The Butterfly State (Das Mädchen mit den Schmetterlingen) ist eine irische Familientragödie. Die elfjährige autistische Tess wurde des Mordes an ihrem Vater für schuldig befunden und verbrachte zehn Jahre in einer Anstalt. Trotzdem es einen Mord gibt und am Ende dessen Aufklärung steht, ist dieses Buch kaum ein Krimi. Wer sich gern als Armchair Detective betätigt, wird enttäuscht sein.
Der Roman spielt sich auf drei zeitlichen Ebenen ab, die alternierend erzählt werden. 1981 als Tess nach Árd Glen im County Wicklow zurückkehrt. 1971 bis Ende der siebziger Jahre, die Zeit nach dem Mord vor allem aus Sicht ihrer älteren Geschwister, deren Leben dadurch einen anderen Verlauf nimmt. 1948 bis Ende der sechziger Jahre, die Ehe der Eltern, die die Saat für die künftigen Ereignisse legt. Ich mag diese Art der Erzählung sehr.
Die Geschwister Byrne sind neben Tess der älteste Bruder Sean, der wie sein Vater dem Alkohol verfallen ist. Die ältere Schwester Kate, die alles zusammenhält und dabei ihr eigenes Glück aufs Spiel setzt. Und der jüngere Bruder Ben, dessen Autismus stärker als Tess' ausgeprägt ist. Keiner von ihnen fragt sich oder traut sich zu fragen, ob ein kleines Mädchen wirklich einen Mord begehen kann und wenn nicht, wer dann. Ein Reporter hat bei dieser Geschichte Blut geleckt und forscht nach. Die Figur des Reporters ist unnötig, weil er keine Erkenntnisse zu Tage fördert, die nicht auch schon aus anderen Teilen der Romans bekannt geworden sind.
Am Ende wird der Mörder entlarvt, doch das wirkt so, als hätte sich die Autorin irgendwann besonnen, dass dieser Mord auch noch ein Teil der Geschichte und deren Aufhänger war. Der Epilog sieht auch sehr zusammengeschustert aus, um alles sauber ablegen zu können. Als Kriminalroman wenig überzeugend, als irische Familiengeschichte dafür umso mehr.