Ein halbes Jahrhundert musste vergehen, bis das 1939 im Exil geschriebene Werk veröffentlicht werden konnte. Der Roman ist dabei mehreres zugleich und ineinander verschänkt: ein Roman der 30er Jahre, von der Machtübertragung an die Faschisten bis in die harten Zeiten des Exil. Es ist auch eine Rezeption der im Exil gelesenen Schriften des revolutionären Sexualaufklärers Wilhelm Reich. Weiterhin lässt es sich ebenso als einen Schriftstellerroman lesen, der sich um das Gelingen und Scheitern des schriftstellerischen Schaffensprozesses dreht. Daraus einen homogenen und in sich schlüssigen Roman zu schaffen scheint mir nur teilweise gelungen; über längere Strecken zieht sich die Lektüre doch etwas und dabei sind nicht einmal die eingebauten langen Traktate im besten freudo-marxistischen Sinne, die auf die SexPol und das Vorbild Wilhelm Reich verweisen, die sich kritisch mit der Ökonomie der Liebe und deren Machtverhältnisse beschäftigen, sondern es ist eher die erzählerische Umsetzung der Theorie in die Praxis. Trotz aller Kritik an den existenten Rollen und dem Bruch mit so vielen bürgerlichen Familienverhältnissen, reproduziert er patriarchale Muster scheinbar unhinterfragt wie selbstverständlich immer wieder. So als eine der Freundinnen Helmut Brands, Hauptprotagonist und Alter Ego des Autors, schwanger ist, rät dieser ganz rigoros zur Abtreibung und als er Brand im Pariser Exil mit zu viel weiblicher Selbstständigkeit konfrontiert wird, zieht sich dieser zurück und sucht sich eine jüngere Bedienstete, die er weiter prägen könnte. Leider sind die Beispiele zu zahlreich und zu systematisch und die Kritik am Patriarchat zu wenig vorhanden, als dass das kritisch gewertet werden könnte - es steckt dann eben doch eine Portion zu viel Freud in diesem Text und zu wenig Alexandra Kollontai, um einen zeitgenössisch bekannten Vergleich zu wählen. Der Namensgeber des Romans, Prometheus, ist zugleich auch das Buchprojekt Brands. Nicht allzu weit vom Goethe'schen Promtheus entfernt ist dieser die Figur der Aufklärung schlechthin. In diesem Falle der Sexualaufklärung, der, ganz wie Helmut Brand, munter zur Tat schreitet "Wie lange spielt Prometheus mit der Venus von Cirene? Was lehrt er sie? Und gelingt es ihm endlich, ihren Marmorleib zu beseelen mit seinem Feuer" (428) 'Feuer' im sexuellen Sinn ist es eben, was der neue Prometheus bringt und worin der antike Mythos freudianisch neugelesen werden kann. Diese Auseinandersetzung, die durchaus umfangreich stattfindet, lassen diesen Roman schließlich doch auch heute noch lesenswert erscheinen. Die aufzuklärende Sexualität wirkt schließlich über Freud hinaus - der Ausschluss Reichs aus der Psychoanalytischen-Gesellschaft wird bei Helmut Brand im Pariser Exil bei den unzureichenden Aussichten auf Stellen nochmals nachgezeichnet - und bilden sich als befreiendes Element ab, als den wesentlichen Kern der Reich'schen Arbeit.