Timmendoofer Strand.
Wir haben das Buch in der Bücherbutze gelesen. Ich habe mich darauf gefreut, weil ich dort sehr häufig im Urlaub war. Ein wunderschöner Ort – sehr zu empfehlen. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich komplett durch das Buch gequält habe. Es gibt so große Probleme mit Inhalt, Schreibstil, Charakterdesign, historischem Hintergrund, dass ich kaum alles in dieser Rezi behandeln kann. Bitte schaut daher auch bei meinen anderen Buchbutzen-Mitgliedern rein Nachtfalter und Katlin.
Vorab: wir haben uns natürlich vor dem Kauf des Buches, die tollen Rezensionen durchgelesen, die von einem „super schönen Schreibstil“, einer „mega sympathischen Protagonistin“, einem „spannenden Plot“ und „interessanten Einblicken ins Hotelbusiness“ schreiben. Ich kann mir allerdings diese Diskrepanz zwischen den Rezis und dem tatsächlichen Produkt nicht erklären.
Spoiler: Ich werde in dem nachfolgenden Text auf spezifische Szenen und Inhalte eingehen, inkl. Ironie und Sarkasmus.
Plot:
Was für ein Plot? Erneut – wohl typisch für die Familiensaga – fehlt der Plot. Stattdessen dümpeln wir von einer zusammenhanglosen Szene zur nächsten. Es passiert nichts Interessantes. Jedes Mal, wenn wir auf irgendwas Spannendes zusteuern, gibt es einen Cut und wir springen zur nächsten Szene, wo das Problem oder die Handlung schon wieder komplett abgeschlossen ist und zum nächsten Punkt übergegangen wird.
Sonst passiert nix. Die Familie ist zu Beginn reich, wird dann noch reicher und es passiert denen eigentlich nie was Schlimmes – außer künstlich erzeugtes Drama. So werden quasi alle Klischees einer Familiensaga nach und nach abgehakt, wie auf einer To-Do-Liste: oh, jetzt haben wir den Bruder in den Krieg geschickt, Haken, jetzt müsste noch die Schwester ungewollt schwanger werden, oh, super, Haken.
Was das Buch extrem unangenehm zu lesen macht, ist das systematische Ausschalten von wichtigen Charakteren, die dem „Glück“ der Protagonistin im „Weg stehen“ könnten. So werden nach und nach Schwester, Bruder und Ehemann ausgeschaltet, damit Henni als Alleinerbin des Hotels am Ende mit Ole zusammen sein kann. Es ist einfach nur widerlich mit anzusehen. Ich will ehrlich sein: wir haben zu Beginn genau diese Prognose gestellt und es ist exakt so passiert.
Schreibstil:
Ich war total entsetzt. Entweder hat hier gar kein Lektorat stattgefunden oder es war schlecht oder aber die Autorin war beratungsresistent. Alle drei Sätze beißt sich jemand auf die Lippe, hakt sich bei jemanden unter, legt den Kopf schief, lächelt schelmisch oder grinst in unpassendsten Momenten. Es kommen immer wieder dieselben Ausdrücke und Beschreibungen vor. Von den inflationär eingesetzten Auslassungszeichen (…) will ich gar nicht erst anfangen.
Weiterhin haben wir ziemlich viele Szenen gefunden, die zufälligerweise sehr stark an Downton Abby erinnerten – wirkte teilweise wie abgeschrieben.
Aber nicht nur das. Die Autorin schreibt dermaßen melodramatisch, dass alles nur noch lächerlich ist. Jede noch so unwichtige Handlung wird aufgebauscht mit den überzogensten Phrasen und Adjektiven. Alles hat irgendwie mit HERZ und SEELE zu tun und irgendwas steigt immer in den HIMMEL oder zu den STERNEN. Kann ich nicht ernst nehmen, sorry.
Die ständigen Zeitsprünge steigern sich dann darin, dass wir einen Zeitsprung von 1 Jahr haben, um nur 1 Szene zu lesen und dann schon wieder einen Zeitsprung von fasst Jahr erleben – insbesondere in den letzten 20% fällt das auf. Auf den letzten 10% werden auf diese Weise glatt ganze 3 Jahre abgehandelt und die Szenen dazwischen sind vollkommen überflüssig. So ergibt sich keine fließende Handlung. Wir haben teilweise keine Ahnung um was es da geht. Einiges wird zusammengefasst in 2 Sätzen nacherzählt, Vieles bleibt aber einfach offen und wir wissen nicht, was damit passiert ist. Viele wichtige Dinge werden überhaupt nicht erzählt und ein paar Figuren werden einfach vergessen.
Leider wird genauso mit der Liebesgeschichte hier verfahren. Die findet eigentlich nur off-screen statt und wird dann passiv nacherzählt. Auf diese Weise können Lesende die „großen Gefühle“ kein Stück nachvollziehen. Ole kommt 90% der Geschichte gar nicht vor und dann hauptsächlich nur, um zu zeigen, wie arm seine Familie ist (mehr dazu weiter unten). Allein die Begegnung der beiden ist schon fragwürdig. Sie treffen sich zufällig am Strand, zack: Love, da haben sie noch keine drei Worte miteinander gewechselt. Dann gibt es einen Cut von mehreren Monaten, wir sind im Herbst und Henni erzählt uns, dass Ole ihre große Liebe ist. Konnte ich mitfühlen? Nein. Kann ich irgendwie nachvollziehen, warum sie den Kerl liebt? NEIN. Wer das Buch wegen großer Gefühle gekauft hat, wird hier schwer enttäuscht.
Wir wechseln zwischendrin die Perspektive, auch wenn es überhaupt keinen Sinn ergibt. Plötzlich haben wir dann 1 Szene aus Sicht von Christine die eigentlich keinen Zweck hat, außer dass eine neue Figur eingeführt wird, die aber eigentlich vollkommen unwichtig ist.
Rein objektiv ist der Schreibstil unter aller Kanone – da braucht mir auch niemand etwas von „Geschmäcker sind verschieden“ zu erzählen.
Historischer Hintergrund:
Muss ich echt erwähnen, dass das Buch von vorn bis hinten a-historisch ist? Ich glaube nicht.
Gleich zu Beginn der Geschichte wird Timmendorfer Strand so beschrieben, wie es heute aussieht, nicht wie 1903. Selbst auf Wikipedia kann man nachlesen, dass sich der Ort von 1880 bis 1911 zu einem Strandbad entwickelt. Es fanden regelmäßige Bauarbeiten statt, ständig veränderte sich das Bild des Ortes, wurden Geschäfte gebaut, Privathäuser, Hotels, Gastronomie etc. Davon lesen wir jedoch nichts. Wer sich dort nicht auskennt, könnte glatt denken, der Ort wäre eine Ansammlung von einer Handvoll Hütten und Henni hat das einzige Hotel dort. Dabei waren damals schon die Strände mit Leuten in der Sommerfrische überlaufen. 1911 zählte der Ort laut Wikipedia satte 130 Hoteliers, die im Buch nicht mal am Rande erwähnt werden.
Dann haben wir den WW1 als Pappkulisse. Davon kriegen wir so gut wie nix mit, außer dass die Prota Sehnsucht nach Ole haben darf und das auch ständig kundtut. Sonst scheint das Leben für Henni einfach weiterzugehen wie bisher. Irgendwann erzählt Henni nach, dass man jetzt mit Marken einkaufen muss und dass Lebensmittel knapp werden. Wir sehen allerdings nichts davon.
Weiterhin scheint die Autorin kaum Kenntnisse über WW1 zu haben, denn wir lesen von einem Lazarett zur Erstversorgung an der Ostsee und von Bombenangriffen auf Städte in Norddeutschland. Diese gab es WW1 aber gar nicht. Dass Ole ständig Heimaturlaub bekommt (damit Henni mit dem vögeln kann), der Vater und ihr Bruder aber kein einziges Mal, zeigt erneut gravierendes Unverständnis der Autorin. Das Ende des Krieges wird innerhalb von 3 Sätzen abgehandelt.
Nebenbei fand ich es persönlich extrem unangenehm wie hier ständig betont wurde, dass die Männer für „das Deutsche Reich“ kämpfen und wie furchtbar es sei, dass „deutsche Männer“ sterben würden – Menschen aus anderen Ländern übrigens auch. Unsensibel wird hier gesagt „Es sieht aus wie auf einem Schlachtfeld“. Mit dem Thema wird aus meiner Sicht respektlos umgegangen.
Auch gesellschaftlich scheinen hier enorme Wissenslücken zu klaffen: die Kinder haben kein Kindermädchen, eine Feuerwehr existiert nicht, Frauenrechte werden ignoriert, Kondome werden für das absolute Novum gehalten, was man nur auf dem Schwarzmarkt kriegen konnte, Schwangerschaften und Geburt werden realitätsfern beschrieben (9. Monat wird als Frühgeburt bezeichnet). Die großen Entwicklungen von Technologie und sozialen Strukturen werden vollkommen ausgeblendet und scheinen den Mikrokosmos um Henni kein Stück zu tangieren.
Eigentlich ist das Hotelmanagement in diesem Buch überhaupt nicht existent, auch wenn die Autorin und der Verlag groß damit werben. Wir sehen davon nichts. Wir wissen nicht, welche Klientel hier einkehrt, wir wissen nicht, was Henni genau dort macht, weil nichts beschrieben wird. Allerdings wird so getan, als ob rauschende Feste und Tanzveranstaltungen 1915 eine ganz neue Idee der Prota wären, obwohl das schon seit Dekaden Gang und Gäbe war. Auch das in der Werbung angepriesene Strandleben und die rauschenden Feste sind nicht existent. Einmal, als tatsächlich ein Fest ansteht, wird dieses gleich zu Beginn einfach durch einen Zeitsprung von mehreren Monaten abgebrochen. Hier wird etwas versprochen, was nicht gehalten wird. Kann man schon als irreführende Werbung bezeichnen.
Gesellschaft und Werte:
Die Geschehnisse in diesem Buch werden aus einem auffällig unreifen Blickwinkel dargestellt.
Allein die Darstellung von Liebe und Sexualität ist so albern, dass nicht weiß, ob ich lachen oder weinen soll. Natürlich hat Henni mit Ole eine „reine Liebe“, weil sie sich in 8 Jahren „nur küssen“. Bis er in den Krieg eingezogen wird, sobald er dann auf Heimaturlaub ist, gilt dies anscheinend nicht mehr. Wie bereits erwähnt, scheint die Autorin von vollkommen anderen gesellschaftlichen Werten in dieser Zeit auszugehen, als tatsächlich der Fall war. Auch damals hatten Leute Sex, auch vor der Ehe, auch nur aus Spaß – weil Menschen einfach so sind. Mal abgesehen davon, gab das damals schon verschiedene Verhütungsmittel, z.B. Kondome.
Nebenbei wird hier eine ganz merkwürdige Doppelmoral geschoben: Henni hat von Beginn an einen Geliebten, das ist ok, aber wenn ihr Ehemann später auch eine Liebschaft hat, dann ist es moralisch verwerflich. Die Ehe basiert von beiden Seiten nicht auf Liebe. Trotzdem lässt die Autorin ihre Prota so tun, als würde der böse Mann sie auf übelste Weise hintergehen. Damit wird dann gerechtfertigt, dass sie ihm ständig ekelhafte Beleidigungen an den Kopf werfen darf. Henni zögert nicht, seiner Geliebten zu drohen, sie der Gewalt ihres Vaters auszuliefern, sollte sie sich weiter mit Eduard treffen. Wie ekelhaft!
Als später Sibylle (die jüngere Schwester) außerehelich schwanger wird, wird der „Fakt“ in den Raum gestellt, dass, wer Sex will, muss auch Kinder wollen. Äh, Nein, muss ich nicht. Ganz und gar nicht. Sibylle soll unbedingt den Vater des Kindes heiraten, aber ob das tatsächlich passiert ist, erfahren wir nie, weil Zeitsprung. Diese Art von Wertvermittlung lässt allerdings einen sehr üblen Nachgeschmack aufkommen, als Sibylle dann bei der Geburt stirbt (als Strafe dafür, dass sie Sex hatte?).
Auch die Darstellung von Armut ist extrem unangenehm. Es gibt nur 1 arme Familie im Dorf und die Kinder werden immer zum Markt geschickt, wo alle Leute denen Reste von ihren Waren abgeben, damit sie überleben können. Es muss dringend betont werden, dass die Kinder nur dünne Jäckchen im Winter haben und natürlich braucht die Familie auch unbedingt die reiche Henni, die ab und an Almosen zusteckt, die sie gerade in ihrer Jackentasche dabeihat. Die reiche Person als Retterin: eine ausgelatschte Trope. Natürlich nicht ohne Gegenleistung, denn Geld muss man sich verdienen!
Wenn du mit einem 40+ Stunden Job pro Woche nicht in der Lage bist, deine Familie zu ernähren, dann ist das nicht deine Schuld, sondern die des Systems, in dem du lebst. Doch die Autorin lässt ihre Prota kein Stück ihre Privilegien hinterfragen und stellt sie dar, als wäre sie die beste Person der Welt. Dabei wäre es tatsächlich Hennis gesellschaftliche Pflicht als reiche Frau gewesen, Charity Projekte zu verfolgen, im großen Stil durch Bälle, Sammelaktionen, Basare etc., oder zumindest an solchen Veranstaltungen teilzunehmen. Sie hätte mit ihrem Hotel sogar den idealen Ort dazu: Tu Gutes und sprich darüber.
Vor diesem Hintergrund stellt sich mir die Frage: Welche Werte soll dieser sagenhaft fragwürdige Inhalt vermitteln?
Charakterdesign:
Nebencharaktere: Ich bezeichne sie liebevoll als NPCs, denn mehr sind sie nicht. Sowohl die beste Freundin Mareike als auch die Stiefschwiegermutter Amalia tauchen immer nur dann auf, wenn es gerade nützlich ist oder Henni Empowerment braucht. Die ploppen so auf, aus dem Nichts, dann verschwinden sie wieder. Mareike bekommt nicht mal einen Hintergrund, weder einen eigenen Mann noch eigene Kinder, damit sie voll und ganz nur für Henni da sein kann. Amalia wird sogar beim Tod ihres Sohnes vergessen zu erwähnen.
Männer: Ich konnte mich nicht gegen den Eindruck wehren, dass so ziemlich alle Männer in diesem Buch dämonisiert werden. Dem Vater kann Henni nicht verzeihen, dass er sich in eine andere Frau verliebt (obwohl ihre Mutter zu diesem Zeitpunkt schon 9 Jahre tot ist) und der Streit darüber wird ihm 10 Jahre später noch nachgetragen. Der gute Vater verwandelt sich binnen 1 Szene in einen herrischen Kerl, der seine Tochter triezt.
Über Eduard (Hennis Ehemann) wird gesagt, was für ein schrecklicher Mensch er doch sei. Dabei sehen wir davon nichts. Henni SAGT zwar ständig, dass sie Angst vor ihm hätte, er könnte sie schlagen, ihr die Kinder wegnehmen und ihr Leben zerstören, aber er macht eigentlich nichts, was irgendwie Hass auf ihn ziehen könnte. Als er 1x (bei 70%) die Hand gegen Henni erhebt, hat diese seine Mutter gerade als Hure bezeichnet. Geschlagen hat er sie dann allerdings nicht. Aber Henni tut so, als wäre er der schlimmste Mensch auf Erden. Zwischendrin lässt ihn die Autorin wie einen gefühlskalten Soziopathen agieren, damit Henni das Recht hat, wild und hemmungslos auf ihn einzuschlagen, ein paar Szenen weiter ist er aber wieder ein einfühlsamer Mensch. Hier auch wieder Doppelmoral: Henni tut exakt das, was sie ihm unterstellt - aber er ist böse, sie nicht. Zum Schluss bekommt er noch einen Hero-Moment und darf die Kinder vorm Ertrinken retten, bevor er unter den dümmsten Umständen stirbt (wie bequem für Henni).
Kinder: Ich habe den Eindruck, die Autorin weiß nicht, wie Kinder funktionieren. Als Mutter versagt Henriette auf ganzer Linie. Von Beginn an sucht sie sich ihre Lieblingstochter aus, nämlich die, die sie lieber hat als ihren Vater Eduard. Die andere wird permanent dämonisiert. Wir sehen ausschließlich Szenen mit ihr, wenn Henni sie für irgendwas maßregelt und beschimpft und selbst, wenn die nicht da ist, redet Henni nur schlecht über sie.
Henni erwartet von ihren Töchtern, dass sie mit 6 Jahren schon wissen, was sie mal werden wollen. Die Lieblingstochter weiß natürlich, dass sie Ärztin werden will (wie alle „guten“ und „starken“ Frauen in einer Familiensaga). Die andere verhält sich mit 9 Jahren noch wie ein Kind - wie schlimm. Und weil Henni eine so wundervoll verantwortungslose Mutter ist und sich nen Dreck schert, darf das gute Kind natürlich in einem Lazarett arbeiten. Mit 9 Jahren. Dabei soll es dort extrem schlimm zugehen, dass die Pflegekräfte mit blutbeschmierten Schürzen rumlaufen. Absolut der richtige Ort für ein 9-jähriges Kind! NICHT! Aber das gute Kind ist natürlich perfekt und weiß besser wie man einen Druckverband für einen Bauchschuss wechselt als das ausgebildete und erfahrene medizinische Fachpersonal. Später hat die arme Familie der 12-Jährigen Julia das Wiederaufleben des Fischhandels zu verdanken. Ernsthaft?
Ich habe mich gewundert, warum die Kinder kein Kindermädchen haben. Die lässt Henni unbeaufsichtigt überall rumlaufen und weiß oft gar nicht, wo die sind – ein Wunder, dass die noch leben. Als die Kinder dann tatsächlich einmal in Lebensgefahr schweben, gibt Henni natürlich anderen Leuten die Schuld, anstatt sich selbst einmal zu reflektieren.
Henriette: OMG, ich habe selten so ein selbstgerechtes, egozentrisches Stück Mensch als Protagonistin gesehen, die hier als Heldin verkauft wird. Es dreht sich alles um sie, sie ist der Dreh- und Angelpunkt der Welt, alle Menschen müssen sich nach ihr ausrichten. Wir dürfen nicht vergessen, dass Henriette eine fiktive Figur ist, die von der Autorin genauso konzipiert wurde.
Dies merkt man ganz besonders in der Szene, in der ihre Schwester bei der Geburt stirbt. Selbst dann dreht sich alles nur um Henni. Auch die letzten Worte ihrer Schwester gelten natürlich nur Henni und bestärken sie in ihrer Sicht, sie wäre die beste der Person der Welt. Weder für die Schwester noch für das Kind wird auch nur ein Gedanke verschwendet. Ganz im Gegenteil. Die Schwester ist noch nicht ganz kalt, da rennt Henni zu Ole, um mit ihm Sex zu haben, weil nur das ihr Herz reparieren könne. Nicht mal die Beerdigung der ach so geliebten Schwester wird dargestellt. Mir fehlen wirklich die Worte.
Grundsätzlich hält sich Henni für moralisch über alles und jeden erhaben und denkt nur Schlechtes über andere Menschen. Sie hasst Amalia und gibt ihr die Schuld daran, dass sich der Vater von ihr entfremdet hat. Nein, Henni, daran bist du selbst schuld, weil du ihm seine Liebe nicht gegönnt hast. Sie hält Amalia für eine Hure, weil die ihren Ehemann (den sie aus Pflicht geheiratet hat) mit Hennis Vater betrügt und den dann später auch heiratet. Doppelmoral: Henni macht genau das gleiche, aber Amalia ist böse, Henni ist gut. Dabei verdreht Henni noch genervt die Augen, als Amalia ihren Vater bei der Heimkehr überschwänglich begrüßt.
Henni hasst ihren Ehemann so sehr, dass sie darüber Witze reißt, wie man ihn am besten umbringen kann. Sie wirf ihm vor, er wäre schach, weil er aufgrund seines Herzfehlers nicht in den Krieg zieht. Der Mann ist tot krank! Und die Autorin lässt so eine Person zur Heldin der Geschichte werden. Was für eine verabscheuungswürdige Person! Als sie dann von Ole schwanger wird, ist sie sich auch nicht zu schade, ihrem Ehemann das Kind unterzujubeln und bemitleidet sich dabei auch noch selbst am meisten. Ich bin wirklich entsetzt über dieses Charakterdesign.
Ansonsten macht Henni eigentlich nichts. Sie lässt machen. Wenn es ein Problem gibt, ist es nicht Henni, die handelt, sondern Amalia und Mareike oder auch ihr Ehemann. Sie hält es offenbar auch für vollkommen in Ordnung, andere Leute nicht für geleistete Arbeit zu bezahlen. Trotzdem wird Henni permanent gesagt, was für eine starke Person sie sei, die immer alles hinkriegt und immer da ist für ihre Familie. Nein. Ist sie nicht. Sie ist nur für sich selbst da und jammert die ganze Zeit rum, wie allein sie doch wäre, niemand kümmere sich um sie, ständig bricht ihr Herz wegen irgendwas.
Ende:
Das alles macht nicht nur das gesamte Buch, sondern explizit das Ende schwer zu ertragen. Wir müssen uns durch absolut sinnlose Szenen quälen, um dann ein dermaßen theatralisches Wiedersehen mit Ole zu lesen, dass es fast schon körperliche Schmerzen bereitet. Man möchte sich glatt an den Strand stellen, die Hände gen Himmel strecken und Gott anflehen, die Autorin möge es ENDLICH schaffen, das Buch zu beenden. Eine sinnlose und absolut uninteressante Szene reiht sich an die nächste und es hört einfach nicht auf.
Fazit:
Schlechtestes Buch des Jahres!