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Wohnopoly: Wie die Immobilienspekulation das Land spaltet und was wir dagegen tun können

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Die Wohnungsfrage ist die soziale Frage unserer Zeit. Doch statt sie anzugehen, werden Fehlentwicklungen systematisch politisch gefördert. Wohnungen sind zu reinen Spekulationsobjekten verkommen. Hohe Nachfrage und sogenannte Zwangssanierungen lassen die Mieten explodieren und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern auch im Umland. Menschen werden aus jahrzehntelang gewachsenen, sozialen Strukturen gerissen, gentrifizierte Viertel zu Soziotopen der Besserverdienenden. Wie konnte es soweit kommen? Warum unternimmt die Politik so wenig, um Mietenwahnsinn und Spekulation endlich zu stoppen? Und was muss getan werden, damit Wohnen endlich wieder bezahlbar wird? Caren Lay nimmt die deutsche Wohnungspolitik der letzten 20 Jahre schonungslos unter die Lupe, zeigt auf, wie und warum Deutschland zum Eldorado für Wohnungsspekulation werde konnte, und liefert provokante Ideen für eine soziale Wohnungspolitik, die wir so dringend brauchen.

208 pages, Kindle Edition

Published August 29, 2022

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Caren Lay

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Displaying 1 - 5 of 5 reviews
Profile Image for Marius.
46 reviews18 followers
July 2, 2025
Bereits im Titel wird der Ton für das Buch gesetzt. Lay bedient sich des Vergleichs mit dem Spiel Monopoly und überträgt so die Vorstellung von einer kleinen Gruppe an Kapitalisten, die die Geschicke des Wohnungsmarkts lenken, auf die Situation in deutschen Städten. Dazu sei es die Spekulation, die das Land spalte.

Sie weist zwar zu Beginn die von Vertretern der Wohnungswirtschaft gern verbreitete These zurück, dass allein die Nachfrage nach Wohnraum in den Städten für die Wohnungsnot verantwortlich sei [14]. Dem entgegen setzt sie aber nur wenige Sätze später ihre, genauso falsche, Erklärung: „Ich vertrete die These, dass die Spekulation mit Wohnraum die Mietenkrise verursacht. Das Problem entsteht auf den Finanzmärkten, die aus viel Geld noch mehr Geld machen wollen.“ [15] Dass Spekulation der Mechanismus ist, der letztlich zu Preissteigerungen führt, ist für sich genommen korrekt, da jeder Kapitalist auf eine Zunahme der Rendite in Folge seiner Investition abzielt. Lays Begriff von Spekulation allerdings ist Ausdruck ideologischer Vorstellungen, da sie die Spekulation allein der Finanzmarktsphäre zuschreibt und sie nicht als Grundbestandteil der kapitalistischen Produktionsweise versteht. Ursache und Verursacher seien – sans phrase – ‚die Finanzmärkte‘. Es gebe auf der einen Seite ‚gute Investitionen‘ und auf der anderen Seite ‚schlechte Spekulation‘.

Die Kritik an Privatisierungen großer Wohnungsbestände ist insofern berechtigt, als dass die Folgen für Mieter in Form von Mietsteigerungen und teuren Modernisierungen in vielen Fällen große Einschnitte bedeuteten. Anzunehmen, dass im Umkehrschluss die staatliche Wohnungsbewirtschaftung zu einer Lösung der bestehenden Probleme führen würde, zeugt von einem unkritischen Staatsverständnis, das auf der nur scheinbar vorhandenen Trennung zwischen Markt und Staat beruht.

Lay macht keinen Hehl daraus, dass der Staat für sie das Mittel der Wahl ist, um die Missstände des Wohnungsmarkts zu beheben. „Der Rheinische Kapitalismus war politisch reguliert, er folgte Regeln, die sich am Gemeinwohl orientierten. […] Der Staat verabschiedete sich von einer aktiven Gestaltung und Steuerung des Wohnungsmarktes und vertraute auf die Kräfte des Marktes. […] Ein von den Finanzmärkten getriebener Kapitalismus machte sich breit.“ [51f.] Dem guten, gemeinnützigen, staatlich regulierten Rheinischen Kapitalismus wird der schlechte finanzmarktgetriebene Kapitalismus entgegengesetzt.

Mehrere Passagen im Buch erwecken den Eindruck, dass ihr das Agieren international tätiger Akteure ein besonderer Dorn im Auge ist, so oft, wie sie erwähnt, dass es sich um ausländisches Kapital handelt, das in den deutschen Wohnungsmarkt fließt. Zwar sieht sie sich genötigt, sich dafür zu rechtfertigen und relativiert ihre Aussagen mit dem Verweis darauf, dass der Renditedruck des Kapitals und nicht dessen Herkunft relevant sei. Diese Relativierung ihrer vorher getätigten Äußerungen räumt aber den Verdacht nicht aus, dass sie zwischen gutem deutschen und schlechtem ausländischen Kapital unterscheidet.

Das dritte Kapitel des Buchs mit dem Titel „Die Macht der Lobby – warum sich am Mietenwahnsinn nichts ändert“ ist auch gleichzeitig das längste. Politiker, die mit ihrem Handeln eigentlich auf ‚das Gemeinwohl‘ zielen, würden durch die Machenschaften der Lobby kompromittiert. Das Buch endet in einem „Mieten-Manifest“, größtenteils bestehend aus Vorschlägen zur staatlichen Regulation des Wohnungsmarkts, um „die Macht der Fonds und Konzerne [zu] brechen“ [182].

Lays Buch ist der Inbegriff dessen, was ich ideologische Gentrifizierungskritik nenne. Dort treffen moralische und personalisierende Kritik auf ein unkritisches Staatsverständnis, die Illusion vom erreichbaren Gemeinwohl in der bürgerlichen Gesellschaft auf Ressentiments gegenüber allem, was mit dem Finanzmarkt zu tun hat. Lays kürzlich entdeckte Leidenschaft für die Unterbringung ihrer politischen Inhalte in TikTok-Songs mit zugehörigem Personenkult passt dazu, weil dadurch die Verflachung der Inhalte abermals zunimmt.
Profile Image for Kyanoush.
13 reviews
December 23, 2024
Ehrenfrau Caren Lay hat mal wieder mies delivered ( if u know, u know ) ;)
Das Buch lässt sich super lesen, es gelingt Lay trotz der teils sehr komplexen und verklausulierten politischen Sachverhalte, die zugrundeliegenden Strukturen gut verständlich darzustellen.

Was weiterhin sehr schön ist, ist dass das Buch wie ein Wohnpolitischer Massnahmenkatalog ist und Mensch konkrete Massnahmen für Veränderungen an die Hand kriegt.

Nun zum Inhalt, Wohnen manifestiert die eh schon bestehenden Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen wie kaum ein anderer Bereich des Lebens.
Hat aber umgekehrt das Potential, vieles auch positiv zu korrigieren, was sonst schief läuft, siehe Wien.

Bezogen auf Deutschland ist es krass zu sehen, dass wir in der Nachkriegszeit ein recht sozial(istisches) wohnsystem hatten, dass größtenteils kommunal und genossenschaftlich organisiert war.
Ein Mietendeckel war damals standard, genau wie der bau von Sozialwohnungen.
Vor allem die CDU hat sich damals für dieses soziale System, in dem die Städte denen dienen, die drin wohnen, stark gemacht.
Es waren vor allem spd und grüne, die durch die fehlgeschlagenen Privatisierungen, steuerprivilegien für hedgefonds und superreiche, die desaströse wohnsituation im heutigen Deutschland verantworten.
Dessen war ich mir bisher nicht bewusst.

Der historische Blick ist super wichtig, da er zeigt, dass ein anderes system viele jahre sehr erfolgreich funktioniert hat und von einem breiten gesellschaftlichen Konsens cdu - Grüne getragen wurde.
Das hilft auch beim argumentieren, gegen die üblichen „das ist doch utopisch, das ist doch Sozialismus“ Argumente.

Ich könnte noch viel schreiben, naja summa summarum, ein tolles Buch, mit einigem neuen Informationen und Anregungen, wie wir wohnen und unsere Städte neu denken sollen.
Profile Image for Sophia Yo.
77 reviews1 follower
June 30, 2025
Selten hat mich ein Buch so unglaublich wütend gemacht. Wer in einer deutschen Großstadt wohnt, hat den angespannten Mietenmarkt aus erster Hand erlebt. Dieses Buch zeigt, dass das Problem durch Spekulation, Lobby und immense politische Fehlentscheidungen über Jahre gewachsen ist. Es zeigt einem eindrücklich, dass man wachsam bleiben muss und die Politik zur Rechenschaft ziehen muss.

ein guter Aufruf, um sich zu organisieren.
742 reviews3 followers
July 6, 2025
Was ist der Zweck einer Wohnung? Sie ist zum Wohnen da. Jeder Mensch braucht ein Dach über dem Kopf. Allerdings dienen heutzutage Immobilien vor allem als Geldanlage, oft als Altersvorsorge für Investoren aus dem Ausland. Wir haben in Deutschland ein Recht auf Wohnen, nicht auf Profitmaximierung. Die Realität sieht leider anders aus. Immer mehr Menschen arbeiten nur noch für die Miete, die Obdachlosigkeit wächst immer weiter.
Caren Lay zeigt, wie es kam, dass es kam, sodass es ist, wie es ist. Und sie zeigt auch, wie man das Problem beheben kann. Ich wünsche diesem klugen Buch viele Leser'innen.
Profile Image for Emma.
9 reviews
January 19, 2025
Das Buch eröffnet Zugang zu einem wichtigen aber komplexen Thema in verständlicher Art und Weise. Besonders die Kapitel zu Geldwäsche und Steuerstrategien geben packende Einblicke darüber, wo es in Deutschland bei der Gestaltung eines sozial zugänglichen Wohnungsmarktes hakt. Das Buch liest sich insbesondere für ein „Sachbuch“ sehr flüßig. Nur 4 Sterne, da das Buch gegen Ende sehr repetitiv wird. Wer kurze, wiederholende Zusammenfassungen zum Erinnern an das Gelesene mag, ist hier aber genau richtig.
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