Enorm flüssig geschriebene Abhandlung über die Kategorie des „Staates“ im deutschen Denken seit dem Kaiserreich. Zentral ist die Frage, ob jene Kategorie aus eigenem Recht begründet werden kann; ob und wie unabhängig sie von den Kategorien Verfassung, Gesellschaft, Verwaltung, Demokratie ist und wie es sich mit ihr angesichts Europäisierung und Globalisierung verhält. Die Antworten wandelten sich und so ist das Buch durch seine rechtshistorische Darstellung nebenher auch für die geschichtliche Entwicklung Deutschlands erhellend. Interessant ist auf jeden Fall die Einsicht, dass die Debatte um den Staatsbegriff eine spezifisch deutsche ist und die monarchisch-rechtsstaatlichen „Altlasten“ regelmäßig nachwirken. Der Autor vertritt durchgehend die These, dass „Staatstheorie“ im herkömmlichen Sinne keinen Platz im aktuellen juristischen Denken hat; die letzten ernstzunehmenden Vertreter dieser Tradition waren in den 1980ern aktiv. Letzteres ist auch mein Eindruck, ersteres ist wohl der rechtswissenschaftlichen Perspektive geschuldet; für die PoWi erwarte ich eine Renaissance.
Das Buch ist sowohl im Stil als auch in der Darstellung juristischen Denkens für interessierte Laien sehr gut verständlich. Gleichzeitig hätte ich mir an manchen Stellen eine ausführlichere Beschreibung der Problemlage gewünscht (an anderen Stellen waren mir die Details des Verwaltungsrechts doch etwas zu viel) - so bleibt es bei einem guten Übersichtswerk mit weiterweisendem Literaturverzeichnis.