»Der Spannungsfall fesselt, ebenso die leidenschaftliche Debatte darüber, wie die Welt kinderlose Frauen sieht – und wie diese sich selbst.« New York TimesEin makabrer Serienmörder versetzt Tel Aviv in Aufruhr. Die Opfer sind kinderlose Frauen, ihre Leichen grausam eine Babypuppe in die Hände geklebt, das Wort „Mutter“ in die Stirn geritzt. Bibelwissenschaftlerin Sheila Heller kennt die Toten. Diese Verbindung rückt sie ins Zentrum der Mordermittlungen, denn sie könnte die Nächste auf der Todesliste sein. Folgt man jedoch den Indizien, ist sie selbst die Hauptverdächtige …Für Leser*innen von »Dann schlaf auch du«, »Meine Schwester, die Serienmörderin«, »Unorthodox« und »Regretting Motherhood«
Tolle Idee, wichtiges Thema, leider in einer Erzählweise dargestellt die zu sehr ins übertrieben künstlerische ging als dass man es genießen konnte. Darüberhinaus viele Klischees bedient und leider auch nur sehr selten rund ausgereifte Figuren dargestellt die Gelegenheit hatten sich zu entwickeln. Protagonistin interessante Frau, als Sympathieträgerin aber eine schwache Leistung. Unbedingt kritisch lesen und darüber diskutieren wenn möglich. Im Rahmen des Buchclubs gelesen und besprochen. Dafür ein echt tolles Buch!
In Tel Aviv ist ein Serienkiller am Werk. Er tötet kinderlose Frauen und hinterlässt die Leichen als bizarre „Mutterfigur“. Sheila kennt alle bisherigen Opfer. Damit scheint sie verdächtig oder könnte der nächste Name auf einer Todesliste sein.
Angesichts des Klappentextes habe ich einen klassischen Thriller erwartet. Ich wurde von diesem Buch sehr überrascht, andere Leser und Leserinnen mit ähnlicher Erwartung könnten sogar enttäuscht werden. Denn statt einer spannenden Jagd auf einen Serienmörder, bietet die Autorin einen feministischen Roman, der einige Fragen der Rolle der Frau betrachtet. Aber einen Killer gibt es selbstverständlich auch.
Im Mittelpunkt der Handlung steht Sheila Heller. Sie ist Bibelwissenschafterin in Tel Aviv. Ihr Leben wird durch die Morde an den kinderlosen Frauen regelrecht erschüttert. Der Mord an einer ehemaligen Studienkollegin, die einst Teil von Sheilas engsten Freundeskreis war, zwingt sie dazu, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Sie betrachtet ihre eigene Lebensweise und beschäftigt sich mit den Erwartungen, die an Frauen in der Gesellschaft gestellt werden.
Der Serienmörder und die Ermittlungen bilden zwar den äußeren Rahmen des Romans, doch der wahre Fokus liegt woanders. Blau verwebt Themen wie Religion, Feminismus und gesellschaftliche Normen miteinander. Sie beleuchtet die Perspektive einer Frau, die sich bewusst gegen Mutterschaft in ihrem Leben entschieden hat. Sheila und ihre Freundinnen trafen vor Jahren diese Wahl. Es wirkt wie ein rebellischer Schritt, in einer Gesellschaft, die Frauen oft über ihre Rolle als Mutter definiert.
Die Darstellung von Sheila empfand ich als besonders faszinierend. Obwohl sie Anfang vierzig ist, steht sie eher auf wackeligen Beinen im Leben. Sie springt von einer Beziehung zur nächsten und scheint nie wirklich „angekommen“ zu sein. Man merkt ihre innere Zerrissenheit, dabei wirft die subtile Gruppendynamik ihrer Freundinnen die Frage auf, inwieweit ihre Entscheidungen wirklich frei oder von äußeren Einflüssen geprägt sind.
Sheilas Auseinandersetzung mit dem Thema Mutterschaft und den Erwartungen ihrer Umwelt regt zum Nachdenken an. Die Autorin zeigt eindrücklich, wie tief verankert gesellschaftliche Vorstellungen von Frauenrollen sind. Sie spart nicht aus, dass dabei Frauen oft selbst als die härtesten Kritikerinnen ihrer Geschlechtsgenossinnen auffallen. Diese Beobachtung fühlt sich für mich authentisch an und spiegelt meine Erfahrungen wieder, wie sie viele Leserinnen vermutlich teilen.
Interessant ist aber auch mitzudenken, dass Männer ebenso von gesellschaftlichen Zwängen betoffen sind, auch wenn diese weitaus weniger reflektiert werden.
Neben dem feministischen sowie gesellschaftlichen Schwerpunkt bietet der Roman einen spannenden Einblick in die israelische Kultur, die für mich ein eher unbekanntes Umfeld ist. Die Kombination aus Feminismus und Religion, zu welcher die titelgebende Figur Lilith zählt, bereichern die Geschichte. Gleichzeitig habe ich mir etwas schwer getan, weil mir Wissen zum jüdischen Glauben fehlt. Mir sind sicherlich interessante Details entgangen.
„Liliths Töchter“ ist kein Thriller. Es ist mehr ein literarischer Roman, der komplexe Themen wie Mutterschaft, Feminismus und Religion verbindet. Wer sich auf diese ungewöhnliche Mischung einlassen kann, wird mit einer guten Geschichte belohnt. Auch wenn der Serienmörder eher als Impulsgeber für die innere Entwicklung der Protagonistin dient, habe ich dieses Buch mit seinen durchdachten Beobachtungen und dem für mich außergewöhnlichen Fokus gerne gelesen.
Irgendwie habe ich mich die ganze Zeit beim Lesen des Buchs schmutzig gefühlt. Ich kann aber nicht wirklich erklären wieso. Am Anfang fiel es mir auch sehr schwer die Schreibweise zu lesen. Ich habe tatsächlich das gleiche Problem schon einmal mit einer Übersetzung aus dem Hebräischen gehabt, dies könnte daher einfach der Literatur- bzw. Erzähltradition im Hebräischen geschuldet sein. Nicht gefallen hat mir die Ich-Perspektive, diese führt komischerweise immer dazu, dass ich mich weniger in Protagonisten hineinversetzen kann. Inhaltlich empfand ich die Idee als interessant, allerdings hätte mich ein größerer Fokus auf die biblischen Frauen sehr interessiert. Auch kam es wieder dazu, dass meiner Ansicht nach das Buch mir sagt, das eigentlich alle Frauen tief im inneren Kinder haben wollen.
Während die Auseinandersetzung mit Kinderlosigkeit zwar spannend war und sich dieser Roman zwischendurch als Verteidigung von kinderlosen Frauen lesen lässt, bleibt am Ende doch das Gefühl, dass Kinderlosigkeit bei Frauen zwangsläufig zu Verbitterung führt und/oder alle Frauen Mutter werden wollen. Neid und Hass zwischen den "Freundinnen" haben mich ziemlich genervt. Das Buch bleibt ein klassischer Krimi: Ich habe es vor allem deshalb fertig gelesen, weil ich erfahren wollte, wer/was hinter der Mordserie steckt. Leider kam es dann doch etwas abrupt zur Auflösung und die Autorin verbrachte verhältnismäßig wenig Zeit damit, diese auszukosten.
Fazit: unterhaltsam, aber nicht so deep, wie es sein will.