Nach Wie ein Flügelschlag ist Schwarz wie Schnee das zweite Buch, dass ich von Jutta Wilke lesen durfte. Die Autorin hat es mit ihrer direkten Sprache, die einfach immer unter die Haut geht, auch diesmal wieder geschafft, mich zu begeistern. Schwarz wie Schnee handelt von Kira, die durch einen Unfall ihr Gedächtnis verloren hat. Normalerweise müsste sie sich nach und nach an ihr Leben erinnern, aber weder ihr Zimmer, noch ihre Mutter oder Freunde lösen ein Wiedererkennen aus. Das ganze Buch hinweg spürt man Kiras tiefe Verzweiflung darüber und so ist es nicht verwunderlich, dass die Suche nach der Wahrheit das zentrale Thema des Romans ist. Es entwickelt sich, nicht zuletzt durch die direkte Sprache, eine intensive Bindung zu Kira, weil sich die Begebenheiten in dem Buch immer stärker zuspitzen und die Wahrheit so wichtig für Kira wäre. Das geht so weit, dass man auf der einen Seite nicht zu lesen aufhören kann, auf der anderen aber schon fast Angst davor hat, was Kira geschehen könnte.
Kira ist ein toller Charakter. Ihre Verzweiflung kommt echt herüber und sie scheint von Grund auf ein netter Mensch zu sein. Es ist total verwirrend sie in ihrem "alten Leben" zu sehen, das so gar nicht zu ihr zu passen scheint. Sie backt einen Kuchen, obwohl sie das gar nicht kann und stößt damit auf Unverständnis bei ihrer Mutter, sie findet Telefonnummern, die ihr nichts sagen und kann sich mit ihrer Kleidung so gar nicht anfreunden. All das verstärkt den eindringlichen Charakter des Buches, denn man muss unbedingt erfahren, wie sich alles zusammenfügt. Kira ist an manchen Stellen wirklich sehr naiv, was aber nur noch unterstreicht, wie sehr sich ihr Charakter verändert hat. Die "alte Kira" würde sich nie so naiv verhalten, das wird durch die nach und nach auftauchenden Informationen schnell klar. Toll fand ich, dass das Buch aus Kiras Sicht geschrieben wurde. So kamen ihre Ängste viel intensiver rüber und man hat immer nur ein begrenztes Wissen, genau wie die Protagonistin. Allerdings verschafft sie dem Leser auch einen gelungenen Blick auf die Nebencharaktere und liegt mit ihrer Einschätzung manchmal falsch. Ihre Eindrücke sorgen auch dafür, dass der Leser mehr als einmal falsch über einen Charakter urteilt und erst später seinen Irrtum bemerkt.
Schwarz wie Schnee ist so spannend geschrieben, dass man gar nicht dazu kommt, das Buch wegzulegen. Da Kiras Erinnerungen nicht zurück kehren und man nur mit ihr zusammen immer mehr Informationen über ihr Leben bekommt, sie sich überhaupt nicht mit Kiras Charakter vereinen lassen, steht man als Leser genau wie Kira schnell vor einem Rätsel.
Leider war das Finale recht vorhersehbar, aber die tolle Atmosphäre, die genial gezeichneten Charaktere und der tolle Stil der Autorin lassen das ganz schnell vergessen.
Bewertung
Schwarz wie Schnee hat mich komplett überzeugt. Ich habe das Buch praktisch in einem Rutsch gelesen, weil ich es einfach nicht unterbrechen konnte. Die Wendungen der Geschichte kommen mehrfach so unerwartet, dass es einfach nur große Freude bereitet, das Buch zu lesen und sich mit Kira auf die Suche nach der Erinnerung zu machen. Alles in allem also ein sehr packender Jugendroman.