Brunonia Barry kehrt in ihrem neuen Roman "Die Frauen von Salem" nach Salem, Massacusetts zurück. Man trifft auf viele vertraute Figuren und Orte aus ihrem Debütroman "Die Mondschwimmerin". Yellow Dog Island, die kleine Insel vor der Küste Salems, der Teesalon, Towner und Rafferty, sie alle spielen auch in diesem Buch eine wichtige Rolle und sind dem Leser sofort wieder vertraut.
In der Halloween-Nacht 1989 wurden drei junge Frauen in Salem auf brutale Weise ermordet. Die drei Frauen waren allgemein als die "Göttinnen" bekannt. Sie waren schön und betörend, geheimnisvoll und verrucht. Für die einen waren sie nur leichtlebig und verantwortungslos, für die anderen Göttinnen und wieder für andere Anhängerinnen des Teufels. Rose Whelan, die in der Todesnacht bei den Göttinnen war und einst eine angesehene Historikerin, geriet unter Mordverdacht. Obwohl ihr nie etwas nachgewiesen werden konnte, forderten die Geschehnisse ihren Tribut. Rose zog sich in ihre eigene Welt zurück, wurde obdachlos, sprach mit Bäumen und widmete ihre gesamte Zeit den Hexenprozessen von 1692. Und Callie, im Jahre 1989 fünf Jahre alt und Tochter einer der Göttinnen, überlebte, versteckt im Gebüsch, den Mord an ihrer Mutter und deren Freundinnen.
Als 25 Jahre später ein Jugendlicher in Salem ermordet wird, wieder in der Halloween-Nacht und wieder im Beisein von Rose, ist Rafferty gezwungen nach und nach auch den ungelösten Fall von 1989 wieder aufzurollen. Und Callie kehrt, als sie in den Nachrichten von den Geschehnissen hört, nach Salem zurück.
Nach der Ermordung ihrer Mutter wurde Callie von Nonnen in einem Waisenhaus großgezogen. Diese Nonnen begegneten dem kleinen seltsamen Mädchen mit einer beständigen Reserviertheit. Die Ermordung ihrer Mutter und deren Verbundenheit mit den Hexen von Salem, sowie Callies spröde verschlossene Persönlichkeit, überforderten die Nonnen. Die Erinnerungen an die Mordnacht hat Callie erfolgreich verdrängt, nur einzelne Fetzen der Geschehnisse finden den Weg in ihre Alpträume. Die Alpträume verfolgen sie bei Nacht, tagsüber plagen sie eine Art von Hellsichtigkeit und Visionen, die unvermittelt auftreten. Aber zumindest in ihrem Beruf als Klangtherapeutin sind sind sowohl Empathie als auch Sensibilität von Vorteil.
Im heutigen Salem, das es bestens versteht die Hexenprozesse von 1692 zu vermarkten und das für Weiße und Graue Hexen offensteht, lösen dennoch die von allerlei Mythen umgebenen Morde an den Göttinnen sowie der Tod des Teenagers und die sonderbare Rose bei der Bevölkerung Unbehagen und Ansätze von Panik aus. All dies bekommt Callie bei ihrer Rückkehr zu spüren. Verzweifelt versucht sie die Unschuld von Rose zu beweisen und auch endlich für sich selbst die Geheimnisse der Mordnacht zu lösen. Unterstützt wird sie dabei von Polizeichef Rafferty und seiner Frau Towner Whitney.
Brunonia Barry gelingt es, das vergangene wie auch das gegenwärtige Salem lebendig werden zu lassen. Die Hexenprozesse, Nathaniel Hawthorne, die Mayflower und die Puritaner stehen in ihrer Lebendigkeit dem Salem von heute, in dem sich Esoterik, alte Mythen und pure Geschäftstüchtigkeit mischen, in nichts nach. Wenn man "Die Frauen von Salem" liest, kann man das Meer riechen, die Menschen vor sich sehen und einem imaginären Stadtplan folgen. Brunonia Barry verwebt auf beeindruckende Weise mythologische Stoffe, historische Fakten und esoterische Einflüsse. Es spricht eindeutig für sie, dass diese Mischung perfekt ausbalanciert ist und keinen schalen Eindruck hinterlässt. Ich hoffe sehr, dass Brunonia Barry in einem zukünftigen Roman wieder nach Salem und zur Familie Whitney und ihren Freunden zurückkehren wird. Geschichten gibt es in Salem genug zu erzählen!