Jump to ratings and reviews
Rate this book

Boymen

Rate this book
Felix bricht auf ins ferne Amerika und landet - Ironie der Geschichte - ausgerechnet im German Department der Universität von Ithaca, NY. Nicht New York City, nicht San Francisco, sondern tiefste Provinz. Sein Freund verlässt ihn, seine beste Freundin macht zielstrebig Karriere. Felix will das Leben genießen, seine Jugend festhalten, doch die Tage verstreichen wie im Leerlauf. Bis er Clay kennen lernt, einen gut aussehenden und auch noch reichen Künstler. Das Glück ist plötzlich zum Greifen nah. Doch wie Felix will auch Clay nicht alt werden - und er findet eine erschreckende Lösung dieses Problems.Hunger nach Leben und Angst vor dem Trott, grenzenlose Mobilität und bereits in «Play» und «Fag Love» hat Peter Rehberg den Tonfall gefunden, der das Lebensgefühl seiner Generation sinnlich erfahrbar macht. Sein neuer Roman erzählt ungeschminkt vom Leben nach der Party, von der Alterspanik eines Mannes, der lieber ein Junge geblieben wäre.

Paperback

First published April 18, 2015

Loading...
Loading...

About the author

Peter Rehberg

15 books

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
0 (0%)
4 stars
0 (0%)
3 stars
3 (100%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Klaus Mattes.
827 reviews16 followers
April 9, 2026
Peter Rehberg, Jahrgang 1966, Archivleiter im Schwulen Museum Berlin, davor auch mal Chefredakteur der Zeitschrift „Männer“, Dozent für Queer Studies in Austin (Texas) usw., hat drei belletristische Bücher von Männerschwarm verlegt bekommen. „Boymen“ aus dem Jahr 2011 ist das letzte davon. Ich las – und mochte nicht – bereits das erste, „Play“, dazwischen wäre dann noch „Fag Love“, da mag ich schon mal den Titel gar nicht.

Um Missverständnissen vorzubeugen, Rehberg ist nicht ephebophil, es geht in diesem Buch nicht, wie ich jahrelang annahm, als es bei mir noch auf Halde lag, um halbwüchsige Skateboarder in Südkalifornien, ohne die man nicht mehr leben zu können glaubt. Vielleicht hätte ich es dann mehr gemocht. Obwohl die Liste seiner Lieblingsautoren, wie er sie seinem Alter ego Felix in den Mund legt, mit Dennis Cooper, Bret Easton Ellils, Michel Houellebecq, Frédéric Beigbeder, Rainald Goetz, stark nach dem ausschaut, was ich vor 20 Jahren zwar noch hätte nachvollziehen können, was ich mittlerweile allerdings fast für so etwas wie das unselige Best-of des sich als Coolness und Abgebrühtheit verbrämenden schwulen Schnösel-Klassenwahns verstehe.

Also, auch im dritten Buch ist er immer noch beim Sammeln von Notizen aus dem Wanderleben als akademischer Dozent in den USA, immer noch im tapferen Krieg gegen die beiden größten Katastrophen, die einem „modernen“ schwulen Deutschen drohen: Altern und Stillosigkeit. Allerdings ist sein Schreiben jetzt entschieden professionalisierter, einfacher zu lesen, nicht mehr so schnippisch und sprunghaft, direkt schon um Handlung bemüht.

Ach so, ich wollte sagen, es geht nicht um schöne Männer, die eigentlich noch Kinder sind, also Boys, sondern es geht darum, dass er, der in „Play“ dreißig wurde und sich sagte, das heißt ja nicht, dass man nicht mehr jung ist, jetzt vierzig wird und herausfindet, dass man seinen eigenen Boy von früher innen noch stecken hat, als Schwuler überhaupt endlos boyisch leben kann. (Was ich mit 67 nicht mehr glaube. „Komm du mal in mein Alter!“) Es geht mal wieder um die Frage, wie viele One-Night-Stands und Drogen noch guttun, ist nicht tägliches Gym-Training viel nützlicher, und die Frage, ob es die Liebe nicht noch mal geben wird. Wobei die hier mitgeteilten Lieben allesamt so etwa zwei bis drei Monate währen; man anschließend dem Boy in sich Ausgang gibt bei reichlich Sex unter Drogen.

Kurz: das nun wahrlich auch nicht so welterschütternde Dasein, das man als in der Welt herum jettender Berliner Akademiker und City-Schwuler so führt. Verleger Joachim Bartholomae, seit je ein Meister der Kunst, sich auszumalen, was Leser sich unter einem Buch, das sie erst noch kaufen müssen, vorzustellen belieben, dieses im Klappentext dergestalt anzudeuten, dass es zwar nicht ganz gelogen ist, im Buch aber eigentlich kaum vorkommt, hat die abgängige Dramatik und Romanschwere im Jahre 2011 so behauptet:

Amerikanische Provinz ist der Horror, vor allem, wenn man schwul und Single ist. Felix ist froh, als er für eine Konferenz nach Kalifornien muss. Aus dem Wochenende werden Wochen, denn in San Diego trifft er Clay. Doch der spielt ein grausames Spiel mit ihm. Noch unter Schock macht sich Felix auf den Weg nach Berlin.

Jetzt stellen Sie sich bitte keine abgründige Story mit Clay vor, der tatsächlich eine reiche Fotomodell-Schönheit ist! Vielmehr geht der größte Teil vom Buch über die Treffen und Unterhaltungen des Germanistik-Dozenten Felix mit seiner Germanistik-Dozenten-Kollegin Anna, die ihren Ehemann, den Ossi Marco, den sie Kröte nennt, in die Freundschaft einbringt. Marco und Anna fallen allmählich auseinander und Marco wird immer bisexueller und Drogendealer, mit ihm an der Seite kann der Erzähler den mittleren Jahren zum Schluss gefasst entgegentreten. Obwohl es schon dabei bleibt, dass unsere Welt bedroht ist: von Alter und Stillosigkeit.

Kurz gesagt, ich hatte öfters den Eindruck, Rehberg schreibt so ein Buch, was man schreibt, damit man später sagen kann, man hat früher auch schon drei Romane geschrieben. (Es geht hier auch immer wieder um Job-Interviews, die ihm Sorgen machen, die er dann verpasst.)

Die Sache mit Clay, so kurz sie erscheint, kann ich spoilern, ist, dass Clay so schön und jung war und so viel Angst vor dem Alter hatte, dass er Ausschau nach einem Freund hielt, mit dem er sich umbringen kann. (An der Stelle fangen einige von uns zu glauben an, so war das doch nie, das ist alles konstruiert.) Rehberg, der gerne analysiert, dann so Merksätze fürs Leben einblendet, die ihm jetzt aufgefallen sind, vermag weder die Person von Jack, Clays Vorgänger, der Felix fallen ließ, bevor dieser ihn aufgeben konnte, noch die Person von Clay nacherlebbar zu machen. (Er sieht aus wie ein Fotomodell und kann sich alles kaufen, reicht das denn nicht unter uns Schwulen?) Aber wenn ich lese, er kommt vom Schwimmen zurück und Clay liegt auf dem Bett und hat keinen Atem mehr. Röhrchen von drei verschiedenen Schlafmitteln (und wohlgemerkt nichts sonst) liegen daneben, die Eiswürfel im Glas sind noch nicht geschmolzen. Er schreit, er drückt auf seiner Brust herum, er bläst ihm Luft in Mund und Nase, er reißt ihn hoch und schlägt ihm ins Gesicht. Clay kommt nicht wieder. Er geht kotzen, dann duschen, schläft eine Nacht im Zimmer nebenan, ruft am nächsten Morgen (!) 911 an, bestellt ein Taxi zum Flughafen, bevor die da sind … Und ist alsbald mit Anna in New York in der nächsten Abteilung, dann mit ihr und Marco in Berlin, …, beschleicht mich ein Gefühl wie: „eher schlecht erfunden“.

Folglich hat man in der Verlagswerbung dieses angeblich „grausame Spiel“ des Clay heute herabgeschraubt. Es lautet jetzt:

Bis er Clay kennen lernt, einen gut aussehenden und auch noch reichen Künstler. Das Glück ist plötzlich zum Greifen nah. Doch wie Felix will auch Clay nicht alt werden und er findet eine erschreckende Lösung dieses Problems. Hunger nach Leben und Angst vor dem Trott, grenzenlose Mobilität und Midlife-Crisis.

Zumindest ist die Ehrlichkeit so weit wieder da, wie die Tragödie weg ist.
Wie sagte RadioSub.de (Frankfurt/Main) so schön:

Es ist durchaus ein lesenswertes Buch, doch es hat nicht die Kraft und Präsenz eines Romans von Brett Easton Ellis, die Episode mit Clay ist dafür ein Symbol – sie ist keine Traumsequenz, aber auch kein Abenteuer, sie ist einfach eine Referenz, klug, aber nicht emotional. Es ist ein unterhaltsames Buch, aber euch eines für Zwischendurch. 

Euch euch, keuch keuch … Durchaus ein Brett, aber ein Abenteuer.
Displaying 1 of 1 review