Im Juni 1828 erreicht ein Schiff die irische Hafenstadt Cove – an Bord sieben brutal ermordete Crewmitglieder und Passagiere. Drei Lehrlinge, zwei Matrosen und der elfjährige Sohn des Reeders haben das Massaker überlebt, der Kapitän ist verschwunden. Noch vor der offiziellen Untersuchung bekommt der berühmte Arktisforscher und Theologe William Scoresby die Gelegenheit, mit allen Überlebenden und Zeugen zu sprechen. Aus den Aussagen ergibt sich nach und nach ein lückenloses Bild der grauenvollen Ereignisse, und doch bleibt der unheimliche Fall rä Wer lügt? Wer sagt die Wahrheit? War die Besatzung der Mary Russell in einen mörderischen Plan verwickelt oder wurden die sieben Männer Opfer eines Wahnsinnigen? Die Ermittlungen führen Scoresby in einen Abgrund aus Zweifeln, Aberglauben und mitternächtlichen Trugbildern.Sieben Lichter beruht auf einer wahren Geschichte, einem der sonderbarsten Kriminalfälle des 19. Jahrhunderts.
Dieses Buch wurde mir im Buchladen empfohlen und zeigt mir mal wieder, dass persönliche Beratung die Dinge auch nicht wirklich besser macht, bzw. deutlich schlechter als z.B. ein Goodreads-Feed. Ich habe vor vielen Monaten den Buchladen besucht, in dem ich selbst lange gearbeitet habe. Im netten Plaudern mit meinen ehemaligen Kolleginnen wurde mir nach und nach ein ganzer Stapel von Büchern empfohlen, die ich größtenteils gekauft habe. Dabei weiß ich eigentlich, dass man das empfiehlt, was am Lager ist und wozu man zumindest irgendetwas sagen kann. Das erste Buch dieses Stapels ist «Sieben Lichter». Im Buchladen empfohlen als «altmodische Gruselgeschichte» stellt der Klappentext das Buch in eine Reihe mit den Geschichten von Arhur Canon Doyle und «klassischen Schauerromanen». Die Meuterei im Kern der Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit, die Quellen sind am Ende aufgeführt. Ich bin mir sicher, dass diese Quelle spannender sind als das müde mit etwas Mystik aufgeladene «Sieben Lichter». Eine interessante Ausgangssituation wird von langweiligen Charakteren auf langweilige Art durchlebt. Die Schiffahrt an sich spielt keine große Rolle, der Kampf des Menschen gegen die feindselige See wird nicht geschildert, und das Ende ist so lau, dass ich es schon fast wieder vergessen habe. Nichts ist wirklich ärgerlich an diesem Buch, aber auch nichts so wirklich interessant.
Rückblickend ist es immer schwer, ein Bild von Ereignissen zu bekommen. Auch wenn sich jeder bemüht, die Wahrheit zu sagen, so gibt er trotzdem die Vergangenheit so wieder, wie er sie erlebt hat. Deshalb hat es ein wenig gedauert, bis ich ein genaues Bild der Ereignisse auf der Mary Russel bekommen habe.
Dass ausgerechnet ein Prediger mit den Befragungen betraut ist, mag hier auf den ersten Blick die falsche Wahl sein. Man könnte sich vorstellen, dass er dem Motiv vielleicht wohlwollender gegenüber steht. Aber William Scoresby ist auch Forscher und sieht gerade deshalb die Dinge von allen Seiten.
Nach und nach wird klar, was an Bord passiert ist. Was mir nicht ganz klar wurde, ist warum niemand eingeschritten ist. Hätte man die Taten vielleicht doch verhindern können? Gab es Anzeichen, dass so etwas passieren würde? So bleiben für mich Fragen offen, obwohl alle beantwortet scheinen.
Aber trotz der offenen Fragen: ein kleines, aber feines Buch, dem man viel Aufmerksamkeit schenken sollte.
Pechmann Buch Nr.3: Was soll ich sagen? Ich bin jedes Mal begeistert, von den Geschichten, dem Schreibstil und dieser Mischung aus wahren Begebenheiten und Fiktion. Ein österreichischer Autor, der meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
2.5 rounded up to 3. I'm very unhappy giving this such a low rating because the subject matter - a sevenfold murder on a trading vessel in 1828 - is extremely fascinating and right up my alley. Sadly, the writing style is boring and superficial and the characters (possibly with the exception of the suspect) extremely flat, almost as if the author purposefully avoided every instance where interiority, depth, and complexity would have been possible. This isn't a novel so much as a more narrative summary of the source material.
Im rätselverhangenen Spannungsfeld zwischen Chaos und Vorsehung
Was ist beunruhigender: blindes Chaos, das die Welt regiert, oder göttliche Vorsehung? In diesem rätselverhangenen Spannungsfeld bewegen sich die Figuren in Alexander Pechmanns Roman „Sieben Lichter“. Die vom Autor aufgegriffene und um fiktive Elemente erweiterte Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten. 1828 lief Käpt’n William Stewart plötzlich Amok. Der als freundlich geltende Mann schlachtete auf der Brigg „Mary Russell“ sieben Besatzungsmitglieder, die er der Meuterei bezichtigte, grausam ab. Als Anstoß zur Gräueltat gab er göttliche Visionen an.
Während das Schiff in einem irischen Hafen vor Anker liegt und auf die offizielle Untersuchung wartet, schickt Pechmann zwei private Vorermittler an Bord. Einerseits Colonel Fitzgerald, aus dessen Warte das Buch verfasst ist; andererseits William Scoresby, Fitzgeralds angehenden Schwager. Nein, die beiden arbeiten nicht wie Watson und Holmes, dazu ist die Trennschärfe ihrer Denkweisen trotz aller Unterschiede zu gering.
Der Engländer Scoresby wird als Star der damaligen Zeit beschrieben, den jedes Kind kannte. Schon früh fuhr er mit seinem ebenso berühmten Vater zur See, als Walfänger in den hohen Norden. Doch das Tiergemetzel missfiel ihm zusehends und er wurde Priester, der sich im Hafen Liverpools vor allem dem Seelenheil der Seemänner annahm. Scoresby wird als stattliche, eloquente und charmante Erscheinung beschrieben; gottesfürchtig, aber mit Zweifeln beladen, die ihn menschlich machen. Für ihn besteht die Welt nicht aus Zufall, sondern aus Zeichen, die es richtig zu deuten gilt. Pechmann baut diesbezüglich eine interessante Passage ein, in der er Scoresby über Eiskristalle sinnieren lässt, die dieser als eine „unendliche Vielfalt winziger Hieroglyphen“, als „Schriftzeichen eines unbekannten Alphabets“ betrachtet. Der Ire Fitzgerald sieht im Gegensatz dazu die Welt prosaischer.
Ein gutes Dreiviertel des Romans spielt sich an Bord der "Mary Russell" ab, wo das Ermittlerduo die Überlebenden des Massakers befragt. Unterschiedliche Sichtweisen und Vermutungen, wie es zu den Gewaltausbrüchen des Käpt’n kam, werden durchforstet. Hier gibt es nicht viel Spannung, es ist die literarische Mühsal der Ebene, ehe es bergauf gehen kann.
Erst mit dem direkten Kontakt von Scoresby und Stewart in der Gefängniszelle gewinnt der Roman an Intensität. Der Priester scheint zum vermeintlich verrückten Kapitän einen besonderen Zugang zu haben. „Sie sahen einander fest in die Augen, wie Brüder, die sich nach Jahren der Trennung zum ersten Mal wieder begegnen.“ Scoresby wirkt auf den beobachtenden Fitzgerald wie jemand, der „eine ungewollte Empfindung mit kühler Sachlichkeit bekämpfen“ will. Und der bislang kritisch auf Fakten setzende Gottesmann beginnt Zweifel an seinen eigenen Zweifeln zu hegen. Ist der Käpt’n Opfer einer Laune der Natur, die ihn aus Angst und Verfolgungswahn in die geistige Zerrüttung kippen ließ? Was aber, wenn Stewart wirklich einer Vision folgte? Und was würde das über Gott aussagen? Über welchen Gott überhaupt?
Verläuft alles lange Zeit wie die Aufarbeitung eines Kriminalfalls, dringen gegen Ende des Romans gespenstische Elemente durch die dünne rationale Membran: ein gesichtsloser, schwarzer, schemenhafter Riese; Kupferstiche, die einen lebendigen Blick aufs Meer freigeben, bzw. die titelgebenden sieben Lichter. Und man fragt sich, was es mit dem Schiff „Hermione“ auf sich hat, das am Rande erwähnt wird. Spielte die dortige Meuterei für die Geschehnisse auf der „Mary Russell“ eine von allen zu wenig fokussierte Rolle?
Als Leser*in darf man mitermitteln, miträtseln, mitspekulieren. Gut so!
In der kleinen Hafenstadt Cove liegt 1823 die "Mary Russell" vor Anker. Sie ist kein gewöhnliches Schiff, sondern Gegenstand einer Ermittlung und heißer Spekulation: in der Kajüte befinden sich die Leichen von sieben brutal erschlagenen Männern, der Kapitän ist verschollen. Dem Forscher und Prediger William Scoresby und seinem Schwager fällt die Aufgabe zu, die wenigen Überlebenden zu befragen und sich anhand der Zeugenaussagen ein Bild zu machen, warum und vor allem durch wen die sieben Seeleute zu Tode gekommen sind.
Nach und nach setzt sich aus den zunächst teils widersprüchlich erscheinenden Augenzeugenberichten ein plausibles Bild zusammen, das die meisten Fragen beantwortet, dem Theologen Scoresby aber in ganz anderer Hinsicht Rätsel aufgibt.
Alexander Pechmann trifft in diesem modernen Roman ausgezeichnet den Erzählton eines im positiven Sinne altmodischen Seefahrtsabenteuers (auch wenn die "Mary Russell" höchstens in Rückblenden tatsächlich auf See ist) und vermag sich auch hervorragend in die Denkweise jener Zeit hineinzuversetzen, in der etwa dem vermeintlichen Willen Gottes noch eine ganz andere Bedeutung zugemessen wurde, ohne aber in verquaste Philosophiererei zu verfallen.
Mit 161 Seiten ist das Buch nämlich von der schmalen Sorte und schön kompakt gebaut. Zwar spielt sich ein Großteil der Handlung nicht "live" ab, sondern wird in Form mündlicher Augenzeugenberichte serviert, doch dadurch sind wir sofort mitten in den Nachforschungen und können gemeinsam mit den beiden "Ermittlern" trefflich spekulieren, was wirklich passiert sein könnte. Das Ganze kommt eher als psychologische Studie denn als Krimi daher, was dem Spannungsgehalt aber überhaupt keinen Abbruch tut und auch nicht bedeutet, dass es ein Buch für Zartbesaitete ist - die Beschreibungen von Tatort und -hergang haben es durchaus in sich.
Ein sehr schöner kleiner Roman für Liebhaber von Segelschiffen, Meutereien und Seebären mit dem zusätzlichen Plus, dass er auf einer wahren Begebenheit beruht. (Das Buch von Scoresby, das im Roman über den Fall verfasst, existiert tatsächlich, gilt aber im Gegensatz zu diesem hier aufgrund zahlreicher theologischer Exkurse als ziemlich unlesbar.)
Im Juni 1828 erreicht die *Mary Russell* die irische Hafenstadt Cove. An Bord sind sieben brutal ermordete Crewmitglieder und Passagiere. Der Kapitän ist verschwunden, beruht auf einer wahren Tatsache, bestens geschrieben 2-
Mich hat vor einiger Zeit schon Alexander Pechmanns "Zehnte Muse" beeindruckt und darum wollte ich unbedingt noch mehr von ihm lesen. In Sieben Lichter schreibt Pechmann über einen wahren Kriminalfall des 19. Jahrhunderts der immer noch viele Fragen offen lässt. Im Juni des Jahres 1828 erreicht die Mary Russell mit Hilfe der Mary Stubbs nach langer Seereise endlich den Hafen von Cove in Irland. Alleine wäre es ihr nicht mehr möglich gewesen, warum? An Bord befinden sich sieben Opfer einer Gewalttat. Alle davon sind tot. Der Kapitän verschwunden. Die einzigen Überlebenden sind drei Lehrlinge, zwei schwerverletzte Matrosen und ein elfjähriger Passagier in ähnlich schlechtem gesundheitlichen Zustand. Noch bevor der Gerichtsmediziner eintrifft nimmt sich der Forscher und Theologe William Scoresby des Falles an und Pechmann stellt ihm noch einen fiktiven Charakter namens Colonel Fitzgerald zur Seite um die rätselhaften Morde aufzuklären. Beide erleben in den Tagen nach Ankunft des Schiffes grausige Erzählungen der Mannschaft, die schrecklichen Bilder des Tatorts und die immer stetige Frage: Was ist Wahrheit und was davon gelogen?
Auf gut 160 Seiten wird dieser schauerliche Fall beschrieben und bestmöglich alle bekannten Fakten auf den Tisch gelegt. Davon angetrieben die Wahrheit dahinter rauszufinden, bin ich über die Seiten gerast. Doch die zugrundeliegende Tat ist für mich immer noch ein Mysterium. Eine Abenteuergeschichte à la Robert Louis Stevenson und ein Schauerroman den Edgar Allan Poe nicht besser hätte schreiben können, basierend auf einer wahren Begebenheit. Und da Pechmann ja schon einen lütten Regalplatz reserviert, kommt das Buch eben daneben und um meine Sammlung vom Steidl Verlag zu vervollständigen wird demnächst auch noch "die Nebelkrähe" von ihm einziehen. Darauf bin ich auch schon gespannt.