Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch dann ändert sich plötzlich die Gesetzesgrundlage in Sandburg: Von nun an wird es jedem Mann ermöglicht, jegliches Geld, das dieser in eine Frau investiert hat, zurückzuverlangen. Wird den Forderungen nicht Folge geleistet, droht ein kompletter Rechteentzug.
Auch Henri, Gretas Verlobter, möchte sein Geld zurück. Doch bezahlen kann sie ihn nicht … Verzweifelt wendet sich Greta an ihren Verlobten: Henri habe nicht die Absicht sich zu trennen, er wolle schlichtweg zurück, was ihm zusteht, auch wenn Greta das gemeinsame Baby in ihrem Bauch trägt. 14 Tage habe sie Zeit. Greta wird konfrontiert: Mit Henris Kälte und Gleichgültigkeit. Mit dem Kapital, das ihr zur Verfügung steht. Mit ihrem zurückliegenden Leben und einer unsicheren Zukunft. Wie viele Jahre muss sie subtrahieren, um nicht bankrottzugehen?
Als sich abzeichnet, dass Greta weder bei ihrem Verlobten noch bei der zukünftigen Schwiegermutter auf Verständnis stoßen wird, wendet sie sich hilfesuchend an ihre ältere Schwester. Die Schwester, die vom Vater drangsaliert wurde, während Greta das Goldkind war. Die Schwester, die ihre Wut an Greta ablassen musste, weil sie keinen anderen Umgang damit finden konnte. Nach und nach wird klar, in welch verstrickter Familiensituation die beiden aufwuchsen: der Vater als Sinnbild des Patriarchats. Die Mutter, die jeden Tag aufs Neue versuchte, ihren Ehemann nicht gegen sich oder die Töchter aufzubringen. Die Suppe darf niemals kalt werden. Alles muss perfekt sein. Aber was, wenn „perfekt“ nicht erreichbar ist? Wenn es „perfekt“ gar nicht gibt?
Gretas Schwester, die große, die „nicht-schwangere“ sagt ihr Hilfe zu. Doch wird sie ihr wirklich beistehen? Hat sie das Kindheitstrauma überwunden? Oder ist es Greta, die getriggert durch die Gesetzesänderung und die Härte, mit der Henri sie und ihre Beziehung behandelt, etwas tut, das sich nicht wieder umkehren lässt? Anna Herzig schreibt über eine Gesellschaft, die Frauen eine Rolle aufzwingt, für die sie sie letzten Endes verachtet. Sie schreibt von der unerfüllbaren Rolle der Mutter. Von der Frage danach, wie weit wir gehen, um unsere Liebsten zu schützen. Und uns selbst.
Anna Herzig wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien geboren. Ihre Begeisterung für Literatur zeigte sich sehr früh. Nach unzähligen gelesenen Büchern beschloss sie bereits im Alter von 14 Jahren, ein eigenes Buch zu schreiben. 2005 erschien ihr erster Roman, der Thriller "Der Tod kann warten". Die junge Österreicherin nahm daraufhin unter anderem an der Kriminacht in Wien teil. Seit 2007 widmet sie sich einem neuen Genre, der Liebesgeschichte. Im Sommer 2013 schloss sie "Zeit für die Liebe" ab und schreibt nun bereits an einer neuen Liebesgeschichte – die eigentlich gar keine ist. Die Autorin lebt in Wien.
Anna Herzig was born on may the 2nd in 1987 in vienna, also the place of her doing and work since graduation of business school in 2004.
The young writers fascination for books and higher literature established in early years. Reading countless books and soaking up knowledge, the idea to write her own book was born at the age of just 14.
In 2003 at the age of 16, her fascination for acting / writing and screenplay thrived for more she therefore applied to Max Reinhard Seminare - although the appliaction was turned down, 2003 seemed to be a promising year.
Anna used the time and finished her first book "Der Tod kann warten" which was finally released in 2005 by publisher Gryphon. Many different smaller book presentation followed as well as the first participation on viennas crimenight.
In 2007, her writing style changed after being influenced by mainly one famous japanese writer and his passionate way of story-telling.
"Zeit für die Liebe" is a project which was finished in summer 2013 - simultaniously her latest project "Anatomie einer Liebe" is center of her passion and will be receiving its finishing touch in autumn 2014.
Puh, diese sehr grausame Dystopie ist wirklich nichts für sensible Gemüter, sie strotzt vor psychischer und physischer Gewalt gegen Frauen. So, nachdem ich die Triggerwarnung gleich im ersten Satz abgesetzt habe, kann ich sofort offenbaren, dass mir diese relativ kurze und minimalistische Geschichte außerordentlich gut gefallen hat, sofern man natürlich von gefallen bezüglich so eines Themas überhaupt reden kann, sie hat mich aufgerüttelt und berührt.
Im Jahr 2024 tritt im fiktiven Kleinstaat Sandburg völlig überraschend das Weitmannschuldengesetz in Kraft, das vom gleichnamigen gekränkten Mann, einer Minderheit von anderen Männern und von weiblichen Verwandten erlassen wurde. In diesem Gesetz können Männer alles, was sie in den vergangenen sieben Jahren in Frauen „investiert“ haben, zu denen entweder ein Verwandtschaftsverhältnis besteht oder eine vorhergegangene Beziehung existierte, zurückfordern. Zahlbar innerhalb von vierzehn Tagen, ansonsten droht der Schuldnerin Entmündigung. Sehr bald sind auch viele bisher doch wertschätzende Männer begeistert, denn nun können sie sich einerseits schadlos halten und verändern andererseits das Machtgefüge in ihren Beziehungen durch permanente Erpressung und Drohung, das Gesetz in Anspruch zu nehmen. Die Regelung geht sogar so weit, dass Söhne von ihren Müttern irgendwelche Investitionen zurückfordern können.
Zuerst wird die Situation in Sandburg thematisiert und wie die Frauen auf die neue Situation reagieren. Das ähnelt frappant an die Juden in Deutschland, Österreich und Tschechien, die auch lange nicht wahrhaben konnten, was die Nazis mit Ihnen vorhatten. Verleugnung, Hoffnung, Verdrängung a la „mein Mann ist ein guter, der macht so etwas nicht“, Bitten um Gnade bei den Partnern und andere Strategien werden von den verzweifelten Frauen angewandt. Die unbegrenzte Macht des Patriachats und der Gruppendruck korrumpiert duch die Gesetzesänderung sehr schnell auch jeden vorher noch anständigen Mann.
Was die Feministin Gertraud Klemm über diesen Roman zu sagen hat, kann ich voll unterschreiben: „Vorsicht: Anna Herzig zeigt uns die allerhässlichste Unterseite des Patriachats: Wie eine Pathologin seziert Herzig die schwindende Menschlichkeit unserer Gesellschaft.“
Nach der Beschreibung der Vorgänge im Land fokussiert sich die Geschichte auf seine zwei Protagonistinnen, ein sehr ungleiches Geschwisterpaar: Greta und Elise. In deren beispielhafter, plakativer, persönlicher Familienbiografie der Kindheit geprägt von Gewalt, Missbrauch, Manipulation und Erpressung seitens des Vaters, wird letztendlich auch gesamtgesellschaftlich dann offenbar, wie sehr das Patriachat in Sandburg junge Mädchen schon generationenlang auf diese Welt von Männern für Männer vorbereitet hat. Der missbrauchende Vater wendet die gesamte dunkle Triade auf seine Familie an -sowohl auf die Mutter als auch die Töchter: Narzissmus, Psychopathie und Manipulation. So hat er auch die Geschwister gegeneinander ausgespielt und aufgehetzt und Greta gegen ihre Mutter aufgebracht.
"Es ist die Aufgabe des Ehemanns, die Gedanken seiner Frau zu lenken, damit sie nicht abtrünnig wird. Das ist keine große Neuigkeit. Wenn man will, dass sich die Frau fügt, muss man nur in liebevollen Momenten herausfinden, wovor sie Angst hat, um es dann gezielt gegen sie zu verwenden."
In der Notsituation, als die hochschwangere Greta die Frauenschulden an ihren Mann zurückzahlen soll, wendet sie sich hilfesuchend an ihre größere Schwester Elise. Sie sprechen sich erstmals aus, alle Geister der Vergangenheit kommen aufs Tapet und die beiden ungleichen Frauen versöhnen sich.
Anna Herzig malt nach Angabe des Klappentextes eine Zukunft, die ihre Grundlage im Jetzt findet und fragt: Was kostet es, eine Frau zu sein?
Hier sehe ich im gesamten Plotaufbau und auch in der Verwendung von Hashtags eindeutig eine indirekte starke Kritik am deutschen Selbstbestimmungsgesetz, in dem wir nun auch in der prekären Situation stecken, dass unsere weiblich geborenen Enkel, Kinder, und Patenkinder, weniger Rechte genießen werden, als Feministinnen der zweiten Welle sie für uns erkämpft haben. Die Autorin legt ihren Fokus dabei auf die Betroffenen, die wie immer sowohl in der Dystopie als auch in der Realität vom Patriachat wenig gehört werden, und das sind weltweit immer jene Menschen, die als weiblich geboren wurden.
Sprache und Schreibstil sind oft sehr verkürzt und eindringlich, fast wie ein Maschinengewehr prasseln die kurzen gehalt- und gewaltvollen Sätze auf die Leserschaft ein, das passt aber punktgenau zum Thema. Die Charaktere sind vielschichtig konzipiert und offenbaren erst nach und nach ihre Traumata und Verletzungen.
Auf die Imaginationskraft bezüglich der beschriebenen patriarchalischen dystopischen Gesellschaft in ganz naher Zukunft bezogen, ist ein Vergleich mit dem Report der Magd durchaus zulässig. Das ist aus meiner Position heraus ein großes Lob.
Fazit: Furchtbarer, verstörender, großartiger Roman über das Patriachat. Absolute Leseempfehlung!
Bewertet mit 4.5 Sternen Eine Dystopie auf weniger als 150 Seiten. Wer daran zweifelt, dass das möglich sein soll, wird von Anna Herzig mit "12 Grad unter Null" eines Besseren belehrt. Im kleinen Land Sandburg wird ein revolutionäres Gesetz verabschiedet. Männer dürfen nun von den Frauen in ihrem Leben, egal ob es die Mütter, Töchter, Ehefrauen oder Ex-Freundinnen sind, nach ihrem eigenen Gutdünken die Rückzahlung von Schulden fordern. Die schwangere Künstlerin Greta und ihre entfremdete Schwester Luise trifft diese Entscheidung ins Mark. Die Erzählung erinnert an eine Parabel, weniger an einen Roman. Ein Gleichnis in "kafkaesker" Sprache, das sich einem Land und einer einzelnen Familie bedient, um verschiedene Aspekte eines modernen Patriarchats zu entlarven. Das sind die Frauen, die offensichtlich physisch erniedrigt werden, diejenigen, die nicht wertvoll genug sind und diejenigen, die instrumentalisiert und gegeneinander ausgespielt werden. Und da ist die allgegegnwärtige Lüge, die besagt, dass Mann das Recht auf seiner Seite hat. Der Text liest sich wie ein düsteres Märchen. Die Metaphorik von Suppenlöffeln und Frauenknochen wird benutzt, um versteckte Wahrheiten in schneidende Bilder zu übersetzen. Anfangs liest sich das fremdartig. Man versteht nicht alle Details auf den ersten Blick. Während sich jedoch in Sandburg die Temperatur immer weiter dem Gefrierpunkt annähert, lichtet sich der Nebel und die einzelnen Fragmente der Geschichte, setzen sich langsam zu einem Mosaik zusammen. Diese Mosaik erschreckt und verstört gleichermaßen, verpasst es aber nicht, deutlich zu machen, dass zwischen all den Scherben, immer auch ein bisschen Hoffnung verborgen liegt. "12 Grad unter Null" ist eine scheinbar dystopische Geschichte, von der man sich fragen muss, inwiefern die Kategorisierung "dystopisch" tatsächlich zutreffend ist. Es handelt sich für mich nicht um eine vollständig ausgereifte Dystopie. Dazu bleiben innerhalb der Welt von Sandburg zu viele strukturelle Fragen offen. Das Szenario ist nicht komplett zu Ende gedacht. Beim Lesen wird mir immer wieder eiskalt. Das Buch macht allerdings deutlich, dass ein starkes Herz selbst jenseits der Null-Grad-Marke noch schlägt.
Fazit: "12 Grad unter Null" ist ein sehr eindrücklicher, eigenwilliger und mutiger Text, der seine Finger unerschrocken in zahlreiche Wunden legt. Es handelt sich um ein Buch, das zum Nachdenken anregt und im Gedächtnis bleibt, lange nachdem man es zur Seite gelegt hat. Der Autorin ist es gelungen, eine kluge und tiefgreifend durchdachte Geschichte zu schreiben, deren Bilder auf mehreren Ebenen funktionieren und die viel Raum zur Interpretation zulässt. Dabei bleibt diese Geschichte letztendlich keineswegs zu wage, sondern schiebt die Lesenden, ohne ihre Geheimnisse zu offensichtlich aufzudecken, mit der Nase voran genau dahin, wo es wehtut.
Ich habe ehrlich gesagt mehr erwartet. Tolle Idee und Sprache, aber etwas sparsam in der Umsetzung. Warum wurde das gesamte Konstrukt nicht noch etwas ausgebaut und unterfüttert?
Wie eiskalt und berechnend kann ein Mensch sein? . . . Well. — Stell’ Dir ein Land vor, das vom Geld regiert und von Männern bestimmt wird. Eine Gesellschaft, die Beziehungen in Geld aufrechnet. Und ein Gesetz, dass Männer berechtigt alles von Frauen zurückzufordern. — OK, nicht alles, aber alles, was sich in Geld aufrechnen lässt - also quasi ALLES. Was kostet uns dieses FRAUSEIN? . . .
»12 GRAD UNTER NULL« 🥶 von Anna Herzig spielt genau dieses Szenario durch.
Anna Herzig entführt uns in eine dystopische Zukunft 2024, in der im fiktiven Land Sandburg das Geld und mit diesem das Patrichariat regiert. Dies gipfelt in dem §5 des ‚Weitmannschuldengesetz‘ (sog. Frauenschuldengesetz), das Männern erlaubt, jede verschenkte, geborgte und investierte Summe in einer Beziehung an eine Frau auf einen Schlag zurückzufordern (unbedeutend festzustellen, dass die Legislative nicht mehr neutral ist: Die Nachweis-Art ist natürlich unbedeutend). Rechtsgrundlage: Männlich sein und Beziehung(en) mit Frau(en) geführt zu haben (, wobei das Gesetz für 7 Jahre zurück langt). Und Frauen, die der Geldforderung nicht nachkommen (können), werden via Gesetz entmündigt. 🤑
»„Zahl deine Schulden, Greta. Damit kannst du dir meinen Respekt wieder verdienen. Danach sehen wir, ob ich dich noch brauchen kann." Damit ließ er sie alleine in der Küche zurück, man konnte die Welten splittern hören.« (S.37)
Dass dieses Szenario innerhalb kürzester Zeit existenzbedrohend für Frauen jedes Alters wird, dass dies nicht nur heterosexuelle Paare auseinander treibt, sondern ganze Familien spaltet, dass diese Dystopie krass, hart, FLINTA*-verachtend und menschenunwürdig ist, aber ganz subtil daher kommt, macht sie noch krasser. 🥵
»Die schlimmste Dystopie war die, von der man nicht merkte, dass sie bereits zur Realität geworden war.« Greta (S.106)
In ihrem parabelhaften Roman legt die Autorin den Finger auf die Wunden unserer heutigen Gesellschaft: Femizide, finanzielle Ungerechtigkeiten & Unterschiede, das Patrichariat, Glaubwürdigkeit & Anzweifelungen — um nur ein paar zu nennen. Anna Herzig beschreibt ein wirkliches KRASSES Gedankenspiel 🤯, eine Dystopie, die hoffentlich niemals Realität wird.
»12 GRAD UNTER NULL« ist ein schmaler Roman, der mit einer Wucht 💥 daher kommt, die noch lange nachhallt. Pointiert, klug, mutig, mit scharfen, prägnanten Sätzen, starken Metaphern 🥣, Interpretationsspielraum und einer anderen Kapitelstrukturierung hat dieser Roman mich wirklich sehr beeindruckt, ein wenig verstört 🥵 und gepackt.
Große Leseempfehlung von mir für diesen HAMMER ROMAN ❤️🩹
---------------------------- Die Familiengeschichte in dem Buch war interessant und spannend aufgemacht; mit viel Raum für Diskussion (war eine gute Wahl für meine Bücherrunde). Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Das Buch entwickelt einen richtigen Sog, man möchte es einfach weiterlesen. Da es dünn ist, kann man es auch gut auf einen Sitz lesen. Der dystopische Teil des Buches begleitet mich immer noch. Schlichtweg da er so realitätsnah erscheint. Es ist etwas, das einfach tatsächlich so passieren kann. Daher finde ich es so schade, dass dieser Teil kaum vorkommt, für den Großteil der Handlung absolut unnötig war und nicht weiter ausgebaut und genutzt wurde. Eventuell schreibt Anna Herzig ja ein weiteres Buch, das in diesem Setting spielt – schön wäre es.
The family story in the book was interesting and exciting, with plenty of room for discussion (it was a good choice for my bookclub). I also really liked the writing style.
The book develops a real pull, you just want to keep reading it. As it's thin, it's also easy to read in one sitting. The dystopian part of the book is still with me. Simply because it seems so realistic. It's something that could actually happen. That's why I think it's such a shame that this part barely appears, was absolutely unnecessary for the majority of the plot and wasn't developed and utilised any further. Maybe Anna Herzig will write another book that takes place in this setting - it would be nice.
Greta ist im sechsten Monat schwanger. Das ist kein Grund zur Freude: Ein neues Gesetz erlaubt es allen Männern des Landes, jegliches Geld, das sie in eine Frau investiert haben, innert kürzester Frist zurückzuverlangen. Und Gretas Verlobter tut genau das – doch ihr fehlen die Mittel, um die Forderung zu begleichen. Konfrontiert mit der Kälte des Menschen, mit dem sie ihre Zukunft verbringen wollte, muss sie nach einer anderen Lösung suchen.
«12 Grad unter Null» ist eine grausame Dystopie, verfasst in poetischer Sprache. Man mag wenig Verständnis dafür aufbringen, dass Greta sich überhaupt ein Exemplar wie Henri zur Familienplanung ausgesucht hat, alles in allem bekommt man aber schöne Gilead-Vibes. Für mich hätten es gerne noch ein paar Seiten mehr sein dürfen.
Die Autorin Anna Herzig schreibt über eine Dystopie, die erst furchteinflößend und abwegig klingt, jedoch mit jeder Seite Parallelen zu unserer jetzigen Zeit erkennen lässt. Als in der Stadt Sandburg ein Gesetz erlassen wird, welches es Männern ermöglicht, von Frauen (Freundinnen/Müttern/Schwestern etc) all das Geld zurückzufordern, was sie ihnen gegeben oder geschenkt haben, sind die Frauen dem schutzlos ausgeliefert. Auch die schwangere Greta soll sich den Machtfantasien ihres Freundes unterwerfen. Sie wendet sich hilfesuchend an ihre Schwester und gemeinsam versuchen sie, ihre Kindheit aufzuarbeiten. Die Geschichte springt zwischen den Entwicklungen in der Gegenwart, die massive Eingriffe in die Selbstbestimmtheit der Frauen bedeuten und der Kindheit von Greta und Elise, welche in einem von psychischem Missbrauch geprägten Elternhaus aufwachsen. Der Stil wirkt manchmal fast märchenhaft beschreibend, dann wieder nur über Metaphern andeutend, in anderen Sätzen dann sehr direkt. Gerade zum Ende des Buches erzeugt die Autorin eine Spannung und einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Immer wieder schweifen die eigenen Gedanken zu einem ‚Was wäre wenn..‘ und man überlegt sich mögliche Konsequenzen aus diesem oder jenem, da das Buch aufgrund der eher geringen Seitenanzahl nicht alle Gedanken zu Ende führt. Einerseits sind die Inhalte zwar düster und teilweise harte Kost, andererseits zeigt das Buch auch auf, wie unabdingbar es ist, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen. Natürlich fallen auch immer wieder erschreckende Parallelen zu den aktuellen Ereignissen des Zeitgeschehens auf, von denen man manche für unmöglich und rückschrittlich hielt, die jedoch ganz konkret die Frauenrechte beschränken (siehe Abtreibungsverbote in div. Ländern). Insgesamt eine aufrüttelnde, spannende und erschreckende Erzählung, verpackt in einem tollen Cover.
Trotz der Kürze des Buches und der Familienstoryline („Die Suppe…“) war durch die Sprache und die Andeutungen eine starke, bedrückende Atmosphäre spürbar. Ein sehr starkes Buch, das unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhält und leider nicht so absurd wirkt, wie man (frau) es sich wünschen würde. Ich fand das Ende dabei auch super berührend und es stellt vielleicht einen Hoffnungsschimmer dar?
Sehr schöne Sprache und eine starke Idee. Ich hätte mir aber deutlich mehr world building gewünscht. Knappe 150 Seiten haben mir nicht gereicht, um mich in so eine schockierende Dystopie reinzudenken.
«HAST DU MIT DEINER . MUTTER . FREUNDIN . SCHWESTER . TOCHTER . ARBEITSKOLLEGIN
NOCH EINE RECHNUNG OFFEN? MACH SIE FERTIG, DAS GESETZ STEHT HINTER DIR ;=) #FRAUENSCHULDEN #WEITMANNSCHULDENGESETZ»
Eine beinharte Dystopie, bei der man gleich auf den ersten Seiten Schnappatmung bekommt! Ein kleines Land namens Sandburg erlässt ein neues Gesetz, dass jedem Mann nach § 5.1 des «Weitmannsschuldengesetz» erlaubt, jeder Frau, mit der er in verwandtschaftlicher Beziehung steht, jemals mit ihr anderweitig in Beziehung gestanden hat, «jede geschenkte, geborgte und investierte Summe» in Geldwert zurückzuverlangen. Die Rechtmäßigkeit der Forderung wird nicht inhaltlich geprüft, guter Leumund (den hat man als Mann) reicht aus. Obendrauf gibt es für jede Forderung eine staatliche Prämie.
«§ 5.1.2 Wenn die Frau/die Frauen dieser Aufforderung, die binnen vierzehn Tagen gerichtlich durchgesetzt werden kann, nicht nachkommt/en, wird ein permanenter Eintrag in die öffentliche Frauenschuldenliste (www.frauenschulden.gv.sa ) erfolgen, die es der Frau/den Frauen nicht mehr möglich machen wird, eigenständig · einen Miet-/Kaufvertrag abzuschließen, · Handelsgeschäfte jeglicher Art durchzuführen (Einkaufen in allen Varianten), · einen Dienst-/Werkvertrag zu unterzeichnen, · ein Bankkonto zu eröffnen, · Versicherungen abzuschließen, · die Scheidung vom Ehemann einzureichen, · eine eheliche Verbindung einzugehen, und sie somit de facto weitgehend entmündigt.»
Greta ist im sechsten Monat schwanger. Eigentlich ein Grund zur Freude, denn Greta und Henri haben lange Zeit versucht, Kinder zu bekommen. Doch Henri, Gretas Verlobter, verlangt seine Investitionen in Greta zurück. Bezahlen kann sie ihn nicht … Nein, er habe nicht die Absicht, sich zu trennen, er wolle schlichtweg zurück, was ihm zusteht, auch wenn Greta das gemeinsame Baby in ihrem Bauch trägt. «Es ist einfach ein bisschen geil, Macht zu haben.» 14 Tage habe sie Zeit. Greta ist entsetzt über Henris Kälte und Gleichgültigkeit.
«Nichts ist wichtiger als diese Suppe. Und der Gehorsam der Mutter. Beides, so sagt er gelegentlich, habe er mit der Heirat, als Ernährer der Familien, erstanden.»
Greta wendet sich an ihre ältere Schwester, nachdem Mutter und Schwiegermutter die Hilfe ausgeschlagen haben. Es folgen Rückblicke, die zeigen, in welch verstrickter Familiensituation die beiden aufwuchsen: der Vater als Sinnbild des Patriarchats. Die Mutter, die jeden Tag aufs Neue versuchte, ihren Ehemann nicht gegen sich oder die Töchter aufzubringen. Greta, das vom Papa verhätschelte jüngere Kind, die Mutter und Schwester überwachte, verpetzte, und Elise, die Ältere, die extrem unter dem Vater litt, eine Mutter die duckend unter dem Radar lief, um bloß nichts falsch zu machen. Die alle Demütigungen herunterschluckt. Die nicht die Familie verlassen konnte, weil ihr täglich gepredigt wurde, was dann passieren würde. Die femininen Teile der Familie, die vor dem Familienoberhaupt knien mussten, wenn dieser ein neues Familiengesetz verkündete. Eine toxische Familie, geprägt von patriarchaler Gewalt, Missbrauch und Manipulation. Frauen, die bereits als Kind auf Linie getrimmt werden, dem Mann zu gehorchen. Der Mann, der das Zepter in der Hand hat zu lenken, zu bestrafen, sollte einer die Linie übertreten, Denunziation zu loben. Mütter, die in ihre Söhne investiert haben, werden nun mit Forderungen der Söhne konfrontiert, für was auch immer, die es nun auf das Erbe der Mutter abgesehen haben. Das Halali ist geblasen, die Jagd auf die Frauen eröffnet. Eine verstörende Welt.
Anna Herzig schreibt in reduziertem Stil mit wuchtigen Leerstellen; die Verdichtung gibt dem Text die Kraft. Eine beklemmende Gesellschaft, die letztendlich die Frauen zu rechtlosen Individuen klassifiziert. Ohne Kapital keine Macht, mit Schulden eine Gesetzlose. Eine Dystopie – die, wenn wir ehrlich sind, allerdings mehr oder weniger in einigen Ländern dieser Welt ähnlich strukturiert ist. Eine nicht vorstellbare Form für unsere Gesellschaft, eine, die es dem Lesenden eiskalt den Rücken herunterlaufen lässt. Mancher Mann mag sich dabei die Hände reiben. Drum prüfe genau, bei welcher Regierung frau sein Kreuz macht!
Anna Herzig ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Künstlerin. Sie wurde 1987 als Tochter eines Ägypters und einer Kanadierin in Wien geboren. Herzig hat mehrere Bücher, u. a. bei Voland & Quist sowie beim Otto-Müller-Verlag veröffentlicht. Der Roman „12 Grad unter Null“ ist eines ihrer persönlichsten Werke. In ihrer eindringlichen, direkten Sprache lässt sie uns spüren, was es bedeutet, wenn die Gesellschaftsstrukturen, in denen wir leben, bis zum bitteren Ende gedacht werden.
Eine Dystophie, in der Frauen in die Armut getrieben werden
Bei dieser Geschichte ist mein Kopfkino gelaufen wie verrückt. Eine Welt, bei der Männer von Frauen Geld fordern können. Für alles, was sie jemals für die Frauen ausgegeben haben. Das alles, weil in dem fiktiven Sandburg ein Gesetz erlassen wurde. Das Weitmannschuldengesetz..
Fast jedes Kapitel beginnt mit *Die Suppe* oder *In Sandburg*. Eine Familie die aus einer Mutter und dem Vater der Töchter besteht. Das Wort Ehemann fällt hier eher nicht. Die Mutter achtet stets darauf, dass die Suppe für den Vater richtig temperiert ist. Elise ist die ältere Tochter. Der Vater ignoriert sie. Das Nesthäckchen Greta bekommt sehr viel Zuwendung vom Vater. Die Mutter und Elise können vor Greta nichts besprechen. Hat sie doch der Vater zu seinen Gunsten getrillt. Erst Jahre später merkt die Greta, dass auch sie keine echte Liebe vom Vater erhalten hat ....
Wie der informative Klappentext schon verrät, erwartet Greta ein Kind. Ihr Verlobter Henri nimmt das Gesetz in Anspruch, das Geld von Greta zurück zu fordern, welches er jemals für sie ausgegeben hat. Binnen 14 Tagen muss sie ihre Schuld begleichen ...
Der Schreibstil geht runter wie Sahne. Ein ernstes Thema poetisch verpackt. So eine Sprachgewalt vermutet man bei der Thematik nicht. Der geminderte Wert der Frauen hat mich sprachlos gemacht. Dem Vater der Töchter fehlte jeglicher Respekt gegenüber der Mutter. Die Beschreibungen dafür hat die Autorin in einer Art und Weise zu Papier gebracht, wie ich sie niemals zuvor gelesen habe. Das alles soll 2024 passieren. Moment .. wir schreiben gerade das Jahr 2023!
Die Tatsache, dass Frauen kontinuierlich in die Armut getrieben werden, ist unfassbar. Nicht nur Greta hat sich gefragt, wo der Mann ist, den sie einst geliebt hat. Wo sind die guten Männer geblieben? Warum werden Frauen nicht geachtet und beschützt? Besonders Gretas Besuch beim Gynäkologen hat mich sprachlos gemacht.
Fazit:
Bei dieser Dystopie gefriert einem das Blut in den Adern. Auszug aus dem Buch:
HAST DU MIT DEINER
. MUTTER
. FREUNDIN
. SCHWESTER
. TOCHTER
. ARBEITSKOLLEGIN
NOCH EINE RECHNUNG OFFEN?
MACH SIE FERTIG, DAS GESETZ STEHT HINTER DIR ;=)
#FRAUENSCHULDEN
#WEITMANNSCHULDENGESETZ (Seite 19)
Danke Anna Hertzig.
Kleine Anmerkung vonmir: Ich hoffe, dieses Gesetz wird nie im realen Leben in Kraft treten. Mein Mann inspiziert gerade meine überfüllten Bücherregale …….
„12 Grad unter Null“ von Anna Herzig ist sicherlich keine leichte Lektüre. Der Text hat es inhaltlich, wie auch sprachlich in sich, fordert seine Leser:innen heraus und ist doch auch aufgrund der wenigen Seiten beeindruckend auf den Punkt geschrieben. Anders als der Klappentext vermuten lässt, handelt es sich in meinen Augen nicht nur um ein Dystopie. Neben dem zukünftigen fiktiven Sandburg und dem dortigen neuen Frauenschuldengesetz, gibt es einen ebenso stark gewichteten Erzählstrang aus der Vergangenheit der Schwestern Greta und Elise. Hier fokussiert sich die Autorin auf die Darstellung einer zutiefst von physischer und psychischer Gewalt geprägten Beziehung. Die Schrecken und das Grauen von beiden zeitlichen Perspektiven sind unfassbar greifbar und sorgen beim Lesen für starke Emotionen. Auch wenn die Autorin manches in Sandburg wirklich auf die Spitze treibt, steckt doch auch viel unserer heutigen Wahrheit und den tatsächlichen Auswirkungen von Patriarchat und Misogynie in ihrer Geschichte. Für mich war der Roman auch deshalb ein eindrückliches Leseerlebnis auf hohem Niveau. Stellenweise hätte ich mir allerdings noch etwas mehr Kontext gewünscht, da Einiges nur angedeutet wird und so beim Lesen das Gefühl entsteht, nicht alles mitbekommen zu haben. Insgesamt vergebe ich gute 4 Sterne und eine Empfehlung für alle, welche sich auch an anspruchsvollere, feministische Werke herantrauen.
Manchmal lieb ich's ja, wenn Bücher mich wütend machen, solange es nur eine produktive, zielgerichtete Wut ist und kein vom Schreibstil ausgelöstes, diffuses Unwohlsein. "12 Grad unter Null" hat mich wütend gemacht, und zwar auf die beste Art und Weise.
Wir sind in Sandburg, einem fiktiven Staat, in dem es Männern ab sofort erlaubt ist, alle, was sie in den vergangenen sieben Jahren monetär in Frauen investiert haben, zurückzuverlangen. Partnerinnen, Mütter, Schwestern, Töchter - eine ganze Bevölkerungsgruppe wird mir nichts, dir nichts in den Ruin getrieben. Aufgebrochen wird dieses gegenwärtige, dystopische Narrativ von Rückblenden in eine Familie, in der der Vater sich manipulative, patriarchale Machtstrukturen zueigen macht, um sich gegenüber seiner Frau und seinen Töchtern zu profilieren. Und das so toxisch, so abstoßend echt, dass ich beim Lesen mehr als einmal tief durchatmen musste, um in der Öffentlichkeit Fassung zu bewahren.
Wie aber war das Buch im Ganzen? Ich würde sagen: Richtig gut, aber mit Schwächen. Ich habe die Rückblenden dafür geliebt, wie ehrlich, emotional und graphisch sie waren, wie skrupellos sie Familienstrukturen beleuchten, die so vielen Menschen zumindest in abgeschwächter Form bekannt vorkommen dürften. Die Erzählung von Sandburgs neuem Frauenschuldengesetz allerdings war mir zuweilen etwas dünn, wirkte nicht ganz zu Ende gedacht, war mehr eine treffende Parabel als die auserzählte Dystopie, die einen der Klappentext erwarten lassen könnte.
Nichts desto weniger: Ein tolles, feministisches, sprachgewaltiges Buch, das mich so wütend gemacht hat, wie es zuletzt nur Mareike Fallwickl geschafft hat.
Vielen Dank an den Haymon Verlag für das Rezensionsexemplar.
Beklemmung und Wut. Das habe ich während des Lesens von Anna Herzigs Roman »12 Grad unter Null« gefühlt. Und diese beiden Gefühle begleiten mich auch hinterher noch eine Weile, wenn ich an den Roman denke. 💥
»Die schlimmste Dystopie war die, von der man nicht merkte, dass sie bereits zur Realität geworden war.« S. 106
In dem fiktiven Staat Sandburg regiert 2024 das Geld. Das Patriarchat zeigt sich von seiner hässlichsten und grausamsten Seite. Ein neues Gesetz erlaubt es Männern, jegliches Geld, was sie in den letzten sieben Jahren in Frauen investiert haben, auf einen Schlag zurückzufordern – ganz gleich, ob es sich um (Ex-)Partnerinnen oder Familienangehörige handelt und ein Geschenk oder eine Investition für den gemeinsamen Haushalt war. Bei Zahlungsunfähigkeit verliert die Frau alle Rechte. Durchbrochen wird die Geschichte von Rückblenden in die Kindheit der beiden Schwestern und Protagonistinnen Greta und Elise. Im Zentrum der Familie steht der Vater, als Patriarch und alleiniger Herrscher. Das Familienleben ist toxisch, geprägt von Manipulation, Gewalt und Erniedrigungen. Es fällt schwer, beim Lesen ruhig zu bleiben – so erschütternd und sprachgewaltig sind Herzigs Schilderungen.
Auf gerade mal 142 Seiten hat Herzig eine dystopische Welt entworfen, die einem skurrilen Alptraum gleicht und die Leserschaft mit der Frage zurücklässt: Wie realitätsfern sind wir diesem Zukunftsentwurf wirklich? Ich muss gestehen, das oben beschriebene Gesetz wirkte für mich teilweise nicht ganz schlüssig und zu Ende gedacht, sodass ich den Roman eher als Parabel verstehe.
Dennoch ist Herzig mit »12 Grad unter Null« ein starker Roman gelungen, der dich packt und nicht mehr loslässt. Sprachlich eine Wucht. Poetisch und dennoch mit einer enormen Ausdruckskraft. Trotz der kurzweiligen Lesedauer hallt der Roman nach. 💥
TW: physische und psychische Gewalt, sexuelle Nötigung. Hinweis zu möglichen Triggern auch im Buch enthalten.
Trotz meiner Liebe zu Dystopien kam ich mit dem Buch gar nicht zurecht. Es lag weit außerhalb meiner Komfortzone und so sehr ich mühte und streckte bekam ich die Geschichte nicht zu fassen.
Eine schwer zu ertragene Erzählung voller Gewalt, in der patriarchale Macht und misogynes Verhalten auf die Spitze getrieben werden. Die Sprache teils übertrieben bildhaft, sezierend, lässt kein Luftholen zu und dann wieder so verschleiernd, dass ich oftmals nach dem Sinn suchen musste.
Wahnsinnig starkes und sehr beklemmendes Buch. Leider sind solche "Dystopien" nicht mehr wirklich dystopisch, sondern gefühlt nur noch eine Wahl von der Realität entfernt, was einfach sehr beängstigend ist. Hat mich einfach sehr abgeholt und find den Schreibstil auch sehr toll, auch wenn ich ganz ehrlich sagen muss, dass ich einige Metaphern einfach nicht verstanden habe. Fand's trotzdem toll.
Rahmenhandlung: Im fiktiven Sandburg ergeht 2024 ein Gesetz, das es Männern ermöglicht, von Frauen mit denen sie verwandt sind oder eine Beziehung hatten, sämtliche Investitionen binnen kürzester Frist zurück zu fordern. Kommen die Frauen dem nicht nach, verlieren sie sämtliche Bürgerrechte. Vor dieser Folie wird abwechselnd retrospektiv und linear die Geschichte der Schwestern Greta und Elise und ihrer Mutter erzählt, die unterschiedlich unter dem Patriarchen (nur bezeichnet als “der Vater der Mädchen”) zu leiden hatten. Experimenteller Aufbau -Dystopisches Setting in der Rahmenhandlung, wohingegen die Schilderung der früheren Familiensituation realistisch und heutig sein könnte. Die Frauenfiguren sind durchweg ambivalent gezeichnet, gleichzeitig Täter und Opfer. Die (wenigen) Männer nur eindimensionale Abziehbilder (gemein und dumm). Besonderheit: Ineinandergreifen von Außen- und Innensichten der beiden Schwestern, sodass sich insgesamt ein nachvollziehbares Bild von interfamiliären Gewaltverhältnissen ergibt.
Lesenswert - auch gut zu lesen - interessante Ansätze - aber ingesamt für meinen Geschmack zu platt, die Schuld letztlich nur auf die Gewaltsamkeit (Grausamkeit) der Männer zurückzuführen.