Eine Familiensaga, die den historischen Hintergrund und die gesellschaftlichen Veränderungen über drei Frauengenerationen umfasst.
Die Geschichte beginnt (und endet) mit Nomi, erfolgreiche aber einsame Verlegerin in Tel-Aviv. Nomi wurde liebevoll von ihrer Großmutter Ruth aufgezogen. Sie weiß nicht und will nicht wissen, was mit ihrer Mutter passiert ist. Nomis Leben ist leer, ihren einzigen Freund hat sie von sich geschoben, die langjährige Beziehung zu einem Iren scheint von Beginn an nicht erfüllend oder zukunftsträchtig. In einer Lebenskrise beginnt sie endlich, die Tagebücher ihrer geliebten Großmutter zu lesen, die verstarb als Nomi noch ein Teenager war.
In diesen Tagebüchern, die Ruths Geschichte seit ihrer eigenen Kindheit aufrollen, erleben wir eine egoistische, gefühlskalte Person, die in keinster Weise dem Bild der Großmutter entspricht, das Nomi erlebt hat. Ruths Mutter erhängte sich als Ruth noch ein Kind war, Ruth selbst war bereits als Kind zum ersten Mal im Sanatorium und kümmerte sich trotzdem um ihren in seiner Entwicklung zurückgebliebenen und nahezu autistischen Bruder. Sie heiratet Otto, sie bekommen eine Tochter, Anuschka. Doch schon bald reicht ihr dieses Leben nicht mehr. Sie verliebt sich in Robert, einen ebenso unnahbaren und ständig Neues suchenden Menschen wie sie selbst. Später in ihrem Leben wird sie einsehen, dass sie ihre kleine Chance auf Glück mit dem Zulassen dieser Affäre für immer verloren hat. Der Rest ihres Lebens dreht sich um nichts anderes mehr als um diesen Liebhaber, selbst nachdem die Affäre lange beendet ist.
Robert flieht in den Dreißigerjahren aus Deutschland nach Israel und als Ruths Tante die Familie dazu anhält, ebenfalls auszuwandern, steht Ruth hinter dieser Idee. Die politischen Umstände in Deutschland berühren sie dabei weniger als die Hoffnung, Robert in Israel wiederzufinden. Doch selbst als sie ihm endlich nochmals über den Weg läuft, gibt es keine Fortsetzung ihrer Affäre. Immer wieder nimmt Ruth sich vor, eine bessere Ehefrau, vor allem aber eine bessere Mutter zu sein, doch ist sie in Gedanken nie in ihrem realen Leben und interessiert sich trotz aller Vorsätze nie lange genug für ihre direkten Mitmenschen um wirkliches Mitgefühl oder Anteilnahme zu empfinden.
Es braucht eine Reihe Schicksalsschläge, manche davon fast zu fantastisch, die aus der jungen egozentrischen Ruth die verantwortungsvolle, liebevolle und aufopfernde Großmutter machen, die Nomi in Erinnerung hält. Gleichzeitig lernt Nomi die Geschichte ihrer Mutter kennen, kann ihre Beweggründe verstehen und erkennt auch in sich Charaktereigenschaften, die sich konstant über die Generationen dieser jüdisch-deutschen Familie ziehen.
Fast wie eine Nebengeschichte spielen sich die Entwicklungen in Hitler-Deutschland ab, die Judenverfolgung, das Abwenden der Kollegen und Freunde, die die neue Gesellschaftsordnung der Nazis plötzlich verinnerlichen, die Auswanderung, die Gründung des Staates Israel und die verschiedenen politischen Stränge, an denen zur Gründung dieses Staates gezogen wurde.
„Es gibt keine Schuldigen in dieser Geschichte, nur Opfer“ – und die Beziehungen untereinander, die dafür sorgen, dass die Opferrolle immer wieder an die nächste Generation weitergegeben wird, werden intensiv, glaubhaft und packend erzählt.