Die dramatische Geschichte einer Unternehmerfamilie und ein großer Vater-Sohn-Roman.
Als Jakob Auber erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt, macht er sich auf ins Zuhause seiner Kindheit, an der Mosel. Dort beginnt er, sich mit der Vergangenheit seiner Familie zu beschäftigen. Sein Großvater Theodor Auber war im Wirtschaftswunder-Deutschland eine schillernde Figur. Er erfand ein Waschpulver, mit dem er ein reicher Mann wurde, bis er unter ungeklärten Umständen alles verlor. Seine Spurensuche führt Jakob bis nach Rio de Janeiro. Dort trifft er die Tochter des jüdischen Besitzers der Drogerie, in der die Karriere seines Großvaters einst begann. Jakob erfährt, was hinter Aufstieg und Fall des Familienimperiums steckt. In seinem Roman erzählt Andreas Wunn eine große Geschichte von Vätern und Söhnen, Schuld und Sprachlosigkeit zwischen den Generationen und dem Glück einer Familie, das in den Händen zerrinnt wie Pulver.
3,5 Sterne. Die Geschichte war dann doch nicht soo deep wie ich erhofft hatte. Aber insgesamt ein lesenswertes Buch über Väter, Söhne und all das Ungesagte dazwischen. Sprachlich zeitweise noch etwas holprig, vor allem bei den Dialogen. Werde Andreas Wunn als Autor aber auf dem Schirm behalten.
Habt ihr schon mal von Epigenetik gehört? Es ist die Eigenschaft unseres Körpers, unter anderem, traumatische Erlebnisse abzuspeichern und sie auf Generationen zu vererben. Ein wissenschaftliches Feld, das noch nicht besonders weit erforscht ist. Was aber passiert, wenn Traumata in Familien nicht verarbeitet werden und welche Folgen das haben kann davon handelt dieser Roman.
Jakob ist an der Mosel aufgewachsen, als Kind eines wortkargen Vaters, der mit dem Tod seiner Frau Lebenswille und Sprache verlor. So wächst Jakob allein mit seiner Trauer auf, darf nicht drüber reden und weinen.
Aber auch Hans, Jakobs Vater ist in einer Familie aufgewachsen, in der über manches nicht geredet wurde. Sein Vater, Theodor hatte eine kurze Glanzzeit als industrieller, der ein besonderes Waschmittel erfunden hat. So rasant er reich und angesehen wurde, so schnell hat er auch alles wieder verloren.
Und dann ist da noch Bella, die keine unwesentliche Rolle in diesem Roman spielt und Jakob im letzten Drittel des Buches nach Rio de Janeiro führt. Denn Jakob, der mit seinen eigenen sozialen Fähigkeiten struggelt möchte endlich erfahren, was in seiner Familie passiert ist. Einen Anfang bilden die Tonbänder, die ihm sein Vater hinterlassen hat.
Andreas Wunn hat in diesen Roman sicherlich einige Elemente seiner eigenen Familienbiografie eingearbeitet, der Rest ist Fiktion. Ihm ist es gut gelungen, die bedrückende und auch kommunikationsarme, familiäre Umgebung darzustellen. Obwohl die Figuren sehr viel schweigen habe ich jederzeit Bilder vor Augen gehabt. Die Atmosphäre war dicht und sehr deutlich spürbar. Wie gerne hätte ich den kleinen Andreas mal in den Arm genommen und getröstet. Wie gerne hätte ich seinem Vater mal geschüttelt und ihm gesagt, dass er die Erinnerung an seine Frau lebendig halten soll und wie gerne hätte ich dem opportunistischen Großvater seine Arroganz vor Augen gehalten. Die Frauenfiguren bleiben, bis auf Bella, etwas blass, was ich allerdings als nicht störend empfinde, denn es handelt sich hier um die Geschichte von Vätern und Söhnen. Sprachlich habe ich ganz am Anfang etwas Probleme gehabt, mich in den Zeiten zu orientieren, denn der Autor springt auch im Fließtext häufig hin und her. Aber irgendwann hat mich das nicht mehr gestört, im Gegenteil, es machte mir die Geschichte sogar zugänglicher. Besonders hervorheben möchte ich die kargen Dialoge, die manchmal an Banalität nicht zu übertreffen sind. (das hat mich übrigens an Carolin Wahls „22 Bahnen“ erinnert). Manchmal erleben wir diese Dialoge teilweise doppelt, wenn Herr Wunn den Bogen vom Anfang eines Kapitels zum Ende hin schlägt. Stilistisch ist das ein kluger Schachzug, denn genau hier wird die Sprachlosigkeit der Protagonisten vermittelt. Sehr berührt haben mich mehrere hoch emotionale Szenen, im Besonderen, die, als sich Jakob von seinem toten Vater verabschiedet. So etwas trauriges und zeitgleich schönes habe ich lange nicht mehr gelesen. Ich empfehle dieses Buch sehr. Es ist packend, gefühlvoll und zeigt uns, wie wichtig es ist, miteinander zu reden, und zwar, bevor jemand stirbt.
Hin und wieder liebe ich es mich in Form von Romanen und Filmen durch die deutsche Geschichte zu bewegen. Gerade die Zeit des Zweiten Weltkriegs, sowie die folgenden Neuausrichtungen des Landes finde ich unglaublich faszinierend und sehe in ihnen den Ausgangspunkt zahlreicher tragischer, aber auch schöner Familiengeschichten. Ein Buch, das mir in der letzten Zeit einiges abverlangt, aber auch sehr viel Begeisterung entlockt hat, ist "Saubere Zeiten" von Andreas Wunn. Grob gesagt durchstreift er dabei die Geschichte einer Familie über drei Generationen - von den Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs und der resultierenden Sprachlosigkeit, eingebrannten Erinnerungen, sowie dem Aufstieg und Fall zu Wirtschaftswunder-Zeiten und deren Prägungen und Folgen, auch für heutige Generationen.
Ein einziger Anruf sollte Jakob aus seinem journalistischen Alltag reißen. Sein Vater Hans wurde infolge eines Schlaganfalls ins Krankenhaus eingewiesen, doch trotz stabilen Zustands, sieht es schlecht um ihn aus. Jakob hatte nun schon seit einigen Monaten keinen Kontakt mehr zu ihm und sich geschworen, ihm bis auf weiteres aus dem Weg zu gehen, doch dies ändert nun alles. Er reist sofort an um bei seinem Vater zu sein, doch statt noch einmal mit ihm sprechen zu können und für ihn da zu sein, bleibt ihm nur noch der Abschied. Der Arzt drückt ihm nach einem kurzen Gespräch einen letzten Brief des Vaters in die Hand oder besser gesagt einen Zettel mit zwei kraftlos geschriebenen Worten: Drempel und Kiste. Und damit beginnt für Jakob eine Spurensuche, die ihm einiges erklären soll und wird, aber auch ein ganz neues Licht auf die Vergangenheit seiner Familie wirft. Sein Großvater Theodor, hatte einst sehr bescheiden als kleiner Drogist angefangen, bis er in den 50er Jahren durch die Erfindung das Waschpulvers ein sehr gefeierter Mann wurde. "Auber macht sauber", ein Slogan den bis heute nahezu jede*r im Roman kennt und der der Familie sehr viel Vermögen einbrachte. Aber Aufstieg und Fall lagen nah beieinander, schon nach einigen Jahren verloren sie alles.
"...mein Vater ist wirklich sehr reich aufgewachsen. Sie haben in einer Villa gewohnt, er wurde mit dem Chauffeur zur Schule gefahren und so weiter. [...] Er war im Internat, und plötzlich war das Geld weg. Alles. Auch die Häuser, die auf den Namen meiner Großmutter eingetragen waren. Ich denke, mein Großvater hat sich verhoben. Er wollte Auber in Frankreich einführen. Hat investiert. Hat die Konkurrenz unterschätzt. Die Konkurrenz war plötzlich stärker, warum auch immer. Und er ging pleite, kam nie wieder auf einen grünen Zweig."
Mit den Tagebüchern des Großvaters und Tonbandaufnahmen des Vaters, sowie zahlreichen Fotos versucht Jakob nun der Geschichte seiner Familie nahe zu kommen und Lücken zu füllen - haben doch die Sprachlosigkeit des Großvaters, unter der schon Hans litt, die Schuld und die Unnahbarkeit seine Familie über Generationen hin sehr geprägt. Er findet in einzelnen Aufzeichnungen Hinweise, die ihn bis nach Rio de Janeiro führen und ausgerechnet hier, trifft Jakob die über 90 Jahre alte Bella Oliveira das Pedras, die ihm nicht nur einiges erklären kann, sondern auch eine Verbindung zu seiner Familie und Deutschland hat. Sie ist die Tochter des jüdischen Besitzers der einstigen Drogerie, in dem sein Großvater seine Lehre begann und damit das letzte fehlende Puzzleteil hinter dem Aufstieg und Fall des Familienimperiums Auber.
Ich weiß gar nicht, wie und wo ich beginnen soll, denn "Saubere Zeiten" von Andreas Wunn hat in mir sehr viel ausgelöst, sind die behandelten Themen doch irgendwie jedem bekannt und in jeder Familie still oder nach wie vor offensichtlich verankert. Die Zeit des Zweiten Weltkriegs hat nicht nur für sehr viel Leid und tragische Familiengeschichten gesorgt, sondern auch eine Wunde geschaffen, über die in den meisten Familien, selbst bis heute, kaum jemand so wirklich sprechen mag. Das Trauma des Krieges, des Fanatismus, der Auslöschung und Tötung, sowie des Verlustes ist nach wie vor etwas, das von den älteren Generationen, eben jenen, die es miterleben mussten, oftmals totgeschwiegen und die Vergangenheit wie durch eine hohe Mauer von allem ferngehalten und abgeschirmt wird - vielleicht weil das Geschehene so unglaublich schmerzhaft ist oder aber weil es schwer ist, ehrlich gegenüber sich selbst zu sein. Heutzutage verurteilt fast jede*r den Krieg, aber auf welcher Seite stand man damals wirklich? War man von allem überzeugt oder ein Mitläufer? Wusste man vielleicht sogar mehr, als man zugibt? Hat man früher überhaupt etwas hinterfragt? Sich irgendwie für die Unschuldigen eingesetzt? Oder hat man selbst durch die Enteignung vieler jüdischer Familien Gewinne und Wohlstand erzielt? Wunns Protagonist bzw. Jakob Aubers Großvater Theodor wurde so plötzlich zum Drogeriebesitzer mit allem was dazugehörte. Dass er dennoch sein Vermögen und Ansehen der Erfindung des Waschpulvers zu verdanken hatte, war dabei irgendwie nur zweitrangig und der spätere Verlust seines Reichtums vielleicht sogar die beste Fortsetzung? Zumindest fragte ich mich während des Lesens häufig, wie wohl alles gekommen wäre, hätte es den Krieg nicht gegeben, hätte es den Judenhass nicht gegeben und wie man mit diesem gewonnenen Vermögen fragwürdigen Ursprunges heute umgehen könnte? Und wie hätte sich wohl die Welt entwickelt, wäre das alles nie passiert? Wären wir heute als Familien vielleicht sogar offener und toleranter?
"Theodor Auber erzählte seiner Familie nie von dem, was er im Krieg erlebt hatte. Seine Frau und sein Sohn fragten nicht. Es wurde nicht darüber gesprochen. Er hatte Alpträume, das schon. Wenn er nachts aufwachte, hielt ihn seine Frau, meine Großmutter, im Arm. Aber sie fragte ihn nichts. Sie bemerkte, dass er Angst vor Regen hatte. Dass er sich in der Wanne mit dem Waschlappen die Haut wund schrubbte. Er sagte ihr nicht, dass er den Geruch von kaltem Schlamm nicht aus der Nase bekam. Das schrieb er aber in sein Tagebuch."
Ein weiteres großes Thema, das mir gerade zum Ende hin zu schaffen machte, war die Einsamkeit. Jakob pflegte schon lange keinen Kontakt mehr zu seinem Vater und dieser starb mehr oder minder einsam im Krankenhaus. Was er so genau in den letzten Jahren getan hat und wie er sein Rentenalter verbracht hat, bleibt anscheinend sein Geheimnis, so wie vieles andere auch. Von seinem Besitz und seinen aufbewahrten Erinnerungen, bleibt am Ende gerade mal ein Koffer übrig. Jakobs Vater suchte sich die Tonbänder, das 'Zimmer der Erinnerungen' als eine Art Ausweg um sich noch einmal alles von der Seele zu reden und so seinem Sohn vieles zu erklären und nahbarer zu machen, doch irgendwie ist es dann auch schon zu spät. "Ich war elf Jahre alt, als mein Großvater starb. Ich war einunddreißig, als meine Großmutter starb. Ich war vierundvierzig, als mein Vater starb. Warum habe ich mit ihnen so wenig über die Vergangenheit gesprochen?" fragt sich Wunn in den Anmerkungen. Man merkt diesem Buch stark an, dass ihn diese Frage sehr intensiv beschäftigt hat. Und ja, auch ich könnte mich das fragen. Du wahrscheinlich auch. Wunn zeigt in diesem Roman wirklich sehr eindrucksvoll aus verschiedenen Blickwinkeln und Generationen einer Familie, was geschehen kann, wenn man nichts fragt bzw. Fragen nicht beantwortet werden und wie eine Familie durch die Sprachlosigkeit, die Geschichte und den Tod auseinanderfällt. Jakob fällt es schwer Liebe und Nähe zuzulassen, sich selbst wahrzunehmen und in sich reinzuhören. Und so kriselt es in seiner Ehe aus ähnlichen Gründen, wie bereits in den vorherigen Generationen. Am Ende macht er sich allein auf den Weg, um dem Geheimnis seiner Familie näher zu kommen, um die 90 -jährige Bella, Tochter des ehemaligen jüdischen Drogeriebesitzers, ausfindig zu machen und endlich Antworten auf Fragen zu finden... aber auch das hätte schon viel früher geschehen können.
"Alles, was wir tun, und alles, was wir sehen, und alles, was wir hören, ist in unserem Körper. Das Leid und die Freude. Die Liebe und das Glück. Und auch das Grauen. Es ist alles in uns drin. Es bleibt alles in uns drin. Und wir müssen lernen, damit umzugehen. Und auch mal was rauszulassen."
Auch wenn die Ausgangssituation eines sterbenden Verwandten und unausgesprochene Geheimnisse, die mit dem Verlust ans Tageslicht kommen nicht sonderlich neu ist, hat Wunn hier eine Geschichte erschaffen, die sehr intensiv daherkommt. Wunn beteuert zwar in seiner Anmerkung, dass diese Geschichte bis auf einzelne Fakten, die seinen Großvater und die Erfindung des Waschmittels betreffen, rein fiktiv ist und dennoch bleibt er seiner journalistischen Rolle treu, nimmt die Leser*innen mittels Jakobs Recherche, Tonbandaufnahmen und Tagebucheinträgen mit auf eine sehr nahbare Entdeckungsreise durch die Familiengeschichte der Aubers und erschafft damit den Eindruck, als könnte es wirklich seine eigene Spurensuche gewesen sein. Einzig die sehr detaillierten Ausschmückungen und Handlungen ließen mich anfangs nicht immer an das Nacherzählen dieser Aufnahmen glauben, aber ohne diesen Gedanken hat mich die Handlung wirklich gepackt. Es handelt sich bei "Saubere Zeiten" um einen großen, einnehmenden Roman über eine Familie, die in Zeiten des deutschen Wirtschaftswunders Aufstieg und Fall erlebt, mit vielen Verlusten umgehen, 'Sprachlosigkeit vererbte' und so einiges ertragen musste. Für mich ein ganz besonderes Buch, ein Stück weit deutsche Historie und eine sehr mitreißende Vater-Sohn-Geschichte. Ich könnte nun noch viel mehr erzählen, aber ihr sollt es ja schließlich noch lesen... Eine große Leseempfehlung!
Jakob Aubers Großvater hat kurz vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs eine Drogerie übernommen und war nebenbei immer am Tüfteln. Er hat ein Waschmittel erfunden, das ihm im Wirtschaftswunder Deutschland zum großen Reichtum gebracht hat. Aber die Konkurrenz schläft nicht, und bereits nach wenigen Jahren brach sein Waschmittelimperium zusammen. Sein Sohn Hans, Jakobs Vater, wurde als kleines Kind von einem Chauffeur überall hin befördert - jetzt musste er in ein Internat, wo er eher ein Outsider war. Als Hans viele Jahrzehnte später im Sterben liegt, findet Jakob mithilfe von Tonbänden mehr über seine Familiengeschichte heraus. Er verfolgt die Spuren, die sein Vater gelegt hat. Diese Spurensuche lenkt ihm ab von seinem Familienleben in Berlin, wo er und seine Freundin sich auseinander leben. Er geht zurück in die Heimat, trifft seinen alten Freund und seine erste Freundin, und von dort führt die Reise weiter nach Brasilien.
Was mich ein wenig gestört hat, war die Leichtigkeit mit dem Jakob mit jeder Frau ins Bett gestiegen ist, die er traf. Eine ganz nette Familiengeschichte, die bis zum Ende hin unterhaltsam ist, allerdings mit wenig Überraschungen. Mir hat gut gefallen, dass Jakob durch die Ereignisse die mit der Krankheit seines Vaters ausgelöst werden auch über sein eigenes Leben nachzudenken beginnt. Außerdem haben mir die wechselnden Perspektiven - mal wurde direkt aus Jakobs Sicht erzählt, mal von Hans - gut gefallen.
Jakob Auber, Sohn einer einst reichen und einflussreichen Familie, erfährt durch einen Anruf, dass sein Vater nach einem Schlaganfall im Koma liegt. Er reist von Berlin in seine Heimat. Sein Vater hat ihm eine letzte Nachricht hinterlassen, die nur aus zwei Worten besteht. Jakob macht sich daran, dieses Rätsel zu entschlüsseln und ausgerechnet in seinem Elternhaus erfährt er mehr über die Geschichte seiner Familie. Und er lernt auch rückblickend sehr viel über seinen Vater. Und ganz nebenbei erfährt er auch sehr viel über sich selbst.
Ich tue mich mit der Bewertung dieses Buches ein wenig schwer, obwohl es mir insgesamt gut gefallen hat. Es ist angenehm geschrieben, regelrechter "Schmökerstoff" und man kann sich vorstellen, wie der Protagonist sich hinsetzt und seine Geschichte aufschreibt. Eine komplexe und vielschichte Familiengeschichte wird in recht direkter und einfacher Sprache erzählt. Schnörkellos und in kurzen Sätzen lässt Wunn den Leser an dieser Reise in die Vergangenheit teilhaben. Jakob stößt bei seinen Nachforschungen auf eine Mauer des Schweigens, auf Verdrehungen und Verleugnungen. Die Auswirkungen dieser "Mauerschichten" reichen bis in die Gegenwart und prägen sogar die Beziehung zwischen Jakob und seinem Vater. Die knappen Dialoge und die häufige Sprachlosigkeit Jakobs spiegeln das zwar gut wider, lassen den Hauptcharakter aber auch gleichzeitig fast schon sehr distanziert auf mich wirken. Die Emotionen kamen bei mir nicht so recht an, das mitfühlen fiel mir bei ihm nicht so leicht. Dagegen finde ich Jakobs Vater unheimlich gelungen und ich konnte mich sehr viel schneller in dessen Gefühlswelt hineinversetzen.
Das Grundthema ist hochspannend und die zu Grunde liegenden Ereignisse haben sich so und ähnlich millionenfach in Deutschland abgespielt. Da kann man sich direkt auch mal selbst fragen: Wie gut kenne ich meine Familie und meine Familiengeschichte (wirklich)? Das Tempo ist recht hoch, was sicherlich dem Umstand geschuldet ist, dass der zu überblickende Zeitraum relativ überschaubar ist. Allerdings wird vieles in den Episoden nur angerissen, so dass die Handlung häufig mittendrin zu anderen Ereignissen springt. Das bremst manchmal den Lesefluss ein wenig aus, weil man bspw. abrupt aus der Vergangenheit gerissen wird um dann über eine ziemlich merkwürdige Eifersuchtsszene aus der Gegenwart zu lesen. Und Jakob Auber war für mich nur eine bedingt sympathische Buchfigur. Trotz der Vorgeschichte verhält und handelt er manchmal einfach nur merkwürdig und ich konnte nicht erkennen, wo in diesem Teil der Fokus liegt. (Und warum sind diese Selbstfindungsphasen bei Männern in solchen Geschichten immer mit Sex verbunden?)
Und doch, trotz all der Kritikpunkte mochte ich das Buch. Ich habe es innerhalb kurzer Zeit regelrecht verschlungen und konnte nicht aufhören zu lesen. Ich kann das Buch daher weder als "super gut" noch als "total schlecht" einordnen. Ich würde es tatsächlich sogar verschenken und weiter empfehlen, weil ich glaube, dass es als Gesamtpaket viele Menschen ansprechen dürfte.
Eine gut erzählte Familiengeschichte, der etwas mehr Emotionalität gutgetan hätte
In dem melancholisch angehauchten Roman "Saubere Zeiten" von Andreas Wunn ist der Titel Programm, denn in der Familie Auber ist nicht alles so sauber, wie es auf den ersten Blick erscheint.
Als Jakobs Vater Hans nach einem erlittenen Schlaganfall im Sterben liegt, reist Jakob von Berlin nach Trier. In dem Haus seines Vaters findet sich Jakob mit Tonbandaufnahmen seines Vaters und Tagebucheinträgen seines Großvaters Theodor Auber konfrontiert, die ihm ein bis dahin unbekanntes Kapitel der eigenen Familiengeschichte offenbaren. Während er die Tonbandaufnahmen sich anhört und die Tagebucheinträge seines Großvaters liest, erfährt er mehr über die Kindheit seines Vaters und dem Aufstieg und Fall seines Großvaters, dem das bekannte Waschmittel Auber gehörte und durch dieses zu Reichtum gelangte, bis er dieses jedoch durch Fehlinvestitionen verlor. In den Erinnerungen taucht auch der Name Bella auf und Jakob begibt sich auf der Suche nach ihr, eine Suche, die ihn bis nach Brasilien führt.
Wechselnd zwischen Vergangenheit und Gegenwart folgt man gebannt den drei Männern der Familie Auber und stößt dabei auf ein wiederkehrendes Muster, eine fehlende emotionale Nähe und das Verdrängen bzw. Schweigen über Familienangelegenheiten, die die jeweiligen Vater-Sohn-Verhältnisse prägten. Besonders die fehlende Emotionalität spiegelt sich auch im Schreibstil des Autors wieder. Zwar liest sich der Roman flüssig dank der kurzen Sätze und des eindringlichen Schreibstils, aber eine emotionale Nähe lässt sich trotz guter Charakterzeichnung nicht zu den handelnden Personen aufbauen. Dadurch verliert die Geschichte etwas an Schlagkraft, was etwas schade ist, denn es handelt sich um eine lesenswerte und gut konstruierte Familiengeschichte, die so wirklich hätte sich ereignen können.
Der Roman erzählt aber nicht nur eine spannend erzählte Familiengeschichte, sondern auch eine Reise Jakobs zu sich selbst. Im Verlaufe seiner Recherche reflektiert Jakob seine eigenen Beziehungen und Gefühle und erfährt so einiges über sich selbst, versinnbildlicht wird diese durch Erinnerungen an seine Kindheit, an seine gescheiterte Ehe und an Momente mit seinem Sohn.
"Saubere Zeiten" ist insgesamt ein gut erzähltes Familienporträt über verschiedene Generationen, über die Folgen des Schweigens und dass sich Vater und Sohn manchmal näher und ähnlicher sind, als man zunächst denkt. Einzig ein emotionaler Schreibstil hätte der Geschichte gutgetan, so verbleibt diese teilweise doch etwas oberflächlich.
Der fast 40-jährige Redakteur, Jakob Auber, lebt getrennt von seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn in Berlin. Seinen eigenen Vater, in Trier lebend, hat er bereits länger nicht mehr besucht, doch als er einen Anruf erhält, wo ihm gesagt wird, dass sein Vater in der Intensivstation eingeliefert wurde, besteigt er kurzerhand einen Zug und fährt zurück in seine Heimatstadt.
In Trier angekommen stellt er fest, dass sein Vater nicht mehr ansprechbar ist. Widerwillig verbringt Jakob die Nächte während seines Aufenthalts in seinem Elternhaus. Dort zu sein fühlt sich eigenartig an, denn während der letzten seltenen Besuche dort, schlief er entweder bei seinem besten Kumpel Ben oder bei seiner Ex-Freundin Teresa. Hier, mitten im Wohnzimmer, mit gerahmten Fotos vor den Augen, überschlagen sich seine Gedanken und Erinnerungen: Seine Mutter, die viel zu früh verstarb, nämlich direkt nach seiner Einschulung; der Grossvater, der das berühmte Pulverwaschmittel, mitten im Wirtschaftswunder-Deutschland erfand, und es zu grossem Reichtum brachte, jedoch später alles verlor; und sein Vater, der nach dem Verlust seiner Ehefrau nie wieder heiratete und ihm nie etwas über sich oder seine Mutter erzählte.
Als er dann in seinem alten Kinderzimmer die Tagebücher seines Grossvaters findet und zusätzlich besprochene Tonbänder seines Vaters entdeckt, begibt sich Jakob auf eine Spurensuche, die ihn von Nazi-Deutschland bis nach Rio de Janeiro bringt.
Andreas Wunn ist es in seinem Buch perfekt gelungen, Elemente seiner eigenen Familie mit einer fiktiven Geschichte zu verknüpfen. Dieser Mann kann Schreiben! Geschickt katapultiert er uns in die Vergangenheit seiner Vorfahren, unchronologisch, oft unsortiert, und während wir noch mit unseren Gedanken bei seinen Vorfahren sind, ist er bereits wieder im nächsten Absatz im Hier und Jetzt - dabei fühlte ich mich, als Leser, nicht einmal verwirrt oder überfordert. Ein toller Schreibstil, eine tolle Geschichte, die mich von Beginn an fesseln konnte. Ein grandioses Buch, welches sicher den Weg in meine #highlights2023 schaffen wird.
Fazit: Andreas Wunn, den Namen merke ich mir! Grosse Leseempfehlung. 5+/ 5
Jakobs Vater liegt im Sterben. Der Sohn kehrt in seine Heimat an die Mosel zurück. Nach der Beerdigung beginnt er damit sich mit dem Werdegang der Familie zu beschäftigen. Er findet Tagebücher seines Opa’s und Sprachaufnahmen des Vaters auf Tonbandspulen. Sein Großvater erlebt im Wirtschaftswunder Deutschland einen sagenhaften Aufstieg, er erfand ein Waschpulver und wurde richtig reich dadurch. Die Geschäfte laufen gut, es sind saubere Zeiten. Aufstieg und Fall liegen nah beieinander. Jakob beginnt zu recherchieren und dabei ist ihm kein Weg zu weit. Er landet in Brasilien und lernt die Tochter des jüdischen Besitzers der Drogerie kennen. In dessen Laden begann der Aufstieg des Theodor Auber. Familiengeheimnisse werden aufgedeckt, es gibt Schuldgefühle und Bestürztheit. An Dramatik nicht zu tippen. Jedoch die Verbindung zwischen Vater und Sohn ist sehr innig. Warum aber konnte er nie um seinen Vater weinen?
Der Autor erzählt etwas emotionsarm die Tragödie der Familie über zwei Generationen. Manchmal kam ich ein wenig durcheinander, einige Passagen waren mir was die Zeitsprünge betrifft zu ruckartig geschrieben. Hier die Familie und dann direkt wieder diese Eifersüchteleien die Jakob an den den Tag legte. Der rührende Brief von Bella entlockte mir ein paar Tränchen.
Der Roman hat mir gut gefallen, ich kenne ja Trier sehr gut, weil ich dort in der Jugend eine Zeitlang gearbeitet hatte. Guter Schreibstil und kurze Sätze lesen sich flüssig weg. Kapitel sind nicht so lang das fördert den Lesefluss. Die Art wie der Autor schreibt hört sich für mich sehr glaubwürdig an. Die Geschichte ist fiktiv aber dennoch sind wohl einige Passagen, die aus der eigenen Familie des Herrn Wunn stammen. So könnte ich es mir jedenfalls vorstellen.
Auf jeden Fall hat es sich für mich gelohnt diese spannende Geschichte, welche der Schreiber gelungen und spannungsvoll erzählt hat gelese
Jakob Auber verliert seinen Vater. Im Nachlass findet er nicht nur die Tagebücher seines Papas sondern auch seines Großvaters. Mit jeder gelesenen Seite entdeckt Jakob seine Familiengeschichte…
„Saubere Zeiten“ war mein erster Roman von Andreas Wunn und hat mich über weite Strecken gut unterhalten. Der Autor präsentiert eine Familiengeschichte, in dessen Mittelpunkt Jakob Auber steht. Schade fand ich, dass der im Klappentext beschriebene Aufstieg und Fall des Imperiums seines Großvaters eher eine Nebenrolle spielte.
Jakob erzählt seine Geschichte aus der Ich-Perspektive. Dabei berichtet er nicht chronologisch, sondern springt zwischen seinem Leben und den Erinnerungen seines Vaters und Opas hin und her. Nach einer kurzen Eingewöhnung kam ich mit diesen Sprüngen gut zurecht und folgte gespannt, wie Theodor und Hans Auber zu erfolgreichen Geschäftsleuten wurden.
Jakobs Erzählweise ist angenehm, wenn auch manchmal von Selbstmitleid geprägt. Die Frauen in seinem Leben werden eindimensional und teils sexualisiert beschrieben. Das fand ich schade, denn beim Hören wird schnell klar, dass sie einen großen Einfluss auf Jakob hatten und haben.
Nils Nelleßen liest gelassen und trifft damit perfekt die Stimmung des Romans.
Insgesamt kann ich den Roman empfehlen, denn er gewährt Einblicke in die Denkweisen verschiedener Generationen und deren Schwierigkeiten, sich an Veränderungen anzupassen.
"Saubere Zeiten" ist als Roman eine typische Familiengeschichte. Andreas Wunn hat sich durch seine eigenen Großeltern inspirieren lassen und erzählt hier nun die Geschichte des Vaters und Großvaters des Ich-Erzählers. Im Roman heißt die Familie Auber und der Großvater erfindet zur Wirtschaftswunderzeit ein neuartiges Waschmittel, durch das die Familie reich wird. Die Leser:innen erfahren, wie der Großvater dazu kam Waschmittel zu machen, wie er erfolgreich wurde und wie sein Erfolg endete. All das erzählt der Sohn, dessen Vater, zu dem er nie eine enge Beziehung hatte, ins Krankenhaus kommt und im Koma liegt. Wunn hat einen schönen Roman geschaffen, der die Leser:innen durch eine Reise durch die Jahrzehnte mitnimmt und auch immer die Probleme der Zivilbevölkerung der Zeit erzählt. Der Autor schafft ein Stückchen Alltagsgeschichte, auch wenn genau diese Geschichte nie passiert ist. Wichtige historische Ereignisse werden in den Roman eingebaut und deren Bedeutung für die Familie, die Firma werden besprochen. Als Historikerin gefällt mir dieser Aspekt des Romans sehr gut. Sonst ist es für mich ein durchschnittlicher Roman, den man auch lesen kann, wenn die Aufmerksamkeit nicht allzu hoch ist. Wirklich gefesselt hat er mich nie, aber ich wollte ihn auch nicht frühzeitig beenden und das Ende konnte mich dann doch überraschen (vielleicht aber auch nur, da ich mir keine großen Gedanken über das Ende gemacht habe).
Das Buch handelt von Jakob Auber und dessen Familie. Als Jakob erfährt, dass sein Vater im Sterben liegt und deshalb in seine Heimatstadt Trier reist, entdeckt er, dass sein Vater ihm viele Tonbänder, Tagbücher seines eigenen Vaters (Jakobs Grossvater) und Fotoalben hinterlassen hat. Durch die Aufarbeitung seiner fast 100 Jahre zurückliegenden Familiengeschichte beginnt Jakob auch, sich selbst und seinen Bezug bzw. seine Vaterrolle zu seinem eigenen kleinen Sohn zu hinterfragen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Ich bin schnell tief in die Handlung eingetaucht und habe es innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. Mir haben die Zeitsprünge gut gefallen. Aus den Erzählstil ging meiner Meinung nach gut hervor, in welcher Zeit und aus wessen Sicht gerade berichtet wird. Nicht ganz klar ist mir, warum das Buch in 3 Teile unterteilt wurde. In jedem Teil wird sowohl aus der Vergangenheit wie auch aus der Gegenwart berichtet.
Man hätte das Buch durch ein anderes Layout auch etwas kompakter gestalten können. Durch einen etwas engeren Zeilenabstand hätte man einige Seiten gespart, worüber sicher der eine oder andere Leser, der das Buch beispielsweise während des Pendeln liest, froh wäre. So wirkt es etwas aufgebläht. Da ich das Buch aber bequem von zu Hause aus gelesen habe, ziehe ich dafür keinen Bewertungspunkt ab.
Alles in allem aber ein tolles, lesenswertes Buch.
Hat mir gut gefallen, irgendwie hatte ich die ganze Zeit so einen Schwarz-Weiß 50ger/60ger Jahre Film a la "Drei Männer im Schnee" im Kopf. Die Geschichte spielt auf drei, fast vier Zeitebenen-einmal in der Gegenwart, ein bissle als der Ich-Erzähler Kind war, dann zur Kinderzeit seines Vaters und auch zur Zeit, als der Großvater des Erzählers ein junger Mann war.
Am besten haben mir die "ganz historischen" Erzählstränge gefallen, sowohl die Beziehung vom Ich-Erzähler zu seinem Vater als auch die von Jakob zu den Frauen in seinem Leben und zu seinem kleinen Sohn kamen irgendwie ein wenig zu kurz, die habe ich nicht wirklich verstanden.
Ich mochte sehr das Setting im Saarland und an der Mosel - mal nix mit Metropole Berlin, da gibt's eh schon genug Bücher, die da spielen. Auch der brasilianisch Teil war gut erzählt, man merkt, dass der Autor länger selbst in Brasilien gelebt hat.
Und was dieser Briefmarkensammler im dritten Teil sollte, habe ich auch nicht verstanden. Trotzdem hat mich die Geschichte gut unterhalten, ich mochte die kurzen, nüchternen Sätze und die kurzen Kapitel, auch die Figuren fand ich gut nachvollziehbar.
Ich vergebe also gut 4 von 5 Sternen (davon ist ein halber Stern sicher fürs Cover, das gefällt mir supergut und es passt total gut zur Geschichte) und freue mich schon auf weitere Bücher von HerrnWunn.
Distanz Jacobs Vater liegt im Sterben, obwohl sie sich schon lange nichts mehr zu sagen hatten, fährt er zu ihm. Er kann nicht mehr mit ihm reden, findet aber eine Hinterlassenschaft in der sein Vater auf einmal erzählt, über sich, über den Großvater und andere wesentliche Abschnitte aus seinem Leben. Gleichzeitig wird dieses Erbe auch zu einer Aufgabe für ihn weiter nachzuforschen, zu den Geschehnissen die erst Wohlstand und den tiefen Fall seiner Familie vor zwei Generationen verursacht hat. Es ist vor allem ein Buch über Sprachlosigkeit und auch schwierige Familienkonstellationen. Ich fand das Thema spannend. Aufstieg und Fall von Familien ist seit den Buddenbrocks ein faszinierendes Thema. Hier war es allein von dem Zeitraum viel dichter beim Leser. Trotzdem hat mir einiges gefehlt. Der Ich Erzähler wirkt bis auf wenige Ausnahmen emotionslos. Er erzählt sehr distanziert von seiner Familie die er eigentlich erst durch die Informationen seines Vaters richtig kennenlernt. Diese Informationen lassen den Vater in der Rückblende zu Wort kommen, auch da fehlen Gefühle, das wird aber verständlicher weil es meistens die Erinnerungen eines Kindes und jungen Mannes sind die nun ein alter Mann schildert. Mit ein wenig mehr Esprit wäre es ein toller Roman geworden, so hatte ich das Gefühl ich lese ein journalistische Arbeit, eine Recherche die noch nicht vollendet ist.
„Saubere Zeiten“von Andreas Wunn, erzählt vom Aufstieg und Fall einer Familie und der Sprachlosigkeit das Erlebte zu erzählen.
Jacob Aubers Vater liegt nach einem Schlaganfall im Sterben. Nach dem Unfalltod seiner Mutter war die Beziehung zu seinem Vater immer sehr distanziert und so erfährt Jacob erst nachdem sein Vater verstorben ist, durch Tonbandaufnahmen, die sein Vater hinterlassen hat, die Geschichte seiner Familie. Vom Aufstieg und Fall der Familie Auber und deren Familie während und nach dem Krieg.
Die Antworten findet er nicht nur anhand der Tonbandaufnahmen, sondern auch durch seine Recherche, die ihn nach Brasilien führt, wo er eine Frau namens Bella trifft.
Der Autor erzählt eine Familiengeschichte, wie sie sicherlich mehrfach geschehen ist. Er erzählt von der Sprachlosigkeit, die manches Geschehen mit sich bringt und doch über Generationen Bedeutung hat.Der Titel des Buches hat doppelte und zudem zynische Bedeutung und ist damit sehr aussagekräftig, denn " Sauberkeit" spielt in der Familiengeschichte eine große Rolle. Der Erzählfluss des Romans ist unaufgeregt und doch interessant. So ganz konnte mich das Buch nicht abholen, aber es aber trotzdem gern gelesen.
Zuerst einmal muss ich sagen , dass ich mit dieser Rezension dem Buch niemals gerecht werden kann . Ich werde nicht die passenden Worte finden , die dieses wundervolle Buch verdient hätte . Aber ich werde es versuchen ! Meinung : Ich weiß ehrlich gesagt nicht ganz wo ich anfangen soll , denn dieses Buch ist einfach wundervoll, sehr traurig und dennoch von einer solchen literarischen Kraft, die aber stets zart und nachvollziehbar transportiert wird. Der Erzählstil des Autors ist so einzigartig und gewählt und macht einem als Leser sofort klar, dass hier ein versierter und talentierter Schriftsteller am Werk war. Dem Autor ist es in diesem Buch gelungen , Charaktere zu erschaffen , die man nie vergessen wird . Sie sind so echt , so lebendig und so sympathisch . Man vergisst förmlich , dass es sich dabei nur um Romanfiguren handelt, so plastisch und emotional ausgewählt sind diese zu Papier gebracht. Der Schreibstil des Autors ist so wundervoll und hat etwas so tiefgründiges, philosophisches , dass man als Leser , jedes Wort in sich aufsaugen möchte , weil es so viel enthält . Ein trauriges, aber auch ein sehr hoffnungsvolles und definitiv ein bereicherndes Buch!
Als Jakob Aubers Vater stirbt hinterlässt er ihm ein Familiengeheimnis, dem dieser nur auf die Spur geht. Nach und nach erfährt er immer mehr über das Leben seines Vaters und Großvaters, wobei es auch um den Aufstieg und Fall des vom Großvater erfundenen Waschmittel geht.
Das Buch hat mich von den ersten paar Seiten an sofort in seinen Bann gezogen, sodass es mir schwer fiel es aus der Hand zu legen. Durch die Zeitsprünge und Schilderungen aus des Großvaters Tagebüchern, aber auch durch die Einblicke in das Privatleben des Protagonisten kommt viel Abwechslung in die Geschichte. Thematisch wird auch die Moral der Leser*innen angesprochen und man muss sich fragen, wie man selber in einigen Situationen gehandelt hätte. Ebenso kann man sich gut in den Protagonisten hineinversetzen und kommt auch da nicht drumherum sein Handeln ein paar Mal zu hinterfragen.
Alles in allem hat mir das Buch sehr gut gefallen, da es spannend war und den histroischen Kontext gut eingeordnet und authentisch rüber gebracht hat.
Der Protagonist und Erzähler Jakob Auber hat seine Mutter schon früh verloren. Die Erinnerungen an sie und ihrem Tod in seiner Kindheit prägen die ersten Passagen des Buches, das ich als Hörbuch (erschienen bei Aufbau audio) gehört habe. Dann in der Gegenwart liegt auch sein Vater im sterben. Zurück im Elternhaus wird er wieder von Erinnerungen geflutet, auch an die seines Großvaters, der im Nachkriegsdeutschland mit einer Drogerie erfolgreich war, ein Waschmittel zu entwickeln. Auber mach Sauber wird zum geflügelten Wort, vergleichbar mit Rei in der Tube.
Die Geschichte seiner Familie lässt Jakob nicht los. Er beginnt weiter nachzuforschen, zum Beispiel anhand der Tagebücher und Tonbänder. Einige Passagen stellen dadurch auch Jakobs Vater Hans in den Vordergrund, später auch den Großvater und zeigt den Werdegang. Diese Erzählform hat auch seine Fallstricke, funktioniert aber.
Andreas Wunn hat mit Saubere Zeiten ein mehr als ordentliches, weitgehend undramatisches Romandebüt vorgelegt.
Nicht ausgesprochene Gefühle besonders zwischen Vätern und ihren Söhnen stehen im Mittelpunkt hier. Eine menschliche Leere und ein sehr distanziertes, sogar zerrüttetes Verhältnis nicht nur innerhalb der jeweiligen Familie macht sich breit – trostlos zu lesen im Gesamtkontext. Thematisiert werden auch die N.S.D.A.P. ihre Enteignungsmethoden, ihre oppressiven Aktivitäten gegenüber Juden und auch Deutschen. Insgesamt kommt diese Vergangenheitsbewältigung im Schreibstil nicht recht dynamisch an. Der Titel ‚Saubere Zeiten‘ könnte bewußt zweideutig gewählt worden sein, denn Auber macht im Roman ja gerade nicht alles zu menschlicher, charakterlicher Zufriedenheit sauber, viel Schuld lädt gerade der Großvater auf sich, zu finden in den verschiedenen Zeitdokumenten. Das Cover drückt viel abweisende Distanz zwischen zwei Generationen aus – ausdrucksstark. Insgesamt ein interessanter Blick in die deutsche Vergangenheit!
In diesem Familienroman arbeitet der etwa 40-jährige Protagonist Jakob Auber nach dem recht plötzlichen Tod seines Vaters seine eigene Familiengeschichte auf. Da wären zum Einen der Aufstieg seines Großvaters, der es mit der Erfindung eines Waschmittels zu Nachkriegszeiten zunächst Wohlstand und Berühmtheit erlangt hat. Aber auch den frühen Verlust seiner Mutter und das eher distanzierte Verhältnis zu seinem Vater beleuchtet Jakob hier mit Tiefe und Intelligenz. Die beschriebenen Figuren und auch die Geschichte der Aubers wirken durchaus authentisch und echt. Der Schreibstil kommt leise und vertraut daher und passt hier wunderbar zur Handlung.
Fazit: Dieser Roman ist wirklich gut gelungen und hat mir insbesondere wegen seiner Tiefe und jegliche kitschige Momente sehr gut gefallen. Ich spreche daher eine unbedingte Leseempfehlung aus.
Zum Inhalt: Als der Vater im Sterben liegt, reist Jakob in seine frühere Heimat und beginnt sich dort mit seiner Vergangenheit und der Geschichte der Familie zu beschäftigen. Und erst jetzt beginnt er zu begreifen, wodurch der Aufstieg aber auch Fall der Familiendynastie ausgelöst wurde. Eindringlich wird auf Konflikte eingegangen und die Verletzlichkeit von Familiengefügen gezeigt. Meine Meinung: Das war so ein Buch, von dem ich gar nicht mal so viel erwartet hatte, was einen aber in den Bann zieht. Eine feine, manchmal zarte, manchmal auch brutale Stimmung zieht sich durch das Buch, bei dem man auch oft gar nicht so genau weiß, wer eigentlich der Hauptprotagonist ist. Ich hatte die Gelegenheit sowohl Buch als auch Hörbuch zu genießen und ich habe auch beide genossen. Den Sprecher des Hörbuchs fand ich sehr angenehm. Daumen hoch! Fazit: Sehr emotional
Ich bin etwas enttäuscht. Für meinen Geschmack bleibt das Buch zu sehr an der Oberfläche. Der Autor hat es so arrangiert, dass alle Figuren, die etwas preisgeben können, bereits verstorben sind oder im Koma liegen. Gleichzeitig ist die Figur des Jakob m.E. zu oberflächlich. Deshalb kommt es nicht wirklich zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, sondern bleibt eher berichthaft.
Außerdem ist die Geschichte ziemlich vorhersehbar konstruiert. Insgesamt ok, aber ich würde es nur bedingt weiterempfehlen.
This entire review has been hidden because of spoilers.
4⭐️ Sehr schön, mal etwas über komplizierte Vater-Sohn-Beziehungen zu lesen! Mir hat jedoch irgendwie manchmal etwas gefehlt. Die Sprünge zwischen den Sequenzen waren sehr abrupt und zwischendurch hatte ich das Gefühl, der Autor habe den roten Faden verloren. Trotzdem ein tolles Buch, empfehlenswert.
Jakob macht sich auf den Weg in die Heimat, als er von der Krankheit seines Vaters erfährt. Dort taucht er ein in die Geschichte seiner Familie, deren Aufstieg und Fall in Zeiten des Wirtschaftswunders und muss sich gleichzeitig mit seinen eigenen Lebensentscheidungen auseinandersetzen.
Die Geschichte teilt sich auf in die Gegenwartserzählung, die hauptsächlich Jakobs Leben zum Mittelpunkt hat und die Aufarbeitung der Familiengeschichte seiner Eltern- und Großelterngeneration. Trotz der zwei Erzählstränge liegt der Fokus auf der Gegenwart, bis sich diese im Laufe des Buches mit den Einflüssen der Vergangenheit vermischt. Dabei stehen vor allem die Familienverhältnisse im Vordergrund, die geprägt sind durch emotionale Kälte und das Totschweigen wichtiger Themen, was zu Distanz und Sprachlosigkeit untereinander führt. Der Einstieg fällt durch den flüssigen und nahbaren Schreibstil leicht und man ist schnell in der Geschichte gefangen. Die Sätze sind kurz und auf den Punkt gebracht, ohne dass die Emotionalität verloren geht. Dadurch habe ich das Buch recht schnell lesen können.
Insgesamt hat es mir gut gefallen, mich jedoch nicht länger gefesselt. Die Thematik war spannend, gerade vor dem persönlichen Hintergrund des Autors, welcher laut Nachwort die Inspiration aus der eigenen Familiengeschichte nahm. Die Verknüpfung nach Rio war mir dann etwas zu ‚weit weg‘, geographisch und inhaltlich gesehen, wenn es auch die Geschichte letztendlich rund gemacht hat. Auch das Privatleben des Protagonisten war mir zu unrealistisch, es ähnelte dem eines Teenagers, der weder finanzielle Grenzen noch berufliche Verpflichtungen kennt. Dennoch war die Geschichte im Großen und Ganzen stimmig und spannend erzählt, sodass ich mir vorstellen kann, dass es vielen gefallen wird, die mal wieder einen schönen Roman lesen möchten.