Eigentlich kein Roman, sondern eine Sammlung von Kolumnen, Kurzgeschichten und Essays, alle ziemlich lose miteinander verbunden zum Thema "Wie (er)lebte ein Intellektueller in der CH zwischen 1950 - 1970". Die einzelnen Kapitel sind sehr uneinheitlich und auch stilistisch unterschiedlich. Vieles ist weltläufig. etliches provinziell, Manches sperrig und klotzig, einiges utopisch, seltener fahrig, mitunter zerrissen, oft humorvoll, Letzteres meist auf eine schartig keilige Weise, gelegentlich träumerisch, ab und an surreal und vereinzelt sogar melancholisch. Zusammengefasst, der Author ist stark I'm Deutschweizer Wesen verwurzelt. Die Folge ist, dass einzelne Kapitel im Fluge vergehen und Freude bereiten, während durchgekaut werden müssen wie ein dehydrierter Trockenfleischriegel. Das Buch ist vollgepropft mit Wortspielen, welche zwar belegen, dass der Author sehr sprachgewandt ist, die aber eher selten wirklich witzig sind ("er torkelte vom ersten Barstuhl zum zweiten und hielt sich am dritten, aber nicht vor Lachen"; gelungen hingegen: seine Politik zwischen Tür und Angel hatte manche Türe geöffnet und auch manche aus den Angeln gehoben"). I'm Grossen und Ganzen ein präzises Bild, auch in sprachliche Hinsicht, des Helvetien zwischen 1950 - 1970. Lebensfreude gibt es da wenig und entsprechend auch wenig Lesevergnügen. Für die Authentizität wären auch **** vertretbar, ich bleibe subjektiv bei ***.
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Wortgewandt und gedankenreich. Die collageartige, anekdotische Struktur gefiel mir gut; einige Teile sind stärker als andere, aber das ist ja zu erwarten. Epische Breite ohne episches Pathos.