Glenraven ist ein sehr interessantes Land, das von Marion Zimmer Bradley und Holly Lisle erschaffen wurde. Die Landschaftsbeschreibungen und die Darstellung der Lebensweise sind sehr gelungen. Es wirkt wie ein Paradies, in dem die Zeit stehen geblieben ist, denn es herrschen die Hygienebedingungen des Mittelalters.
Leider sind die Ortsnamen sehr gewöhnungsbedürftig, deshalb war es sehr schwer, den Überblick zu behalten. Eine Karte des Landes wäre hilfreich gewesen.
Auch die Rassenstruktur des Volkes ist zu Anfang sehr schwer zu begreifen, später ist es allerdings verständlicher erklärt.
Die Geschichte an sich ist sehr gut erzählt. Die Titelheldinnen sind mit ihrem bisherigen Leben nicht zufrieden. Man kann die Verzweiflung und die Hoffnungslosigkeit der Frauen sehr gut nachempfinden. Beide haben in den letzten Jahren sehr viele Schmerzen erdulden müssen. Während Jayjay eigentlich nur den engstirnigen Menschen des Ortes, die sie nur noch als Flittchen betrachten, entfliehen will, hängt Sophie gar nicht mehr am Leben. Sie ist sich sicher, dass sie in Glenraven sterben wird.
Neben den gut gezeichneten Hauptcharakteren, gibt es auch interessante Nebenakteure, von denen man gerne mehr erfahren würde. Der Machnan-Magier Yemus tut einem sehr leid.
Für sein Volk schafft er das Buch, welches sich als Reiseführer tarnt und ihn befiehlt, nach Amerika zu reisen. Viele Jahre wartet er dort, dass sich die Heldinnen zeigen, während in Glenraven seine halbe Familie ausgelöscht wird. Und als er zurückkommt, wird er auch noch von seinem eigenen Volk eingesperrt, da diese annehmen, dass die Helden mit Aidris unter einer Decke stecken.
Die verschiedenen Zauberwesen Glenravens sind sehr gut beschrieben, auch die Geschichte des Landes ist spannend. Die einzelnen Rassen haben wohlklingende Namen und auch ihr Aussehen wird anschaulich beschrieben, so dass man sie sich sehr gut vorstellen kann.
Insgesamt kommen die Wesen des verzauberten Landes allerdings zu kurz, während die beiden Hauptfiguren etwas zu stark in den Vordergrund rücken. Auch zum Schluss ist die Welt noch ein kleines Rätsel, da man nur einen sehr geringen Einblick in sie bekommen hat. Vielleicht ist auch dies die Absicht der Autorinnen gewesen, da sie die meisten Kapitel aus der Sicht von Jayjay und Sophie erzählen, die ohne wirkliches Wissen von einem Abenteuer ins nächste stürzen. Hoffentlich erfährt man im nächsten Teil noch mehr über Glenraven und seine Bewohner.
Der Schreibstil des Buches ist sehr gut. Lebendig und mit Liebe zum Detail werden Landschaften, Räume und Wesen beschrieben.
Auch die Gefühlswelt der Charaktere wird gut dargestellt.
Insgesamt ist Glenraven ein fantasievolles Buch voller interessanter Ideen und einer tollen Geschichte.