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I cried for the last five chapters of this book. I re-read paragraphs, because I was forced, again and again, to stop in the very middle of a sentence to wipe the tears off.
I love Russian. This short, laconic language; the ways to construct a sentence comparable only to Latin; the grammatical forms, which are frowned upon in today's German (also in English, but there with a reason, I think), but are still part of the Russian, the proper beautiful Russian of a Ludmila Ulitzkaya, where they are not overtaken by fashion. I love it, that saying "because" is so laborious and therefore the stories are without "because". It does not happen because, it happens. The "because" comes afterwards. In a later chapter, jumping back twenty year and still fitting so well into the story, as if the time were not totally disarranged here, but followed its natural course. In a single sentence. In a single word, which suddenly reveals the most important, predominant feature of a character.
There is nothing magical, fantastic in this book. Alik is dying, a russian-jewish emigrant in Manhattan, a not too successful painter, but not a total failure. Nothing else happens. No big disclosures. No big secrets.
And yet there is something magical - an other way to see the reality, a naive one perhaps, too positive one, just ignoring so much - Alik's way, who does not even have a health insurance and who, up to the last moment and afterwards loves laughing, loves people around him. But perhaps the only way to be happy. Because the our everyday life is not so much different. Not crazier that Alik's dying. Not bleaker than Irina's or Valentina's life. Not more childish, more helpless that Nina. Not... Not different, just seen in an other way.
There are so many small things that come together in this great story.
All the character, emerging from nothingness and the past and leaving again, all the short appearances, which go directly to the heart with just one paragraph, through skin and muscle and bone, painful and sweet and unbelievably alive. All the lives, summed up in just a few sentences, the reductions of emigrant lives - emigrants in a sense in which we all are emigrants, expelled from our childhood, prior relationships, the naivete, the last flat, a friendship. Uprooted trees, growing at a new place, perhaps even more beautiful than we would have been before. But this comparison does not matter, as there is no second chance. Or, like Irina (or the author?) thinks: The past is irreversible. And what is there to undo at all?
I do not want to analyze how, on so few pages in such a big font, an author can create characters growing so much on the reader. Whose sparks so easily find a place in my heart. I do not want to analyze how much of what I see in this characters is influences by what I myself experiences, how much of it is Russian, Jewish, how much of it is searching in a foreign world, or the intentionaly naive and trusting. I just want every book to be like this one. To touch the reader like this one do. The world would be a better place than.
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Ich habe die letzten fünf Kapitel dieses Buches durchgeweint - unkontrolliert, endlos, mit laufender Nase. Ich habe Absätze immer wieder gelesen, weil ich in der Mitte eines Satzes stehen bleiben musste, um mir das Wasser aus den Augen zu wischen.
Ich liebe das Russische. Das kurze, lakonische dieser Sprache, die Satzkonstruktionen, wie es sie sonst nur im Lateinischen gibt, die Formen, die im heutigen Deutschen verpönt sind, aber im Russischen, im guten, schönen Russichen einer Ljudmila Ulitzkaja, immer noch dazu gehören, noch nicht von der Mode eingeholt sind. Ich liebe es, dass es so umständlich ist "weil" zu sagen, und es deswegen Texte ohne "weil" sind. Es passiert nicht weil, sondern es passiert. Das Weil kommt danach. In einem nachgeschobenen Kapitel, das plötzlich zwanzig Jahre zurück springt und sich dennoch so flüssig in den Erzählfluss einfügt, als werde hier die Zeit nicht wild durcheinander geworfen, sondern folge ihren natürlichen Verlauf. In einem einzelnen Satz. In einem Wort, das plötzlich die wichtigste, beherrschende Eigenschaft einer Figur offen legt.
Es ist nichts magisches in diesem Buch, nicht phantastisches. Alik stirbt (man stelle sich dieses Verb in einer Verlaufsform vor, nicht als abgeschlossene Handlung - auch wenn es diese Unterscheidung im Deustchen nicht so schön, so eindeutig ist wie im Russischen), ein russisch-jüdischer Emigrant in Manhattan, ein nicht besonders erfolgreicher Maler, aber keine gescheiterte Existenz. Es passiert sonst nichts. Keine großen Enthüllungen. Keine großen Geheimnisse.
Und doch ist da etwas zauberhaftes - ein anderer Blick auf die Wirklichkeit, ein naiver vielleicht, ein zu positiver, einer, der vieles einfach ignoriert - Aliks Blick, der nicht einmal eine Krankenversicherung hat, der bis zum letzten Augenblick und danach das Lachen und die Menschen liebt. Aber vielleicht der einzige, der glücklich machen kann. Denn so viel anders ist der Alltag, den wir alle leben, nicht. Nicht verrückter, als Aliks Sterben. Nicht trostloser als Irinas oder Valentinas Leben. Nicht kindischer, hilfloser als Nina. Nicht... Nicht anders, nur anders gesehen.
Es sind so viele kleine Dinge, die das wunderbare Ganze formen.
All die Figuren, die auftauchen und wieder gehen, all die kurzen Auftritte, die sich mit einem Absatz direkt ins Herz fressen, durch Haut und Muskel und Knochen, schmerzhaft und süß und unglaublich lebendig. All die Leben, zusammengefasst in wenigen Sätzen, die Reduktionen von Emigrantenschicksälen - Emigranten in jedem Sinne, in dem wir alle Emigranten sind, ausgestoßen aus der Kindheit, aus früheren Beziehungen, aus der Naivität, aus der letzten Wohnung, aus einer Freundschaft, entwurzelte Bäume, die an neuer Stelle wachsen, vielleicht schöner, als sie sonst je gewesen wäre. Aber was spielt es für eine Rolle, wenn man keine zweite Chance hat? Oder, wie Irina (oder die Autorin?) denkt: Die Vergangenheit ist nicht rückgängig zu machen. Und was soll man da überhaupt rückgängig machen?
Ich will nicht analysieren, wie man es schafft, auf so wenigen Seiten in einer so großen Schrift, Figuren zu erschaffen, die dem Leser so ans Herz wachsen. Deren Funke etwas ist, was sich so leicht einen Platz in meinem Herzen finden. Ich will nicht analysieren, wie viel davon, was ich in diesen Figuren sehe, dadurch beeinflusst ist, was ich selbst erlebt habe, wie viel davon russisch, jüdisch, in der Fremde suchend, mit Absicht naiv und zu vertrauensvoll ist. Ich will einfach, dass jedes Buch so ist. Jedes Buch so berührt. Dann wäre die Welt besser.