Eine Serie brutaler Morde im Zweibrücker Milieu versetzt die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Die Beamten des Landeskriminalamts ermitteln fieberhaft, um die rätselhaften Verbrechen rasch aufzuklären, und auch Poolitzers berufliche Neugier ist geweckt. Zunächst gehen die Ermittler von einem fanatischen Einzeltäter aus, doch die Präzision der Schüsse, mit denen die Opfer niedergestreckt wurden, sowie die Verwendung einer bislang unbekannten Munition deuten darauf hin, dass ein neuartiges Gefechtsmodul zum Einsatz kam, das von einem der großen Rüstungskonzerne in der hermetisch abgeriegelten Sonderzone entwickelt wurde. Bei seinen Recherchen am Tatort eines neuerlichen Verbrechens stößt Poolitzer auf Gee Gee, die als Einzige das Massaker in dem Nachtclub überlebt hat, und schon bald verfällt der Reporter den Reizen der attraktiven Schauspielerin. Doch Gee Gee, die ihren Freund und Mentor verloren hat, kennt nur ein Ziel: sie will sich an den Verantwortlichen rächen...
"Gottes Engel" ist der zweite Teil der ersten Shadowrun-Trilogie von Markus Heitz rund um Ultra, Cauldron, Twing, Sparkplug, Poolitzer - und jeder Menge anderer Charaktere. Nahtlos greift der Autor die Handlung des vorausgegangenen Bandes auf, in dem der Rigger Sparkplug in die ADL (Allianz Deutscher Länder) entführt wurde, um dort einen neuartigen Gefechtscomputer zu testen, den TAKC3000. In "Gottes Engel" scheint die Entwicklung dieses Stücks Technologie große Fortschritte gemacht zu haben - verschiedene Forschergruppen von Cyberdynamix in der SOX, einer verstrahlten Sperrzone im Saarland, testen dort die Technologie an "freiwilligen" Probanden. Allerdings geht einiges schief. Nicht nur gibt es zwischen den Forschern erheblichen Streit - der Schwede Doktor Gud liegt im Rennen um das erste erfolgreiche Gerät weit vorne, doch Professor Usner-Gassert, genannt "die Sünde", will ihm den Erfolg abspenstig machen. Darüber hinaus scheint eine der Probandinnen nebenberuflich Amok zu laufen - und löscht in ihrer Freizeit außerhalb der SOX frevelhafte Schuppen wie Puffs und kriminelle Löwenhöhlen aus. All dies, während sich auch Poolitzer in Deutschland befindet und unverhofft mitten in diese ganze Geschichte stolpert - die er daraufhin natürlich auch aufklären möchte. So ganz klar ist zwar nicht, weshalb sich Poolitzer überhaupt an eine Geschichte wagt, die in die SOX führt und somit nicht nur in ein kontaminiertes Gebiet, sondern auch noch in eines, das von den Konzernen kontrolliert wird. Aber er ist schließlich Reporter, irgendwo muss man die Stories ja herbekommen.
Zwei weitere Plots lockern diese Hauptgeschichte bisweilen auf: Einmal das Fortleben der Seattler Straßenrennerbande, die von einem alten Bekannten von Cyberdynamix verfolgt wird. Es bleibt den Runnern nichts anderes, als ihrerseits Schattenläufer zu engagieren, die das Problem aus der Welt schaffen sollen - und bis dahin auf Tauchstation zu gehen. Dabei begegnen wir vielen bekannten Charakteren aus dem ersten Band wieder, beispielsweise Lugstetter, der die Explosion in Teil 1 überlebt zu haben scheint. Oder Jennings, der als maximal professioneller Auftragskiller emotionslos seine Dienste an den erstbietenden verkauft.
Daneben steht auch Jeroquee wieder mit halbem Fuße in der Kanalisation, mit dem anderen hingegen in einem luxuriösen Apartment - dem Eigenheim des von ihr kürzlich ins Jenseits beförderten Magiertöter-Sohnes. Zusammen mit dem Decker Geoff steigt sie in dem Nobelapartment ein. Die Ruhe währt allerdings nicht lange - nicht nur, dass sie plötzlich die Geschäfte ihres einstigen Gegners für einen Artefakthändler erledigen muss, obendrein wird sie erwartungsgemäß von ihrem technischen Handlager übers Ohr gehauen. Beinahe zumindest. Und erst nach einer vermutlich unumgänglichen Beischlafnacht. Das sei hier aber verziehen, denn Heitz verzichtet glücklicherweise darauf, die Geschichte durch unnötige Erotik zu zerstören. Letztenendes bleiben von Jeroquees Abenteuer zwei Fragen über: Hat sie wirklich ihre Ansicht über die Ghule in den Abwassersystemen von Seattle geändert, die ihr - zum eigenen Erstaunen - plötzlich menschlicher vorkommen als zuvor? Und wird sie ihre Seele und ihre Waffe wirklich einem Mann verkaufen, der für Geld über Leichen geht? Fragen über Fragen.
Sprachlich und inhaltlich gefällt mir "Gottes Engel" erheblich besser als der Vorgängerband. Die Zahl der Wortwiederholungen, die grundsätzliche Ausdrucksweise, der Schreibstil, die Spannungsbögen - alles wirkt sehr viel runder, sehr viel überlegter als noch im ersten Band. Zwar entdeckt man hier und da noch einige sprachliche Fehler, seien es fehlende Rückbezüge in Sätzen oder das beliebte "ansatzlos", mit dem man im ersten Band noch ganze Wände hätte tapezieren können. Hin und wieder fällt das Buch trotzdem mit kleinen Fehlerchen auf: So beschließt Enni Gerlacher, die Probandin von Doktor Gud, an einer Stelle im Buch, dass sie eben jenen Doktor nicht konsultieren wollte wegen ihrer Probleme, da sie Angst habe, er würde ihr den Gefechtscomputer wieder ausbauen. Schon im nächsten Absatz befindet Doktor Gud über ihr Befinden. Ja was denn nun? Ich dachte, er wollte sie nicht besuchen? Oder wieso sollte ausgerechnet ein junger Journalist, der jeden Tag seine Augenfarbe durch Kontaktlinsen färbt, seine originäre Farbe nicht mehr kennen? Gerade er sollte doch wissen, welche Farbe er eigentlich hätte.
Zu den Charakteren kann man relativ wenig Neues sagen, denn die meisten kennt man bereits aus dem ersten Teil. Mit Vigo Spengler, einem LKA-Kommissar - Verzeihung, Kriminalhauptkommissar - kommt ein interessanter neuer Charakter auf die Bühne, von dem man sich zwar etwas mehr Tiefe wünschen würde, der aber wenigstens in Ansätzen eine Hintergrundgeschichte mitbringt, die Lust auf mehr macht. Offensichtlich ist Spengler schon mehrfach mit den Konzernen aneinander geraten - kein Wunder, wenn diese seine Untersuchungen und Ermittlungen einfach abwürgen. Er hat also ein begründetes Interesse daran, mehr über die Machenschaften der Konzerne in der SOX zu erfahren, auch dann, wenn ihm Ermittlungen eigentlich nicht zustünden. Immerhin gab es Tote in seinem Revier.
Sehr gut gefällt mir vor allem die Modellierung des Konzerngeländes in der SOX und die dortigen Personen. Das ist endlich Shadowrun, so wie ich mir das vorstelle - auf der einen Seite eine große gut ausgestattete Forschungsbasis mit schwerer Infanterie, Drohnen, allerlei Verteidigungsgeschütz, auf der anderen Seite ein paar leise Runner, die dort einzudringen versuchen. Auch die Geschehnisse innerhalb der Forschungsanlagen sind wunderbar ausgestaltet. Ganz besonders gut gefallen haben mir aber die Telefonkonferenzen des Kontrollrats - hier wird auch für den Unkundigen schnell offensichtlich, wer in dieser Zone das Sagen hat und wie hier Politik gemacht wird. Argwohn und Betrug sind alltägliche Begleiter und der Job eines Arkologie-Leiters gleicht scheinbar eher einem Schleudersitz.
Insgesamt gesehen handelt es sich bei "Gottes Engel" aus meiner Sicht um ein sehr solides, sehr stimmiges Buch, das qualitativ deutliche Fortschritte zu verzeichnen hat. Ich für meinen Teil kann kaum erwarten, auch im dritten Band mit Poolitzer und den anderen los zu ziehen. Werden wir den "Vampir" Ordog wieder treffen? Was geschieht mit den frisch vermählten Sparkplug und Twing? Bekommt Cynthia ein Upgrade? Wie viel Geld hat Ultra noch übrig? Und was ist eigentlich mit Keimag, dem Nega-Magier in Deutschland? Nicht zuletzt - werden wir noch einmal etwas von Cyberdynamix hören? Es bleibt spannend!
This entire review has been hidden because of spoilers.
I wanted to know what the fuzz was about Markus Heitz. This was the first book by him I read and yes, I will give him another chance in the fantasy genre.
I was really dissapointed by this book. At the beginning I really liked the style, but the book got more and more confusing plotwise and really annoying stylewise. It felt like the author described an old playsession. There were characters that were interesting but never got a big role in the plot and others that could do with more depth. Also there were several plots that didn't have anything to do with each other. And the further I read on, the worse the style got. Changeing the point of view twice in one paragraph ß I had no clue who was thinking/talking at the most of the times. It felt like sloppy work and lazy editing.
I'll stay away from his other Shadowrun books and try the Dwarf series instead. Maybe he's a bit better there... if not I really can't understand why everyone likes this author so much. So far I consider him overrated. But I'll happily change my opinion if he deserves it.