Hatice Açıkgöz schreibt, dichtet und erzählt in diesem poetisch-fiktiven Tagebuch von Kindheit und Jugend, und von den Diskriminierung in Schule und sozialem Umfeld. Es geht ums Erwachsen-Werden und Erwachsen-Sein, um private und öffentliche Begegnungen mit allen ihren Vorurteilen und Zuschreibungen und um die Spuren, die diese im eigenen Sein hinterlassen. Die tiefen, berührenden und zugleich humorvollen Texte laden basics – die weißen Deutschen, die sich selbst bisher nicht mit ihren Privilegien beschäftigt haben – ein, das eigene Wahrnehmen und Urteilen zu hinterfragen. Fancys – Menschen, die Marginalisierung als biografische Größe in sich tragen – werden durch die starken, selbstbewussten Texte empowert. Hatice Açıkgöz vermag es die Aufmerksamkeit auf schwere Themen wie Scham, Schmerz und Ausgrenzung zu lenken und gleichzeitig selbstbewusst und klar daraus hervorzutreten. fancy immigrantin ist die starke und kraftvolle, genaue und respektvolle neue Stimme der beginnenden 20er Jahre und trifft damit mitten ins Herz der Gesellschaft.
Sehr persönlich, gut geschrieben, sodass man nachempfinden kann. Viele Gedanken und Emotionen habe ich aus ein oktopus hat drei herzen wiedererkannt. Die beiden ergänzen sich gut, füllen gegenseitige Lücken. "ein poetisches tagebuch" beschreibt es eigentlich perfekt.
tw/cw: Armut, Diskriminierung, Rassismus, Mikroaggressionen, Depressionen und Angst (erwähnt, nicht ausführlich)
Das Buch von Hatice Açıkgöz ist eine Art Tagebuch, allerdings poetischer und gestückelter und umfasst einen großen Zeitrahmen. Die Autorin schreibt witzig und wütend/ anklagend zugleich, stellt neue Fragen und erfindet nebenbei quasi eine neue Sprache. Sehr energetisch, sehr frisch, sehr lesenswert.
Hatice Açıkgöz hat mit "fancy immigrantin" ein poetisches Tagebuch geschrieben, ein Tagebuch, das nicht einzelne Tage abhandelt, sondern prägende Erlebnisse in ihrem Leben. Es geht dabei um Momente des Ausgegrenzt-Werdens, des Alltagsrassismus, Momente des Staunens über Vorurteile. Es geht auch um konkrete Gewalterfahrungen, verbal und physisch. Oftmals wird ein Abschnitt mit der Frage der Bedeutung beendet - was ist denn nun kulturelle Vielfalt, was ist Empathie, was ist Freiheit? Die Kombination der Texte mit persönlichen Fotos und unterschiedlicher Seitengestaltung führt dazu, dass es sich nicht nur wie ein Tagebuch anfühlt, sondern auch so aussieht.
In den Texten unterscheidet die Autorin zwischen den fancies, Menschen mit Migrationshintergrund oder deren Allys, und den basics, Menschen, die der Dominanzgesellschaft angehören bzw. sich ihr anpassen. Diese Unterscheidung trifft Açıkgöz nicht nur, um Diskriminierungserfahrungen zu schildern, sondern auch, um basics die Chance zu lernen zu geben.
Ich war schon vorher Fan von Hatice und bin es nun noch mehr. Sie versteht es, krasse Erfahrungen und Emotionen mit wenigen Worten auszudrücken und bewirkt, dass ich nie genug bekommen kann. Ich würde mir wünschen, dass sie niemals aufhört zu schreiben - doch noch mehr wünsche ich mir, dass die von Hatice geschilderten Strukturen und Gefahren sich wandeln in eine empathischere, gewaltfreie Welt. So lange es Bücher wie diese gibt, habe ich Hoffnung.
so wichtig, so wunderschön geschrieben, so berührend.
in ihrem poetischen tagebuch findet hatice klare worte, um diskriminierung und rassistische gewalt zu beschreiben. auf eine einzigartige weise schreibt sie über erfahrungen, die migrantische und migrantisierte menschen jeden tag machen. als weiße person ohne sichtbare migrationsgeschichte fühle ich mich schuldig, dass hatice dieses buch schreiben musste und bin ihr dankbar, dass sie es getan hat. ich habe so viel gelernt.
Dieses Buch habe ich gerne gelesen. Es nimmt ein Tagebuchartiges format an mit Lyrik, Briefe und Rückblicke. Die Autorin verarbeitet Rassismus, Zugehörigkeit, Schmerz und Selbstermächtigung. Die Gegenüberstellung von Fancys (sensibilisierte, ausgegrenzte Menschen) und Basics (weisse, privilegierte Mehrheitsgesellschaft) zieht sich als zentrales Motiv durch das Buch. Açıkgöz schreibt ehrlich, wütend und verletzlich.
Sehr lesenswertes Buch, tolles Format. Ich durfte viel lernen. Mit der neu erfundenen Rechtschreibung (inklusive Form des Genderns) bin ich jedoch nicht gut zurecht gekommen. Meinen Lesefluss hat es gestört.
so inhaliert, geh mit irgend einem neuen gefühl aus dem buch raus
denn was ist ein poetisches tagebuch, wenn nicht so ehrlich und verletzlich, persönlich und politisch, treffend und traurig, und irgendwie alles aufeinmal