Eli ist eine Protagonistin, die man sofort ins Herz schließt. Sie führt eine eigene Einrichtung für Kinder, die auf Pflegefamilien warten, und hängt mit ganzer Seele an dieser Aufgabe. Um die drohende Schließung abzuwenden, ist sie bereit, alles zu tun – auch sich auf eine Fake-Beziehung mit Daniel einzulassen. Ihr eigenwilliger Kleidungsstil, ihre offene Art und ihre Neigung zu kleinen Katastrophen machen sie unglaublich sympathisch, fast wie ein kleiner Wirbelsturm. Man fragt sich zwar manchmal, wie eine Person so viel Chaos anziehen kann, aber genau das ist ihr Charme.
Daniel alias „Dr. Grumpy“ wirkt anfangs wie der klassische arrogante Arzt, der Eli am liebsten aus seinem Leben verbannen würde. Doch unter der Fassade steckt ein verletzter Mann, der seit Jahren unter seinem strengen Vater leidet und sich ständig mit seinem „perfekteren“ Cousin vergleicht. Seine Ex-Verlobte hat ihn verlassen, seine Familie setzt ihn unter Druck – kein Wunder, dass er eisig und kontrolliert wirkt. Erst durch Eli lernt er, dass er genug ist, ohne sich ständig beweisen zu müssen. Diese Entwicklung hat ihn für mich zu einem sehr vielschichtigen und nahbaren Charakter gemacht.
Die Nebenfiguren sorgen für Wärme und Auflockerung: Chloe, Elis beste Freundin, unterstützt sie bei allem, und die Kinder aus der Einrichtung bringen Herz und Unschuld in die Geschichte. Daniels bester Freund Liam gibt ihm immer wieder kleine Schubser in die richtige Richtung, während seine Schwester Clair als einzige Vernünftige der Familie heimlich eine Beziehung mit Liam führt – ihr gemeinsames Durchbrennen ist ein kleines Highlight. Im krassen Gegensatz dazu stehen Daniels restliche Familienmitglieder, die von Geld und Kälte geprägt sind und mit ihren „Weisheiten“ eher Kopfschütteln als Respekt ernten.
Die Atmosphäre spiegelt diese Gegensätze perfekt wider. Bei Eli spürt man von Anfang an Wärme, Herzlichkeit und Chaos. Bei Daniel herrscht zunächst Kälte, Distanz und Emotionslosigkeit. Szenen mit Daniels Familie sind immer eisig und beklemmend, egal aus welcher Perspektive, während die Szenen mit den Kindern in Elis Einrichtung warm, freundlich und herzlich wirken. Je mehr Eli in Daniels Leben tritt, desto mehr verändert sich auch sein Ton – seine Welt wird bunter und weicher.
Die Fake-Beziehung zwischen den beiden startet als reiner Deal und entwickelt sich langsam zu etwas Echtem. Anfangs prallen zwei Welten aufeinander, was für viele Sticheleien und unterschwellige Anziehung sorgt. Besonders charmant sind die kleinen Regeln, die die beiden auf einer Serviette festhalten – natürlich nur, um sie später zu brechen. Kuscheln wird gefährlicher als Sex, weil es ihre Gefühle tiefer macht, als beide geplant hatten. Eli bringt Daniel dazu, seine Mauern fallen zu lassen, während er ihr zeigt, dass auch Chaos wertvoll sein kann.
Fazit: You Color My Soul ist eine süße und gleichzeitig tiefgründige Romance, die zeigt, wie Gegensätze sich ergänzen können. Eli bringt Wärme und Chaos in Daniels kontrollierte Welt, und er lernt, dass Gefühle keine Schwäche sind. Der Kontrast zwischen der Kälte von Daniels Familie und der Wärme von Elis Einrichtung hebt die Botschaft hervor: Familie findet man oft dort, wo man sie sich selbst schafft. Für mich eine herzerwärmende Mischung aus Humor, Fake-Dating und echter Romantik, die noch lange nachhallt.