wurde. Mal ist sie die selbstbewusste Influencerin, dann wieder hadert sie damit, dass sie angeblich ein paar Kilos zu viel auf den Rippen hätte. Sie hat sich mit ihrer besten Freundin verkracht, doch sobald sich die beiden wiedersehen ist alles vergeben und vergessen, ohne ein Wort der Aussprache. Sie ist mit ihrem göttlichen Erbe überfordert, aber buchstäblich in der nächsten Szene lässt sich vollkommen widerstandslos in die Rebellen-Gruppe mit hineinziehen und macht begeistert mit. Sie hasst Raf von Anfang an, weil er der Sohn des Präsidenten ist, dann verstehen sie sich auf einmal super, dann hasst sie ihn wieder. Und zu guter Letzt: Jul ist eigentlich ein aufgeschlossener Mensch, aber als sie im Regenwald auf einen Stamm Eingeborene trifft, hat sie sofort Angst, dass es Kannibalen sein könnten, die sie fressen wollen. Ähnlich inkonsistent ist das Pacing des Story. „Rising Bahia“ braucht gefühlt sehr lange, bis die Handlung endlich so richtig Fahrt aufnimmt. Die erste Hälfte verlief für mich daher eher zäh. Der Einstieg war stark mit einem Prolog der richtig Lust auf mehr machte und dann passierte gefühlt lange nichts und Jul lebt sich nur ein. Zwischendrin gibt es immer wieder Szenen, die nur so dahinplätschern und die eigentlich nur dazu da sind, die ganzen sozialen Probleme im Reich des Südens zu zeigen. Auch die zweite Hälfte war für mich etwas seltsam, besonders das letzte Viertel. Es gibt nicht wirklich einen Spannungsbogen, weil mir ganz lange nicht klar war, was die Rebellengruppe eigentlich vor hat. Und die Rettungsaktion von Juls Vater war zwar ganz nett, aber nicht so wirklich relevant für den Plot und in meinen Augen auch nicht wirklich realistisch. Zum Beispiel, dass Mayari mit 20 und ohne Ausbildung schon eine super Hackerin ist, die es mit dem Regime aufnehmen kann. Auch deshalb wirkte das letzte Viertel für mich sehr übers Knie gebrochen. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, die Szenen wirken ein bisschen sprunghaft. Von mir aus hätte das Buch gerne noch 50 Seiten länger sein können, aber dafür besser gepaced. Auch weil „Rising Bahia“ bis zum Rand vollgepackt ist mit schwierigen Themen und social issues. Das rechne ich der Autorin hoch an. Aber es führt auch dazu, dass gewisse Dinge nur angeteasert werden. Ja, „Rising Bahia“ soll der Auftakt für eine Trilogie sein. Aber ich hätte es trotzdem toll gefunden, wenn die Autorin die Tatsache, dass Jul nicht monogam ist, vertieft hätte, zum Beispiel. Auch hat das dazu geführt, dass gewisse Dinge einfach in einer throw away line abgehandelt wurden, was ich schade fand. Eine davon ist mir besonders sauer aufgestoßen: Recht am Anfang, als Jul in die Schule kommt, in der sie ihr Praktikum absolvieren wird, weißt die Schulleiterin sie darauf hin, dass aufgrund der unglücklichen Lebensumstände, viele der Kinder „geistig zurückgeblieben“ wären. Ich weiß, dass @equalwritesde ein Sensitivity Reading von „Rising Bahia“ gemacht hat, aber dieser Ausdruck ist einfach ein absolutes No-Go! Die meisten Betroffenen bevorzugen den Ausdruck „Mensch mit Lernschwierigkeiten“. Außerdem war der Satz absolut unnötig, weil Jul sowieso nur auf absolut verhaltensunauffällige Kinder trifft, die sie natürlich komplett vergöttern. Insgesamt hatte ich durch diese vielen Kleinigkeiten eher weniger Spaß an „Rising Bahia“, was mir echt leid tut. Denn es ist ein mutiges Buch, mit einem interessanten Thema, einer tollen Kulisse, interessanten Figuren und es scheut sich auch nicht vor schwierigen Themen. Aber handwerklich ist es halt nicht wirklich ausgereift. Ich werde Mo Schneyder als Autorin trotzdem im Auge behalten und vermutlich werde ich auch Band 2 der Trilogie noch eine Chance geben.
Juliana lebt in den Tag hinein. Nach ihrem Abschluss jobbt sie in einem Modegeschäft und führt einen erfolgreichen Fashion-Blog. Dennoch weiß sie nicht so recht, was sie in ihrem Leben eigentlich erreichen will. Ihre Mütter drängen sie bereits zu einer Entscheidung. Um sich eine Schonfrist zu erkaufen, reist Jul für ein Praktikum nach Brasilien, dem Land ihrer leiblichen Eltern und arbeitet dort als Lehrerin in einer der vielen Favelas, den Slums, die die Regierung am liebsten auslöschen würde. Hier wird ihre Weltanschauung schnell auf den Kopf gestellt. Kinder, die nur zur Schule gehen, um von den kostenlosen Mahlzeiten zu profitieren. Junge Männer, die auf offener Straße erschossen werden, weil sie Drogen verkaufen müssen, um zu überleben. Nur zufällig entdeckt Jul die verbotene Kampfsportart Capoeira. Oder steckt doch mehr dahinter? Begleitet sie dabei, wie sie ihre Wurzeln entdeckt, ein zweites Zuhause findet und sich für Gerechtigkeit in einem, von weißen alten Männern gebeuteltes Land einsetzt.
Mo Schneyder zeichnet ein turbulentes Bild eines Landes, das wir sonst nur durch Samba-Umzüge und weiße Sandstrände kennen. Trotz ihrer brasilianischen Wurzeln kommt Jul aus einem privilegierten Umfeld und leitet den Leser anschaulich durch Situationen, die für Angehörige keiner Erklärung bedürfen. Sie reist nicht nur durch Vorzeigevorstädte und Favelas, sondern begibt sich auf eine Expedition durch den Regenwald und trifft auf verschiedene Völker. Die Story ist so bunt wie das Land, in dem es spielt. Wer Magie, Vielfalt und uralte Götter liebt, wird hier auf seine Kosten kommen.
Nur der einzigartige Erzählstil der Autorin hat es mir etwas erschwert, anfangs in die Geschichte hineinzufinden. Mo Schneyder schreibt in ausgewählten Schnappschüssen, die zwischen den einzelnen Szenen einigen Raum für freie Interpretation lassen. Nach einer kleinen Einlesephase konnte ich jedoch voll eintauchen und habe die Geschichte sehr genossen.
Nach dem Schulabschluss möchte Jul, die in einer heilen Welt auf dem Hof ihrer Mütter aufgewachsen ist, ein Praktikum an einer Schule in Brasilien machen. Sie wurde als Baby adoptiert und möchte mehr über ihre eigene Herkunft erfahren. Den Menschen in ihrer Favela geht es als andere als gut. Die Regierung setzt mit allen Mitteln und ohne Rücksicht ihr Interessen durch und schreckt dabei auch vor Morden nicht zurück. Die Bevölkerung lebt in Angst und Armut.
Jul schließt sich einer Capoeira Gruppe an, da sie vom ersten Moment an vom dem Kampfsport fasziniert ist, und gerät so in den Widerstand hinein. Als sie kurz darauf erfährt, dass sie von einer Orisha, einer Göttin abstammt, beschließt die, ihre Fähigkeiten für den Kampf der Rebellen einzusetzen, auch wenn sie dadurch selbst in Gefahr gerät.
"Rising Bahia" von Mo Schneyder ist ein fulminantes Fantasy Abenteuer, das sich erfrischend von den meisten Fantasy Romanen abhebt. Das liegt einerseits an dem ungewöhnlichen und wunderbar in Szene gesetzten setting. Andererseits aber auch an dem sehr starken Charakter der Protagonistin und daran, dass Themen wie LGBTQ mit angenehmer Selbstverständlichkeit in die Handlung einfließen. Auch politisch ist der Roman äußerst aktuell- für Fantasy ebenfalls eher untypisch. "Rising Bahia" ist unglaublich temporeich. Hier ging es mir manchmal fast ein wenig schnell, wurde dadurch aber auch auf keiner Seite langweilig. Mo Schneyder ist eine einzigartige Autorin, mit einer sehr individuellen Schreibweise und ich wünsche mir wirklich, dass ihre Bücher sehr viel Aufmerksamkeit bekommen. Für mich eine Richtung, in die Fantasy unbedingt noch mehr gehen muss.
„Rising Bahia“ war das erste Buch, das ich von Mo Schneyder gelesen habe, obwohl ich ein weiteres Buch bereits zu Hause stehen habe, dass ich ebenfalls zeitnah lesen möchte. Hier hatte mich das Cover absolut umgehauen – wie genial ist das denn? Und dann ist das Buch von einer noch nicht bekannten Autorin? Ich glaube, jeder große Verlag kann neidisch sein auf dieses Buch!
Was mich aber richtig gefreut hat war, dass ich das Buch selbst richtig gut fand. Im Mittelpunt der Handlung steht die junge Juliana, die in Deutschland mit ihren beiden Müttern lebt. Da sie selbst noch nicht genau weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen möchte, geht sie nach Brasilien, um in einer Favela als Lehrerin zu arbeiten, doch schnell merkt sie, dass Brasilien sie auf eine Weise beansprucht, mit der sie ganz und gar nicht gerechnet hat. Es fängt mit dem verbotenen Kampftanz Capoeira und dem Wissen um die Orishas, den verbotenen Göttern. Ist sie wirklich nur Gast in diesem Land, oder hat sie einen Teil von sich gefunden, der hierher gehört?
Die Schreibe der Autorin ist sehr flüssig, so dass ich das Buch auch relativ schnell gelesen hatte. Es gibt im Buch zwar eine Stelle, wo ich mir wünschte, dass das Buch ein Kapitel mehr gehabt hätte, aber da mir der Rest des Buches einfach fantastisch gefallen hat, bewirkt das nicht, dass ich dem Buch weniger Punkte geben möchte. Es war stellenweise wirklich super spannend, lustig, traurig – alles was ein wirklich gutes Buch eben so braucht!
Rising Bahia erzählt die Geschichte von Jul, die in Brasilien geboren wurde und nach Deutschland adoptiert wurde. Jetzt ist sie eine junge Frau und beschließt eine Zeit lang nach Brasilien zurückzukehren, wo sie dann mitten in eine Revolution hineingezogen wird.
Ich habe mich zuvor kaum mit brasilianischer bzw generell südamerikanischer Kultur beschäftigt. Und obwohl ich keinen einzigen der Begriffe für zb Gerichte, Instrumente oder Gottheiten kannte, konnte ich diesem Buch immer ohne Probleme folgen, da diese Begriffe immer einfach verständlich erklärt wurden und sich ein ausgiebiges Glossar am Ende des Buches befindet.
Ich habe die ganzen Charaktere, allen voran Jul und Pantera sehr ins Herz geschlossen und ihre Geschichte hat mich einfach mitgerissen. Vor allem ab der Mitte des Buches steigert sich das Tempo enorm und es geht nur mehr Schlag auf Schlag.
Ich habe beim Lesen so viel Neues gelernt. Es wurden so viele wichtige Themen im buch angesprochen: Armut, Slums, Rassismus, Klimaschutz, Abholzung des Regenwaldes, indigene Völker und vieles mehr.
Ich hatte große Freude daran und kann es nur empfehlen.ich freue mich sehr auf den nächsten Band.
Magie, Götter, Action und Gesellschaftskritik. Das alles findet ihr in "Rising Bahia". Das Buch spielt in Brasilien und hat ein super interessantes Setting, das ich so bisher noch gar nicht aus Büchern kannte. Es werden sehr wichtige Themen aufgegriffen, die meiner Meinung nach häufiger in Büchern vorkommen sollten.
Man fiebert die ganze Zeit mit den Charakteren mit, aber vor allem ab der zweiten Hälfte wurde es nochmal spannender. Auch die Umsetzung der Lovestory hat mir extrem gut gefallen.
Ich bin schon richtig gespannt auf den nächsten Band, besonders nach dem krassen Ende 😱
Wenn ihr gesellschaftskritische Bücher mit viel Spannung mögt, müsst ihr das Buch unbedingt lesen. Oder auch einfach so 😂
Das Buch lässt sich sehr einfach lesen, obwohl es politisch ist. Die Verbindung von Capoeira und Magie fand ich super und die Beschreibung von Capoeira, der Energie die man beim Training und der Roda fühlt sehr gut, es hat mich an meine ersten Capoeira Erfahrungen erinnert. Ein paar Teile der Geschichte hätte ich mir besser erklärt gewünscht (zB wurde nicht erwähnt dass/ob Jul dankbar wäre, dass ihre ganze Gruppe mit ihr die tagelange Reise unternommen hat), aber mir hat sie dennoch sehr gut gefallen. Ich habe mich beim Ende nur gefragt, ob es einen zweiten Teil geben wird, da doch noch viele Fragen offen stehen.