Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt, danach tingelt er damit 42 Jahre durch die amerikanische Provinz. Mit ihm erlebt Harvey die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten und die erste Landung auf dem Mond, Woodstock und Watergate und das Ende des Vietnamkriegs; und irgendwann beginnt das Hirn, mit Harvey zu sprechen. Franzobels neuer Roman ist ein hinreißender Trip durch wilde Zeiten und zugleich die Lebensgeschichte eines einfachen, aber nicht gewöhnlichen Mannes, den Einsteins Hirn aus der Bahn wirft.
Franzobel is the pseudonym of Austrian writer Franz Stefan Griebl. In 1997, he won the Wolfgang Weyrauch Prize, and in 1998, the Kassel Literary Prize. He now lives in Vienna.
15% reingehört Ich bin ein wenig versöhnlich gestimmt. Das Buch zieht nach dem kläglichen Beginn im Tempo an. Dementsprechend wird der Humor etwas knackiger, teils äußerst absurd und makaber. Ich gestehe, die Mundwinkel zogen sich gelegentlich nach oben. Letztendlich scheint es eine Geschichte über das Leben des Pathologen Thomas Harvey's zu sein. Das Buch nimmt Beziehungsgeflechte zwischen Mann und Frau auf die Schüppe, spielt mit sämtlichen Klischees der Zeit und präsentiert uns die Armseligkeit und Banalität der menschlichen Existenz, eingebettet in den Kontext der Zeit (politische Ereignisse etc.). Haben sich wieder alle alles anders vorgestellt als es tatsächlich läuft. " Eine Beziehung war Sinn seines Lebens gewesen. Eine Verbindung von Teilchen und Antiteilchen.Eine Frau hatte zu gehorchen und attraktiv zu sein. Nur Respekt und Liebe."
Mathematik und Physik werden immer mal wieder in kalenderspruchartigen Vergleichen mit dem Leben oder anderen Witzchen wiedergekäut. Na wer drauf steht. Der Humor ist derb, grobschlächtig und erinnert mich teilweise an die Fernsehshows der 80/90er Jahre.
Da ich mit Damon Galgut's Das Versprechen bereits ein hervorragendes Buch zur Banalität des Lebens gelesen habe und ich nicht den Eindruck habe, dass mich Einsteins Gehirn irgendwie lehrreich unterhalten wird, belasse ich es hierbei.
Wobei: einen Lerneffekt/fun fact hatte ich tatsächlich! Braune Bierflaschen filtern das Licht besser als Grüne. Daraus folgt--> immer nur Bier aus brauen Flaschen trinken, so der Typ an der Theke zu Harvey. Bei meiner Recherche ergab sich folgendes: Bier kann durch UV- und sichtbares Licht beeinflusst werden, wodurch unerwünschte Geschmacksstoffe, die oft als "lichtgeschädigt" oder "skunky" (in Anlehnung an den Geruch von Stinktieren) beschrieben werden, entstehen können. Dieser Geschmack entsteht durch eine chemische Reaktion zwischen den Iso-Alpha-Säuren des Hopfens und dem Licht. Braune Flaschen filtern UV-Licht besser heraus als grüne oder klare Flaschen und bieten daher einen besseren Schutz gegen Lichtschädigung. Daher wird oft argumentiert, dass Bier aus braunen Flaschen weniger wahrscheinlich lichtgeschädigt ist und deshalb besser schmeckt. Allerdings gibt es einige populäre Biere, die traditionell in grünen Flaschen abgefüllt werden und bei denen viele Verbraucher den Geschmack schätzen. Einige Leute mögen sogar den leichten "skunky" Geschmack, der durch die grünen Flaschen entstehen kann.
HALLELUJAH endlich bin ich dieses Buch los!! (Es zwingt mich natürlich niemand das zu lesen außer mein Stolz nach 300 Seiten nicht abzubrechen) Ein stern für Franzobel, dass er sich die Mühe gemacht hat ein über 500 Seiten dickes Buch zu schreiben und einen Stern für mich, dass ich mir die Mühe gemacht habe, es auch noch alles zu lesen. Aber ganz ehrlich - was war das?! Ich habe Floß der Medusa so geliebt und hatte WIRKLICH hohe Erwartungen aber das war ja mal gar nichts. Bis jetzt habe ich an Franzobel geschätzt, dass er historische Ereignisse als sprachgewandte Romane verpackt. Aber auch wenn es Harvey mit dem Hirn wirklich gab, kann diese Geschichte so gar nicht stattgefunden haben. Und was sollte das mit diesem Agenten als Erzähler? Spätestens ab dem Zeitpunkt, wenn er in der Psychatrie ist, kann er gar nicht mehr wissen, was Harvey tut. Außerdem ist Harvey unglaublich unsympathisch man soll aber irgendwie mit ihm Mitleid haben. Und selbst wenn man das alles ignoriert - was war das bitte für ein Level an Rassismus, Sexismus, Fettfeindlichkeit... ich könnte weitermachen. Auch unter dem "ja aber er wollte doch darstellen wie es damals war" Gesichtspunkt - nein. Man kann das auch anders formulieren.
Die Prämisse und Hintergrundgeschichte des Buches fand ich sehr ansprechend, und der amüsante Schreibstil hat mir grundlegend auch gefallen, aber nach dem ersten Drittel wurde es mir persönlich zu abstrus. Es gab auch in den folgenden beiden Dritteln durchaus gute Szenen, aber im Allgemeinen war es nicht ganz meine Art von Roman.
Nach der Hälfte wär’s eigentlich gut gewesen. Aber wenn man sich nicht auf Einstein sondern auf den Hauptcharakter einlässt, dann bekommt man eine gute Übersicht über die Hauptereignisse in den 60ern - 80er.
Franzobel: „Einsteins Hirn“, Wien 2023 Der Titel signalisiert Einstein, aber praktisch ist es eine Biografie des Pathologen Thomas Harvey. Einstein starb 1955 in einem kleinen Spital in New Jersey. Thomas Harvey führte auf Anweisung der Spitalsdirektion eine Obduktion durch. Dabei kam er auf die Idee, sich das Hirn des Wissenschaftlers zu behalten. Der Leichnam Einsteins wurde verbrannt und seine Asche von einer Verwandten an einem unbekannten Ort verstreut. Der ursprüngliche Ansatz des Pathologen war es, im Hirn Einsteins seine Genialität nachweisen zu können. Dazu fehlte ihm aber die Ausbildung. Über 40 Jahre ist dieses Hirn an seiner Seite, ohne dass es zu wissenschaftlichen Erkenntnissen kommt. Wie gesagt: das Buch ist eine Biografie des Pathologen Thoms Harvey, der wegen seines intensiven Bezugs zum Hirn, das mit ihm auch redete, mehrere gescheiterte Ehen hatte. Immer wieder war die Eifersucht zum Hirn der Scheidungsgrund. Harvey übersiedelte sehr oft in „Kleinstädte, die es nie in einen Reiseführer schafften, weil es dort nichts gab das eine Erwähnung lohnte, nichts, womit man Touristen locken konnte.“ (Seite 364) Immer wieder begann er mit einem neuen Job. Viele Aushilfsarbeiten übernahm er, bis er schließlich Landarzt in einer kleinen Gemeinde wurde. Aber auch hier ereilte ihn die Trennung von der Ehefrau. Letztlich verlor er auch seine Arztlizenz und musste als bald 80-jähriger als Hilfsarbeiter Geld. Geld, das er für Zahlungen an seine geschiedenen Frauen und Kinder brauchte. Verarmt lebte er am Schluss in einem stationären Wohnwagen. „Im Dauercampingplatz lebten Leute, denen die Armut bis zur Unterkante der Oberlippe stand: kinderreiche Einwanderer, Alkoholiker, Verrückte. Es gab dreizehnjährige Mütter, die sich für zwei Dollar prostituierten, mexikanische Crackdealer und greise Hippies. Für die meisten die letzte Station vor der Obdachlosigkeit.“ (Seite 500) Zum 41. Todestag Einsteins brachte er das Hirn in jenes kleine Krankenhaus in New Jersey, in dem Einstein verstorben war. Harvey war ein gläubiger Mensch und aktiver Quäker. Da er mit dem Hirn reden konnte, versuchte er Einstein zum Glauben zu bekehrten. Das Hirn lehnte aber Religionen ab, weil alles wissenschaftlich begründbar sei. Dieser Diskurs zieht sich im Hintergrund durch das ganze Buch. „Da das Universum vor dreizehn Komma irgendetwas Milliarden Jahren entstanden ist, stellt sich die Frage, wo war Gott davor? Wenn Gott ein Teil des Universums ist, ist auch er endlich. Oder ist er außerhalb?“ (Seite 431) Viele Fragen und Diskussionen, die zu keinem Ergebnis führen. Das Hirn wird mit verschiedensten Religionen konfrontiert. Es kommt aber zu keiner Annäherung. Das Ende der Kommunikation tritt erst ein, als eine Formel preisgegeben wird, die der Pathologe von einer Ex-Freundin Einsteins in Russland besorgt hatte. Dann entschied er sich, das Hirn wegzugeben, aber niemand wollte es. „Die Laboratorien waren mehr an Hirnen von kriminellen interessiert.“ (Seite 528) Der Roman mit über 500 Seiten hat viele Lesegenüsse zu bieten, etwa wenn Franzobel den Beruf des Pathologen beschreibt: „Pathologe ist wie Pianist in einem Bordell. Sie können noch so hervorragend spielen, es kommt trotzdem niemand wegen der Musik.“ (Seite 61) Oder wenn er die negativen Seiten des Fortschritts anhand des Menschen definiert und sagt „dass der Grund vieler Erkrankungen im aufrechten Gang begründet liegt. … Krampfadern, Hämorrhoiden, Sodbrennen, Meniskus, Hüftabnützung. Hätten unsere Vorfahren nicht entschieden, den Kopf höher zu tragen, wären uns viele Zivilisationskrankheiten erspart geblieben …“ (Seite 110) „Der Mensch ist eine Fehlkonstruktion – zu enger Gebärkanal, Haltungsschäden, schlechte Zähne. Selbst der ärgste Dilettant hätte das besser hinbekommen als Gott.“ (Seite 180) In den einzelnen Abschnitten wird immer wieder Bezug auf das Weltgeschehen genommen. Etwa der Ermordung Kennedys, das Ende der Beatles, Jimi Hendrix Tod und dass 1978 ein Pole Papst wurde und in Persien Muslime die Regierung übernahmen. Einsteins Leben ist in diesem Roman nur Hintergrundmusik. Durch den Kontakt des Pathologen mit Verwandten Einsteins und durch Gespräche mit dem Hirn werden nur einzelne Lebensabschnitte beschrieben. Als Autor ist Franzobel auch selbstkritisch, wenn er meint Theater ist „etwas für Leute, die zu faul zum Lesen sind, lauter Stoffe, die zu schlecht sind für Verfilmungen.“ (Seite 457) Thomas Harvey wurde 85 Jahre alt und verbrachte beinahe sein halbes Leben mit Hirn. Er hatte seine Ehen, seine Kinder, seine Freundschaften, alles dem Hirn untergeordnet. Der Dichter Franzobel widmete ihm mit diesem Buch ein Denkmal.
Irgendwie hatte ich immer Vorurteile gegenüber Franzobel, hab alle seine Bücher immer skeptisch betrachtet, mich nie reingewagt. Ich weiß nicht genau, woher diese Bedenken kamen, ob ich vielleicht vor langer Zeit mal in eins reingelesen habe, den Autor mal im Radio schwadronieren gehört habe, oder was auch immer. Darüber hinaus hatte ich hier auch noch einige der negativen Reviews gelesen: Schelmenroman, schnell wieder weggelegt, usw. Dennoch konnte ich an diesem Thema nicht vorbei.
Mit den Grundzügen der Geschichte um Einsteins Gehirn war ich vertraut, mehr darüber erfahren wollte ich gerne. Das Buch las sich auch sehr interessant an, die Schilderung wie Harvey zum Gehirn kam, fand ich fesselnd (wenn auch ein wenig kapriziös geschrieben), und ich wunderte mich doch über die Reviews. Dann begann das Hirn zu sprechen. In Schwyzer Deutsch. Naja, muß nicht sein, aber wie geht die Geschichte weiter? Gut 200 Seiten hab ich durchgehalten, dann war auch diese Neugier hinreichend gestillt. Die weiteren Exkursionen durch die Weltgeschichte hab ich dann nur mehr durchgeblättert. Sogar Thomas Bernhard (oder war es Claus Peymann? - so genau hab ich die Stelle nicht gelesen) mußten Harvey und sein Freund treffen. "Schlechtes LSD erwischt" steht irgendwo bei deren Besuch in Woodstock. Ja, denke ich auch.
Ich habe mir schwer getan. Es geht eigentlich nur um die Geschichte des Pathologen, ein nicht sonderlich sympathischen und ziemlich langweiligen Loser. Einstein kommt allerdings auch nicht besser rüber. Die Geschichte zieht sich, die Figur kommt kaum weiter im Leben, ist eher passiv, und das über mehr auf 500 Seiten... Da habe ich ein paar Monate gebraucht, bis ich es fertig gelesen habe, ich bin beim Lesen immer schnell eingeschlafen.
2 Sterne weil es vermutlich an mir liegt, dass ich diesen Autor nicht leiden kann. Nach 17 Seiten (!!!) abgebrochen, weil er mir so unerträglich scheint.