Mit »Im Berg ist ein Leuchten« erscheint neun Jahre nach seinem letzten Werk »Die Luke« endlich ein neuer Roman von Andri Perl. Die konzentrierte und subtile Erzählung führt uns in sechs Kapiteln immer tiefer in einen verlassenen Bergstollen. Perl verknüpft elegant Historie und Gegenwart, Engadiner Dorf und weite Welt, Landwirtschaft und Industrialisierung und schafft ein literarisches Denkmal für die, die nicht mehr hier sind. Die literarische Kraft von »Im Berg ist ein Leuchten« wird durch die brillanten Illustrationen von Adina Andres zum Strahlen gebracht.
Es war mitten in der Nacht, als mit einem Mal Sirenen aufheulten und kurz darauf ein Rufen durch die Gassen ging: Das war das Rufen der Brandwache. Mattia stand auf und sah seinen Vater in die Uniform der freiwilligen Feuerwehr steigen: »Die Insel brennt.«
Unterhalb des Dorfes Sulvaschin erwächst eine wundersame alpine Landschaft: die Insel. Schwer zugänglich und verwuchert ist sie, geprägt von den Ruinen einer alten Bergbausiedlung, zugleich der Vorhof eines Stollensystems. Sie ist Teil des Nationalparks und das Refugium vieler bedrohter Arten.
Lisa, die Erzählerin, forscht in Sulvaschin und auf der Insel nach ihrem seit Jahren vermissten Vater. Sie folgt seiner Spur in Gesprächen mit der Dorfbevölkerung. Jedes Kapitel führt uns gedanklich tiefer in den Berg. So wird »Im Berg ist ein Leuchten« zu einem Memento für das Verschwindende und die Verschwundenen.
Natürlich war mir Andri Perl bisher ein Begriff. Aber mehr eben auch nicht. Bis ich das Glück hatte, bei seiner Buchpräsentation den Büchertisch führen zu dürfen und Perl live erlebt habe. Woraufhin ich natürlich auch gleich sein neuestes Buch lesen wollte.
Es ist ein kurzes Werk, das aber sehr tief reicht. Auch wenn man beim ersten Mal lesen nur so durch die Seiten fliegt, merkt man, dass hier noch mehr ist. Irgendwo versteckt noch mehr wartet. Deshalb eignet sich dieses Buch als Thema eines Buchclubs oder auch für einen Re-Read. Wer weiss, man sonst noch so in diesem Text entdecken mag?
Sollte es jemals eine Hörbuchversion davon geben, hoffe ich sehr, dass Perl diese selbst liest. Denn ist das Buch an und für sich schon gut - wenn der Autor seinen Text liest, wird das Ganze gleich noch einmal ein Stück besser.