Martin Mosebach has published novels, stories, and collections of poems, written scripts for several films, opera libretti, theatre and radio plays.
The German Academy for Language and Literature praised him for "combining stylistic splendour with original storytelling that demonstrates a humorous awareness of history."
Among his works translated into English is The Heresy of Formlessness, a collection of essays on the liturgy and its recent reform told from the perspective of a literary writer. It has been published in the United States by Ignatius Press.
The book argues for a return to the Tridentine Rite of the Mass, the form of the Roman Rite before the Second Vatican Council, the use of which, in accordance with the Roman Missal of 1962, is authorized, under certain conditions, by the 2007 motu proprio Summorum Pontificum.
Other works include The Turkish Woman, "The Tremor," "The Long Night" and "Prince of Mist," in which the author examines the motives behind man's eternal search for a meaning.
Martin Mosebach schreibt gut. In diesem Roman gelingt es ihm aber nicht mich zu fesseln. Ich kämpfte mich durchs "Westend", weil ich hoffte der Groschen fällt irgendwann. Für mich fiel er aber leider nicht. Die Story, die im Frankfurt der Nachkriegszeit spielt könnte durchaus die Basis für einen großen Roman sein. Allerdings bleiben die Figuren schwammig, grau und wie der ganze Roman irgendwie langatmig. Zwei Monate Lesezeit für etwas über 800 Seiten sprechen eine deutliche Sprache. Im Endeffekt hätte ich nach 150 Seiten in der Tat aufhören sollen.
Martin Mosebach versucht mit "Westend" so etwas wie die "Buddenbrooks" für Frankfurt der 1930er bis 1960er Jahre zu schreiben, wobei der Schwerpunkt auf den 50er Jahren liegt. Er ist nicht der Erste, der auf den Spuren des Zauberers wandelt und wird sicher nicht der letzte sein. Indes ungewöhnlich ist, dass er gerade da, wo Thomas Mann seine Stärken ausspielt ebenfalls stark ist. Die subtile Ironie, die Art seine Charaktere mit wenigen Pinselstrichen derart bloßzustellen, ohne sie zu erniedrigen, diese hohe Kunst beherrscht Mosebach, wie Mann. Leider sind auch die Schwächen die selben, bei Mosebach nur noch ausgeprägter. Man hätte locker die ersten 150 und die letzten 250 Seiten streichen können, um den Roman zu straffen. Viele Szenen werden in epischer Breite von allen Seiten beleuchtet und kommen dann noch als Reminiszenz wieder. Das nimmt dem Roman unglaublich Schwung und leider - hier steht Mosebach hinter Mann zurück - gelingen ihm nur selten die Dialogszenen, mit denen Mann in vielen zu lang geratenen Werken (Zauberberg) den Leser am Ball behält. Zudem wirken einige der Stilmittel (z.B. die regelmäßige Einbettung der "Christuskirche" und des "Ritters von Cronberg auf der Abreise nach Jerusalem" und Kirchners "Akt mit Hut" als Falken) etwas zu schematisch.
Mit anderen Worten nicht uninteressant, nicht schlecht geschrieben aber eine Geduldsprobe, die nur unregelmäßig belohnt wird.
Eine Familiensaga wie die Buddenbrooks, angesiedelt im Frankfurt der Nachkriegszeit. Das Lesen der 895 Seiten ist ein Geduldsspiel, das am ehesten durch die herrlich altmodisch blühende Sprache belohnt wird. Identifizieren kann man sich mit keinem der Protagonisten. Ein epochales Werk!
Frankfurt am Main nach dem Krieg. Eduard Has wächst als Spross einer reichen Familie von Geschäftsleuten wohlbehütet auf, tritt in die im Familienjargon nur "Verwaltung" genannte Gesellschaft ein, die er nach dem Tod der Mutter gemeinsam mit deren Cousin leitet, lernt sich in der Welt der Kunst und Architektur zurechtzufinden und gründet unter Anleitung eines Schweizer Kunstexperten eine Gemäldesammlung, bevor er schließlich dessen Frau heiratet und mit ihr eine Tochter bekommt.
Nicht weit entfernt leben die Schwestern Labonté, deren Neffe mit Eduard zur Schule ging und schon mit achtzehn Vater wurde, bevor er nach einem Bootsunfall spurlos verschwand und für tot gehalten wurde. Sein Sohn Alfred verliert früh die Mutter und wächst bei den beiden Großtanten auf, die nie geheiratet haben und in ihrer Gründerzeitvilla den Geist des Vorkriegsbürgertums aufrechterhalten.
Dem Klappentext nach stellt man sich als Leser auf eine fundiert im historischen Kontext eingebettete Familiengeschichte ein, doch das ist nur ein Teilaspekt des Buches, in dem es auch in detaillierter Weise um Kunstsammeln und moderne Architektur, das Verschwinden des Althergebrachten und das Entstehen von völlig Neuem geht. Eduard Has nimmt sich eine Geliebte unter seinem Stand, die Frau eines Schrotthändlers (der allerdings mit seinen Bergen von altem Plunder gut zu Geld gekommen ist). In wichtigen Nebenrollen treten Figuren quer durch die Schichten auf: eine zwergenwüchsige, klatschsüchtige und bösartige Putzfrau, die gerne in den Mülltonnen ihrer Arbeitgeber wühlt, samt ihrem monströs großen, aber geistig zurückgebliebenen Sohn, das Hausmädchen der Labonté-Tanten, ein österreichisch-ungarischer Architekt voller bahnbrechender neuer Ideen, die allmächtige Sekretärin der "Verwaltung", die im verborgenen alle Fäden zieht.
Zunächst scheint das Konzept aufzugehen, die Exkurse in die Welt der Kunst stehen den Berichten über die Protagonisten in ausgewogenem Maße gegenüber, wenngleich der Stil von Beginn an recht ausufernd ist und sich eine wortreiche Beschreibung von Menschen, Architektur, Straßen und Seelenzuständen an die andere reiht. Dabei wechselt quasi ständig der Fokus, nahtlos schließt sich eine Perspektive an die nächste, unterteilt sind die über 800 Seiten von nur sieben Kapiteln. Leerzeilen oder andere Einschnitte im Fließtext fehlen völlig, was die Konzentration irgendwann ziemlich schwächt.
Schließlich nehmen die weitschweifigen Schilderungen von architektonischen Neuerungen, der Welt der Kunst und dem oft schwer verständlichen "Innenleben" der meist kühl und künstlich wirkenden Figuren so überhand, dass die anfängliche Freude über die wortreichen und durchaus gelungenen Beschreibungen einer gewissen Genervtheit weicht, zumal sich auch Wiederholungen von bildhafter Sprache einstellen. Irgendwann glaubte ich schreien zu müssen, wenn noch ein einziges Mal die hellgraue Blechkugel über der Mansarde von Has' Geliebter erwähnt würde.
Die Figuren wurden mir immer unsympathischer, und da mir die Sprache immer gekünstelter vorkam, habe ich die Lektüre etwa 80 Seiten vor Schluss tatsächlich noch abgebrochen.