Sprechen wir es aus: Wir wollen endlich wissen, wie ein Hering sich fühlt im kalten Ozean. Wir begehren zu verstehen, wie es ist, eine Schabe zu sein, voller Sehnsucht nach Nähe zum Menschen und so grausam von ihm bestraft. Auch möchten wir herausbekommen, was uns die Wellensittiche wirklich sagen wollen mit vielen Worten. Wir sind voller Sehnsucht nach den Offenbarungen der Tierseele, nach ihrem Tiefinneresten, nach dem Warum des gepanzerten In-sich-Gekehrtseins aller Krokodile, der Pickelhäutigkeit der Kröten, der nervösen Intellektualität des Pudels, der genzjährigen Sexsucht des Hasen. Wie aber können wir es erfahren? Wir müssen etwas Neues schaffen und neben die erfahrungsorientierten Tierwissenschaftenstellen: eine Tierkunde voller Einfühlsamkeit, eine zart empfindende Zoologie für den tieferen, lebenden, aber doch psychologisch geschulten, den der Empathie fähigen Menschen. Wir brauchen eine zeitgemäße, nicht bloß simpel-körperliche, sondern geistige Nähe von Mensch und Tier, ein Miteinander im Gefühl.
Axel Hacke lebt als Schriftsteller und Kolumnist des Süddeutsche Zeitung Magazins in München. Berühmt ist seine Kolumne „Das Beste aus aller Welt", die er seit Jahrzehnten jede Woche darin veröffentlicht. Er gehört zu den bekanntesten Autoren Deutschlands, seine Bücher wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Seine Arbeit wurde unter anderem mit dem Joseph-Roth-Preis, zwei Egon-Erwin-Kisch-Preisen, dem Theodor-Wolff-Preis und zuletzt dem Ben Witter-Preis 2019 ausgezeichnet.
Eine wunderbare Essaysammlung über Verschrobenheiten so mancher Tierchen, ihrer versteckten Befindlichkeiten und (wahr, erfunden, völlig egal) Details über ihr Leben. Ein magischer Realismus, wie er im Buche steht.