Kurz bevor Kommissarin Judith Krieger nach einer sechsmonatigen Auszeit wieder an ihren Arbeitsplatz bei der Kölner Kripo zurückkehrt, erreicht sie die Bitte eines ehemaligen Mitschülers, bei der Suche nach einer gemeinsamen Klassenkameradin von früher zu helfen. Charlotte Simonis wurde seit Wochen nicht gesehen, weder in der düsteren Villa, die sie nach dem Tod der Eltern alleine bewohnt, noch am Arbeitsplatz. Lediglich eine Postkarte aus Kanada könnte einen Hinweis darstellen, wo sie sich aufhält.
Judiths Kollege Manni Korzilius, mit dem sie im ersten Band der Reihe gemeinsam ermittelt hat, arbeitet mittlerweile bei der Abteilung "Vermisste Personen" und wird beauftragt, das Verschwinden des vierzehnjährigen Jonathan zu untersuchen, von dem plötzlich jede Spur fehlt. 50 Kilometer entfernt findet eine alte Dame gleichzeitig einen toten Dackel. Sollte Jonnys Stiefvater, der den Jungen und seinen Hund nicht unbedingt ins Herz geschlossen hatte, etwas damit zu tun haben? Liegt der Schlüssel in dem Indianercamp, in dem Jonny häufig unterwegs war, oder in der Tatsache, dass Jonny in der Schule Schwächere vor Mobbing und Rüpeleien zu schützen versuchte?
In ihrem zweiten Buch sind Manni und Judith also auf getrennten Wegen zugange, jeder auf der Suche nach einem verschwundenen Menschen. Gemeinsam ist den beiden Fällen, dass sie den Ermittlern auch persönlich an die Nieren gehen - Manni, der stets nach der Anerkennung seines jähzornigen Vaters strebte und sie nie bekam, Judith, die heute noch ein schlechtes Gewissen hat wegen ihres Verhaltens gegenüber Charlotte in der Schulzeit.
So richtig sympathisch sind mir beide nicht direkt geworden - dafür ist mir Manni zu schnoddrig, auch wenn die Einblicke in seinen familiären Hintergrund und seine Gefühlswelt Mitgefühl wecken, und Judith deutlich zu spröde - dennoch oder vielleicht gerade deshalb fand ich beide Figuren gut gezeichnet.
Die Fälle, die die beiden zu lösen versuchen, sind spannend geschildert, viele kleine Puzzleteilchen aus diversen Perspektiven werden zusammengetragen, die Erzählweise im Präsens war zunächst leicht gewöhnungsbedürftig, bringt die Handlung aber noch näher an den Leser heran. Manche Kleinigkeiten wirkten auf mich zwar ein wenig weit hergeholt oder unglaubwürdig (so habe ich mich gefragt, ob ein 14jähriger Junge tatsächlich noch in großem Stil Indianer spielen würde), und der Eistaucher, von dem immer wieder die Rede ist und der auch das Cover ziert, wurde für meinen Geschmack ein bisschen zu oft als Symbolträger bemüht, davon abgesehen aber ein fesselnder Krimi mit realistischem Hintergrund.