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Wege der Zeit #1

Schatten der Welt

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Das Licht der dunklen Tage
Thorn in Westpreußen, 1910. Der schüchterne Carl, der draufgängerische Artur und die freche Isi pfeifen auf den Ernst des Lebens. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht.
Doch das Erwachsenwerden lässt sich nicht aufhalten: Carl beginnt eine Ausbildung zum Fotografen, Artur und Isi werden ein Paar. Als 1914 die große Weltpolitik über sie hineinbricht, reißt es die Freunde auseinander. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war, und doch scheint ein Neuanfang möglich …
Mitreißend und mit viel Gefühl für seine Figuren erzählt Andreas Izquierdo die Geschichte dreier Jugendlicher, die in den Wirren des frühen 20. Jahrhunderts ihren Weg suchen – ›Schatten der Welt‹ ist Abenteuerroman, Coming-of-Age-Geschichte und spannender historischer Roman zugleich.

559 pages, Paperback

First published January 1, 2020

16 people are currently reading
374 people want to read

About the author

Andreas Izquierdo

26 books36 followers
ANDREAS IZQUIERDO, geboren 1968, Sohn einer spanischen Krankenschwester und eines deutschen Ingenieurs, ist Schriftsteller und Drehbuchautor.

Er veröffentlichte u. a. den Roman >König von Albanien< (2007), der mit dem Sir- Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman >Apocalypsia< (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Im DuMont Buchverlag erschien von ihm >Das Glücksbüro< (2013) und >Der Club der Traumtänzer<. Bei Suhrkamp/Insel >Romeo und Romy< (2016) sowie >Fräulein Hedy träumt vom Fliegen< (2018). Im Juli 2020 erscheint >Schatten der Welt< im DuMont Buchverlag.

www.izquierdo.de

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Community Reviews

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312 (56%)
4 stars
190 (34%)
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45 (8%)
2 stars
7 (1%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 30 of 62 reviews
Profile Image for Ellinor.
762 reviews361 followers
July 21, 2020
Es gibt Bücher, bei denen weiß man schon auf der ersten Seite, dass man sie nicht wieder aus der Hand legen möchte. Schatten der Welt ist eines davon. Es ist der perfekte Schmöker, das eine Buch für den Sommerurlaub oder auch für lange Winterabende. Eines dieses Bücher, bei denen man sich fragt, ob man jetzt gerade wirklich über 500 Seiten gelesen hat und man es schade findet, dass die Geschichte bereits vorbei ist.
Schatten der Welt spielt in Thorn, einer Stadt in Ostpreußen. Die Geschichte beginnt im Jahr 1910 . Erzählt wird von der Freundschaft drei Jugendlicher: Carl, der ruhige schmächtige Schneidersohn, sein bester Freund Artur, gutaussehend, charmant und in so ziemlich jeder Hinsicht das genaue Gegenteil von ihm, und Isi, die hübsche, vorwitzige Tochter des Schuldirektors. In einer Welt, in der Gutsbesitzer und Adlige das Sagen haben, versuchen die drei einen Weg zum Glück zu finden. Dies scheint ihnen zunächst zu glücken, doch dann beginnt der erste Weltkrieg.
Das Buch ist ein Unterhaltungsroman. Natürlich hat es die eine oder andere erzählerische Schwäche. Aber die Handlung ist so spannend, vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, dass man darüber locker hinwegsehen kann. Das Ende riecht gewaltig nach einer Fortsetzung, auf die ich mich jetzt schon freue.
Profile Image for miss_mandrake.
826 reviews63 followers
July 26, 2020
Zu historischen Romanen habe ich eigentlich eine Beziehung wir zu Kümmel: Ich mag ihn nicht, akzeptiere aber seine Existenz.

Aber das hier ist nicht einfach ein historischer Roman sondern ein Meisterwerk, dessen Handlung man sich einfach nicht entziehen kann.
Diese 500 Seiten waren definitiv jedes einzelne Wort wert
Profile Image for Booklunatic.
1,118 reviews
July 26, 2020
4,5 Sterne

Ich war eigentlich sehr begeistert von dem Buch. Allerdings fand ich die erste Hälfte des Romans stärker als die zweite.Vielleicht, weil hier die Stimmung etwas "leichter" war? Wobei ich normalerweise kein Problem damit habe, über Krieg, Düsternis und Drama zu lesen. Aber hier - wie sag ich's, ohne zu sehr zu spoilern? - naja, ich fand, es wurde schon etwas sehr duster und trostlos für unsere Helden. Wahrscheinlich nicht unrealistisch für solche Zeiten, aber -  puuuh. Andererseits hätte man mit den Figuren ja gar nicht erst so schrecklich mitgelitten, wenn man sie im 1. Teil der Geschichte nicht so liebgewonnen hätte wie beinahe Menschen aus Fleisch und Blut! Und das spricht ja nun eindeutig wieder für das Können des Autors. Und...vielleicht gibt's ja noch ne Fortsetzung?!
Profile Image for Wal.li.
2,557 reviews70 followers
November 2, 2024
Unbeschwerte Jugend

Sie sind um die vierzehn Jahre, Carl, Artur und Isi, im westpreußischen Thorn des Jahres 1910. Alle drei kommen aus eher einfachen Verhältnissen. Carl ist der Sohn des Schneiders Friedländer, Artur Vater ist eine Art Fuhrmann und Isis Vater arbeitet als Lehrer. Während Carl und Artur sich aus der Schule kennen, trifft Isi später zu ihnen. Mit ihren Ideen und frechen Sprüchen passt sie ausgezeichnet zu Arturs Unternehmergeist. Carl dagegen ist eher ruhig und bedacht, aber auch er kann sein Herz mal über die Hürde werfen. Zusammen sind sie ein unschlagbares Team, dem die Welt offen steht. Wenn da nach ein paar Jahren nicht ein Krieg drohen würde.

Dies ist der erste Band einer bisher dreibändigen Reihe. Hier bildet sich die kleine Clique bestehend aus den drei Jugendlichen Carl, Artur und Isi. Artur heckt manchmal Streiche aus, die beinahe schon gefährlich sein könnten. Und irgendwie ist Carl immer mit dabei. Als dann auch Isi dabei ist, schafft diese es mitunter, Artur noch zu übertrumpfen. Wenn es doch ewig so weitergehen würde, dann stünde ihnen eine große Zukunft bevor. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs macht jedoch alles zunichte. Die Träume platzen, denn Carl und Artur werden eingezogen und Isi kämpft um ihre Unabhängigkeit.

Gerade zu Beginn besticht dieser historische Roman durch die Personenzeichnung und die frechen Ideen, bei deren Ausführung gegen alle Umstände doch irgendwie alles gutgeht. Leider und doch verständlicherweise verliert sich das, wenn der Krieg ausbricht. Die Jugend endet dann jäh und die Art des Berichts ändert sich zwangsweise, weil sie die Wege der Protagonisten trennen. Die Wahl der Personalpronomen ist dann nicht immer nachvollziehbar und ihre einzelnen Schicksale, obschon schwer und auch tragisch, berühren nicht so wie zuvor. Dennoch verfolgt man den Weg der Drei weiterhin. Zusätzlich erschwert wird die Lektüre ein wenig, wenn beim Kauf nicht klar ist, dass es sich um einen Reihenbeginn handelt. Dann nämlich erwartet man eine größere Abgeschlossenheit und weniger offene Fragen. Natürlich sieht man dass Ganze anders in dem Wissen, dass, wenn man es wünscht, es mehr über die weiteren Schicksale von Carl, Artur und Isi zu erfahren gibt.
Profile Image for Domic.
900 reviews18 followers
October 12, 2023
Wow. Der kann's halt einfach, der Herr Izquierdo! Ein toller historischer Roman, der von 1910 bis zum Ende des 1. Weltkrieges im Westpreussen, dem heutigen Polen spielt. Wir begleiten drei Freunde, die 14 Jahre alt sind, als wir sie kennenlernen: Carl, der schüchterne Sohn des jüdischen Schneiders Friedländer, Artur, ein muskulöser Hüne, der in der Schule keine Leuchte ist, aber clever, mutig und der geborene Anführer und Isi (Luise), die jüngste Tochter des strengen Lehrers, die sich mit Cleverness und Chuzpe in der frauenfeindlichen Umgebung zu behaupten weiss.

Der erste Teil des Buches, vor Beginn des ersten Weltkrieges, hat mir etwas besser gefallen als der "Kriegsteil", der ist schon teilweise recht blutig und düster - aber so ist der Krieg wohl.
Die ganze Geschichte ist superspannend, man fiebert immer mit den drei Helden - auch wenn so einige "wundersame Rettungen" vielleicht ein bissle gar zu wundersam sind und eher nicht realistisch - ok, ist ja auch logisch, ohne überlebende Hauptfiguren kein Teil 2 und 3.

Gelesen wird das Ganze ganz hervorragend von Uwe Teschner - ein absoluter Hörgenuss! Ich freue mich schon sehr auf Teil 2 und 3 und vergebe 4.5 von 5 Sternen - ein halber Stern Abzug für die "wundersamen Rettungen", aber das ist wirklich Meckern auf sehr hohem Niveau.
Profile Image for Nicolas.
48 reviews4 followers
August 23, 2021
«Nach dem Sterben kam die Langeweile.»

„Schatten der Welt“, der neue Roman von Andreas Izquierdo, führt ins westpreußische Thorn im Jahr 1910. Dort lebt Carl, ein gewitzter, ein wenig schüchterner Junge zusammen mit seinem Vater, dem jüdischem Schneider Friedländer. Sein bester Freund ist Artur, das genaue Gegenteil von ihm: groß und bullig, keine Leuchte in der Schule, aber bauernschlau und furchtlos. Dazu kommt Isi, die Tochter des bigotten Lehrers Beese, der die Rebellion in den Knochen steckt. Sie lehnt sich gegen ihren Vater auf, begeht kleinere Gaunereien und wird bald der Kopf des ungleichen Trios.

Und so vergisst der erste Weltkrieg auch das kleine Thorn nicht, als er an ihm vorbeizieht und seinen Tribut fordert. Carl und Artur werden eingezogen und verlieren ihre Jugend in einem Krieg gelenkt von Willkür und Menschenverachtung. Der Blick auf die Schützengräben ist ungeschönt und detailliert, und die damit verbundenen Traumata geradezu greifbar.

«...und der Tod begegnete mir allenfalls als friedliches weißes Kruzifix auf einem sonnenbeschienenen Friedhof. Doch unter dieser Erde lagen das zerrissene Fleisch, die gebrochenen Knochen und zerstörten Seelen. Unter dem Heldenkreuz verfaulte eine ganze Generation, deren Hoffnungen und sprühender Optimismus von alten Männern zu Angst, Ekel und Entsetzen verwandelt worden waren.»

Schatten der Welt liest sich wie ein aufziehendes Sommergewitter, welches langsam in einer kleinen preussischen Stadt aufzieht und sich mit Granatendonnern und Maschinengewehrsalven in den Schützengräben des ersten Weltkrieges entlädt. Izquierdos Sprache ist präzise und betäubend, wie ein Blitz, welcher eine blendende Schneise durch den Himmel zieht, aber auch sanft und lyrisch, menschlich, in einem Thorner Klassenzimmer, wie mitten unter dem Granatenhagel.
Profile Image for JoBerlin.
359 reviews40 followers
August 1, 2020
Der Schatten der Welt – das könnte gut der Beiname der Roman-Location sein, denn die Stadt Thorun/Westpreußen wirkt doch etwas geruhsam und abgelegen. Und doch – Andreas Izquierdo hat den Ort mit Bedacht und wohl auch gerade wegen seiner wechselvollen Geschichte gewählt. Preußisch-wilhelmisch geprägt, fiel die Stadt nach dem ersten Weltkrieg an Polen.

Aber – fangen wir mit der Lektüre an:
Mir gefällt das Buch bereits nach wenigen Seiten sehr, sehr gut. 1910 - wir lernen Carl Friedländer kennen, einen Schuljungen. Er hilft dem Vater im Schneidergeschäft, doch die große Couture-Zeit ist vorbei, man hält sich mit Bekleidung für Hochzeiten und Beerdigungen über Wasser. Wahr ist wohl, dass "Gott sich nicht für Anzüge interessiert", doch Vater Friedländer ist überzeugt, "dass der Tod bloß halb so schlimm war, wenn man ihm nur in einem schönen Aufzug entgegentrat." So findet man darin sein bescheidenes Einkommen. Die Mutter, eine Christin aus Riga, ist bereits tot, man hält weder christliche noch jüdische Feiertage ein und gehört so nirgendwo richtig dazu.

Die Darstellung der Vater-Sohn-Lebens-und-Arbeitsgemeinschaft ist außerordentlich gut gelungen.
Der Autor liebt seine Personal und besonders der ruhige Schreibstil lässt die charmanten Eigenheiten und die versunkenen Berufswelten lebendig werden. Carl verehrt den Vater, der es trotz beengter, einfacher Lebensverhältnisse schafft, den Sohn solide großzuziehen.
Ausgesprochen gekonnt reiht Andreas Izquierdo vergnügliche Erzählungen um das Vater-Sohn-Gespann wie Perlen auf die Schnur, dabei niemals ins Belanglose gleitend und niemals ein Wort zu viel.
Doch mit dem Fortlauf der Zeit wird auch das Leben ernster. Wir folgen nun Carl und seinem besten Freund Artur, ein Mädchen kommt ins Spiel …… und dann, 1914 – der Krieg.

Andreas Izquierdo ist ein großer historischer Roman gelungen, eine mitreißende Story, brillant geschrieben, im besten Sinne altmodisch, denn aus seiner Schilderung der westpreußischen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts kann man lernen.
Noch besser wäre eine Studienfahrt nach Torun ----- komm mit, raus aus den Schatten , hinunter an die Weichsel, dann in die Altstadt, auf Spuren unserer drei Freunde …..
Profile Image for Maren.
274 reviews6 followers
August 1, 2023
Hörbuch, fantastisch gelesen von Uve Teschner.
Freue mich auf Teil 2 und 3.
Profile Image for Sabrina.
547 reviews3 followers
November 5, 2023
Die Geschichte ist teilweise sehr fesselnd, man fiebert und trauert mit den Charakteren, die einem sehr sympathisch werden.
Wenige Passagen ziehen sich etwas.
Eigentlich bin ich kein großer Fan von Kriegslektüre, jedoch denke ich schon, dass ich mir die weiteren Teile anhören werde.
Uve Teschner hab ich erst "frisch" als Vorleser kennengelernt - er bringt im Hörbuch definitiv die passenden Stimmungen rüber.
Profile Image for Tinstamp.
1,100 reviews
August 7, 2020
Mit seinem neuen Roman ist Andreas Izquierdo einen etwas anderen Weg gegangen, als in seinen letzten Büchern. "Schatten der Welt" ist ein Mix aus historischem und Coming-of-Age Roman, der mich mit seinen über 500 Seiten wahrlich beeindruckte.

Wir befinden uns in Thorn in Westpreußen und schreiben das Jahr 1910. Carl und Artur sind beste Freunde. Während der schüchterne Carl, Sohn eines jüdischen Schneidermeisters, seinem Freund in der Schule hilft, bietet Artur, der bereits großgewachsen und stark ist, Carl Schutz vor einigen rüpelhaften Mitschülern. Die grundverschiedenen Jungs werden beste Freunde, als unverhofft die rotzfreche Isi zur Gruppe stößt. Carl und Artur sind von dem Mädchen hingerissen und die Drei werden bald ein unschlagbares Trio.

Während Carls Vater sich wünscht, dass sein Sohn nach der Schule in seine Schneiderei einsteigt, träumt Carl vom Fotografieren seit er den Laden des zugegezogenen Fotografen entdeckt hat. Er ist fasziniert von der neuen Technik Bilder von Menschen auf Papier zu bringen. Wie gerne hätte er ein Foto seiner verstorbenen Mutter gehabt, die er nie kennenlernen durfte. Artur hat ebenfalls keine Lust bei seinem Vater in der Wagnerei zu arbeiten. Gemeinsam mit Isi heckt er immer wieder verrückte Ideen aus, wie den Verkauf von Pillen gegen den Weltuntergang, angekündigt durch den Halleyschen Kometen. Artur hat Geschäftssinn und Isi immer wieder neue Ideen.

In der Zwischenzeit spitzt sich die weltpolitische Lage immer mehr zu. Auch in Thorn haben die Einwohner langsam genug von der Ausbeutung des einzigen Großgrundbesitzers Boysen, der die Geschehnisse im Ort lenkt. Isi und Artur lehnen sich beide auf ihre Art gegen die Boysens auf, manchmal mit schwerwiegenden Folgen.

Doch dann beginnt der Erste Weltkrieg und die mehr oder weniger unbeschwerte Kindheit ist vorbei. Carl und Artur werden eingezogen und Isi erlebt ihr ganz persönliches Grauen.

Izquierdo schildert mit viel Liebe und Detail aus dem ersten Jahrzehnt des letztes Jahrhunderts - einer Zeit, die von großen Umwälzungen geprägt war. Nicht nur neue technische Errungenschaften und Erfindungen, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen standen an. Aber auch Westpreußen, das im heutigen Polen liegt, mit seinem damaligen "Glanz" und den Menschen, die dort lebten, wurde sehr bildhaft dargestellt. Die Hierarchien in der Gesellschaft und die Fassade, die oftmals nach außen hin aufrecht erhalten bleiben musste...

Im Großen und Ganzen fand ich diesen Roman wundervoll. Er lässt sich schwer in ein einziges Genre einordnen, wobei er aber auf jeden Fall dem historischen Genre zuzuordnen ist. Die Geschichte versprüht sehr viel Charme und bleibt im Gedächnis. Nur zu Beginn dauerte es mir etwas zu lange bis Fahrt aufgenommen wurde und am Ende war es mir fast zu übereilt. Doch dazwischen war ich in der Geschichte versunken und konnte mich total fallenlassen.

Schreibstil:
Andreas Iquierdo erzählt detailliert, mitreißend, einfühlsam und bildhaft.
Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Carl und durch einen allwissenden Erzähler, der die Beschreibung von Artur und Isi übernimmt. Die Charaktere der drei Hauptprotagonisten hat der Autor wunderbar herausgearbeitet. Sie sind facettenreich und entwickeln sich weiter....sie werden erwachsen.
Ich hatte von Carl, Artur und Isi ein detailliertes Bild vor Augen und hoffte und bangte mit ihnen.
Auch die Kriegsszenen sind sehr eindringlich dargestellt - vorallem die beiden Seiten der Kriegsberichterstattung durch die Medien/Fotografien.

Fazit:
Ein berührender und mitreißender Coming-of-Age Roman mit historischem Setting, der vorallem durch seine lebendigen Figuren und deren Entwicklung glänzt. Toll erzählt, aber auch mit kleinen Schwächen am Anfang. Ein Roman, der im Gedächtnis bleibt und den ich gerne weiterempfehle!
133 reviews3 followers
July 21, 2020
"Schatten der Welt" war mein erstes Buch von Andreas Izquierdo.
Und es hat mir ausnehmend gut gefallen.
Die Geschichte beginnt im Jahr 1910 in Thorn, einer Stadt in Westpreußen.
Von dieser Stadt ( heute liegt sie in Polen ) hatte ich bis zu diesem Buch nichts gehört - nach Ende der Lektüre würde ich sie aber gerne einmal besuchen, ebenso die Stadt Riga.
Denn beide spielen nicht unwichtige Rollen in dem Buch.

Die 3 Freunde Carl, Artur und Isi wachsen in Thorn auf und könnten unterschiedlicher nicht sein.
Vielleicht auch gerade deshalb ergänzen sie sich perfekt und erleben einige hochinteressante und wunderbar erzählte Jahre miteinander bis zum Beginn des 1. Weltkriegs.
Diesen erlebt jeder der Freunde wo anders, an der Front, im Gefängnis oder zwischendurch in kürzeren oder längeren "Erholungsphasen" in denen sie von einem Leben nach dem Krieg träumen und etwas Hoffnung schöpfen können.

Andreas Izquierdo schreibt in einem sehr schönen Stil der mir großes Lesevergnügen beschert hat.
Die einzelnen Abschnitte dieser rund 7 Jahre umspannenden Geschichte sind sehr authentisch beschrieben, man fühlt mit den einzelnen Hauptpersonen mit und auch das "Drumherum" fügt sich sehr gut in die Geschichte ein.
Besonders die Kriegsabschnitte sind teilweise sehr eindrücklich beschrieben und einige Szenen spiegeln die Grausamkeit eines Krieges deutlich wieder.

"Schatten der Welt" endet da, wo es begonnen hat - in Thorn.
Aber der Weg zeigt nach Berlin.
Und ehrlich, ich würde mich über einen weiteren Band freuen. Artur, Carl und Isi sind mir doch sehr ans Herz gewachsen.
Profile Image for Kathrin.
92 reviews3 followers
February 20, 2021
Normalerweise tue ich mich mit historischen Büchern etwas schwer. Aber direkt auf der ersten Seite wusste ich, dass ich mich mit dem Protagonisten anfreunden werde. Die Charaktere sind stark, die Beziehungen liebevoll, die Sprache sehr einnehmend und die Geschichte detailliert, aber abwechslungreich. Alle geschichtlichen Ereignisse sind in persönliche Geschehnisse verwoben und dadurch sehr zugänglich und interessant. Eins meiner neuen Lieblingsbücher!
Profile Image for Susanne Probst.
104 reviews8 followers
January 2, 2021
Wir lernen in „Schatten der Welt“, einer gelungenen Mischung aus historischem Roman, Abenteuerroman und Coming-of-Age-Geschichte, die drei Jugendlichen Carl, Artur und Isi kennen, die in einer Stadt in Westpreußen (heutiges Polen) leben.

Der jüdische Schneidersohn Carl kommt aus ärmlichen Verhältnissen, ist sensibel, herzensgut und zurückhaltend.
Artur, der Sohn eines grobschlächtigen und gewalttätigen Wagners, der dem Alkohol nicht abgeneigt ist, ist selbstbewusst, lösungsorientiert und gerissen und die Lehrertochter Isi ist kess, aufmüpfig, clever, mutig und hat es faustdick hinter den Ohren.

Obwohl die drei recht unterschiedliche Charaktere haben, eint sie der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Sie haben Sehnsüchte und Träume, sind lebenshungrig und wollen der Provinz den Rücken kehren.

Das dreiblättrige Kleeblatt ist unzertrennlich, geht miteinander durch dick und dünn, stärkt einander den Rücken und hilft sich gegenseitig.

Es gelingt ihnen doch tatsächlich mit dem Aberglauben ihrer Zeitgenossen Geld zu machen und aufgrund von Arturs Fingerspitzengefühl werden sie zu frühen und modernen Spediteuren.
Die drei mausern sich zu erfolgreichen und unschlagbaren Jungunternehmern.

Eine erste Veränderung in ihrer Freundschaft beginnt, als Carl eine Ausbildung zum Fotografen macht und Artur und Isi ein Paar werden.

Ausserdem brodelt es unter der oberflächlichen Idylle gewaltig. Soziale Missstände werden immer eklatanter und politische Unruhen rumoren zunehmend.

Die Unbeschwertheit des Trios endet, als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht.
Carl und Artur werden eingezogen, Isi muss in der Heimat an ganz anderen Fronten kämpfen. Es sind Kämpfe gegen den Vater und gegen die Obrigkeit.

Nach Kriegsende ist alles anders. Schlagartig hat sich alles verändert. Türen haben sich geschlossen, neue Türen öffnen sich.

Andreas Izquierdo bringt uns kenntnisreich und phantasievoll die äußerst unterhaltsame und wendungsreiche Geschichte von Carl, Artur und Isi näher.
Er erzählt fesselnd und feinfühlig, rührend und berührend... aber niemals sentimental oder gar kitschig!
Mit großem Talent spielt er auf der Klaviatur der Gefühle seiner Leser: manchmal ist man wütend, manchmal traurig und manchmal muss man lachen.

„Schatten der Welt“ ist ein äusserst lebendiger Text, in dem nichts beschönigt wird. Nicht das Grauen des Krieges und nicht die innere Not der Menschen.
Und trotzdem ist es kein schwermütiger und deprimierender Text. Immer wieder gibt es Lichtblicke und durchgehend schwingt Hoffnung mit.
Man fiebert mit diesen drei liebenswerten und mutigen jungen Menschen mit, die in all ihrer Komplexität und Vielschichtigkeit gezeichnet werden.

Der Wechsel der Erzählperspektive zwischen einem auktorialen Erzähler und dem Ich-Erzähler Carl gibt der Geschichte Pep, macht sie noch abwechslungsreicher und erhöht die emotionale Intensität. Ein kluger Schachzug!

Für mich war diese authentische und atmosphärische Lektüre, die den damaligen Zeitgeist, sowie historische und gesellschaftliche Hintergründe wunderbar wiedergibt, ein großes Lesevergnügen.
Es ist spannend, den drei Protagonisten zu folgen und es ist interessant, von den Geschehnissen der damaligen Zeit, der klaffenden Schere zwischen arm und reich, der rigiden Gesellschaftsordnung usw. zu lesen.

Ob es wohl eine Fortsetzung gibt?

Klare Leseempfehlung!

Profile Image for Elke.
387 reviews55 followers
October 18, 2022
Manche mögen kritisieren, dass es wie ein Film geschrieben ist. Ich jedoch mag diese Art. Manchmal rasant, manchmal melancholisch oder hochdramatisch, jedoch immer mit einer kräftigen Prise Humor wird hier die Geschichte von drei Jugendlichen in den Jahren 1910 bis 1918 erzählt. Ich habe mit den dreien mitgelitten, mitgeliebt und -gehasst und mich dabei ungemein unterhalten gefühlt. Andreas Izquierdo kann durchaus mit Volker Kutscher mithalten. Großartig! Auf zu Teil 2.
Profile Image for Marie Luise.
7 reviews
April 27, 2025
Das Buch zählt zu meinen Lieblingen. Ich warte auf zwei Dinge. Das genug Zeit vergeht, dass ich es wieder lesen kann und zweitens: dass der Autor doch noch eine Fortsetzung verfasst 🫶
3 reviews
January 7, 2026
Zeit, Ort, Personen: spannend. Ein echter Schmöker, den man nicht mehr aus den Händen legen kann.
Profile Image for Irsenica.
91 reviews5 followers
November 2, 2020
Ein wunderschön geschriebener, liebevoller, emotionaler historischer Roman der in Westpreußen des Jahres 1910 beginnt.

Die Freunde Carl, der Sohn eines Schneiders, Artur, Sohn eines Wagenmachers und Isi die Lehrerstochter, versuchen aus ihren vorbestimmten Leben auszubrechen.
Mit kleinen Gaunereien und Erfindungsreichtum, kommen Sie ihren Zielen näher. Doch dann beginnt der 1. Weltkrieg.
Andreas Izquierdo hat einen sehr fesselnden erlesenen bildreichen Schreibstil. Schon nach wenigen Seiten taucht man ganz in die Geschichte von Freundschaft, liebevoller Vater-Sohn Beziehung, aber auch in das Aufbegehren gegen die damalige ungerechte Gesellschaftsordnung ein.

Mein erster Roman von Izquierdo. Aber bestimmt nicht mein Letzter.
Profile Image for Anja.
47 reviews1 follower
July 21, 2020
Das Buch konnte mich leider nicht recht überzeugen. Der erste Teil ist zu lang, der Stil gleicht manchmal eher einem Schulaufsatz, die Erklärungen über zeitgeschichtliche Hintergründe klingen wie aus einem Schulbuch.. Der zweite und dritte Teil sind trotz der etwas irritierenden Erzählperspektive etwas besser, der Krieg treibt die Handlung voran, jedoch sind mir zu viele Zufallsbegegnungen mit alten Bekannten darin, was es dann doch zu unglaubwürdig macht. Keine der Figuren ging mir nahe, ihr Schicksal war mir schlicht egal.
Profile Image for Kathi.
127 reviews26 followers
August 7, 2023
Nicht mein Fall. DNF nach 85 %... Ständig "kam es ganz anderes" oder "damals wussten wir noch nicht was die zukunft bh bereit hielt". Repetitiv und nervig. Die Antagonisten sind alle super böse mit Hörnchen. Zu Anfang fand ich die Geschichte interessant und reizend. Der Hauptcharakter war mir sympathisch doch als auf einmal ruckartig auch noch aus der Sicht von anderen Personen geschrieben wurde verlor das Buch den Reiz...Show don't tell wäre mal angebracht gewesen... Je weiter ich las umso unrealischer wurde es
6 reviews
April 9, 2022
Nett aber ohne Tiefgang. Die Guten sind total gut und die Bösen wahnsinnig böse. Spannende Geschichte wenn auch teilweise schon sehr unrealistisch. Erinnert mich an Ken Follet.
Profile Image for Buchbesprechung.
210 reviews24 followers
August 16, 2020
REZENSION – Leise und beschaulich, als wäre im deutschen Kaiserreich alles im Lot, beginnt der neue Roman des Schriftstellers Andreas Izquierdo (52), in der Werkstatt des jüdischen Schneiders Friedländer im westpreußischen Thorn. Doch der Schein trügt: In der fernen Reichshauptstadt Berlin wird gegen das preußische Dreiklassenwahlrecht demonstriert, und der sich der Erde nähernde Halleysche Komet lässt Unheil, wenn nicht sogar den Weltuntergang vermuten. „Schatten der Welt“ trüben die vermeintliche, nur oberflächliche Idylle, die soziale Missstände brüchig werden lassen.
Protagonisten dieses sozialkritischen Romans sind drei heranwachsende Freunde – noch in der Pubertät, nicht mehr Kinder, doch für Erwachsene noch zu jung: Der schüchterne Carl Friedländer, von Freundin „Isi“ als „Carl Schneiderssohn“ geneckt, unterstützt seinen verwitweten Vater. Luise, genannt Isi, die aufmüpfige Tochter eines despotischen Lehrers und später populistischen Reichstagsabgeordneten, verweigert die von einem bürgerlichen Mädchen geforderte Anpassung. Sie wird, obwohl von Carl heimlich geliebt, die Freundin von Artur Burwitz, dem dank seiner Körperkraft durchsetzungsfähigen Sohn eines prügelnden Stellmachers. Die drei Freunde ergänzen sich in ihren Charakteren und Fähigkeiten zu einem unverbrüchlichen Trio. Statt sich der Gesellschaftsnorm zu fügen, gehen die drei Jugendlichen ihren eigenen Weg und werden – obwohl noch nicht geschäftsfähig – bald zu erfolgreichen Unternehmern: Anfangs verkaufen sie ihren abergläubischen Zeitgenossen unnütze Überlebenspillen und vom Militär auf unkonventionelle Art beschaffte Gasmasken gegen den drohenden Kometen-Absturz. Später kaufen sie auf Arturs Empfehlung, der den Wandel der Zeit frühzeitig erkannt hat, erst einen, dann mehrere dieser neuartigen Lastkraftwagen und unterbieten damit als moderne Spediteure die traditionellen Kutscher.
Als Trio scheinen die Freunde Artur, Isi und Carl erfolgreich und unschlagbar. Als im Juni 1914 der österreichische Thronfolger in Sarajevo von einem serbisch-nationalistischen Attentäter getötet wird, interessiert es sie nicht. Sogar als der Weltkrieg seinen Anfang nimmt, glauben sie sich davon nicht betroffen: „Krieg war etwas, womit sich Menschen beschäftigten, die sonst nichts zu tun hatten. Wir dagegen wollten etwas erschaffen, nicht zerstören. Wir wollten etwas aufbauen, nicht niederreißen. Wir wollten nach oben und nicht im Schlamm irgendeines Niemandslands verrecken“, blickt Carl als Erzähler des Romans zurück. Doch die Geschichte, die so jugendlich leicht und locker begann, entwickelt sich auch für die drei zu einem Drama – für jeden auf andere Weise.
Izquierdos Geschichte liest sich stellenweise wie ein Abenteuerroman vor historischer Kulisse. Doch die drei aufstrebenden Protagonisten, ergänzt um Gutsbesitzerssohn Falk Boysen als Vertreter des feudalistischen Systems, stehen für eine Gesellschaft im Umbruch: Carl hat bereits unter dem noch unterschwelligen Antisemitismus zu leiden. Artur, den Repräsentanten der Arbeiterklasse, drängt es gesellschaftlich „nach oben“. Und Lehrerstochter Isi kämpft unter Missachtung eigener Gefährdung aktiv gegen die gesellschaftliche Unterdrückung und Missachtung der Frauen.
Andreas Izquierdo versteht es – wie schon in seinen früheren Romanen „Das Glücksbüro“ (2013) oder zuletzt „Fräulein Hedy träumt vom Fliegen“ (2018) – wieder ausgezeichnet, den Leser für seine Helden einzunehmen. Man freut sich und leidet mit ihnen. Izquierdos fast sanfte Erzählweise macht das Buch trotz der sich zum Ende zuspitzenden Dramatik angenehm lesbar und trotz aller Ernsthaftigkeit mittels humorvoller Einschübe recht unterhaltsam. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Nach dem Krieg ist nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich. Carl, Artur und Isi treffen sich in Berlin. Eine Fortsetzung ist wünschenswert.
Profile Image for Circlestones Books Blog.
1,146 reviews34 followers
July 22, 2020
„Damals erwachte in mir das unstillbare Verlangen, mir immer ein eigenes Bild zu machen. Ich wollte selbst beobachten, wollte wissen, wie sich die Dinge wirklich verhielten, und nicht von Beschreibungen anderer abhängig sein.“ (Zitat Pos. 551)

Inhalt
Sie sind Freunde und schon mit knapp vierzehn Jahren wissen sie, was sie nicht werden wollen: Carl Friedländer will Fotograf werden und nicht die väterliche Schneiderei übernehmen, Artur Burwitz will Erfolg haben und kein Wagner bleiben, wie sein Vater. Luise „Isi“ Beese will auf keinen Fall so werden, wie ihr strenger Vater Gottlieb Beese, Lehrer mit politischen Ambitionen. Sie haben kreative Geschäftsideen und können sie auch erfolgreich umsetzen, doch dann kommt das Jahr 1914 und damit der Krieg. Artur und Carl, beide achtzehn Jahre alt, werden sofort eingezogen. Die Jahre bis 1918 verlangen von jedem der drei jungen Menschen beinahe Unmögliches, und der Einfluss der mächtigen Gutsbesitzerfamilie Boysen, die feudal über ganz Thorn herrscht, reicht bis an die Front.

Thema und Genre
Im Mittelpunkt dieses historischen Romans, der gleichzeitig auch ein Abenteuer- und Entwicklungsroman ist, stehen drei mutige junge Menschen am Beginn des 20. Jahrhunderts, ihre Träume, Hoffnungen und die Realität. Wichtige Themen sind die Unterdrückung der Menschen im feudalen Ständesystem dieser Zeit, die schrecklichen Schlachten des Ersten Weltkrieges, Hunger, Schwarzhandel und der Kampf ums Überleben. Es geht aber auch um Familie, Tradition, Mut zum Neubeginn, Freundschaft, Vertrauen und Liebe.

Charaktere
Carl ist eher schmächtig, zurückhaltend und vorsichtig. Durch den draufgängerischen, ehrgeizigen Artur, der immer eine Idee hat, zu Geld und Erfolg zu kommen, oft am Rand der Gesetze, wird auch das Leben seines Freundes Carl abenteuerlich. Die unangepasste Isi entspricht absolut nicht den Vorstellungen dieser Zeit von einem wohlerzogenen Mädchen. Klug, keck und schauspielerisch begabt, nützt sie ihr gutes Aussehen für die Umsetzung ihrer Einfälle. Dazu kommen ihr Mut und ihre Willensstärke, sich nicht unterkriegen zu lassen.

Handlung und Schreibstil
Der Roman beginnt mit einer Vorstellung der drei Hauptfiguren: Carl, Artur und Isi. Die Handlung ist in fünf Abschnitte eingeteilt, diese wiederum in einzelne Kapitel. Die Ereignisse werden von Carl in der Ich-Form geschildert, chronologisch, ergänzt durch Rückblicke. Teilweise gleichzeitig an unterschiedlichen Orten stattfindende Episoden im Leben von Artur und Isi, von denen Carl nichts wissen kann, werden jedoch personal erzählt und stellen jeweils Artur oder Isi in den Mittelpunkt. Die Geschichte ist spannend und auch emotional fesselnd, da die einzelnen Figuren überzeugend und nachvollziehbar handeln. Die Sprache erzählt und beschreibt packend und einfühlsam und lässt auch den Humor nicht vermissen. „Es folgte eine lange Schimpfkanonade im breitesten Wiener Schmäh. Es war nicht das erste Mal, dass ich mich fragte, wie ein Volk, das so melodisch fluchen konnte, einen solchen Krieg gewinnen wollte.“ (Zitat Pos. 4683).

Fazit
Ein spannender historischer Roman über die Hoffnungen und Träume einer Generation, die, kaum erwachsen, sich plötzlich in einem furchtbaren Krieg wiederfand. Jede der drei Hauptfiguren, die völlig unterschiedlich und doch durch eine tiefe Freundschaft verbunden sind, muss den eigenen Weg finden und aus Träumen werden Werte, für die es sich einzustehen lohnt, auch wenn der Einsatz das eigene Leben ist. Ein großartiges Leseerlebnis.
65 reviews
September 2, 2020
Ein wunderbares Buch über Freundschaft, Familienbande, das Erwachsenwerden, der Überlebenswille und Resilienz in schwierigen Zeiten...

Dieses Mal lässt uns Andreas Izquierdo ins Westpreußen, 1910 eintauchen.
Wir erleben die Geschichte vorwiegend aus den Augen von Carl.

Der schüchterne und schmächtige Carl, der draufgängerische und selbstbewusste Artur und die freche Isi sind frohen Mutes, dass der Ernst des Lebens noch ein wenig auf sich warten lässt. Nicht einmal die Nachricht, dass ein Komet namens »Halley« die Menschheit zu vernichten droht, kann die drei Jugendlichen schockieren. Im Gegenteil – ungerührt verkaufen sie Pillen gegen den Weltuntergang, während Halley still vorbeizieht. Dieses Geld erlaubt ihnen heimlich eine gewisse Narrenfreiheit und vor allem das Polster, um ein lukratives Geschäft in ihrem doch sehr jungen Alter zu starten.

Carl geht zunächst seinem Traum nach und wird Fotograf, obschon sein Vater Schneider ist und er ihn unterstützt, wo er kann, um den Lebensunterhalt zu sichern. Carl ist arm und jüdisch. Die Liebe zwischen Vater und Sohn ist sehr gross und durch die Melancholie des frühen Verlustes der Mutter geprägt. Die Fürsorge der beiden sich gegenüber hat mich sehr gerührt.
Arthur hilft im Familienbetrieb, schmiedet aber ganz andere Pläne. Er und Isi scheinen ein Paar zu werden und werden es dann kurzweilig auch. Das Verhältnis zum Vater ist sehr gespannt, Arthur scheint diesen zu hassen. Er ist sehr gewieft und der Antreiber für ihre kreativen Geschäftsideen.
Isi ist frech, selbstbewusst, eigensinnig und für ihres zarte Alter bereits sehr emanzipiert. Sie verdreht allen den Kopf und macht sich das zu Nutzen. Als Tochter eines strengen Lehrers ist sie stets auf der Hut, sich nicht von ihm erwischen zu lassen, denn dann setzt es immer wieder eins. Sie hasst ihren Vater über alles und das verschlimmert sich im Verlauf der Geschichte.
Ihre Rache an ihm ist unglaublich mutig, kreativ und krass.

1914 kommt der Krieg. Und der lässt keinen Platz fürs kreative Erwachsenwerden. Artur und Carl werden eingezogen, fernab der Heimat werden die beiden Teil eines Kriegs, der jede Vorstellungskraft sprengt. Derweil hat Isi zuhause in Thorn ganz andere Kämpfe auszufechten. Die Freunde werden auseinander gerissen und doch bleiben sie sich auf ewig verbunden.
1918 ist der Krieg endlich vorbei. Nichts ist geblieben, wie es einmal war – und doch scheint ein Neuanfang möglich ...

Im Schatten der Welt ist ein historischer Roman, in der es um Selbstfindung und Freundschaft geht, um Familienbande und Hass, um Grausamkeiten und Fürsorge, um Melancholie, Verschmitztheit, dem Leben ein Schnippchen zu schlagen, um Resilienz und vieles mehr!

Andreas Izquierdos Bücher sind für mich jedes Mal ein Genuss und grosses Kopfkino. Die Protagonisten sind so toll, charaktervoll und vielfältig- ebenso die vielen Nebencharaktere und Schicksale, die verschiedenen Milieus und kulturellen Hintergründe. Die vielen Kontraste und charismatischen Personen machen die Lektüre unglaublich spannend.
Ich bin sehr gespannt, welches Thema Izquierdos nächstes Buch haben wird und in welche Welt wir dann eintauchen dürfen. Voller Vorfreude....

Danke für dieses großartige Buch. Ich hasse eigentlich Kriegsgeschichten, aber es gibt wenige Ausnahmen. Diese ist eine davon.

 
1,404 reviews7 followers
July 21, 2020
Wunderschöne Geschichte mit sehr viel Tiefe
In seinem Roman „Schatten der Welt“ erzählt Andreas Izquierdo aus dem Leben von 3 Jugendlichen die in Thorn, einer Stadt in Westpreußen leben.
Carl Friedländer ist Sohn eines Schneiders. Er liebt seinen Vater über alles, die Mutter ist bei seiner Geburt gestorben.
Carl ist ein zurückhaltender, eher schüchterner Junge. Er hat keine großen Ansprüche, gibt sich mit dem Wenigen das sie sich leisten können zufrieden.
Carl hat nur einen Traum, er möchte gerne Fotograf werden.
Artur Burwitz ist Sohn eines Wagners und das genaue Gegenteil von Carl. Er strotzt vor Selbstvertrauen, ist für jede Dummheit zu haben und hat einen guten Geschäftssinn.
Im Gegensatz zu Carl kommt er mit seinem Vater gar nicht klar.
Artur will auf keinen Fall Wagner werden wie die Söhne seit Generationen vor ihm, er will mehr erreichen. Er will ganz nach oben.
Isi Beese ist die Tochter eines strengen Lehrers.
Sie ist frech, schert sich wenig um das was ihr Vater von ihr verlangt und hat ein Talent zur Schauspielerei.
Als Mädchen hat Isi die 2 Jungs gut im Griff.
Isi träumt davon die Kleinstadt in der sie lebt zu verlassen.
Der Leser lernt diese 3 jungen Menschen im Teenageralter kennen und begleitet sie auf ihrem Weg, erlebt ihre Entwicklung und so einige Höhen und Tiefen.
So unterschiedlich die 3 auch sind, so halten sie doch zusammen, ist einer für den anderen da.
Doch dann kommt der 1. Weltkrieg und zerstört alles was die jungen Menschen sich aufgebaut haben.
Sie werden getrennt, Carl und Artur müssen in den Krieg ziehen.
Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht von Carl erzählt.
Der Autor schreibt sehr einfühlsam über das Leben in der Kleinstadt, das harte Leben in ärmlichen Verhältnissen und über die Träume die junge Menschen haben. Und natürlich über eine große Freundschaft und Verbundenheit.
Aber der Autor erzählt auch über den Krieg, den sinnlosen Krieg so wie Carl ihn erlebt, wie er ihn durch seine Kamera sieht.
Andreas Izquierdo schreibt so detailreich und gleichzeitig so unterhaltsam, dass man gar nicht merkt wie die Seiten dahinfliegen.
„Schatten der Welt“ ist ein wunderschöner und detailreicher Roman. Man spürt die Liebe mit der, der Autor diese Geschichte zu Papier gebracht hat auf jeder Seite.
Für mich gehört dieses Buch zu den Highlights des Jahres 2020.
Profile Image for Gitti.
1,167 reviews
February 5, 2021
Carl, Artur und Isi scheinen Freunde fürs Leben. Zusammengeschweißt bei einem kuriosen Gaunerstück, als 1910 der Halley’sche Komet erscheint. Die drei ergänzen sich und geben sich gegenseitig Halt. Läuft in ihren Familien nicht alles rund, sind sie sich gegenseitig Familie. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht werden die drei auseinandergerissen, Carl und Artur ziehen in den Krieg, Isi bleibt zurück.

Erzählt wird die Geschichte aus Carls Sicht. Er ist der ängstliche und am wenigsten wagemutigste der Gruppe. Als Jude läuft er immer unter dem Verdacht ein gewissenloser Geschäftemacher zu sein. Artur hingegen will mehr vom Leben als Sohn des Wagners zu sein. Er denkt sich allerlei wagemutige Aktionen aus, die meist erfolgreich für die Gruppe ausgehen. Dabei verdienen die drei soviel Geld, dass sie sich ein Geschäft aufbauen können. Doch als der Krieg anfängt ist es vorbei mit dem Geld verdienen. Artur und Carl erleben an der Front vieles was sich nicht mit den Vorstellungen eines heroischen Krieges vereinbaren lässt und Isi kämpft zu Hause darum, dass Frauen nicht noch mehr ausgebeutet werden. Alle müssen Verluste hinnehmen und gehen nicht ohne Blessuren aus dieser Zeit heraus.

Schatten der Welt war mein erstes Buch von Andreas Izquierdo. Ich war von seinem Schreibstil sehr begeistert, trotz der teilweise unschönen Themen liest man immer weiter und durch die kurzen Kapitel denkt man sich oft: Eines geht noch. So fliegt man durch dieses Buch und fiebert mit den dreien mit.

Die Geschichte beleuchtet das endende Kaiserreich von mehreren Seiten. Kaiserverherrlichung und Willkürherrschaft der Adeligen sind ein Thema, der damalige Ehrbegriff und der Umgang mit Frauen und Töchtern. Und eben die Unzufriedenheit der Unterdrückten. Das Kriegsgeschehen und dessen Verherrlichung, sowie der Alltag an der Front, der mit den Bildern in Zeitung und Wochenschau eben nichts gemein hat.

Mir hat das Buch ausgesprochen gut gefallen. Das Ende lässt darauf hoffen, dass es einen weiteren Band mit den dreien geben wird, in dem wir hoffentlich erfahren, wie es nach dem Krieg mit ihnen weitergeht.

Von mir eine Leseempfehlung!
Profile Image for Lisa.
74 reviews
October 6, 2020
Drei Freunde
Der Roman ist in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg in der westpreußischen Stadt Thorn angesiedelt und erzählt die Geschichte von drei befreundeten Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen: Die freche Isi, die sich für keinen Streich und keine Gaunerei zu schade ist, der starke unerschütterlich optimistische Arthur und schließlich Carl, dem ich-Erzähler, der eher zurückhalten und nachdenklich ist. Zunächst schafft es das Trio durch dreiste Betrügereien zu einigem Geldvermögen zu kommen, danach gründen sie, noch im jugendlichen Alter, ein gutgehendes Unternehmen, bis die Wirren des Krieges sie trennen und auf unterschiedlichen Leidenswege schicken.
Dem Autor Andreas Izquierdo gelingt es, viele detailreiche Schilderungen des Lebens und der Gesellschaft aus dieser Zeit in seinem Roman unterzubringen, es gelingt ihm, vor allem die sozialen Ungerechtigkeiten und die Grauen des Krieges sehr plastisch wieder zu geben. Seine Charaktere dagegen sind zwar durchaus sympathisch und auch facettenreich geschildert, bleiben aber irgendwie etwas konstruiert. So ist der sechzehnjährige Carl bereits derart abgeklärt und reflektiert, dass er als Person fast etwas unglaubwürdig wirkt. Auch einige Wendungen der Geschichte wirken wenig realistisch: Zwar erfahren die drei Hauptpersonen das Leid der Kriegsjahre auf unterschiedliche Weise am eigenen Leib, jedoch werden alle drei mehrmals im letzten Augenblick aus aussichtslosen lebensbedrohlichen Situationen gerettet.
Das sorgt zwar für Spannung, nicht aber für Glaubwürdigkeit.
Insgesamt hätte ich mir diesen Roman wohl lieber als Verfilmung zu Gemüte geführt: Guten Schauspielern würde es sicher gelingen, die Personen mit mehr Tiefe und Leben zu erfüllen und auch die teils etwas auf Drama und Spannung angelegten Kriegsabenteuer der drei Freunde dürften sich in bewegten Bilder besser vermitteln lassen als auf Buchseiten.
Trotzdem habe ich das Buch gern gelesen denn es ist spannend geschrieben und gut recherchiert.
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