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Sommergäste in Trouville

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Seltsame und faszinierende Menschen am Strand, in den Hotels und auf den die Achtzigjährige, die seit Jahr und Tag ans Meer fährt und bereits vom ewig gleichen Taxifahrer erwartet wird, Künstler, Geschäftsleute und Müßiggänger. Mit großer atmosphärischer Dichte und sprachlicher Finesse lässt Undine Gruenter eine Welt entstehen, die von großer Wirklichkeit ist und zugleich immer wirkt wie ein Traum aus einer anderen Zeit.

223 pages, Paperback

First published January 1, 2003

3 people are currently reading
23 people want to read

About the author

Undine Gruenter

14 books1 follower
Gruenter war die Tochter der Schriftstellerin Astrid Gehlhoff-Claes und des Germanisten Rainer Gruenter. Dennoch verbrachte sie ihre ersten eineinhalb Lebensjahre in einem Waisenhaus.

Später studierte Undine Gruenter Jura, Literaturwissenschaft und Philosophie an den Universitäten Heidelberg, Bonn und Wuppertal; Rektor der letztgenannten Universität war zu der Zeit ihr Vater Rainer Gruenter. Sie war mit dem Literaturwissenschaftler Karl Heinz Bohrer verheiratet.

1986 erhielt sie den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für Literatur.

Ab 1987 lebte sie in Paris. Zwei Monate vor ihrem Tod (an Amyotropher Lateralsklerose) konnte Undine Gruenter den letzten Roman Der verschlossene Garten vollenden. Ihr Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach.

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Community Reviews

5 stars
3 (13%)
4 stars
5 (22%)
3 stars
12 (54%)
2 stars
2 (9%)
1 star
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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Armin.
1,209 reviews35 followers
August 20, 2022
LIterarische Pralinenschachtel

„und Tante Erste Ehefrau erinnerte Satie daran, dass sie nach ihrer ersten Proust-Lektüre befunden habe, seine Sätze seien Pralinen für alte Tanten, in bonbonfarbenes Papier eingewickelt.“

Proust im Pralinenformat, dieses Attribut passt auf jeden Fall auf etliche der in diesem Buch versammelten Erzählungen, deren gemeinsamer Nenner der Badeort Trouville ist.
Das zweite verbindende Element ist das Altern in seinen unterschiedlichen Facetten, Untreue fungiert als erotische Würze in diesem Strauß von Erzählungen, die wie ein schwaches Echo einer literarischen Belle Epoque wirken. Der Wirkungskreis der handelnden Personen bleibt auf die jeweilige Erzählung beschränkt, Interaktion findet ebenso wenig statt wie bezeichnende Cameo-Auftritte, ein umfassenderes Panorama scheint nicht das Ziel der Autorin gewesen zu sein, die ihre ausführlichen bis überbordenden Schilderungen von Kunst oder Kunsthandwerk zumeist den dünnen Handlungsfaden überwuchern lässt.
So wirklich nahe kommt einem ihr Personal selten, beim Lesen entsteht eher der Eindruck, man ginge durch ein Museum mit Genreszenen, aber nicht in den Formaten alter Meister, sondern eher durch ein Porzellan-Museum, nach erstem Staunen über die kleinen Kostbarkeiten stellt sich schnell Ermüdung und schließlich Überdruss ein, auch wenn so manches später gesehene Stück vielleicht sogar besser ist als ein anfangs bewundertes Service.

Angesichts der Vielfalt der mit drei Sterne bewerteten Bücher,stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Bewertung, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, würde ich „Zwei schwarze Jäger“ als Vergleichsgröße heran ziehen, das in seiner Kunstgewerblichkeit und mit der Gestaltung der Tragöide des Alterns gewissen Parallelen aufweist, auch wenn diese Erzählungen und Erzählfragmente als Roman daher kommen.
Manche Verbindungspunkte bei Brigitte Kronauer sind vielleicht etwas gesucht und die Fragmentierung im letzten Drittel ist sicher diskussionswürdig, aber aufgrund des erkennbaren Stilwillens und größeren thematischen Vielfalt würde ich Kronauers zwei schwarze Jäger höher einschätzen als Frau Gruenters Miniaturen. Es gibt zu wenig bezeichnende Momente, kaum Drama, allenfalls Schlüssellochpointen.
Die Eingrenzung auf einen überschaubaren Schauplatz, der trotzdem nicht zum geographischen oder gesellschaftlichen Panorama gerät, führt zudem zu einem Nachteil gegenüber den eher zusammen gewürfelten Erzählbänden der Macho-Autoren wie Salter, Jones oder auch dem Looser-Prosaiker schlechthin: Richard Yates. Diese Altmeister versammeln zwar oft Ungleiches in ihren Bänden, aber die Kieselsteine lassen sich von den Goldklumpen oder Diamanten unterscheiden, Sommergäste in Trouville ist eine Schachtel von Nougatspezialitäten, an der man schnell die Lust verliert, weil alles irgendwie gleich schmeckt.
Profile Image for Michael.
1,615 reviews212 followers
Read
May 10, 2016
Seit 13 Jahren besitze ich diesen Erzählband, und mindestens einmal im Jahr nehme ich ihn wieder in die Hand. Ich habe mich bislang schwer damit getan, der Faszination auf die Schliche zu kommen, die dieses Buch für mich so geheimnisvoll unergründlich und ansprechend macht.
Darum nun der Entschluß im Laufe der Zeit kurze Eindrücke zu den einzelnen Erzählungen zu sammeln.

ÜBUNGSSTUNDE
ist einer der sinnlichsten Texte, die ich kenne. Die Ich-Erzählerin, am Fuße der Pubertät, verbringt die Sommerferien bei ihrer Tante Silvie auf dem Lande. Im Vorjahr spielte sie noch mit den anderen Kindern, aber die erwachende Erotik treibt einen Keil zwischen die Kinder. Pubertätseinsam übt sich die Erzählerin darin, lebende Bilder darzustellen, die sich an Balthus-Bildern orientieren.
Die ganze Geschichte ist ein sinnliches Flirren und gestaltet Sommerträgheit und Langeweile eines Mädchens, das fast schon eine junge Frau ist, voll des geheimen Wissens und kindlicher Naivität zugleich.
Undine Gruenter weist dem Leser die Rolle eines Voyeurs mehrfach gespiegelter erotischen Posen zu; die Unmittelbarkeit der geteilten Intimität während dieser "letzten Tage der Ferien" ist so intensive, dass die Geschichte auch nach zahlreichen Lesedurchgängen nichts von ihrer Faszination verliert.
Ganz klare 5 Sterne für den Opener.
Profile Image for Marina.
212 reviews4 followers
August 30, 2022
Zuerst einmal eins vorweg: Ich bin ein grosser Undine Gruenter Fan. Nur hat mich dieses (bildlich stark geschriebene) Buch mit seinen Einzelerzählungen einfach nicht gepackt. Vielleicht liegt es daran, dass im Buch eine längst vergangene Zeit beschrieben wird. Das Buch erschien 2003, kurz nach dem Tod der Schriftstellerin. Heute hängen alle am Smartphone und schauen sich einen Reel nach dem anderen an, nur damit die Langeweile keinen Platz einnimmt. Für dieses Buch braucht es Stille und Geduld. Es ist keine vorbeiflitzende Unterhaltung, sondern literarische Erzählung.
Profile Image for Parsnip.
521 reviews3 followers
May 15, 2024
Sweet and atmospheric. Summery and nostalgic.
I found the characterisation subtle and realistic, preasantly minimalistic. These stories were brief yet very evocative glimpses at lives, easy to picture, to get into and out of. This formula had something calm and charming, quiet like some cities can be once the holidays are over, so it truly gave me the bittersweet feeling of summer ending and memories already left behind. Sadly, it also made most of the stories easy to forget and most of them are now a blur or mixed up in my mind. Altogether, I'd recommend it though, for the holidays, especially by the sea, and if you're visiting or know Trouville it'll be fun to look for all the details mentioned and described throughout the collection, everything seems so vivid and precise, Undine Günter must have really loved the place.

Übungsstunde - 3,75/5
Hortensien und Stanniolpapier- 3,25/5
Sommergäste im Weidenhaus - 3,5/5
Englische Quarantäne - 3,25/5
Impasse du Bon Secours - 3,5/5
Aussicht mit Haarnadeln - 3,75/5
Die Einfahrt von Bagatelle - 2,5/5
Unter einem Dach - 3,25/5
Alte Pralinen - 5/5
Das Haus mit dem Korridor - 3/5
Schneefall vor Silvester - 2,25/5
Subtile Schuhe - 3,5/5
Picknick in Favorite - 3/5
Ein Schlüsselbrett - 2,75/5
Paravents - 3/5

3,25/5
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

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