Ein französischer Diplomat verschwindet 1896 spurlos aus dem Münchner Hotel Vier Jahreszeiten. Vermutlich hat er Informationen zu einer neuen Erfindung besessen, die es ermöglicht, telegrafische Falschmeldungen zu produzieren. In den unruhigen Zeiten, auf die Europa zusteuert, birgt diese Technik eine zerstörerische Macht. Die Ermittlungen führen Gryszinski auf eine verhängnisvolle Reise mit düsterem Ausgang.
Zwanzig Jahre später hält ein grausamer Krieg die Welt im Klammergriff. Gryszinskis Sohn Fritz ist mittlerweile erwachsen und wird als Meldegänger an der Front in Verdun eingesetzt. Unverhofft gerät er an neue Indizien zum Fall des verschwundenen Diplomaten. Fritz begibt sich auf eine geheime Mission durch Europa, in der Hoffnung, zu Ende zu führen, was sein Vater begonnen hat.
Uta Seeburg studierte Germanistik, Komparatistik und Kunstgeschichte in ihrer Geburtsstadt Berlin, anschließend promovierte sie in Berlin und Cambridge. Nach der Promotion zog es sie nach München, wo sie erst als Werbetexterin und anschließend als Reise- und Buchredakteurin bei AD Architectural Digest arbeitete. Heute widmet sie sich ausschließlich der Schriftstellerei.
Seeburg lebt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Haidhausen.
Gelesen war das Hörbuch wieder ausgezeichnet und es war mir eine Freude, es anzuhören. Die Geschichte selbst fand ich leider im Vergleich zu den ersten beiden Teilen, die mir so gut gefallen haben, enttäuschend. Das Buch beginnt auch spannend, verliert diese Spannung nur leider. Gryszinski soll möglichst verdeckt herausfinden, was mit einem französischen Diplomaten passiert ist, der einfach verschwunden ist. Zeitgleich passieren in diesem Umfeld mehrere Morde. Unglücklicherweise sollen sich im Besitz des Franzosen Bauplänen für eine Erfindung befinden, die im Falle eines Krieges verheerende Auswirken haben könnte. Um alles aufzuklären und die Pläne zu finden, muss Gryszinski verdeckt ermitteln, mit seiner Frau Sophie durch Europa reisen und daneben darf natürlich auch das Thema Kulinarik nicht zu kurz kommen. Auf einer zweiten Zeitebene folgen wir Gryszinkis Sohn Fritz, der als Leutnant und Meldegänger im Ersten Weltkrieg in der Schlacht um Verdun aktiv ist.
In einer Rezension von @Buchbesprechung wurde genau das beschrieben, was ich mir auch gedacht hatte, daher zitiere ich: „Besonders störend ist in diesem dritten Band die heute leider allzu verbreitete Art, kapitelweise in verschiedenen Zeitebenen hin und her zu springen – hier also zwischen 1896 und 1916. Statt dadurch im besten Fall die Dramatik des Romans zu steigern, wird in „Der treue Spion“ jeder Spannungsaufbau nach wenigen Seiten eines Kapitels durch den Zeitenwechsel wieder zunichte gemacht. Erscheint die Geschichte um Seeburgs eigentlichen Protagonisten Wilhelm von Gryszinski dabei noch sachlich und atmosphärisch stimmig, wirkt das Spionage-Abenteuer seines Sohnes Fritz recht unglaubwürdig und ist voller willkürlicher, fast märchenhafter Zufälle. Hatte ich die ersten beiden Bände dieser Krimireihe voller Überzeugung gern zur Lektüre empfohlen, kann ich dies beim dritten Band leider nicht.“
REZENSION – Mit dem Roman „Der treue Spion“, erschienen im April beim Verlag Harper Collins, hat die promovierte Literaturwissenschaftlerin Uta Seeburg (42) ihre in den 1890er Jahren spielende Krimi-Reihe um den als Sonderermittler an die Königlich Bayerische Polizeidirektion nach München ausgeliehenen preußischen Reserveoffizier Wilhelm Freiherr von Gryszinski nun fortgesetzt. Nach „Der falsche Preuße“ (2020) mit dem ersten Mordfall des im neuen Verfahren der Spurensicherung geschulten Kriminalbeamten, und „Das wahre Motiv“ (2021) begleiten wir Gryszinski, der im Einsatz nie ohne seinen Tatortkoffer zu sehen ist, im Jahr 1896 bei seinem Bemühen, gleich mehrere Morde aufzuklären, die in direktem Zusammenhang mit dem spurlosen Verschwinden eines französischen Diplomaten stehen. Man munkelt, er sei im Besitz von Plänen für eine technische Erfindung gewesen, die es ermöglicht, Funksprüche zu manipulieren und dadurch Falschmeldungen zu verbreiten, was im Falle eines Krieges verheerende Auswirkungen haben würde. Parallel zu diesem Handlungsstrang erleben wir 20 Jahre später seinen inzwischen 22-jährigen Sohn Fritz als Leutnant und Meldegänger im Ersten Weltkrieg in der Schlacht um Verdun in Frankreich. Von seinem preußischen Vorgesetzten, der damals in München dem französischen Diplomaten im Auftrag der deutschen Regierung als Begleiter zugeteilt war, wird er mit einer geheimen Mission beauftragt: Er soll, mit falschen Personalpapieren ausgestattet, nach Paris durchschlagen, dort einen Brief in Empfang nehmen und diesen im russischen Sankt Petersburg abliefern. Im Laufe dieses ungewöhnlichen Spionageeinsatzes trifft Fritz auf Spuren des einstigen, von seinem Vater niemals vollständig aufgeklärten Falles. Ihrem dritten Roman versucht die - wie ihr Protagonist Gryszinski in Berlin geborene und nun in München lebende - Autorin das Thema der Verbreitung von Falschmeldungen („Fake News“) sowie daraus sich ergebender Risiken zu verarbeiten: „Irgendwie wabert dieser Krieg durch ein undurchdringliches Geflecht aus Botschaften, Gerüchten und unsinnigen Informationen. … Doch für ihre schnelle Verbreitung sorgt die ständige Innovation.“ Gerade heute in Zeiten des Internet und Sozialer Medien erleben wir die Risiken solcher Falschmeldungen täglich. Doch die Brisanz dieses Themas auszuarbeiten, gelingt ihr leider nur ansatzweise und wird von einer leider allzu oberflächlichen Kriminalhandlung überlagert, die weniger durch Logik, als mehr durch Zufälle ihr überraschendes Ende findet. Hatte ich in meiner Rezension zum ersten Band noch geschrieben, die Autorin verbinde „mit Geschick und einer gehörigen Portion Humor und ironischen Spitzen so unterschiedliche Aspekte wie bayerische Lebensart und Bierseligkeit mit angeblich preußischen Tugenden wie Disziplin und Enthaltsamkeit sowie Anfänge professioneller Kriminalistik mit gesellschaftlichem Leben zur Jahrhundertwende“, so ist hiervon im dritten Band kaum noch etwas zu lesen. Doch genau dies machte den Reiz der ersten zwei Bände aus. Auch nach dem zweiten Band hatte ich zusammenfassend noch gemeint: „Nicht zuletzt diese „Reibung“ bekannter Klischees über Preußen und Bayern geben den Krimis um den preußischen Offizier in München ihr gewisses Alleinstellungsmerkmal unter den deutschen Krimis, verschaffen ihnen den besonderen Reiz und machen deren Lektüre zum erholsamen Spaß.“ Doch von diesem so „besonderen Reiz“ ist im dritten Band leider nichts mehr zu spüren. Es scheint, als sei die Autorin nach ihrem hervorragenden Start zur Veröffentlichung eines dritten Bandes gedrängt worden, ihr aber inzwischen die Puste ausgegangen. Besonders störend ist in diesem dritten Band die heute leider allzu verbreitete Art, kapitelweise in verschiedenen Zeitebenen hin und her zu springen – hier also zwischen 1896 und 1916. Statt dadurch im besten Fall die Dramatik des Romans zu steigern, wird in „Der treue Spion“ jeder Spannungsaufbau nach wenigen Seiten eines Kapitels durch den Zeitenwechsel wieder zunichte gemacht. Erscheint die Geschichte um Seeburgs eigentlichen Protagonisten Wilhelm von Gryszinski dabei noch sachlich und atmosphärisch stimmig, wirkt das Spionage-Abenteuer seines Sohnes Fritz recht unglaubwürdig und ist voller willkürlicher, fast märchenhafter Zufälle. Hatte ich die ersten beiden Bände dieser Krimireihe voller Überzeugung gern zur Lektüre empfohlen, kann ich dies beim dritten Band leider nicht.
Der preußische Offizier und Adelige Wilhelm Freiherr von Gryszinski ist als Kriminalpolizist in München tätig. Der spurlos verschwundene französische Diplomat Fouqué scheint eher ein politisch delikates Problem, aber keine besonders schwierige Aufgabe für Gryszinski zu sein. Doch dieser Fall führt ihn quer durch Europa und beschäftigt sogar noch 20 Jahre später seinen Sohn Fritz – und bringt ihn in tödliche Gefahr.
So fand ich’s:
Wie die beiden Vorgängerbände auch spielt diese dritte Episode Ende des 19. Jahrhunderts in München. Der Preuße Gryszinski hat sich inzwischen perfekt in Bayern eingelebt, ist ein eher gemütlicher Mensch, der gutes Essen und seine Familie schätzt, der aber auch neuen Dingen gegenüber aufgeschlossen ist. Der Franzose Fouqué ist nicht im Amüsierviertel versumpft, wie man zuerst vermutete, sondern er war in einen sehr undurchsichtigen Fall von Spionage verwickelt. Es scheint Konstruktionspläne zu geben für eine Technik, die Funksprüche verfälscht, und die deshalb in den unruhigen Zeiten verfeindeter Staaten ein Vermögen wert sind. Fouqué hatte damit zu tun. So jagt Gryszinski irgendwann nicht nur Fouqué nach, sondern versucht auch, diese Pläne an sich zu bringen. Selbst wenn es ihn und seine abenteuerlustige Frau, die als Tarnung mitreisen darf, durch halb Europa führt.
Die Handlung springt zwischen diesem gewohnten Szenario von Gryszinskis Ermittlungen auch immer wieder nach Verdun ins Jahr 1916, also mitten in den ersten Weltkrieg, wo Gryszinskis Sohn Fritz als Melder an der Front seinen Dienst tut. Der Junior wird ebenfalls in den Fall des verschwundenen Diplomaten hineingezogen und dieser Spionagefall ist auch nach 20 Jahren so heiß, dass er Fritz in höchste Gefahr bringt.
Wir schauen also diesmal über München und die Landesgrenze hinaus und werfen einen Blick auf die große Politik. Die weltgewandten Gryszinskis zeigen uns das wohlhabende Leben ausgangs des 19. Jahrhunderts und bewegen sich in Adelskreisen genauso sicher wie unter Künstlern. Uta Seeburg erzählt üppig und sehr menschlich in einer Sprache, die der Zeit angepasst ist und die auch mit hilft, einen in die Erzählung hineinzuziehen. Ohne große technische Hilfe bei den Ermittlungen muss Kombinationsgabe und Wagemut helfen, angefeuert von der einen oder anderen Bratensemmel, und Gattin Sophie mischt hier auch allzu gerne mit.
Ich mochte die Atmosphäre von altem Adel, neuen Inspirationen, einer Ehe auf Augenhöhe und einem Ermittler, der gleichzeitig ein Genießer und Familienmensch, aber auch ein Kämpfer für Gerechtigkeit ist. Man spürt eine gewisse Gemütlichkeit, einen Hauch cosy crime, es wird Häuslichkeit gepflegt und das Tempo ist nicht immer sehr hoch, sondern legt mehr Wert auf die passende Atmosphäre.
Auf eine ruhige Art fand ich diesen dritten Band tatsächlich noch ein Stück besser als die beiden Vorgänger, die mir auch gut gefallen haben. Man könnte das Buch sehr gut lesen, ohne die beiden anderen Bände zu kennen. Doch man sollte sich die anderen Teile ebenfalls gönnen und sich von Uta Seeburg in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzen lassen. Ich habe diese Zeitreise sehr genossen!
"Der treue Spion" hat mich sehr zwiegespalten zurückgelassen. Das Ende hat mich so mitgenommen, eigentlich verdient das Buch deswegen allein 4 Sterne, andererseits kann ich ihm die lange Mitte nicht verzeihen.
Aber fangen wir von vorne an. Der dritte Teil der Gryszinski Reihe ist vom Aufbau schon ganz anders als der Rest. Statt das ganze Buch im fin- de-siècle München zu verbringen, spielt die Hälfte im Ersten Weltkrieg, erzählt von Gryszinskis Sohn Fritz. Das ich prinzipiell kein großer Freund von zwei zeitlichen Erzählebenen bin, hilft wirklich nicht.
Allein die Existenz des Krieges verändert den komödischen Ton der vorherigen Bände. Auch wenn Gryszinski Seniors Teil (und selbst Fritzis) den Humor nicht verliert, nimmt der Schatten des Krieges diesem Band die Leichtigkeit und damit ein Alleinstellungsmerkmal der Reihe. Das muss nicht unbedingt schlecht sein - im Gegenteil, die Autorin beherrscht beide Zeitebenen- aber zieht einen Rattenschwanz mit sich.
Von vornherein zu wissen, dass Gryszinski Senior in seinen Ermittlungen scheitern muss und ihm und Sophie dabei zuzusehen, wie sie in Luxuszügen durch Europa cruisen, hat mich im Vergleich zu Fritzis Drama gelangweilt (ich weiß, dass es anderen Lesern genau andersherum gegangen ist) Dabei muss man der Autorin aber lassen, dass ihr Schreibstil phänomenal ist. Ihre Art, Städte und eine ganze Epoche zum Leben zu erwecken, ist beeindruckend.
Gleichzeitig nehmen sich Fritzi und Vater gegenseitig die Screentime. Fritzens Erlebnisse wirken teilweise stark konstruiert (was sie fairerweise teils auch im Plot durch den Big Bad Superspion- Schurken sind), eben weil die Autorin sehr vieles nur in der Hälfte des Buchs erklären musste, was dazu führt, dass Fritz von einigen seeehr glücklichen Zufälle profitiert.
Ich weiß nicht, ob mir ein Spinoff besser gefallen hätte, das sich primär auf Fritzens Erlebnisse fokussiert? Andererseits liebe ich den Twist mit Bocksnick, der aber wieder abhängig ist von Gryszinkski Senior... Es ist kompliziert. Vielleicht hätte man es auch mit Flashbacks lösen können, da Fritzi durchaus alle Informationen zu den Ermittlungen seines Vaters hat und viele Teile der Handlung wartet/ fiebert? Idk.
Weil die Sache ist... Der Anfang hat mich emotional gemacht. Der Kontrast vom kleinen Fritzi in Zeitebene 1, wie er seine Stofftiere versucht mit Preiselbeeren zu füttern und mit seinem Vater "Topfrunde" macht, zu dem jungen Offizier, der um sein Leben kämpft, war ein Schlag in die Magengrube.
Die Art, wie aus Fritzis Augen die Welt beschrieben wird, ist auch so gut. Viele grauenhafte Dinge an der Front, Morde etc. Werden kindlich-verklärt oder mit Bezug auf die Märchengeschichten seiner Kindertage erzählt, eben weil das sein Coping Mechanism in diesem Krieg ist.
Dann ist da noch die Sache mit Mimi. Mimi ist die Tochter eines reichen französischem Bankiers und einer Vietnamesin aus der französischen Kolonie Indochina. Sie ist Fritzis Love Interest...aber auch nur so semi? Er sieht sie, sie sieht ihn, er spricht sie einmal an, sie lädt ihn ein, sie machen fast rum, er schreit sie an, weil er durch seine Spioangetätigkeit paranoid geworden ist, er verlässt Paris. Am Anfang war ich sehr unsicher, was ich von dieser Beziehung (oder wofür sie steht) halten soll, aber ich glaube, dass ich sie gerne habe. Zuerst mag ich, dass Fritzi (und die Autorin) sich bewusst sind, mit welcher Objektifizierung Frauen wie Mimi belegt wurden und werden, da Fritz sich aktiv vor dem Gedanken widert, sie nur wegen einer "finsteren, kolonialen Fantasie" attraktiv zu finden.
Ja, es geht sehr schnell, ja, es wirkt super Insta-Love, aber 1) sind beide sehr jung, 2) sind sie im Krieg, also in einer hoch emotionalen Situation und 3) dahinter steckt etwas psychologisch-metaphorisches.
Mimi fühlt sich klar gefangen/ wird mit Gefangenschaft assoziiert. Wir lernen sie kennen, wie sie jeden Abend heimlich ihren Kanarienvogel aus seinem Käfig befreit, sie hat Angst vor ihrem Vater und ihr Zimmer wird wie ein Schmuckkästchen beschrieben, indem sie die Tänzer-Figur ist (also ein Objekt) Fritz ist ihr dahingehend ähnlich, wenn auch aus deutlich anderen Gründen. Auch er wird von seinem Vorgesetzten wie ein Objekt in seinem großen Racheplan behandelt, gegen Ende von ihm entmenschlicht und ist nur ein kleines, hilfloses und fremdbestimmtes Rädchen im Krieg. Beide sind verunsichert, beide werden wie Objekte behandelt und ich glaube, dass erkennen sie ineinander (unterbewusst) wieder. Ich mag auch die Parallele, dass Mimi eigentlich Französin und Pariserin ist, aber von der Gesellschaft als "fremd" und "exotisch" abgestempelt wird, während Fritz- buchstäblich deutscher Spion und "Feind- das Privilig hat, in eben dieser Gesellschaft unterzutauchen.
Das Ende hat mich krank gemacht und ich liebe es. Es ist sehr... offen, ich will mehr von Fritzi und wissen, wie es mit ihm weitergeht, aber gleichzeitig ist das ein so passendes Ende für ihn. Wie oben beschrieben, wird er das ganze Buch über fremdbestimmt, und es ist so passend, dass er am Ende zum ersten Mal wirklich eine freie Entscheidung treffen kann, was genau er jetzt tun will. Dass er einmal frei sein kann und wir als Leser ihn mit dieser fast schon intimen Frage allein lassen, weil es wirklich nur um ihn mit seinen Wünschen geht in diesem Moment.
Zum Schluss: Fake News sind das verbindende Thema des Buchs. Die Autorin hat es gut geschafft, die Schwere von Wahrheit und Lüge in einem Krieg herauszuarbeiten, die Manipulation, wie Information die wichtigste Waffe ist etc etc, aber ich wünschte, die Message wäre ein bisschen mehr als "Fake news gefährlich"
Ich fand den Teil leider viel schwächer als Teil 2, was hauptsächlich daran lag, dass wir der Hälfte des Buches Fritz in der Zukunft folgen. Ich fand seine Geschichte nicht spannend und auch er als Charakter ist einfach sehr nichtssagend. Die Teile, die in der originalen Timeline spielten mochte ich viel lieber. Ich fand zwar schön, dass die Gryszinskis dieses Mal viel herumreisen konnten aber dadurch fehlten die charmanten Beschreibungen des täglichen Lebens in München, die diese Serie für mich auch ausmachen,
Wer bereits die ersten beiden Bände um Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski gelesen hat, wird wie ich sicherlich schon gespannt auf diesen dritten Band gewartet haben. Tatsächlich ist seit dem (vorab) Erscheinen von Band 2 ("Das wahre Motiv") nur ein knappes Jahr vergangen. Diese Tatsache lässt mich staunend und der Autorin Uta Seeburg absoluten Respekt zollend zurück, ist doch "Der treue Spion" sowohl was das Erzählerische als auch die Recherchearbeit und historische Authentizität angeht wieder von allerhöchster Qualität.
Diesmal begleiten wir den preußischen Ermittler in München bei einer äußerst delikaten politischen Mission. Ein französischer Diplomat namens Henri Fouqué ist über Nacht spurlos verschwunden, sein letzter Aufenthaltsort war das Münchner Luxushotel "Vier Jahreszeiten". Dort logiert auch ein dubioses russisches Paar, das sich äußerst verschwenderisch verhält und auffällig agiert. Natürlich lässt auch ein Mord im Dunstkreis des Verschwindens Fouqués nicht lange auf sich warten. Im Zuge dessen begleiten wir Gryszinski und seine Gattin diesmal sogar bis nach Paris (und später sogar noch weiter). Während wir im letzten Band mit den Gryszinskis tief in die Kunst- und Kulturszene Schwabings abgetaucht sind, ziehen wir jetzt mit ihnen u.a. durch die Pariser Literaten- und Künstlercafés. Dabei treffen der "Feierabend-Bohemien" und seine schreibende Ehefrau auf Größen der französischen Literatur wie Émile Zola und Marcel Proust. Ich finde es kann - wenn es wie hier gut gemacht ist - immer eine besondere Dynamik entstehen, wenn fiktive Personen auf historische Persönlichkeiten treffen. Hier hat die Autorin es sich nicht nehmen lassen, dass Marcel Proust sich von Gryszinski zu nichts weniger als seinem literarischen Lebenswerk inspirieren lässt. Das ist weder wahr noch bringt es den Plot in irgendeiner Weise weiter, aber es entlockt manchen Literaturkundigen unter den Lesenden sicher ein kleines Schmunzeln.
Überhaupt Literatur und literarisches Schreiben: Man merkt einfach, dass Uta Seeburg promovierte Germanistin und mit der Literatur des späten 19. Jahrhunderts bestens vertraut ist. Ihre Prosa wirkt nicht wie eine Heutige, sondern sie schreibt wie ein/e Autor/in des literarischen Realismus. Mir fallen Flaubert, Fontane oder auch der junge Thomas Mann ein, mit denen ich ihre Prosa vergleichen möchte. Man merkt einfach nicht, dass hier eine Autorin des 21. Jahrhunderts auf 1896/1916 blickt und das spricht absolut für Uta Seeburg denke ich.
Apropos 1916. Ja, diesmal haben wir es nicht nur mit einer, sondern mit zwei erzählten Zeitebenen zu tun - sehr spannend, wie ich finde. Einmal eben die Geschehnisse um den ermittelnden Gryszinski im Jahr 1896 und dann wird abwechselnd parallel aus der Perspektive seines Sohnes Fritz erzählt. Dieser ist im Jahr 1916 an der Front in Verdun, mitten im Ersten Weltkrieg, als Meldegänger rekrutiert. Von dort aus wird er als Spion auf eine abenteuerliche Reise quer durch Europa geschickt, wo er nichts weniger als die Affaire Fouqué zwanzig Jahre nach ihrem Geschehen nochmal aufarbeiten muss. Dabei gerät er selbst in große Gefahr…
Eigentlich sind Spionageromane nicht so wirklich mein Ding. Das ganze Bespitzeln, Misstrauen und Versteckspiel muss ich eigentlich nicht haben. Aber: Uta Seeburg hat mich vom Gegenteil überzeugt. Sie kann halt einfach erzählen. Und mit Gryszinski hat sie einen so sympathischen Protagonisten erschaffen, dass wir uns einfach eine immer neue "Topfrunde" mit ihm wünschen. Und Frau Brunner, die wie immer aus dem Nichts auftaucht, mahnend guckt und sich insgeheim freut, dass ihre Speisen so gut ankommen.
Wir schreiben das Jahr 1896, die politische Weltlage ist alles andere als stabil. Ein Mann verschwindet aus seinem Hotelzimmer. Spurlos. Das wäre nicht weiter problematisch, wenn dieser Mann nicht ein französischer Diplomat wäre, der im Besitz von brisanten Informationen ist. Gryszinski, den wir bereits in den beiden Vorgängerbänden der Reihe kennengelernt haben, wird auf diesen Fall angesetzt. Als dann auch noch kurz danach eine die Leiche eines Erfinders auftaucht, sieht sich der Königlich Bayerische Sonderermittler mit Problemen konfrontiert, die die Weltlage gründlich durcheinander rütteln könnten, denn wie so oft bleibt technologischer Fortschritt nicht ohne Konsequenzen. Eine Situation, die rasches und zielstrebiges Handeln erfordert und deshalb Gryszinski in Begleitung seiner Frau auf eine Reise quer durch Europa schickt. Leider ohne Erfolg, der Fall geht als ungelöst zu den Akten.
1916, zwanzig Jahre später, der Erste Weltkrieg fordert seit zwei Jahren seine Opfer. Fritzi, Gryszinski Sohn, ist an der Front in Verdun als Meldegänger im Einsatz und stößt überraschend auf neue Informationen zu dem Fall, den sein Vater nicht lösen konnte. Die Familiengeschichte wiederholt sich, denn auch er muss in geheimer diplomatischer Mission diverse europäische Stationen abklappern, um seinen Auftrag zu erfüllen, damit dieser Fall endlich als gelöst abgehakt werden kann.
Lesenswerte historische Kriminalromane glänzen durch die Verschränkung intensiv recherchierter Fakten mit einer spannend geplotteten Story. Und wie bereits in den beiden Vorgängern ist dies auch in „Der treue Spion“ ohne Zweifel gelungen, wobei durch die Verlagerung auf zwei Zeitebenen zusätzlich raffinierte und die Spannung steigernde Twists eingebaut werden konnten. Zur Veranschaulichung dienen hierbei nicht nur die verbürgten historischen Ereignisse, sondern auch die stimmigen atmosphärischen Beschreibungen samt der Einbindung bekannter Personen der damaligen Zeitgeschichte, wobei das Namedropping glücklicherweise nicht überhand nimmt. Intelligente und spannende Unterhaltung für Freunde historischer Kriminalromane. Lesen!
Das Cover hat mich zunächst nicht angesprochen, der Klappentext dafür umso mehr. Wir begleiten den Ermittler Gryszinski bei einem Fall (1896), der besonders knifflig ist und noch 20 Jahre später nicht gelöst werden konnte. Doch sein Sohn Friedrich bzw. Fritz kann möglicherweise neue Erkenntnisse finden. Das Buch im Hardcover-Format, mit Schutzumschlag und Lesebändchen fühlt sich zudem sehr hochwertig an.
Der Schreibstil ist wunderschön, bildlich und ausführlich - aber dennoch nicht übertrieben. Mir haben beispielsweise die Beschreibungen über das Telefon oder den Klang von Farben besonders gut gefallen. Das Buch wechselt zwischen den Jahren 1896 bei Gryszinski und 1916 bei seinem Sohn. So baut sich langsam Spannung auf - man weiß anfangs auch noch nicht, wie diese Zeitstränge und damit der Kriminalfall zusammengehören. Besonders die letzten Kapitel sind trotzdem sehr spannend und am Ende eines jeden Kapitel gibt es einen Cliffhanger. Zwischendurch gibt es immer wieder ein paar Längen, die jedoch keinesfalls langweilig sind. Die Autorin weiß mit Sprache umzugehen und macht auch relativ ereignislose Szenen interessant. Die Stimmung der Zeiten wird außerdem sehr gut vermittelt und atmosphärisch beschrieben - ohne jedoch in negative Kriegsstimmung abzudriften.
Gryszinski wird als liebevoller Vater und kluger Ermittler und sein Sohn als aufgeweckter cleverer junger Mann bzw. Kind dargestellt. Beide Hauptcharaktere sind sehr sympathisch. Im Laufe des Buches kommen weitere wichtige Charaktere dazu, die alle sehr gut beschrieben sind. Die Autorin haucht den Figuren und Schauplätzen tatsächlich Leben ein. Man lernt nebenbei auch viele kleine Dinge über die damalige Zeit, die nicht in klassischen Geschichtsbüchern stehen, ohne dass diese Infos trocken wirken.
Am Ende wird die Auflösung des Falls gut erklärt. Das letzte Kapitel ist ein bisschen offen gehalten, somit wäre ich auf eine Folgereihe, die sich um Fritz dreht, sehr gespannt.
Insgesamt ist das Buch ein Krimi mit wunderschönem Schreibstil, dessen Stärken nicht im Tempo, sondern in atmosphärischen Darstellungen und den Charakteren liegen.
»Das ist sicherlich keine große Sache, Gryszinski.« Dieser Satz soll Wilhelm von Gryszinski noch lange begleiten. Ein französischer Diplomat verschwindet aus München, ein Erfinder wird ermordet und ein russisches Betrügerpärchen scheint damit zu tun zu haben. Was Anfangs wie eine ganz normale Ermittlung aussieht entwickelt sich sehr zum Verdruss von Gryszinski zu einem ungelösten Fall. Da helfen auch keine Topfrunden mit Sohn Fritz und keine europaweite Ermittlung.
1916, mitten im ersten Weltkrieg, trifft dann Fritz auf einen Beteiligten der damaligen Ermittlungen. Als dieser ihn zu einen Spezialauftrag losschickt wird Fritz erst sehr spät klar, wie die damaligen Ermittlungen des Vaters mit diesem Auftrag zusammenhängen. Und dass er dabei in große Gefahr gerät.
Wir begleiten nun also Vater und Sohn parallel. Die Ermittlungen im Jahr 1896 führen Gryszinski und seine Frau nach Paris und St. Petersburg und zwanzig Jahre später dann auch ihren Sohn. Immer abwechselnd werden die Ereignisse beschrieben und dieser Wechsel führt zu einem guten Lesesog. Man möchte ja doch wissen, wie es jeweils weitergeht. Der Teil in dem Wilhelm ermittelt ist bei weitem gemütlicher und bringt auch wieder Gryszinskis Liebe zum Essen zum Ausdruck. Fritz dagegen muss sich durch Frontlinien kämpfen und kann keinem Menschen vertrauen. Hier war das Setting deutlich kälter und düsterer.
Mir hat die Mischung dieser beiden Geschichten ausgesprochen gut gefallen. Nach und nach löst sich das Knäuel auf und die Geschehnisse aus dem Jahr 1896 werden erst spät wirklich endgültig geklärt. Das Thema Kommunikation und die Fälschung dieser, nicht nur in Kriegszeiten, hat mir gut gefallen und ist aktueller denn je.
Ich fand diesen Band der Reihe fast am stärksten, lernt man jetzt doch auch einen erwachsenen Fritz kennen, nachdem er ja in den Vorgängerbänden noch ein Kind ist. Es war schön zu lesen, wie sich die Familie Gryszinski auch 20 Jahre nach Beginn der Reihe noch nahe steht. Jetzt freue ich mich auf den vierten Band der Reihe und hoffe sehr, dass wir noch viel länger von Wilhelm Freiherr von Gryszinski und seiner Familie lesen werden.
Nur der zeitlich frühere Teil konnte mich überzeugen
Buchmeinung zu Uta Seeburg – Der treue Spion
Der treue Spion ist ein Historischer Kriminalroman von Uta Seeburg, der 2023 bei HarperCollins erschienen ist. Dies ist der dritte Band der Serie um den preußischen Major Wilhelm Gryszinski im bayrischen Polizeidienst.
Zum Autor: Uta Seeburg ist Berlinerin und lebt in München. Sie arbeitete bereits als Werbetexterin, Drehbuchautorin und Redakteurin, widmet sich aber heute ausschließlich der Schriftstellerei. Die promovierte Literaturwissenschaftlerin wohnt mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter in Haidhausen.
Zum Inhalt: 1896 ermittelt Major Gryszinski im Fall eines verschwundenen Diplomaten in München, kann den Fall aber nicht komplett aufklären. 20 Jahre später ist sein Sohn Fritz als Soldat vor Verdun unterwegs. Dort wird er als Spion angeworben und beginnt sich auf eine gefährliche Tour durch Europa, die am Ende den ungelösten Fall seines Vaters aufklärt.
Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin nutzt altertümliche Begriffe und Ausdrücke, die dem damaligen Zeitgeist zum Leben verhelfen. Zeitlich wechseln sich Episoden aus 1896 und 1916 immer wieder ab. Die Geschichte wird aus dem Blickwinkel des jeweils agierenden Gryszinski erzählt und verdeutlicht die jeweilige Gefühlswelt. 1896 geht es vergleichsweise ruhig zu, wenn Major Gryszinski seine polizeilichen Ermittlungsmethoden einsetzt. Bei seinem Sohn hatte in eher den Eindruck eines Abenteuerromans, der mit viel Fantasie erzählt wird, aber auch wenig realistisch wirkt. Der Teil, der 1896 spielt, hat mich gefesselt und sehr gut unterhalten. Die Mutation des Sohnes zu einer Art James Bond in Kriegszeiten konnte das nicht. Natürlich habe ich trotzdem mit der Hauptfigur mitgefiebert, aber die Auflösung war mir dann doch zu abgehoben.
Fazit: Dieser Titel besteht aus zwei Geschichten, von der mich nur die von 1896 überzeugen konnte. Bei der Spionagestory habe ich bald das Interesse verloren. Deshalb bewerte ich das Gesamtwerk mit drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten).
Ein Fall für die Gryszinskis 1896 verschwindet in München ein französischer Diplomat spurlos. Hatte er wirklich Informationen zu einer Erfindung, die telegrafische Falschmeldungen produzieren kann? Gryszinskis Ermittlungen beschränken sich in diesem Fall nicht nur auf München, sondern führen ihn auch in andere Städte Europas, das unruhigen Zeiten entgegensteuert. 1916 wird auch Gryszinskis Sohn Fritz auf geheimer Mission in Europa unterwegs sein und entdeckt dabei neue Indizien des alten Kriminalfalls. Das Cover ist unaufgeregt in Brauntönen gehalten, versetzt durch Architektur und Kleidung aber sofort ins Ambiente des historischen Krimis. Dieser besteht aus fünf Teilen und spielt auf den beiden Zeitebenen 1896 und 1916. Der Wechsel zwischen den Geschichten, die Vater und Sohn betreffen, erfolgt in Kapiteln mit angenehmer Länge. Gryszinski ist als königlicher Sonderermittler ein Verfechter der jungen Wissenschaft der Kriminalistik. Er bestreitet hier seinen dritten Fall; wie die beiden Vorgänger ist auch hier die Handlung in sich abgeschlossen und daher sehr gut unabhängig lesbar. Das liegt sicherlich auch am ruhigen, unaufgeregten Schreibstil der Autorin, mit dessen Wortwahl man sich in die Vergangenheit zurückversetzt fühlt. Der Alltag ist sehr authentisch dargestellt; insgesamt verfügt die Geschichte über viele Beschreibungen. Der Spannungsbogen ist eher langsam, oft kommt den Ermittlungen auch der Zufall zu Hilfe; dennoch wirkt die Handlung nicht konstruiert. Die Charaktere sind durchwegs lebensnah; auch berühmte Vertreter der damaligen Epoche treten auf. Gryszinski, Ermittler, aber auch ein gefühlvoller Familienmensch ist nicht der einzige Sympathieträger in diesem Buch. Durch die - teils humorvolle – Darstellung bleiben einem sogar die Bösewichte in positiver Erinnerung. Insgesamt beschert der kurzweilige historische Kriminalroman einige sehr unterhaltsame Lesestunden.
Ich liebe historische Kriminalromane und bin selbst überrascht, dass ich nicht früher auf Uta Seeburg gestoßen bin. "Der treue Spion" ist bereits der dritte Teil der Geschichte rund um den Kriminalermittler Wilhelm von Gryszinski, wobei die Lektüre von Band 1 und 2 prinzipiell nicht notwendig für das Verständnis des dritten Bandes ist.
Seeburg arbeitet im vorliegenden Kriminalroman mit zwei Zeitebenen: Einmal beleuchtet sie die Ermittlungen von Gryszinski 1896 in München und dann seinen Sohn Fritz, der sich 20 Jahre später gerade als Soldat im Ersten Weltkrieg an der Front befindet.
Wilhelm soll das Verschwinden eines französischen Diplomaten aus dem Hotel "Vier Jahreszeiten" aufklären und reist dafür bis nach St. Petersburg. Unterstützung hat er dabei von seiner Frau und kann den Fall doch nicht lösen, obwohl er auf interessante verknüpfte Spuren zu einem ermordeten Erfinder stößt, der eine kriegsrelevante Maschine entwickelt haben soll.
Der Fall soll erst 20 Jahre später aufgelöst werden, unter dem Zutun von Fritz, der einen folgeschweren Auftrag erhält...
Der Roman ist wirklich unterhaltsam und gut geschrieben. Er ist meilenweit entfernt von hektisch nach dem nächsten Spannungsbogen japsenden Krimis und besticht durch einen gemächlichen Spannungsaufbau, der viel Raum für die Schilderung der beschriebenen Zeitebenen lässt. Es war für mich einmal wieder faszinierend durch ein Buch in den zugrundeliegenden historischen Kontext abzutauchen und ein gutes Gefühl für die damalige Zeit und das damalige Leben zu entwickeln. Man hatte richtig Kino im Kopf und das war neben der spannungsreichen und mit angenehmen Sprachstil gestalteten Geschichte mein Highlight.
Ein Fall - Zwei Jahrhunderte Ute Seeburg nimmt uns mit in den dritten Band um den Ermittler Gryszinski, Sonderermittler der bayrischen Polizei. Wir befinden uns im Europa von 1896, alle Zeichen stehen auf Krieg. Gryszinski ermittelt im Fall eines verschwundenen französischen Diplomaten. Was als "keine große Sache" eingestuft wurde, entwickelt sich zu einem großen Fall quer durch Europa, in dessen Mittelpunkt eine wichtige wichtige Erfindung steht, die bei zukünftigen Kriegen entscheidend sein könnte.
Ute Seeburg charakterisiert die Zeit, die Lebensweise und die Menschen sehr lebendig und historisch gut recherchiert. Interessant ist auch, dass man hier die frühen Methoden der Kriminalistik kennen lernt. Dinge, die heute selbstverständlich sind.
Besonders an diesem Roman ist die zweite Zeitebene. Fritz, der Sohn von Gryzinski, befindet sich im Einsatz im 1. Weltkrieg. Erneut wird die Familie Gryzinski, diesmal in Gestalt von Fritz, mit dem ungelösten Vermisstenfall konfrontiert. Auch Fritz begibt sich auf eine, in Kriegszeiten sehr gefährliche, Reise durch Europa.
Hier ist eine gute Verknüpfung gelungen, die durch die sehr detaillierte Beschreibung der Charaktere und des Zeitgeschehen bis zum Schluss Spannung aufbaut.
Wer einen gut recherchierten, historischen Kriminalfall liebt, der ist hier genau richtig. Die Kenntnis der beiden anderen Bände ist nicht notwendig.
Spannender historischer Krimi Die Geschichte beginnt im Jahr 1896 mit dem Verschwinden eines französischen Diplomaten aus dem Hotel Vier Jahreszeiten. Dieser dritte Fall vom Kommissar Gryszinski hat 20 Jahre später Auswirkungen auf seinen Sohn Fritz. Der Krimi wird in zwei Zeitsträngen parallel erzählt, so dass man die Entwicklungen von Gryszinski und seinen Sohn gleichzeitig verfolgen kann. Diese Parallelität macht das Buch sehr spannend und ich wollte es nicht aus der Hand legen. Ich kannte die vorherigen Bände nicht, man braucht diese aber auch nicht um den Krimi zu genießen. Der hervorragend und unterhaltsam geschriebene Krimi macht Lust die vorherigen Bände zu lesen. Die Hauptprotagonisten sind sehr sympathisch und es ist eine Freude ihnen zu folgen und mit ihnen mit zu fiebern. Insbesondere Gryszinskis zur damaligen Zeit unkonventionelle Frau Sophie ist interessant. Auch die Gegenspieler wurden facettenreich und nicht nur als böse und unsympathisch beschrieben. Besonders gefallen hat mir die Einflechtung bekannter historischer Persönlichkeiten, Orte und das historische Zeitgeschehen. Eine klare Kaufempfehlung für die Liebhaber unterhaltsamer, nicht zu grausamer Krimis.
Uta Seeburg hat in ihrem ersten Krimi mit dem „falschen Preußen“ ihren Ermittler Gryszinski zum Leben erweckt. Dann folgte „das wahre Motiv“ und nun tritt er im dritten Fall an mit dem „treuen Spion“. Dieses Mal wird es äußerst kniffelig, verschwindet doch ein französischer Diplomat namens Henri Fouqué und als letztes wurde er im Vier Jahreszeiten Hotel in München gesichtet. Genau der richtige Fall für unseren Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski! Es wird wieder spektakulär ermittelt und wir reisen mit ihm 1896 nach Paris, wo wir auf bekannte Persönlichkeiten aus der literarischen Welt treffen. Uta Seeburg verbandelt hier Fiktion mit Realität geschickt. Eine weitere Ebene spielt 1916 und ist ein Strang um Gryszinskis Sohn Fritz. An der Front in Verdun, mitten im Krieg, kommt hier der gleiche Fall um Fouqué zum Tragen. Keine Sorge, man kann allem gut folgen und es macht einfach sehr viel Spaß diesen Kriminalroman zu lesen, denn er ist so herrlich altmodisch geschrieben. Wirklich als Kompliment zu verstehen! Uta Seeburg hat die Gabe und vor allem als Literaturwissenschaftlerin das Wissen wie zu dieser Zeit geschrieben wurde und hat es stilistisch hervorragend in die Vergangenheit transportiert. Fazit: Unterhaltsam, gut, was will man mehr!
Der Band ist der dritte einer Reihe und gegen den Band davor fällt er leicht zurück. Eigentlich hat die Reihe ein interessantes Setting: der preußische Reserveoffizier Wilhelm Freiherr von Gryszinski wird in den 1890 er Jahren als Sonderermittler an die Königlich Bayerische Polizeidirektion nach München ausgeliehenen und löst dort auf seine eigenen Art brisante Fälle. Die Autorin beschreibt sehr schön und bildhaft die damalige Zeit und die Ermittlungsmethoden. Man kann sich somit als Leser gut in die Zeit und die Umstände hineinversetzen. In diesem Band geht es, wie der Titel bereits sagt, um Spionage und das sehr ausführlich, was mir manchmal ein wenig zu viel war, denn es ist etwas schwer, dem roten Faden zu folgen. Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt, die Ermittlungen des Vaters in der Vorkriegszeit und den Ermittlungen des Sohnes von Gryszinski im Ersten Weltkrieg. Zeitweise sind die Verwicklungen, die dieser Fall mit sich bringt verworren, doch am Ende wird es doch noch aufgelöst. Ich habe die Geschichte als Hörbuch gehört und der Sprecher hat die einzelnen Personen angenehm rübergebracht, so dass das Zuhören Spaß machte und ich einen Stern mehr dafür vergebe.
Der Spionagekrimi von Uta Seeburg spielt auf zwei Zeitebenen, und das macht es sehr interessant. Die Zeitebene in der Vergangenheit handelt von Gryszinski Senior auf der Suche nach einem verschwundenen Diplomaten am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Die Zeitebene später handelt ovn Gryszinski Junior, der den Fall vom Spion im Ersten Weltkrieg versucht zu lösen. Die beiden Zeitebenen sind hervorragend gelungen. Der Rest des Sprionagekrimis ist dann aber eher etwas einfach und nichts besonderes. Der Schreibstil ist schön und sehr detailreich - die Beschreibung des damaligen Paris finde ich besonders gelungen, man kann sich gut in diese Zeit hineinversetzen.
Ich kann diesen Krimi gut weiterempfehlen, er ist unterhaltsam, aber ich hätte mir eine Spur mehr Spannung erwartet. Wer gerne historische Krimis liest, dem wird das Buch sicherlich gefallen.
Auch wenn in letzter Zeit viele Romane mit zwei Zeitsträngen oder Orten arbeiten, dauerte es für mich hier eine ganze Weile bis ich das, über die Verwndtschaft hinausgehenden, verbindenden Element erkannt. Die Figuren sind interessant obwohl ich nicht glaube das ein adeliger gegen Ende des 19. Jahrhunderts bei einer Polzeibehörde arbeitet und gleichzeitig als Bohemien lebt. Die einzelnen Figuren finde ich grundsätzlich gut getroffen aber die Verbindung mit geschichtlichen Personen finde ich etwas künstlich und auch mit unnötigen Details in der Beschreibung der Städte und Orte wird ziemlich künstlich versucht eine autenzität herzustellen. Als Kriminal- und Spion-Geschichte finde ich es dennoch gut und lesenswert wobe ich aber auf eine günstigere Paperback Version warten würde. Es ist der 3. Band aber ich hatte nicht das Gefühl das mir etwas entscheidendes fehlte.
Uta Seebergs Roman "Der treue Spion" ist der dritte Teil einer Reihe. Auch ohne die beiden Vorgänger gelesen zu haben, lässt sich dieser Teil hervorragend lesen. In der Story verflechten sich zwei Handlungsstränge. Der des Vaters und seines Sohnes. Der Sohn bringt sozusagen zu Ende was sein Vater entdeckt hat. Konkret geht es um das Verschwinden eines französischen Diplomaten mit heiklen Informationen. Die Brisanz ist außerordentlich und lässt sich förmlich greifen. Was mich zur sprachlichen Gestaltung des Romans führt. So liest sich das Buch wahnsinnig gut. Man fühlt sich direkt hineinversetzt in beide Zeiten. So liefert Seeberg einen wahnsinnig spannenden und historischen Roman. Gleichzeitig fesselt sie mit einer kreativen Spionagestory. Spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Ich werde mir wohl noch die anderen beiden Teile kaufen müssen.
Zum Inhalt: Als ein französischer Diplomat 1896 spurlos verschwindet liegt es nahe, dass er Informationen zu einer Erfindung besessen hat, die in der Lage ist telegrafische Falschmeldungen zu produzieren. In diesen unruhigen Zeiten könnte das eine zerstörerische Macht sein. 20 Jahre später gibt es neue Indizien zum Fall des Diplomaten. Und trotz des grauenhaften Krieges nimmt Fritz Ermittlungen auf. Meine Meinung: Ich hatte die Hörbuchversion des Buch und diese hat mir sehr gut gefallen. Ich mochte schon die Stimme des Sprechers sehr gerne und auch die Art, wie gelesen wurde. Die Story fand ich richtig gut. Dieser historische Krimi lebt einerseits von den verschiedenen Zeitebenen aber auch, dass es nicht vorpreschend sondern gemächlich erzählt wird und so ungeheuer viel Atmosphäre hat. Ich fand das Hörbuch trotz des gemächlichem Tempo total fesselnd. Fazit: Hat mir gut gefallen
Dies ist der dritte Kriminalfall Gryszinskis. Ich habe die ersten beiden Bücher nicht gelesen, aber die braucht man nicht unbedingt, um dieses Buch zu lesen, aber sicherlich vertieft das die Person Gryszinskis. Ich sortiere das Buch eher bei historisch ein, denn der Kriminalfall ist nicht sonderlich spannend und kommt stellenweise doch sehr konstruiert daher, das hat das Lesen an mancher Stelle für mich etwas zäh gestaltet.
Was aber sehr positiv auffällt, ist der Schreibstil Uta Seeburgs, der die Zeit 1896-1916 sehr authentisch widerspiegelt. Die Beschreibungen der Alltagsbegebenheiten lassen diese Ära vor den geistigen Augen der Lesenden lebendig werden. Ich glaube, ein ganz normaler Roman, vielleicht ein Familienepos aus dieser Zeit, aus ihrer Feder hätte mir um Einiges besser gefallen.
Historischer Krimi Bei vorliegendem Buch handelt es sich um einen historischen Kriminalroman. Rein äußerlich ist zu sagen, dass das Buch einen festen Einband hat und recht adrett in gedeckten Farben gehalten ist. Die eigentliche Geschichte beginnt Ende des 19. Jahrhunderts in München. Dort untersucht ein gewisser Gryszinski das Verschwinden eines französischen Diplomaten. Während des ersten Weltkrieges hat der Sohn des Ermittlers, Fritz, in Verdun erneut die Chance, sich mit dem Fall zu beschäftigen. Das Buch ist ausgezeichnet geschrieben. Man merkt, dass die Autorin vom Fach ist und wirklich Ahnung von guter Literatur hat. Selbst historische Kleinigkeiten scheinen gut recherchiert zu sein. Die Figuren wirken sehr echt und lebendig, da ihr Verhalten und ihre Emotionen präzise und völlig stimmig geschildert werden. Wer einen Kriminalroman mit literarischem Anspruch lesen möchte, der macht mit diesem Buch einen guten Fang!