»In einer Aufwallung von Direktheit und quasi sinnfreier Intentionalität hatte der Höllor, die Arme von sich werfend himmelwärts, ausgerufen: LOSLABERN: Traktat, Traktat über den Tod, über Wahn, Sex und Text, und, erheitert von diesem soeben so plötzlich und so sinnlos durch ihn hindurchgefahrenen Expressivitätsereignis: Bericht!, der Herbst 2008!, dem davon dadurch Angestoßenen sofort stattgegeben und es geschehen lassen, daß da also LOSGELABERT würde …«
Beck wurde rausgeschmissen am Schwielowsee, in Cern wurde der Teilchenbeschleuniger angestellt, und nachdem Damien Hirst in London seine Sensationsauktion glücklich (111 Millionen Pfund Erlös) hinter sich gebracht hatte, kollabierten noch am selben Tag in New York die in die dortigen Feuchtbiotope und Felsen hinein errichteten Banken: Lehman, Goldman, Partners und Konsorten. Das Wort Rettungsschirm kam auf, die Dinger wurden aufgespannt, die Kredite trotzdem immer fauler. Kreditkrise, Staatskrise, Vertrauen weg, Derivate angeblich hochspekulativ usw. Frage an den Staat: Hast du mal ein paar Milliarden? Herr Ackermann, Herr Mehdorn, der Schwarze Schwan im Herbst 2008; September, Oktober, November. Ja: Wie war das gleich noch mal gewesen? Wie hat sich das angefühlt?
loslabern erzählt in drei Kapiteln (1. Reise; 2. Herbstempfang 2008; 3. Der Jüngling) verschiedene Geschichten aus dieser grandios durchgeknallten Zeit. Das Ende vom Anfang des neuen Jahrtausends war plötzlich da.
Rainald Maria Goetz is a German author, playwright and essayist.
After studying History and Medicine in Munich and earning a degree (PhD and M.D) in each, he soon concentrated on his writing.
With his first works, especially his novel "Irre" ("Insane"), published in 1983, he became a cult author for the intellectual left. To the delight of his fans and the dismay of some critics he mixed neo-expressionist writing with social realism in the vein of Alfred Döblin and the fast pace of British pop writers like Julie Burchill. During a televised literary tournament in 1983, Goetz slit his own forehead with a razor blade and let the blood run down his face until he finished reading.
Goetz made his name as an enthusiastic observer of media and pop culture. He embraced avant-garde philosophers like Foucault and Luhmann as well as the DJs of the techno movement, especially Sven Väth.
He kept a written a daily diary, or blog, on the web in 1998–99 called Abfall für alle ("trash for everybody"), which eventually was published as a book.
oft nur irrelevantes gelaber aber es gibt gute stellen wegen denen man das teil dann doch zu ende liest. at best ist es interessant weil es um literatur, leute und feuilleton der nullerjahre zb kracht und die faz unter schirrmacher geht. wobei gehen ein großes wort ist, es sind lange, zu sehr ausgeschmückte sätze für die geringe essenz die er dann doch mal sagt. at worst labert er dumme scheise. vibes sind ein mid 2000s ffm buchmessen fiebertraum... wirr, opinionated und darin teils vulgär; es fühlt sich authentisch an.
Ich habe zwei Satzfragmente dieser fast 190 Seiten gut gefunden, und beides sind Haider-Witze. Alles andere ist furchtbar.
Zunächst einmal: Meine Toleranz gegenüber Schachtelsätzen hat Grenzen, und Winkler hat sie bereits ausgereizt. Außerdem finde ich es bemerkenswert, schon wieder einen autobiographischen Text lesen zu müssen, der in einem voll edgy Stil geschrieben ist - offenbar reicht das aus, um 50.000 Euro Preisgeld zu bekommen. Goetz erzählt, als hätte er eine psychische Störung, und ich meine das nicht scherzhaft oder auf die leichte Schulter nehmend. Der Stil ist gehetzt, es gibt ständig seitenlange (da satzlange) Kommentare, die das Wenig an Handlung unterbrechen, und es wird vorausgesetzt, dass der Leser sämtliche genannten Autoren, Werke und geschichtlichen Ereignisse kennt. Anders gesagt: Dieses Buch wurde, wenn überhaupt ein Zielpublikum vorhanden ist, für eine sehr spezifische Gruppe von Lesern geschrieben, denen das Werk offenkundig recht gut gefallen hat. Nur zähle ich nicht zu dieser Gruppe. Die philosophischen Ausschweifungen ergeben wenig Sinn, oftmals wird sich innerhalb desselben Kapitels noch widersprochen, und generell wirkt es, als hätte Goetz sich so sehr in Literatur verstrickt, dass er den Kontakt zur Realität verloren hat.
Ein Hoch auf Bibliotheken, sonst hätte ich für den Mist Geld ausgegeben.