Wenn man beginnt das Buch zu lesen, erwartet man ja schon Furchtbares. Trotzdem habe ich mich zwischendurch immer wieder gefragt, wieso ich mir das antue, hatte Bauchschmerzen, musste es ein paar Mal weglegen um durchzuatmen. So verstörend ist das Ganze.
Die Autorin macht klar, wie alltäglich Kindesmissbrauch ist und wie weit außerhalb des Vorstellbaren es für Menschen liegt, dass selbst deutliche Zeichen sie nicht misstrauisch machen. Das will man sich einfach nicht vorstellen.
Alles an Monikas Geschichte ist tragisch und unverständlich.
Das kann man als Außenstehender wohl einfach nicht verstehen.
Wie sie sich jahrelang eingeredet hat, ihr Vater hätte es auch nicht leicht, wie sie sagt, dass sie ihren Vater heute noch liebt obwohl seine Liebe sie zerstört hat. Ihr Bruder Georg, der sich das Leben genommen hat um Aufmerksamkeit auf die, nach außen hin, perfekte Familie zu ziehen und seinen Geschwistern zu helfen.
"Kein Papa würde kommen und mich schützen ... Es war mein Papa selbst, der das Ekelhafte mit mir tat. Und wenn er es mit mir tat, musste es ja richtig sein." "Ich war doch sein Engelchen. Er hatte mich doch lieb."
Der Vater, der überall beliebt und angesehen ist. Die Mutter, selbst vom Vater misshandelt, will von Nichts wissen ist aber eifersüchtig weil ihr Mann lieber mit der Tochter schäft.
Das sind Eltern, die den Kindern vermitteln wie wertlos sie sind, überflüssig und ungewollt. Die sie im Kinderzimmer einsperren bevor das Stöhnen durch die Wohnung hallt. Während die Mutter sich mit Hilfe des kleinen Bruders entspannt, kommt der Vater zu ihr ins Kinderzimmer, dass sie sich zu viert teilen, mit Möbeln vom Sperrmüll, weil der Vater das Geld für Swingerclubs und Pornos ausgibt.
Sie und ihre Geschwister hatten ein furchtbares Leben. Und dazu kommt der Missbrauch.
Der ist Tabu, weil sie sich dafür schämt, dass er es tut und er ihr einredet, sie wäre Schuld, dass er sie so sehr liebt, ihn verrückt macht. Sie traut sich nicht etwas zu sagen und wenn doch, bekommt sie zu hören, sie solle sich schämen so etwas zu sagen. Keiner erkennt den Zusammenhang zu dem kleinen Mädchen dem es nicht gefallen hat, wie Papa mit ihr spielt.
Irgendwann gibt es keine Hemmungen, Monika muss Lederklamotten tragen wenn sie windelweich geschlagen wird, die Brüder dürfen zusehen, die Mutter wird zum Callgirl. Töchtertausch, Swingerclub - seine Gier sie zu besitzen, zu benutzen wird unersättlich.
Der Bruder kümmert sich so gut er kann, kann aber nie wiedergutmachen, dass er gezeugt wurde. Die Kinder werden kaputt gemacht, krank, besessen. Bis sie übernehmen, was der Vater ihnen vorgelebt hat.
Es ist explizit, erschreckend, ekelhaft, furchtbar. Aber auch wichtig.
Der Schreibstil hat mich hier teilweise gestört. Ich hatte einfach das Gefühl, dass so ein sensibles Thema anders verpackt werden sollte. Aber eindringlich ist es.
"Ich weiß nicht genau, wie alt ich war - aber ich weiß noch sehr genau, wie klein ich war. Alles an mir war klein, innen und außen. Nur mein Schmerz war groß."