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Die Frauen der Villa Sommerwind. Das Glück am Horizont

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Ein unerwartetes Erbe führt Henriette Hohnhold und ihre Familie 1903 nach Timmendorfer Die Villa Sommerwind, die nun den Hohnholds gehört, soll nach dem Willen von Vater Eberhart ein exquisites Hotel werden.

Vom ersten Tag an ist Henriette die rechte Hand ihres Vaters und stürzt sich begeistert in die vielfältigen Aufgaben. Doch eines Morgens macht sie eine Beobachtung, die zu einem heftigen Streit zwischen Vater und Tochter führt. Aufgelöst läuft die junge Frau davon und findet sich schließlich in Niendorf wieder, wo sich Ole, der Sohn eines Fischers, rührend um sie kümmert. Trotz des Standesunterschieds ist es Liebe auf den ersten Blick – Henriettes Vater hat allerdings längt ihre Verlobung mit einem anderen arrangiert …

Nostalgisch und lebensfroh lässt Anna Husens historische Familiensaga das Ostsee-Bad Timmendorfer Strand lebendig werden und entführt die Leser*innen zu eleganten Festen, ausgelassenen Tagen am Strand und zu einer großen Liebe, die nicht sein darf …

481 pages, Kindle Edition

Published March 1, 2023

7 people want to read

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Anna Husen

12 books1 follower

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Profile Image for Kat.
178 reviews51 followers
April 27, 2023
Content Notes:

Schon seit einigen Jahren scheint die Qualitätsgrenze bei historischen Familiensagas immer weiter herabzusinken, weshalb ich das Genre eigentlich aufgegeben habe. Da ich jedoch den Instagram-Auftritt der Debütautorin Anna Husen sehr sympathisch fand und selbst einige Jahre bei Scharbeutz und Timmendorfer Strand gelebt habe, habe ich mich entschieden, „Das Glück am Horizont“ eine Chance zu geben. Eine Ausnahme war das Buch, so viel vorweg, jedoch leider nicht. Ganz im Gegenteil.

Dabei klingt die Prämisse interessant: Die Hamburgerin Henriette, Mitte zwanzig, die bereits die Hotelfachschule besucht hat, erbt 1903 mit ihrer Familie eine Villa im aufstrebenden Kurort Timmendorfer Strand, aus der sie und ihr Vater ein Hotel machen wollen. Ich hatte mich auf einen Einblick in das Hotelierswesen um 1900 eingestellt, auf ein wachsendes Timmendorfer Strand vom kleinen Kurort zum mondänen Urlaubsziel der Reichen und Schönen, und natürlich auf die „eleganten Feste und ausgelassene Tage am Strand“, die der Klappentext verspricht. Um all das geht es aber gar nicht. Worum dann? Gute Frage.

Marathon nach Niendorf

Im Handumdrehen wird aus der (ahistorisch benannten) „Villa Sommerwind“ ein blühendes Hotel, das gut läuft, ohne, dass man als Leser*in dabei gewesen wäre. Das Hotel, und ganz allgemein die Seebadkultur an der Ostsee um 1900, sind nicht einmal Nebenfiguren, sie sind reine Statisten. Wir erfahren nichts über die reichen Gäste oder wie das Hotel und die Zimmer aussehen. Von „eleganten Festen“ kann nicht die Rede sein. Nur einmal gibt es eine schnell abgehandelte Soirée auf der Dachterrasse. Und wer sich auf „ausgelassene Tage am Strand“ mit Bade- und Urlaubskultur um 1900 gefreut hat, wird auch enttäuscht werden. Hier schreit höchstens einmal eine Möwe, während Henni kurz zum Wasser schaut.

Auch der historische Hintergrund ist, wie vom Genre leider mittlerweile gewohnt, kaum der Rede wert. Die großen Veränderungen in Timmendorfer Strand zwischen 1903 und 1919, so wie überall sonst in der Welt (zu den Neuheiten dieser Epoche, die auch in einem Hotel von Interesse gewesen wären, zählen immerhin Autos, elektrisches Licht, das Kino, eine sich rapide verändernde Damenkleidung, sich stark lockernde Gesellschaftsmuster …) werden überhaupt nicht erwähnt, der Roman bleibt in allem auf dem Stand vom Anfang, 1903, hängen. Es soll wohl eine Art schwammige Nostalgie für ein „Früher“ heraufbeschworen wären, das es nie wirklich gab. Außer natürlich in Romanen wie diesem.

Auch darüber hinaus weist das Buch so große Recherchelücken auf, dass ich nicht nur die Autorin in der Verantwortung sehe, sondern auch das Lektorat. Da wird von Bombenangriffen auf Lübeck im Ersten Weltkrieg gesprochen, Hennis reiche Familie braucht gute Kontakte nach Lübeck um ein Kindermädchen einzustellen, und Henni läuft mal eben „ohne es zu merken“ den ganzen Weg nach Niendorf als wären es fünf Minuten (Es ist ein Fußweg von 4km, der fast eine Stunde dauert). Vergessen, Google Maps von „Auto“ auf „Zu Fuß“ umzustellen vielleicht? Dass das Lektorat, das auch so Klopper wie „Die Wellen dröhnten in ihren Augen“ abgenickt hat, oder das Frühchen, das nach nur neun Monaten auf die Welt kommt, oder die Schwester, die sich in die ARME des Bruders wirft, dessen fehlender Arm einen Absatz darüber erwähnt wird, das nicht bemerkt hat, ist aber vielleicht auch kein Wunder.

Das Pacing dröhnt in meinen Augen

Auch handwerklich hat mir der Roman leider kaum gefallen. Der Schreibstil ist flüssig, aber recht platt und sehr wiederholend: Ständig hakt sich jemand bei jemandem ein, alle lächeln schüchtern oder schelmisch, ständig bohrt jemand jemandem den Finger in die Brust, es wird oft auch an unpassenden Stellen gekichert oder in Lachen ausgebrochen wie am Ende fast jeder Folge der Drei Fragezeichen (ein Vergleich, der allein schon angebracht ist, weil im Hotel zwei Bedienstete Justus und Jonas heißen). Am meisten gestört haben mich jedoch die vielen abrupten Zeitsprünge, die alle interessanten Szenen aus Hennis Leben einfach schlucken. Das spannendste wird nur nacherzählt oder ganz übersprungen, zum Beispiel Hennis erste Wochen in Timmendorfer Strand und ihre Umstellung von der Großstadt auf das Küstendorf, die ersten Wochen ihrer Ehe mit Eduard, ihre erste Schwangerschaft und Geburt ihrer Kinder, und sogar der Beginn der Liebesgeschichte.

Henni trifft den Fischersohn Ole am Strand von Niendorf (nach ihrem Marathonlauf), sie reden kurz miteinander, dann folgt ein Zeitsprung von mehreren Monaten und wir erfahren nur, dass Henni sich mehrmals mit ihm getroffen hat und ihn liebt. Die Treffen werden nicht einmal nacherzählt. Auch das ist nicht die große, emotionale Liebe „die nicht sein darf“, die der Klappentext anpreist. Mitfühlen konnte ich die Liebesgeschichte deshalb überhaupt nicht, denn man ist ja bei den Schlüsselmomenten nicht dabei und bekommt auch keinerlei Gefühle und Emotionen vermittelt. Es heißt einfach immer „Das ist so, sie fühlt das“ und dann kann man das hinnehmen oder eben nicht, genauso wie immer betont wird, was für ein schlechter Mensch Hennis Ehemann Eduard ist und, dass sie eine Dunkelheit in ihm spürt, ohne, dass Eduard ihr in über zehn Jahren Ehe auch nur einmal etwas getan hätte.

Hinzu kommen noch so einige Ungereimtheiten und unglaubwürdige Momente, die sich besonders gegen Ende des Romans häufen und nicht nur im historischen Kontext keinen Sinn ergeben, sondern ganz generell: Hennis geliebter Vater schaltet zu Anfang von jetzt auf gleich nach einem einzigen Streit mit Henni vom lieben, unterstützenden Papi in den Bösewicht-Modus und verbietet ihr im gemeinsamen Hotel mitzuarbeiten. Das Lowlight aber war Hennis zu diesem Zeitpunkt 9-jährige Tochter Christine, die schon mit sechs Jahren wusste, dass sie Medizin studieren und Ärztin werden möchte, und deshalb einen Job im Kriegsspital annimmt, wo sie natürlich besser weiß, wie die Kriegsversehrten zu versorgen sind, als die ausgebildeten Mediziner*innen und Pfleger*innen. Mit neun Jahren. Kitsch, Melodramatik und eine komplett überzogene Darstellung aller Genre-Klischees schwappen über.

Henriette: Zweierlei Maß und das hohe Ross

Last, aber wirklich alles andere als Least, muss Henriette selbst als Protagonistin erwähnt werden, denn Henni ist ein furchtbarer Mensch, deren selbstgerechte, ich-bezogene Art kaum auszuhalten war. Alles hat sich um Henriette zu drehen und sie erhebt Anspruch auf alle privaten Geheimnisse ihrer Familie – Wenn ihr verwitweter Vater ihr zum Beispiel nicht erzählen will, dass er eine neue Frau kennengelernt hat, ist das ein großer Verrat an Henni (und Thema des oben erwähnten Streits, den Henni ihrem Vater für über zehn Jahre nicht vergibt). Auch die Affäre ihrer Schwester Sybille mit einem Dienstboten geht Henni natürlich etwas an und, dass Sybille es für sich behält, ist der nächste große Betrug.

Henriette selbst darf ihre heimliche Affäre mit Ole aber natürlich für sich behalten. Henriette darf auch ihren Mann Eduard seit Beginn der Ehe mit Ole betrügen, rastet aber komplett aus, als auch Eduard einige Jahre später eine Geliebte hat und fühlt sich dadurch auch von ihm hintergangen – Obwohl beiden von Anfang an klar war, dass sie eine Zweckehe eingehen, die beide nicht wollen und Henriette Eduard wie gesagt von Anfang an selbst mit Ole betrügt. Henriette fordert von Eduard ein sie zu lieben und ihr treu zu sein, während sie ihn aber auch nicht liebt und ihm nie treu war, und zeichnet ihn grundlos als schlechten Menschen und wünscht ihm mehrmals im Roman, er möge doch endlich mal an seinem angeborenen Herzfehler sterben oder in den Krieg eingezogen werden und fallen. Ich habe mich hier wirklich vor Henriette geekelt.

Henriette projiziert sich selbst eine moralische Überlegenheit, die es ihr erlaubt all die Dinge zu tun, die andere nicht dürfen. Hätte der Roman das reflektiert, hätte das spannend sein können. Stattdessen kriegt sie noch von allen anderen Figuren gesagt, was für ein toller, selbstloser Mensch sie ist. Gezeigt kriegen wir jedoch eine manipulative, kalte junge Frau, die ihre gesamte Umwelt um sich selbst zentriert – Eine Narrative, die der Roman ja auch immer stützt. Da ist die Sache mit Eduard, aber auch ihre Freundin Mareike, die über zehn Jahre Handlung keine eigene Initiative zeigt, sondern nur existiert um Henni zur Seite zu stehen, oder die Szene, in der Henni ihrem schwulen besten Freund Heinrich im Jahr 1912 praktisch sagt, er wisse gar nicht, wie es ist nicht lieben zu dürfen, wen man will. Doch Henni, ich glaube Heinrich und sein Partner wissen das. Henni ist der Mittelpunkt von jedermanns Welt.

Timmendownton Abbey: Melodramatik statt Atmosphäre

Henni als Protagonistin hat mir den Roman wirklich verleidet und leider war auch nicht viel anderes da, das ihn hätte lesenswert machen können. Die eindeutige „Inspiration“ von Downton Abbey auf den Roman war dann so ein bisschen der letzte Sargnagel. . Auch in der Beschreibung von Kleidern, von Henriette und ihrer Schwester und im Umgang mit dem Ersten Weltkrieg, zum Beispiel in den Lazarettszenen, schimmert die Hitserie deutlich durch.

Wo wir gerade dabei sind: Der Umgang mit dem Ersten Weltkrieg ist, wie sollte es anders sein, nicht besonders gelungen und seltsam lapidar. Zwar werden Hennis Vater und Bruder eingezogen, ihr bester Freund ist aber als Schauspieler anscheinend unabkömmlich, sein Partner, der Anwalt ist ebenso, genauso wie gefühlt alle Dienstboten im Hotel, selbst die Küchenhilfe. Der Hotelbetrieb geht ganz normal weiter, Einflüsse des Krieges werden gar nicht gezeigt oder ganz schnell aus der Welt geräumt. Es kommen keine Gäste mehr? Machen wir ein Dachterrassenfest, zack, sind alle wieder da. Ole bekommt natürlich auch mehrmals einfach so Heimurlaub, um bei Henriette sein zu können, Vater und Bruder aber kein einziges Mal, , die wären ja in Timmendorfer Strand auch nur im Weg.

Ich habe diese Rezension 15% vor Ende des Buches geschrieben, weil ich mir gedacht habe, auf so wenig Seiten kann jetzt auch nicht mehr viel schiefgehen. Sagen wir es so, ich lag falsch. Gegen Ende wird der Roman immer melodramatischer und auf negative Weise skurriler, bis er in den letzten 10% nur noch mit riesigen Zeitsprüngen durch die Jahre 1916 – 1919 hetzt, die Hälfte seiner Figuren vergisst und selbst das Ende des Ersten Weltkriegs ist total lapidar abgehandelt („Müssen wir jetzt auch nicht drüber reden, endlich wieder Frieden, yippie!“), bevor er endlich, endlich vorbei ist.

Damit ihr es wisst: Das ist ein Minusstern

Ich möchte nicht behaupten, dass ich enttäuscht von „Das Glück am Horizont“ wäre. Ich habe ja kein Meisterwerk erwartet. Eher bin ich fassungslos, ein Buch wie dieses aus einem so großen Verlag serviert zu bekommen. Ich schreibe für gewöhnlich nur halb so lange Rezensionen, aber hier gab es einfach so viel, dass ich unbedingt ansprechen wollte, um verständlich zu machen, wie abstrus dieser Roman ist. Von der absolut unsympathischen Heldin über die vielen Zeitsprünge, die ALLE interessanten Schlüsselszenen einfach schlucken, über die lauwarme Liebesgeschichte, die man nicht einmal miterlebt, hin zu 9jährigen Lazarett-Schwestern, Downton-Abbey-Anleihen, dem mehr als blassen historischen Setting, Bombenangriffen auf Lübeck 1915 und dem kompletten Fehlen jeglicher Atmosphäre, Spannung und richtiger Konflikte – Was genau hat dieses Buch? Was will dieses Buch?

Eine Familiensaga möchte kein authentischer Historienroman sein, deshalb bewerte ich dieses Buch auch an dieser Stelle nicht nach diesen Standards, obwohl da noch sehr viel mehr zu kritisieren wäre. Doch auch die Ansprüche, die man an eine Familiensaga stellen kann, erfüllt „Das Glück am Horizont“ leider kaum: Hier gibt es keine gemütliche Ostsee-Atmosphäre oder mondänes Seebad-Flair, keinen Einblick in den Familienbetrieb Hotel, keine emotional überzeugende, große Liebesgeschichte. Wer das Cover mit den beiden lachenden Frauen am Strand sieht und einen gemütlich-nostalgischen Familienroman mit Seebad-Flair erwartet, wird diesen hier wohl kaum vorfinden. Ich gönne es allen, die das Buch gern gelesen haben, keine Frage, und Geschmäcker sind verschieden. Aber in diesem Fall kann ich die begeisterten Stimmen wirklich nicht mehr nachvollziehen.
Profile Image for bookspumpkin.
454 reviews183 followers
July 13, 2023
„Das Glück am Horizont“ ist ein wundervolles Debüt, das mich von der ersten bis zur letzten Seite beeindruckt hat. Ich kann es jedem Fan von historischen Liebesromanen und Familiensagas empfehlen.

Bereits das Cover hat mich total angesprochen, weil es das Setting und die Atmosphäre vom Buch total gut einfängt. Zudem zeigt es, dass es nicht nur um die Liebesgeschichte zwischen Henni und Ole geht, sondern auch um die Familie und Vertrauen.

Anna Husen hat einen unfassbar schönen und flüssigen Schreibstil, der nicht zu poetisch ist und perfekt zu der Stimmung und der Zeit des Buches passt. Es fängt einige Jahre vor dem ersten Weltkrieg an und wir begleiten Henriette, ihre Familie und Ole über einige Jahre. Für mich persönlich waren es zu häufige Zeitsprünge in dem ersten Drittel des Buches, was es mir erschwert hat, die Gefühle zwischen Ole und Henriette greifen zu können. Mit der Zeit hat sich dies jedoch gelegt und ich habe mich komplett in die zwei verknallt. Die Charaktere werden authentisch beschrieben und man möchte sie mehr als einmal in den Arm nehmen.

Die Handlung ist spannend, dramatisch und hält einige unerwartete Wendungen parat, die mich in einen Sog gezogen haben. Ich konnte ab einem gewissen Punkt nicht mehr aufhören zu lesen. Daran ist aber auch das Setting Schuld, denn Anna hat den Timmendorfer Strand absolut lebendig werden lassen. Ich, als Ostseekind, habe alles daran geliebt und war ziemlich traurig als das Buch vorbei war.

Für mich ist es ein sehr gelungenes Debüt, das ich nur empfehlen kann und das mir persönlich ein ganz neues Genre präsentiert hat. Es ist auf jeden Fall nicht die letzte historische Familiensage/Liebesgeschichte, die ich gelesen habe.
Profile Image for Histolicious Histolicious.
Author 1 book68 followers
April 28, 2023
Wir haben dieses Buch im Rahmen unseres Buchclubs gelesen.
Ich kannte die Autorin von Instragram und habe mich wirklich gefreut, als Anna Husen ihr Debüt veröffentlicht hat. Ich war sogar Teil des Coverflashmobs, weil ich IMMER dafür bin, dass neue und junge Stimmen im Genre einen Platz bekommen.

Leider ist dieses Buch bis jetzt eins der schlechtesten Verlagsbücher, die ich jemals gelesen habe.
Ich will hier Anhand von mir markierter Szenen aufzeigen, WARUM dass so ist, damit nicht wieder der Vorwurf aufkommt, ich würde nur hetzen wollen:

Schreibstil/Textarbeit:

Der Schreibstil ist einfach und gut und schnell lesbar. Aber ohne Finesse. Die Autorin neigt dazu, manche Szenen so überdramatisch zu formulieren, dass sie schon fast lächerlich werden.

Für mich liest sich das ganze Buch, wie der erste Entwurf, die Idee einer Geschichte, mit der man hätte arbeiten können, es aber nicht gemacht hat. Das fällt vorallem dann auf, wenn die Autorin plötzlich Nebenfiguren einführt (wie z.B. Heinrich) und uns dann erzählt, "Henriette kennt den seit Jahren, er ist ihr bester Freund" bei 33% des Buches. Die Figur von Heinrich wirkt so, als wäre Anna Husen eingefallen, dass sie noch keine LGBTQAI+ Figuren in ihrem Roman hat. Also hat sie Henni einen besten, schwulen Freund gemacht, der innerhalb des Plots keine Aufgaben hat, außer halt ... der Quotengay zu sein, der ab und zu mal auftaucht und flamoiyant ist. Manchmal verschwinden auch Nebenfiguren, wie Hennis "Ziehtochter" Elisabeht für mehrere 100 Seiten, bis es der Autorin einfällt, dass die ja auch noch da ist und dann läuft sie durch den Hintergrund. Einen wirklich Zweck hat keine dieser Nebenfiguren, keinen Plot, keinen Arc, nichts. Sie sind nur da und dann für 150 wieder weg.

Außerdem habe ich den Verdacht, dass von Seiten des Verlages weder ein ordentliches Lektorat noch ein Korrektorat stattgefunden hat. Hier ein paar Beispiele, aufgefallen sind. Und bitte bedenkt, ich arbeite nicht mit dem Text, sondern lese ihn nur als persönliches Privatvergnügen.

Seite 141 "Das Rauschen der Wellen dröhnte in ihren Augen" ????
Seite 420 "Doch sie hatten alle zusammengeholfen" ????
Seite 444 "Dass Stolz in ihrer Brust schwellte" ????
Seite 237 "Seine Augenbrauen waren gerunzelt" ????

Auch, dass in jeder Konversation in diesem Buch eine Fülle an Auslassungszeichen vorkommen, auch wenn der Satz ein normaler Aussagesatz ist. Wo war hier ein*e Korrektor*in?
Und last but not least die endlosen Wiederholungen bestimmter Phrasen.
Hier in Auswahl: "x lächelt y scheu an" "X hakte sich bei Y unter" "X kaute/biss sich auf die Unterlippe" "X legte den Kopf zur Seite/schief" "X konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen" und wir reden nicht von ein paar Wiederholungen. Immer wenn die Autorin eine Überleitung braucht, dann ist es einer der obigen Sätze. Auch hier ... Stillektorart? Irgendwer?

Henriette:

Kommen wir zu Henriette. Ich habe viele Renzensionen gelesen, die sie als tolle, starke Frau labeln. Aber das ist sie nicht. Henriette ist ein unangenehmer Charakter. Sie ist kalt, manipulativ, egoistisch und generell toxisch.
Sie erhebt Anspruch darauf, alle Geheimnisse von allen Personen aus ihrem Umfeld zu kennen, will ihre aber für sich behalten. Sie fährt aus der Haut, als ihre Schwester ihr nicht von der Beziehung zu einem Bediensteten erzählt oder als sie von deren Schwangerschaft erfährt "Warum wurde ich nicht SOFORT informiert" Henni, weil es dich nichts angeht.
Sie wirft auf ihrem Vater vor, die Familie zu zerstören, nur weil der nach 10 Jahren als Witwer eine neue Beziehung mit der verheirateten Amalia eingeht.
Dass Henriette, als verheiratete Frau eine Beziehung mit Ole Bergmann hat, ist natürlich etwas anderes ... oder so.

Das Buch will ja feministisch sein, in dem es sagt: "Henriette ist so toll sie arbeitet! Als Frau" und tut so, als hätte sonst noch keine Frau in der Geschichte der Menschheit ein Hotel geführt oder generell gearbeitet. Dass es im gleichen Ort aber Schneiderinnen, Friseurinnen, Krankenschwester und dergleichen gibt ist etwas anderes ... oder so.

Der Feminisims ist auch stark, weil alle Männer mit denen Henni interagiert auch den lieben langen Tag nichts besseres zu tun haben, als ihre "Errungenschaften" kleinzureden. Und das war ein ganz neuer Level an cringe. Auch, dass Henriette so tut, als wäre es die härteste Arbeit der Welt eine Pension mit 40 Zimmer zu führen.

Das schlimmste ist aber ihr moralisch hohes Ross, auf dem sie durch das Buch galoppiert.
Amalia, die neue Frau ihres Vaters ist natürlich ein Flitchen. Erst als diese Henni vom Abuse durch ihren ersten Ehemann erzählt, fühlt Henni sich gnädig genug ihr zu "verzeihen" ... was auch immer.

Auch gegenüber ihrem Mann ist Henni richtig ekelhaft. Sie und Eduard heiraten und es ist beiden klar, dass es eine Zweckehe ist.
Henni betrügt Eduard auch von Anfang an mit Ole. Aber als Eduard sich dann einer anderen Frau zuwendet, bekommt Hennriette einen Ausraster und Mareike, ihre beste Freundin und Enablerin, nennt dieses junge Frau dann eine Schl*mpe".
Und zwar und hier kommt der feministische Klopper: Es ist ja was anderes, weil Henriette nicht mit Ole schläft ist sie ja ANSTÄNDIG. Das kann man von der Geliebten ihres Mannes ja nicht sagen.

Und in bester feministischer Manier droht Henni dann dieser jungen Frau die Affäre an deren Vater zu verraten, und "dann werde sie ja sehen was dann passiert" aka "sie wird von ihrem Vater geschlagen"

Außerdem dämonisieren Mareike und Henni Eduard von Anfang an. "Da ist etwas Dunkles in seinen Augen" was genau, weiß ich nicht. Denn auch er hatte eine Kindheit mit einem gewalttätigen Vater, der ihn verprügelt und missbraucht hat zu bewältigen, aber das ist Henni ja egal. Sie und Henriette scherzen immer darüber, dass Eduard hoffentlich bald an seinem Herzleiden stirbt.

Seite 171 "Außerdem hoffte ein winziger, boshafter Anteil in ihrem Inneren immer noch, dass sein Herzleiden ihn irgendwann hinwegraffen würde ... "

Seite 393 "Dann müssen wir nur noch deinen Mann aus dem Weg schaffen" Wider Willen lachte Henriette auf. (ja lol wie witzig)

Auch als der Erste Weltkrieg ausbricht und Eduard aufgrund seiner Erkrankung nicht in den Krieg ziehen kann, wirft sie ihm das vor:

Seite 226 "Er will sich diesem Krieg entziehen, dachte Henriette erbost. Er wird seine Krankheit vorschieben und hier bleiben.

Dass ihr Gay BFF als Schauspieler auch nie im Krieg war, und die Hälfte des Servicepersonals in der Villa Sommerwind scheinbar auch unabkömmlich für den Dienst an der Waffe war ... ist was anderes ... oder so.

Das ganze Buch ist komplett Henni-Zentrisch. Alle müssen ihr nach dem Mund reden oder ihr den Arsch hinterher tragen. Sogar die letzten Worte ihrer Schwester gelten nicht deren Mann oder Kind, nein, sie gelten Henni "du warst die BESTE Schwester auf der Welt"

Ich könnte eine ganze Dissertation darüber schreiben, wie schrecklich Henni ist.
Auch, dass sie ihre 9 jährige Tochter ins Lazarett schickt, um dort Kriegsverletzte zu versorgen ... oder sich generell nicht um ihre Kinder kümmert ... dass sie immer von ihren Freund*innen kostenlose Dienstleistungen in Anspruch nimmt, dass sie anderen nur hilft, um sich selbst damit in einem besseren Licht dastehen zu lassen. Wie gesagt, die Liste ist endlos.

Recherche:

Aber kommen wir nun zum Thema Recherche, denn auch da war es eher Landunter hier.
Nicht nur, dass Figuren andauernd in Abendkleidern durch die Gegend rennen. Die Mode nicht der Zeit entspricht. Und es scheinbar in diesem Flecken des endlosen Multiversums im Ersten Weltkriegs Bomben auf Lübeck gab. Nein.
Andauernd rennen Leute von Timmendorfer Strand nach Niendorf. Ich habs gegooglet. Das sind mal eben stramme 5km für eine Strecke. In der Leserunde wurde dann spekuliert, ob die Autorin, als sie das gegoogelt hat, aus Versehen die Zeitangabe 5 Minuten für Autos als Richtwert genommen hat.

Was mir eindeutig gefehlt hat war Flair. Die Badekultur um die Jahrhundertwende. Nicht einmal war Henni in einem Badekarren oder in einem schicken Esemble in der Ostesse schwimmen. Die vom Verlag auf Instagram angepriesenen rauschen Feste fanden auch nicht statt. Man erfährt nichts über die Planung eines Hotels. Außer ab und zu einen Nebensatz, dass Henni ein Osterbankett "Organisiert hat"
Alle Kleider sehen gleich aus, haben Ranken oder Blumenmuster. Alle Möbel sind "maritim" alle Gebäude haben "meterhohe Fenster" alles ist so ohne Details.

Lovestory:

Bin ich ehrlich, hab ich nicht gefühlt.
Henni lernt Ole nach ihrem ersten 5km Langlauf nach Niendorf kennen.
Dann gibt es einen der 2533145 Zeitsprüng und wir erfahren aus einer Rückblende, dass sie ihn liebt. Da die Lovestory ja eigentlich das Salz in der Suppe von Familiensagas ist, war auch das hier sehr enttäuschend.
Die zwei treffen sich immer wieder, aber ihre Beziehung liest sich als wären sie 11 Jahre alt und würden nur Händchen halten. Aber nicht, weil einer von beiden oder beide Aro/Ace sind, sondern sie gehen nicht weiter, weil Henriette ja keine Schl*mpe sein will, wie Amalia.

FEMINISM!

Meinen Higlights:

Zum Schluss ein paar Persönliche High- oder Eher Lowlights:

- Die Szene in der die 9 jährige einen Mann mit Bauchschuss im Lazarett versorgt. Von sich selbst sagt, dass sie die Wunde auch nähen kann, weil sie mal gehört hat, wie das geht. Und als sie von einem Arzt zurechtgewiesen wird, ihm ins Gesicht brüllt "AUCH FRAUEN KÖNNEN ÄRZTINNEN SEIN"

Ja ... gurl. Nach einem Studium. Ich verstehe nicht, warum das Buch, die Autorin und der Verlag denken, es wäre ethisch und moralisch okay, dass Kinder an Verletzten Frau Doktor spielen dürfen und dann auch noch recht bekommen.

- Der Moment als Eduard seine Töchter, die random während eines Sturms in einer Nussschale auf der Ostsee waren, aus den Fluten rettet, dann aber stirbt, weil ... und I shit you not ... der Blitz neben ihm in die Landungsbrücke einschlägt und unter sich begrägt.

- Das niemals erwähnt wird wie Amalia mit dem Verlust ihres einzigen Kindes umgeht. Und sie nicht eine Sekunde bei ihm am Totenbett war.

- Dass Ole und Henni immer nur in einer gammligen Fischehütte Sex aufm Boden haben. Gurl du hast Real Estate.

- Ich weiß, ich hab es oben erwähnt, aber der Satz "das Rauschen der Wellen dröhnte in ihren Augen" ist so geil, ich lass mir den auf ein Shirt drucken.

- Dass der Text in den letzten 90% nur noch aus Fragmenten bestand und alle 5 Seiten ein neuer Zeitsprung von 5-8 Monaten kam.

Fazit:

Ich weiß nicht, wie ein Buch dieser Qualität zu einem Verlag wie Knaur gefunden hat. Aber hier sind wir. Ich bin enttäuscht, weil selbst für Saga-Standards war das hier ein richtiger Fehlgriff.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Anja Stephan.
Author 11 books39 followers
April 28, 2023
Timmendoofer Strand.

Wir haben das Buch in der Bücherbutze gelesen. Ich habe mich darauf gefreut, weil ich dort sehr häufig im Urlaub war. Ein wunderschöner Ort – sehr zu empfehlen. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich komplett durch das Buch gequält habe. Es gibt so große Probleme mit Inhalt, Schreibstil, Charakterdesign, historischem Hintergrund, dass ich kaum alles in dieser Rezi behandeln kann. Bitte schaut daher auch bei meinen anderen Buchbutzen-Mitgliedern rein Nachtfalter und Katlin.

Vorab: wir haben uns natürlich vor dem Kauf des Buches, die tollen Rezensionen durchgelesen, die von einem „super schönen Schreibstil“, einer „mega sympathischen Protagonistin“, einem „spannenden Plot“ und „interessanten Einblicken ins Hotelbusiness“ schreiben. Ich kann mir allerdings diese Diskrepanz zwischen den Rezis und dem tatsächlichen Produkt nicht erklären.

Spoiler: Ich werde in dem nachfolgenden Text auf spezifische Szenen und Inhalte eingehen, inkl. Ironie und Sarkasmus.

Plot:
Was für ein Plot? Erneut – wohl typisch für die Familiensaga – fehlt der Plot. Stattdessen dümpeln wir von einer zusammenhanglosen Szene zur nächsten. Es passiert nichts Interessantes. Jedes Mal, wenn wir auf irgendwas Spannendes zusteuern, gibt es einen Cut und wir springen zur nächsten Szene, wo das Problem oder die Handlung schon wieder komplett abgeschlossen ist und zum nächsten Punkt übergegangen wird.

Sonst passiert nix. Die Familie ist zu Beginn reich, wird dann noch reicher und es passiert denen eigentlich nie was Schlimmes – außer künstlich erzeugtes Drama. So werden quasi alle Klischees einer Familiensaga nach und nach abgehakt, wie auf einer To-Do-Liste: oh, jetzt haben wir den Bruder in den Krieg geschickt, Haken, jetzt müsste noch die Schwester ungewollt schwanger werden, oh, super, Haken.

Was das Buch extrem unangenehm zu lesen macht, ist das systematische Ausschalten von wichtigen Charakteren, die dem „Glück“ der Protagonistin im „Weg stehen“ könnten. So werden nach und nach Schwester, Bruder und Ehemann ausgeschaltet, damit Henni als Alleinerbin des Hotels am Ende mit Ole zusammen sein kann. Es ist einfach nur widerlich mit anzusehen. Ich will ehrlich sein: wir haben zu Beginn genau diese Prognose gestellt und es ist exakt so passiert.

Schreibstil:
Ich war total entsetzt. Entweder hat hier gar kein Lektorat stattgefunden oder es war schlecht oder aber die Autorin war beratungsresistent. Alle drei Sätze beißt sich jemand auf die Lippe, hakt sich bei jemanden unter, legt den Kopf schief, lächelt schelmisch oder grinst in unpassendsten Momenten. Es kommen immer wieder dieselben Ausdrücke und Beschreibungen vor. Von den inflationär eingesetzten Auslassungszeichen (…) will ich gar nicht erst anfangen.

Weiterhin haben wir ziemlich viele Szenen gefunden, die zufälligerweise sehr stark an Downton Abby erinnerten – wirkte teilweise wie abgeschrieben.

Aber nicht nur das. Die Autorin schreibt dermaßen melodramatisch, dass alles nur noch lächerlich ist. Jede noch so unwichtige Handlung wird aufgebauscht mit den überzogensten Phrasen und Adjektiven. Alles hat irgendwie mit HERZ und SEELE zu tun und irgendwas steigt immer in den HIMMEL oder zu den STERNEN. Kann ich nicht ernst nehmen, sorry.

Die ständigen Zeitsprünge steigern sich dann darin, dass wir einen Zeitsprung von 1 Jahr haben, um nur 1 Szene zu lesen und dann schon wieder einen Zeitsprung von fasst Jahr erleben – insbesondere in den letzten 20% fällt das auf. Auf den letzten 10% werden auf diese Weise glatt ganze 3 Jahre abgehandelt und die Szenen dazwischen sind vollkommen überflüssig. So ergibt sich keine fließende Handlung. Wir haben teilweise keine Ahnung um was es da geht. Einiges wird zusammengefasst in 2 Sätzen nacherzählt, Vieles bleibt aber einfach offen und wir wissen nicht, was damit passiert ist. Viele wichtige Dinge werden überhaupt nicht erzählt und ein paar Figuren werden einfach vergessen.

Leider wird genauso mit der Liebesgeschichte hier verfahren. Die findet eigentlich nur off-screen statt und wird dann passiv nacherzählt. Auf diese Weise können Lesende die „großen Gefühle“ kein Stück nachvollziehen. Ole kommt 90% der Geschichte gar nicht vor und dann hauptsächlich nur, um zu zeigen, wie arm seine Familie ist (mehr dazu weiter unten). Allein die Begegnung der beiden ist schon fragwürdig. Sie treffen sich zufällig am Strand, zack: Love, da haben sie noch keine drei Worte miteinander gewechselt. Dann gibt es einen Cut von mehreren Monaten, wir sind im Herbst und Henni erzählt uns, dass Ole ihre große Liebe ist. Konnte ich mitfühlen? Nein. Kann ich irgendwie nachvollziehen, warum sie den Kerl liebt? NEIN. Wer das Buch wegen großer Gefühle gekauft hat, wird hier schwer enttäuscht.

Wir wechseln zwischendrin die Perspektive, auch wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt. Plötzlich haben wir dann 1 Szene aus Sicht von Christine die eigentlich keinen Zweck hat, außer dass eine neue Figur eingeführt wird, die aber eigentlich vollkommen unwichtig ist.

Rein objektiv ist der Schreibstil unter aller Kanone – da braucht mir auch niemand etwas von „Geschmäcker sind verschieden“ zu erzählen.

Historischer Hintergrund:
Muss ich echt erwähnen, dass das Buch von vorn bis hinten a-historisch ist? Ich glaube nicht.
Gleich zu Beginn der Geschichte wird Timmendorfer Strand so beschrieben, wie es heute aussieht, nicht wie 1903. Selbst auf Wikipedia kann man nachlesen, dass sich der Ort von 1880 bis 1911 zu einem Strandbad entwickelt. Es fanden regelmäßige Bauarbeiten statt, ständig veränderte sich das Bild des Ortes, wurden Geschäfte gebaut, Privathäuser, Hotels, Gastronomie etc. Davon lesen wir jedoch nichts. Wer sich dort nicht auskennt, könnte glatt denken, der Ort wäre eine Ansammlung von einer Handvoll Hütten und Henni hat das einzige Hotel dort. Dabei waren damals schon die Strände mit Leuten in der Sommerfrische überlaufen. 1911 zählte der Ort laut Wikipedia satte 130 Hoteliers, die im Buch nicht mal am Rande erwähnt werden.

Dann haben wir den WW1 als Pappkulisse. Davon kriegen wir so gut wie nix mit, außer dass die Prota Sehnsucht nach Ole haben darf und das auch ständig kundtut. Sonst scheint das Leben für Henni einfach weiterzugehen wie bisher. Irgendwann erzählt Henni nach, dass man jetzt mit Marken einkaufen muss und dass Lebensmittel knapp werden. Wir sehen allerdings nichts davon.

Weiterhin scheint die Autorin kaum Kenntnisse über WW1 zu haben, denn wir lesen von einem Lazarett zur Erstversorgung an der Ostsee und von Bombenangriffen auf Städte in Norddeutschland. Diese gab es WW1 aber gar nicht. Dass Ole ständig Heimaturlaub bekommt (damit Henni mit dem vögeln kann), der Vater und ihr Bruder aber kein einziges Mal, zeigt erneut gravierendes Unverständnis der Autorin. Das Ende des Krieges wird innerhalb von 3 Sätzen abgehandelt.

Nebenbei fand ich es persönlich extrem unangenehm wie hier ständig betont wurde, dass die Männer für „das Deutsche Reich“ kämpfen und wie furchtbar es sei, dass „deutsche Männer“ sterben würden – Menschen aus anderen Ländern übrigens auch. Unsensibel wird hier gesagt „Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld“. Mit dem Thema wird aus meiner Sicht respektlos umgegangen.

Auch gesellschaftlich scheinen hier enorme Wissenslücken zu klaffen: die Kinder haben kein Kindermädchen, eine Feuerwehr existiert nicht, Frauenrechte werden ignoriert, Kondome werden für das absolute Novum gehalten, was man nur auf dem Schwarzmarkt kriegen konnte, Schwangerschaften und Geburt werden realitätsfern beschrieben (9. Monat wird als Frühgeburt bezeichnet). Die großen Entwicklungen von Technologie und sozialen Strukturen werden vollkommen ausgeblendet und scheinen den Mikrokosmos um Henni kein Stück zu tangieren.

Eigentlich ist das Hotelmanagement in diesem Buch überhaupt nicht existent, auch wenn die Autorin und der Verlag groß damit werben. Wir sehen davon nichts. Wir wissen nicht, welche Klientel hier einkehrt, wir wissen nicht, was Henni genau dort macht, weil nichts beschrieben wird. Allerdings wird so getan, als ob rauschende Feste und Tanzveranstaltungen 1915 eine ganz neue Idee der Prota wären, obwohl das schon seit Dekaden Gang und Gäbe war. Auch das in der Werbung angepriesene Strandleben und die rauschenden Feste sind nicht existent. Einmal, als tatsächlich ein Fest ansteht, wird dieses gleich zu Beginn einfach durch einen Zeitsprung von mehreren Monaten abgebrochen. Hier wird etwas versprochen, was nicht gehalten wird. Kann man schon als irreführende Werbung bezeichnen.

Gesellschaft und Werte:
Die Geschehnisse in diesem Buch werden aus einem auffällig unreifen Blickwinkel dargestellt.
Allein die Darstellung von Liebe und Sexualität ist so albern, dass nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Natürlich hat Henni mit Ole eine „reine Liebe“, weil sie sich in 8 Jahren „nur küssen“. Bis er in den Krieg eingezogen wird, sobald er dann auf Heimaturlaub ist, gilt dies anscheinend nicht mehr. Wie bereits erwähnt, scheint die Autorin von vollkommen anderen gesellschaftlichen Werten in dieser Zeit auszugehen, als tatsächlich der Fall war. Auch damals hatten Leute Sex, auch vor der Ehe, auch nur aus Spaß – weil Menschen einfach so sind. Mal abgesehen davon, gab das damals schon verschiedene Verhütungsmittel, z.B. Kondome.

Nebenbei wird hier eine ganz merkwürdige Doppelmoral geschoben: Henni hat von Beginn an einen Geliebten, das ist ok, aber wenn ihr Ehemann später auch eine Liebschaft hat, dann ist es moralisch verwerflich. Die Ehe basiert von beiden Seiten nicht auf Liebe. Trotzdem lässt die Autorin ihre Prota so tun, als würde der böse Mann sie auf übelste Weise hintergehen. Damit wird dann gerechtfertigt, dass sie ihm ständig ekelhafte Beleidigungen an den Kopf werfen darf. Henni zögert nicht, seiner Geliebten zu drohen, sie der Gewalt ihres Vaters auszuliefern, sollte sie sich weiter mit Eduard treffen. Wie ekelhaft!

Als später Sibylle (die jüngere Schwester) außerehelich schwanger wird, wird der „Fakt“ in den Raum gestellt, dass, wer Sex will, muss auch Kinder wollen. Äh, Nein, muss ich nicht. Ganz und gar nicht. Sibylle soll unbedingt den Vater des Kindes heiraten, aber ob das tatsächlich passiert ist, erfahren wir nie, weil Zeitsprung. Diese Art von Wertvermittlung lässt allerdings einen sehr üblen Nachgeschmack aufkommen, als Sibylle dann bei der Geburt stirbt (als Strafe dafür, dass sie Sex hatte?).

Auch die Darstellung von Armut ist extrem unangenehm. Es gibt nur 1 arme Familie im Dorf und die Kinder werden immer zum Markt geschickt, wo alle Leute denen Reste von ihren Waren abgeben, damit sie überleben können. Es muss dringend betont werden, dass die Kinder nur dünne Jäckchen im Winter haben und natürlich braucht die Familie auch unbedingt die reiche Henni, die ab und an Almosen zusteckt, die sie gerade in ihrer Jackentasche dabeihat. Die reiche Person als Retterin: eine ausgelatschte Trope. Natürlich nicht ohne Gegenleistung, denn Geld muss man sich verdienen!

Wenn du mit einem 40+ Stunden Job pro Woche nicht in der Lage bist, deine Familie zu ernähren, dann ist das nicht deine Schuld, sondern die des Systems, in dem du lebst. Doch die Autorin lässt ihre Prota kein Stück ihre Privilegien hinterfragen und stellt sie dar, als wäre sie die beste Person der Welt. Dabei wäre es tatsächlich Hennis gesellschaftliche Pflicht als reiche Frau gewesen, Charity Projekte zu verfolgen, im großen Stil durch Bälle, Sammelaktionen, Basare etc., oder zumindest an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie hätte mit ihrem Hotel sogar den idealen Ort dazu: Tu Gutes und sprich darüber.

Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage: Welche Werte soll dieser sagenhaft fragwürdige Inhalt vermitteln?

Charakterdesign:
Nebencharaktere: Ich bezeichne sie liebevoll als NPCs, denn mehr sind sie nicht. Sowohl die beste Freundin Mareike als auch die Stiefschwiegermutter Amalia tauchen immer nur dann auf, wenn es gerade nützlich ist oder Henni Empowerment braucht. Die ploppen so auf, aus dem Nichts, dann verschwinden sie wieder. Mareike bekommt nicht mal einen Hintergrund, weder einen eigenen Mann noch eigene Kinder, damit sie voll und ganz nur für Henni da sein kann. Amalia wird sogar beim Tod ihres Sohnes vergessen zu erwähnen.

Männer: Ich konnte mich nicht gegen den Eindruck wehren, dass so ziemlich alle Männer in diesem Buch dämonisiert werden. Dem Vater kann Henni nicht verzeihen, dass er sich in eine andere Frau verliebt (obwohl ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt schon 9 Jahre tot ist) und der Streit darüber wird ihm 10 Jahre später noch nachgetragen. Der gute Vater verwandelt sich binnen 1 Szene in einen herrischen Kerl, der seine Tochter triezt.

Über Eduard (Hennis Ehemann) wird gesagt, was für ein schrecklicher Mensch er doch sei. Dabei sehen wir davon nichts. Henni SAGT zwar ständig, dass sie Angst vor ihm hätte, er könnte sie schlagen, ihr die Kinder wegnehmen und ihr Leben zerstören, aber er macht eigentlich nichts, was irgendwie Hass auf ihn ziehen könnte. Als er 1x (bei 70%) die Hand gegen Henni erhebt, hat diese seine Mutter gerade als Hure bezeichnet. Geschlagen hat er sie dann allerdings nicht. Aber Henni tut so, als wäre er der schlimmste Mensch auf Erden. Zwischendrin lässt ihn die Autorin wie einen gefühlskalten Soziopathen agieren, damit Henni das Recht hat, wild und hemmungslos auf ihn einzuschlagen, ein paar Szenen weiter ist er aber wieder ein einfühlsamer Mensch. Hier auch wieder Doppelmoral: Henni tut exakt das, was sie ihm unterstellt - aber er ist böse, sie nicht. Zum Schluss bekommt er noch einen Hero-Moment und darf die Kinder vorm Ertrinken retten, bevor er unter den dümmsten Umständen stirbt (wie bequem für Henni).

Kinder: Ich habe den Eindruck, die Autorin weiß nicht, wie Kinder funktionieren. Als Mutter versagt Henriette auf ganzer Linie. Von Beginn an sucht sie sich ihre Lieblingstochter aus, nämlich die, die sie lieber hat als ihren Vater Eduard. Die andere wird permanent dämonisiert. Wir sehen ausschließlich Szenen mit ihr, wenn Henni sie für irgendwas maßregelt und beschimpft und selbst, wenn die nicht da ist, redet Henni nur schlecht über sie.

Henni erwartet von ihren Töchtern, dass sie mit 6 Jahren schon wissen, was sie mal werden wollen. Die Lieblingstochter weiß natürlich, dass sie Ärztin werden will (wie alle „guten“ und „starken“ Frauen in einer Familiensaga). Die andere verhält sich mit 9 Jahren noch wie ein Kind - wie schlimm. Und weil Henni eine so wundervoll verantwortungslose Mutter ist und sich nen Dreck schert, darf das gute Kind natürlich in einem Lazarett arbeiten. Mit 9 Jahren. Dabei soll es dort extrem schlimm zugehen, dass die Pflegekräfte mit blutbeschmierten Schürzen rumlaufen. Absolut der richtige Ort für ein 9-jähriges Kind! NICHT! Aber das gute Kind ist natürlich perfekt und weiß besser wie man einen Druckverband für einen Bauchschuss wechselt als das ausgebildete und erfahrene medizinische Fachpersonal. Später hat die arme Familie der 12-Jährigen Julia das Wiederaufleben des Fischhandels zu verdanken. Ernsthaft?

Ich habe mich gewundert, warum die Kinder kein Kindermädchen haben. Die lässt Henni unbeaufsichtigt überall rumlaufen und weiß oft gar nicht, wo die sind – ein Wunder, dass die noch leben. Als die Kinder dann tatsächlich einmal in Lebensgefahr schweben, gibt Henni natürlich anderen Leuten die Schuld, anstatt sich selbst einmal zu reflektieren.

Henriette: OMG, ich habe selten so ein selbstgerechtes, egozentrisches Stück Mensch als Protagonistin gesehen, die hier als Heldin verkauft wird. Es dreht sich alles um sie, sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Welt, alle Menschen müssen sich nach ihr ausrichten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Henriette eine fiktive Figur ist, die von der Autorin genauso konzipiert wurde.
Dies merkt man ganz besonders in der Szene, in der ihre Schwester bei der Geburt stirbt. Selbst dann dreht sich alles nur um Henni. Auch die letzten Worte ihrer Schwester gelten natürlich nur Henni und bestärken sie in ihrer Sicht, sie wäre die beste der Person der Welt. Weder für die Schwester noch für das Kind wird auch nur ein Gedanke verschwendet. Ganz im Gegenteil. Die Schwester ist noch nicht ganz kalt, da rennt Henni zu Ole, um mit ihm Sex zu haben, weil nur das ihr Herz reparieren könne. Nicht mal die Beerdigung der ach so geliebten Schwester wird dargestellt. Mir fehlen wirklich die Worte.

Grundsätzlich hält sich Henni für moralisch über alles und jeden erhaben und denkt nur Schlechtes über andere Menschen. Sie hasst Amalia und gibt ihr die Schuld daran, dass sich der Vater von ihr entfremdet hat. Nein, Henni, daran bist du selbst schuld, weil du ihm seine Liebe nicht gegönnt hast. Sie hält Amalia für eine Hure, weil die ihren Ehemann (den sie aus Pflicht geheiratet hat) mit Hennis Vater betrügt und den dann später auch heiratet. Doppelmoral: Henni macht genau das gleiche, aber Amalia ist böse, Henni ist gut. Dabei verdreht Henni noch genervt die Augen, als Amalia ihren Vater bei der Heimkehr überschwänglich begrüßt.

Henni hasst ihren Ehemann so sehr, dass sie darüber Witze reißt, wie man ihn am besten umbringen kann. Sie wirf ihm vor, er wäre schach, weil er aufgrund seines Herzfehlers nicht in den Krieg zieht. Der Mann ist tot krank! Und die Autorin lässt so eine Person zur Heldin der Geschichte werden. Was für eine verabscheuungswürdige Person! Als sie dann von Ole schwanger wird, ist sie sich auch nicht zu schade, ihrem Ehemann das Kind unterzujubeln und bemitleidet sich dabei auch noch selbst am meisten. Ich bin wirklich entsetzt über dieses Charakterdesign.

Ansonsten macht Henni eigentlich nichts. Sie lässt machen. Wenn es ein Problem gibt, ist es nicht Henni, die handelt, sondern Amalia und Mareike oder auch ihr Ehemann. Sie hält es offenbar auch für vollkommen in Ordnung, andere Leute nicht für geleistete Arbeit zu bezahlen. Trotzdem wird Henni permanent gesagt, was für eine starke Person sie sei, die immer alles hinkriegt und immer da ist für ihre Familie. Nein. Ist sie nicht. Sie ist nur für sich selbst da und jammert die ganze Zeit rum, wie allein sie doch wäre, niemand kümmere sich um sie, ständig bricht ihr Herz wegen irgendwas.

Ende:
Das alles macht nicht nur das gesamte Buch, sondern explizit das Ende schwer zu ertragen. Wir müssen uns durch absolut sinnlose Szenen quälen, um dann ein dermaßen theatralisches Wiedersehen mit Ole zu lesen, dass es fast schon körperliche Schmerzen bereitet. Man möchte sich glatt an den Strand stellen, die Hände gen Himmel strecken und Gott anflehen, die Autorin möge es ENDLICH schaffen, das Buch zu beenden. Eine sinnlose und absolut uninteressante Szene reiht sich an die nächste und es hört einfach nicht auf.

Fazit:
Schlechtestes Buch des Jahres!
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51 reviews5 followers
April 28, 2023
Spoiler Warnung für die komplette Rezi!

"Die Frauen der Villa Sommerwind. Das Glück am Horizont" ist der Debütroman von Anna Husen. Er entstand - so schriebt die Autorin auf Instagram - in Zusammenarbeit mit ihr, ihrer Agentur und dem Verlag. In dem Buch geht es um Henriette und zwar NUR um Henriette! Sie ist der Mittelpunkt von allem! Daher habe ich mich dazu entschieden meine Rezi auch komplett um sie herum aufzubauen.

Henni
Henriette ging in Hamburg an die Hotelfachschule, danach bekam ihr Vater ein Hotel in Timmendorfer Strand vererbt und nun ziehen alle dort hin um die „Villa Sommerwind“ aufzupolieren. Was Henni an der Schule gelernt hat, kann sie kaum einsetzen, denn vom Leben im Hotel bekommen wir kaum etwas mit. Erst sehr spät im Buch wird überhaupt erst angesprochen wie groß das Hotel ist. Henni selbst sieht sich als moderne Frau, die ständig gegen Vorurteile ankämpfen muss. Gleichzeitig sieht sie aber nicht, dass andere Frauen um sie herum, ebenfalls arbeiten, Schwierigkeiten haben, kämpfen müssen.

Henni und ihr Vater
Das Verhältnis zwischen Henni und ihrem verwitweten Vater könnte besser nicht sein, bis sie ihn mit seiner neuen Freundin erwischt. Sie spricht ihn darauf an, er bezichtigt sie der Lüge und von da an ist das Band zerrissen. Henni trägt ihm das ca. 10 Jahre lang nach. Der Vater verheiratet sie mit einem Mann, den sie nicht liebt, sie hätte dieser Hochzeit entkommen können, tut sie aber nicht, lieber jammert sie jahrelang herum, dass die Ehe schrecklich ist. Als der Vater aus dem Krieg zurückkommt entschuldigt er sich dafür, dass er Henni verschachert hat. Verzeihen kann sie ihm trotzdem nicht. Mit der neuen Ehefrau des Vaters kann Henni erst mal nichts anfangen, sie wird als intrigant beschrieben, aber davon bekommen wir nichts mit. Erst als sie Henni erzählt, wie schrecklich ihre erste Ehe war, findet Henni sie okay.

Henni und Ole
Nach dem Streit mit ihrem Vater rennt Henni mehrere Kilometer und trifft dann auf Ole. Es ist die langweiligste Liebe auf dem ersten Blick. Sie reden kaum miteinander, es folgt ein Zeitsprung und wir bekommen nacherzählt, dass Ole Hennis große Liebe ist. Dann heiratet sie Eduard, den ihr Vater für sie ausgesucht hat. Die Beziehung zu Ole bleibt, sie ist aber „rein“, denn in den ersten 8 Jahren wird nur geküsst. Ole wird später in den 1. Weltkrieg einbezogen, kann aber sehr oft auf Heimaturlaub (im Gegensatz zu Hennis Vater oder Bruder). Ole selbst bleibt als Figur blass und charakterlos. Er kommt die meiste Zeit des Buches nicht vor. Henni erzählt immer nur von geheimen Treffen, die finden aber im Buch nicht statt.

Henni und Eduard
Eduard liebt Henni nicht, Henni liebt Eduard nicht, sie sollen heiraten, keiner weiß warum. Die beiden haben Zwillinge miteinander, die Töchter Christine und Julia. Eduard lacht sich sehr schnell eine Geliebte an, eine junge Frau. Und obwohl Henni die ganze Zeit über Ole trifft, schäumt sie vor Wut über die Affäre ihres Mannes. Das geht so weit, dass sie der Frau droht, die Affäre deren Vater zu stecken, der würde sie dann schon züchtigen. Eduard kann nicht in den Krieg ziehen, wegen eines angeborenen Herzfehlers, Henni macht sich darüber lustig, betitelt seine Mutter als H*re und ist dann überrascht, dass er die Hand gegen sie erhebt (sie dann aber doch nicht schlägt). Grundsätzlich wird uns Eduard als schlimmster Mann überhaupt vorgestellt, aber sehen tut man davon nichts. Im Gegenteil! Als der Krieg ausbricht und die Töchter Angst haben, beruhigt er sie mit „alles ist bald vorbei“, Henni nennt ihn in Gedanken einen schrecklichen Lügner. Henni macht sich auch sonst mehrmals über Eduards Krankheit lustig und scherzt mit ihren Freund*innen darüber, wie und wann er wohl zu Tode kommen wird. Eduard stirbt tatsächlich, und zwar, als er die beiden Töchter rettet. Seine Mutter, die eine größere Rolle in diesem Roman spielt, wird weder an seinem Totenbett, noch an seiner Beerdigung erwähnt, obwohl die beiden ein inniges Verhältnis hatten. Aber Henni ist da! Das ist wichtig …

Henni und ihre Geschwister
Henni ist die Älteste, ihr folgen Sybille und Manfred. Letzterer ist einfach nur ein Pappaufsteller und dass er im Krieg fällt kann niemanden emotional berühren, denn er kam davor so gut wie nicht vor. Sybille wird schwanger von einem Angestellten (der ebenfalls in den Krieg zieht und später nur noch als Randnotiz vorkommt). Vor ihrer Schwangerschaft ist sie eine von Hennis wichtigsten Support Figuren, selbst ihre letzten Worte auf dem Sterbebett gelten ihrer Schwester … nicht dem eben geborenen Kind, nicht dem Geliebten. (ich sag doch alles dreht sich um Henni)

Henni und ihre Kinder
Die Zwillinge verhalten sich sehr oft nicht wie Kinder ihres Alters. Aber bei all den Zeitsprüngen weiß man auch nicht genau, wie alt sie gerade sind. Was man genau weiß ist, welche Hennis Lieblingstochter ist! Christine, die schon mit 6 Jahren weiß, dass sie Ärztin werden will und mit 9/10 Jahren ins Hospital geht um Kriegsverletzte zu versorgen. Dort lernt sie Dr. Marx kennen, der ihr gleich sagt, dass er nach dem Krieg die Praxis im Ort übernehmen will und sie könnte dort ja dann als Schwesternhelferin arbeiten. Später (Christine ist da ca. 12/13) bringt er NUR IHR Kaffee mit ins Hospital und redet später mit Henni darüber, dass Christine bei ihm arbeiten soll. Ich finde es SEHR unangenehm wie ein erwachsener Mann hier an einem Mädchen von ca. 9-13 Jahren rumarbeitet! (ist das schon Grooming?). Die andere Tochter Julia hingegen, hat keine so klaren Vorstellungen. Sie ist auch ständig unterwegs. Beide Mädchen haben keine Kinderfrau, die auf sie Acht gibt. Im Buch selbst wir über Julia gesagt, dass man nie weiß, wo sie ist. Später bekommt Henni noch ein Kind mit Ole. Nach ihrer Aussage ein Frühchen, obwohl es im 9. Monat kommt. Die ganze Schwangerschaft über denkt sie nicht an ihre Schwester, hat keine Angst, dass die Geburt schief gehen könnte. Während der Geburt selbst wird sie ständig ohnmächtig, was sehr unrealistisch ist.

Henni und ihre beste Freundin
Schon weit am Anfang lernen wir Mareike kennen, sie wird schnell Hennis beste Freundin und als solche darf sie natürlich kein Privatleben haben. Sie und ihre Mutter haben eine Schneiderei, aber natürlich bleibt Henni die einzige Frau in dem Roman, die sich ständig gegen Vorurteile durchsetzen muss. Mareike hat keinen Ehemann, keine Kinder, kein Leben. Sie ist nur da um Henni über Zeitgeschichte aufzuklären und diese zu supporten.

Sonstiges und Fazit
Wer in diesem Buch Strandfeeling, Liebe, große Gefühle, Drama und Meer erwartet, der wird enttäuscht. Ab und an kreischen ein paar Möwen, die Luft ist Salzig, aber das wars. Dass man vom Hotelwesen nichts mitbekommen, habe ich oben schon erwähnt. Aber was mir weiterhin übel aufgestoßen ist sind viele Dinge, die ein Lektorat hätte rausstreichen/verbessern können. Im Impressum steht zwar eine Textredaktion, aber ich bin nicht sicher, welchen Job diese hatte. Die vielen Zeitsprünge, massenweise Anwendung von Auslassungszeichen (…), merkwürdige Umschreibungen und einfach der komplett fehlende Rote Faden, machen das Buch wirklich schwer lesbar. Dabei hätte man aus dem Stil der Autorin etwas machen können. Wie oben erwähnt entstand dieser Roman in Zusammenarbeit mit der Autorin, ihrer Agentur und dem Verlag. Ich hätte mir für einen Debütroman gewünscht, dass man die Autorin besser an die Hand genommen hätte. Der nächste Deal ist aber schon beschlossen, für die Autorin wird es also weitergehen.
217 reviews
April 12, 2023
,, Das Glück am Horizont- Die Frauen der Villa Sommerwind " ist der erste Roman von Anna Husen. Was für ein grandioser Start!

Diese äußerst gelungene Geschichte um Henriette und ihre Familie spielt in den Jahren 1903 bis 1929 in Timmendorfer Strand, einem beschaulichen Ort an der Ostsee.

Henriette kommt mit ihrem Vater und ihren zwei jüngeren Geschwistern nach Timmendorf, um dort die Villa Sommerwind als Hotel zu führen. Mit ihren 22 Jahren und dem Abschluss der Hotelfachschule steht sie dem Vater tatkräftig zur Seite. Nach dem Tod ihrer Mutter bei der Geburt ihres jüngsten Bruders vor 8 Jahren haben sie ein sehr inniges Verhältnis. Sie macht alles, um ihren Geschwistern die Mutter zu ersetzen und die Familie zusammen zu halten. Eines Taged kommt es jedoch zu einem verheerenden Streit mit ihrem Vater. Enttäuscht und wütend läuft sie am Strand entlang und trifft im Nachbarort Niendorf auf den Fischersohn Ole, der sie vom ersten Moment an fasziniert. Es ist die sprichwörtliche Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe , die nicht sein darf, denn ihr Vater hat bereits beschlossen, daß sie Eduard Graff heiraten wird, den Sohn eines Architekten. Sie fügt sich , bekommt die wunderbaren Zwillinge Julia und Christine. Doch glücklich ist sie in dieser arrangierten und kalten Ehe nicht. Das Hotrl floriert, doch es beginnen unruhige Zeiten , die im 1. Weltkrieg münden. Das Hotel kämpft, genau wie die Männer, ihr Vater, ihr Bruder und ihr Herzensmensch Ole , ums Überleben. Sie arbeitet hart und sorgt dafür , daß das Hotel bestehen bleiben kann und die Familie zusammen hält. Halt und moralische Unterstützung erfährt sie von ihrer besten Freundin Mareike, die sie am ersten Tag in Timmendorf kennen lernte. Eine Freundin, die immer zu ihr hält und iauch mal unverblümt ihre Meinung kund tut. So eine tolle Freundin sollte jeder haben.

Anna Husen hat die Personen so sympathisch und liebevoll gezeichnet, daß sie mir schnell ans Herz gewachsen sind. Durch die authentischen Beschreibungen fühlte ich mich wie ein Teil der Familie. Die emotionale und gefühlvolle Geschichte hat mich begeistert. Ich habe mich mit Henriette gefreut , geliebt, gelitten, gehofft , gebangt und auch geweint . Nicht nur einmal im Leben muß sie große Hürden überwinden, gerade als Frau hat sie gegen Vorurteile und Widrigkeiten zu kämpfen. Sie ist eine starke Frau, die alles für ihre Familie macht.

Durch die spannungsreichen, abwechslungsreich aus den Perspektiven von Henriette, Ole und Christine erzählt, konnte ich tief in die Geschichte, Gefühle und Gedanken der Protagonisten eintauchen. Unerwartete Wendungen haben mich überrascht.

Der Ort, der Strand , die Mode wurden so bildhaft beschrieben, daß ich die salzige Meeresluft schmecken, den Wind und den Sand unter den Füßen spüren konnte. Gerne hätte ich die wundervollen Kleider , geschneidert von Mareike und ihrer Mutter Friederike, anprobiert.

Von der ersten Seite an , hat mich diese Geschichte in den Bann gezogen. Das Buch konnte ich kaum aus der Hand legen., wollte doch unbedingt erfahren, ob Henriette ihr eigenes Glück erfahren darf. Sehr gut haben mir auch die stillen Zwiegespräche von Henriette mit ihrer verstorbenen Mutter gefallen, aus denen sie viel Kraft, Mut und Hoffnung schöpft,

Anna Husen hat einen fulminanten Roman geschaffen, der aufzeigt, daß Freude, Trauer, Glück und Unglück manchmal ganz nah beieinander liegen und in allen Menschen etwas Gutes steckt, auch wenn es manchmal nicht so scheint.

Von ganzem Herzen empfehle ich diese wunderbare, spannungsreiche und berührende Geschichte weiter. Schon jetzt warte ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung von dieser Geschichte.
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575 reviews1 follower
May 1, 2023
Die Frauen der Sommervilla: Das Glück am Horizont

von Anna Husen

erschienen im Knaur Verlag am 03. April 2023

Taschenbuch 480 Seiten

Klappentext

Ein unerwartetes Erbe führt Henriette Hohnhold und ihre Familie 1903 nach Timmendorfer Strand: Die Villa Sommerwind, die nun den Hohnholds gehört, soll nach dem Willen von Vater Eberhart ein exquisites Hotel werden.

Vom ersten Tag an ist Henriette die rechte Hand ihres Vaters und stürzt sich begeistert in die vielfältigen Aufgaben. Doch eines Morgens macht sie eine Beobachtung, die zu einem heftigen Streit zwischen Vater und Tochter führt. Aufgelöst läuft die junge Frau davon und findet sich schließlich in Niendorf wieder, wo sich Ole, der Sohn eines Fischers, rührend um sie kümmert. Trotz des Standesunterschieds ist es Liebe auf den ersten Blick – Henriettes Vater hat allerdings längst ihre Verlobung mit einem anderen arrangiert …

Meine Meinung

Der Debütroman von Anna Husen entführt uns an die Ostsee, an den Timmendorfer Strand. Dieser damals noch kleine beschauliche Ort wird die neue Heimat von Henriette und ihren Geschwistern Sibylle und Hermann. Ihr Vater hat ein Hotel geerbt und möchte es mit Henriette zusammen zum ersten Hotel am Platz machen. Doch nach der Beobachtung von Henriette ist das Vertrauensverhältnis von Vater und Tochter abgekühlt. Henriette übernimmt vielfältige Aufgaben in ihrem jungen Leben, die Mutterrolle für ihre Geschwister, und plötzlich ist sie Ehefrau von einem Mann, den sie nicht liebt, Stieftochter und Schwiegermutter von einer Frau, die sie hasst. Und dennoch gibt es einige Lichtblicke in ihrem Leben. Mit ihrer Freundin Mareike und auch mit ihrer Schwester Sibylle verlebt sie einige schöne Jahre an der Ostsee. Und mit Ole genießt sie die kurze und kostbare Zeit. Der Krieg verändert aber das Leben aller in Timmendorf. Und Feinde werden zu Freunden.
Der Roman spielt in der Zeit von 1903 bis 1919 und Anna Husen ist es sehr gut gelungen, die Stellung der Frau im Frühen 20. Jahrhundert zu beschreiben. Ihre Beschreibungen vom Hotel, der damaligen Mode und der Charaktere haben mir sehr gut gefallen. Auch die Entwicklung von Henriette ist durchaus authentisch.

Fazit

Der Schreibstil hat sich für mich sehr gut lesen lassen und ich habe ihn auch sehr passend zum Roman empfunden. Mit den Protagonisten, besonders mit Henriette und Ole habe ich mitgelitten und mich über kleine positive Nachrichten gefreut. Von mir gibt es 5 🐥🐥🐥🐥🐥 und eine Leseempfehlung.
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657 reviews
April 10, 2023
"Das Glück am Horizont" ist der erste Band einer Familien - Saga. Diese führt den Leser ins Jahr 1903 an den Timmendorfer Strand. Durch ein unerwartetes Erbe reist die Hauptprotagonistin Henriette Hohnhold mit ihrer Familie an den Timmendorfer Strand. Sie erbt die Villa Sommerwind. Zusammen mit ihrem Vater, der auch die Idee dazu hatte, soll die Villa Sommerwind ein Hotel werden. Sie ist von Anfang an die rechte Hand ihres Vaters Eberhart & stützt sich auf alle anfallenden Aufgaben. Nach einem Streit mit ihrem Vater läuft Henriette weg & findet sich in Niendorf wieder. Hier trifft sie auf Ole, die beiden mögen sich. Ihr Vater hat nur leider anderes mit ihr vor. Denn der Sohn einer angesehenen Familie soll ihr Mann werden. Ihr Vater hat die Verlobung eingeleitet. Dann kommt der erste Weltkrieg immer näher & stellt alles auf den Kopf.
Wow, was für eine Wahnsinnsgeschichte. Ich habe diese in einem Rutsch durchgelesen. Historische Romane ziehen mich häufig wie magisch an. So war es auch hier, alleine das Cover macht schon so richtig Lust auf die Story.
Henriette war mir von Anfang an sehr sympathisch, sie will ihren Weg gehen & bringt doch viele Opfer für ihre Familie. Sie ist eine starke Persönlichkeit. Die Handlung geht natürlich auch um den ersten Weltkrieg & alles, was drumherum passiert. Der Schreibstil ist flüssig, leicht, angenehm, fesselnd & stellenweise emotional. Hier gibt es eine ganz klare Kauf - & Leseempfehlung! Die Autorin konnte mich hier komplett begeistern. Wer historische Romane mag, sollte diese Story auf jeden Fall lesen. Aber auch sonst, lesen!
636 reviews
April 14, 2023
Eine leichte Urlaubslektüre

Dieser Roman erzählt die Geschichte von von Henriette Hohnhold, die mit ihrem Vater zusammen die geerbte Villa Sommerwind in ein gehobenes Hotel verwandeln will. Vater und Tochter verbindet ein inniges Verhältnis, welches jedoch nach einer Beobachtung von Henriette und dem darauffolgenden Streit mit ihrem Vater, zu zerbrechen droht. Henriette flieht an den Strand und lernt den Fischersohn und Bootsbauer Ole Bergmann kennen. Es ist Liebe auf den ersten Blick, doch Eberhard Hohnhold hat schon die Eheschließung seiner Tochter mit einem anderen Mann arrangiert.
Der Leser begleitet Henriette und ihre Familie durch die Jahre 1903 bis 1919. Der Roman wird in teilweise zeitlich sehr großen Zeitsprüngen erzählt, so dass es oft im Dunkeln blieb, was in der Zwischenzeit geschah. Hier hätte die Autorin detaillierter schreiben können. Dadurch konnte ich keinen richtigen Bezug zu den Geschehen und den Personen aufbauen. Die Handlung ist trotzdem interessant, doch große Spannung konnte sie nicht erzeugen. Mit einem flüssigen Schreibstil führt Anna Husen durch dieses Buch.
Mein Fazit:
Eine nette und leichte Urlaubslektüre, die mich jedoch nicht restlos überzeugen und mitreißen konnte. 3 Sterne.
Profile Image for Bibabuch .
231 reviews1 follower
April 4, 2023
Als Ostsee-Liebhaberin habe ich schon lange auf so einen historischen Roman gewartet. Schnell war ich mitten im Geschehen. Die leichte, aber auch tiefe Erzählweise der Autorin lässt dabei nicht vermuten, dass es ihr Debütroman ist.
In der Geschichte begleiten wir die Familie Hohnhold von 1903 - 1919 und erleben sowohl gute wie auch schlechte Zeiten. Immer fühlt man sich mittendrin und möchte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe mich vorzüglich unterhalten gefühlt und möchte unbedingt noch mehr von dieser jungen Autorin lesen.
Profile Image for bookfan_98.
221 reviews4 followers
April 1, 2023
Henriette und Ole's Geschichte ist tatsächlich mein erster historischer Roman gewesen und ich habe ihn sehr geliebt!🥰
Es war schön mal eine Geschichte zu lesen, die in der Nähe meines damaligen Wohnortes spielte.🌊
Einige der Charaktere sind mir sehr ans Herz gewachsen und das Buch hat mich von Anfang bis zum Ende überzeugen können.😊
1,372 reviews6 followers
September 22, 2023
Anfang 20. Jahrhundert. Frauen sind dem Mann untergeordnet, dürfen keinen Beruf ausüben—Küche, Haushalt, Kinder! Tja und dann die Liebe, der Vater arrangiert die lukrative Hochzeit, auch wenn die Tochter den Mann nicht will, weil sie den armen Fischerjungen liebt. Puh, ein wenig Seifenoper und dann kommt auch noch der erste Weltkrieg!
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