Marieke Lucas Rijnevelds lyrisches Universum ist unnachahmlich und doch so vertraut. Seine Gedichte sind bevölkert von Fröschen, Schmetterlingen und Seesternen, von Vätern, denen schwierige Fragen gestellt werden – »Wo kommen Kinder her, wenn Eltern sich nie küssen?« –, von unsterblichen Großmüttern und Jugendlichen auf ihrem Weg zu einer belastbaren Identität. Und doch scheint nichts belastbar in diesem Kosmos aus zarten Begegnungen und erschütternden Einsichten über Leben und Ableben: Erheiterndes wird tragisch, Statisches kommt ins Wanken, das Unsichtbare greift unvermittelt an.
Diese erdigen wie geerdeten Gedichte erzeugen bildstark Szenen einer éducation sentimentale: Das Aufblühen der Sexualität und animistische Tierkörper treffen hier auf religiöse Maximen und magisches Denken. Gedichte, in die man sich verirrt, um sogleich den Beschluss zu fassen, in ihnen auf ewig zu verweilen.
Lucas Rijneveld (b. 1991) grew up in a Reformed farming family in North Brabant before moving to Utrecht. One of the greatest new voices in Dutch literature, his first poetry collection, Kalfsvlies, was awarded the C. Buddingh' Prize for best poetry debut in 2015, with the newspaper de Volkskrant naming him literary talent of the year. In 2018, Atlas Contact published his first novel, De avond is ongemak (The Discomfort of Evening), which won the prestigious ANV Debut Prize and was a national bestseller. The UK edition won the Booker International Prize 2020. Alongside his writing career, Rijneveld works on a dairy farm.