Gier trifft auf Gier in Elfriede Jelineks finsterer Wirtschaftskomödie: "die Gier der Anleger nach endlos wachsender Rendite und die Gier der Banker nach maximalem Umsatz. Dass die Maßlosigkeit der einen wie der anderen unweigerlich zur Katastrophe führt, hat die jüngste Vergangenheit gezeigt. Ein Ende des Kapitalismus ist damit jedoch noch lange nicht erreicht – nach dem Crash ist vor dem Crash, und schon sind im Bankgeschäft Millionenboni für die Berater wieder Alltag ... „
Elfriede Jelinek is an Austrian playwright and novelist, best known for her novel, The Piano Teacher.
She was awarded the Nobel Prize in Literature in 2004 for her "musical flow of voices and counter-voices in novels and plays that, with extraordinary linguistic zeal, reveal the absurdity of society's clichés and their subjugating power."
Das Buch enthält drei Theaterstücke, die zur Zeit des Erscheinens (2009) aktuelle Themen in Österreich aufgreifen. Vielleicht ist es keine gute Idee, Theaterstücke zu lesen, insbesondere diese außergewöhnliche Form von Theaterstücken, die kaum oder keine Handlungsanweisungen beinhalten, keine Handlung aufweisen und eher wie Monologe daherkommen, auch wenn mehrere Personen auf der Bühne stehen. So gut wie nie werden den einzelnen Personen Sätze zugeordnet oder es gibt Figuren, die z. B. benannt werden: „Noch mehr Engel, die bislang nicht aufgetreten sind, oder es tritt jemand ganz anderer auf, mir doch egal:“ Das dritte Stück kann an jeder beliebigen Stelle begonnen und beendet werden. Kurz gesagt, scheint es eine Herausforderung für Theaterregisseure zu sein und mit deren Können gewinnt oder verliert das Stück.
„Über Tiere“ besteht aus zwei Teilen. Zunächst erzählt eine Frau von ihrer übergroßen Liebe und wehrt sich gegen ihr Verschwinden, betet einen Mann an, der kaum davon Notiz nimmt. Im anderen Teil unterhalten sich Männer über Prostituierte aus Osteuropa in herabwürdigender übelster Art und Weise. Dieses Stück soll sich auf die Aufdeckung eines Wiener Call-Girl-Rings beziehen, in den auch einige Prominente verwickelt waren.
„Rechnitz (Würgeengel)“ ist das Stück, das mich zu dem Buch greifen ließ, denn es behandelt das Verbrechen im März 1945 in Rechnitz, das ebenfalls Thema im Buch „Dunkelblum“ ist, als während eines Festes der Gräfin Margit Batthayany-Thyssen 180 jüdische Zwangsarbeiter umgebracht wurden und die Bewohner bis heute im Schweigen verharren.
„Die Kontrakte des Kaufmanns“ behandeln in Form einer bitteren Komödie einen Anlagebetrug, bei dem viele Sparer um ihre Altersvorsorge oder ihre Immobilie gebracht wurden.
Der Stil von Elfriede Jelinek ist in jedem Stück ähnlich und unverwechselbar. Die Theaterbesucher werden mit ganzen Lawinen aus Worten und Sätzen beballert, in denen in genialer Weise gleiche oder ähnlich klingende Wörter mit verschiedenen Bedeutungen benutzt werden, um überaus interessante Zusammenhänge herzustellen oder ein „Sich-Verplappern“ der Sprechenden zu erzeugen, bei dem wie aus Versehen tiefere Wahrheiten preisgegeben werden. Dieser Stil ist beeindruckend, wirkungsvoll und ganz große Kunst, aber für mich in der Menge eines Buches mit drei langen Stücken zum Ende hin immer unerträglicher geworden. In „Die Kontrakte des Kaufmanns“ z. B. versuchen die Bankleute ihren Betrug teils zu rechtfertigen, als unvermeidliches Schicksal darzustellen, dann aber wieder den Opfern die Schuld zuzuschieben, sich selbst zu bedauern, um im nächsten Moment die Opfern zu verhöhnen und die eigene Größe zu betonen. Dabei quatschen sie ihr Publikum schwindlig in unendlichen Redundanzen. Das ist eventuell auf einer Bühne großartig, aber beim Lesen ganz schwer auszuhalten.
Am besten gefiel mir „Rechnitz (Würgeengel)“, das mag daran liegen, dass mir die Hintergründe inzwischen gut vertraut sind, was mir bei den anderen Stücken fehlte, so dass ich viele der Anspielungen nicht verstand. Mir scheint, dass die Stücke in einer produktiven Wut auf das Geschehen in hohem Tempo geschrieben wurden, aber ohne Erläuterungen später kaum verständlich sind.
Ich bedaure nicht, das Buch gelesen zu haben, kann es aber nur bedingt empfehlen. Als Theaterstück aber bestimmt sehenswert, auch wenn man sich vorher unbedingt zum Hintergrund informieren sollte.
( Rezension bezieht sich nur auf Über Tiere ) Also das ist definitiv eins dieser Bücher, das man mehrmals während des Lesens aus der Hand legt um aus dem Fenster zu starren und sich einige Fragen über... eben ALLES in der Welt zu stellen. Was ist da schief gelaufen, dass DAS die Art von menschlicher Kommunikation heutzutage ist? Von Menschen zu Menschen ÜBER Menschen? Einfach Kommunikation so wie sie ist aus dem Leben zu greifen und in einem (scheinbar!) strukturlosen Fließtext verschmelzen zu lassen - ein postdramatisches Theater und eigentlich absoluter wie es nicht sein könnte. "Über Tiere" wird mich wohl noch lange verfolgen.