Dieses Buch ist keine durchgehend erzählte Biographie, sondern nähert sich der faszinierenden Gestalt Friedrichs II. in einer Reihe von Aufsätzen, die ineinander greifen, aber jeweils einen unterschiedlichen Blickwinkel auf Leben und Herrschaft des letzten staufischen Kaisers einnehmen.
So entgeht die Darstellung einer Versuchung, die, wie zugleich bestens dargestellt wird, fast alle Bücher und Zeugnisse über Friedrich kennzeichnet: die vereinfachende Deutung in diesem oder jenem Sinne, die meist mehr über die Autoren dieser Projektionen und ihre Sehnsüchte enthüllt, als über den Imperator, dessen zahlreiche Facetten sich umso mehr jedem platten Klischee widersetzen, je länger man hinschaut. Rader hat vielleicht nicht jede Facette erschöpfend behandelt: aber er hat mit Sicherheit keine weggeschliffen.
So kann man Vieles aus diesem Buch lernen, nicht nur über Friedrich: auch über Historiographie, Propaganda im Mittelalter, die Bedeutung mittelalterlicher Herrscher für moderne nationale Mythen, und vieles mehr. Die Lektüre ist in jedem Fall ein großer Gewinn, den man ohne große Anstrengung machen kann, denn der Erzählton ist bei aller Ernsthaftigkeit der dahinter stehenden wissenschaftlichen Arbeit locker, bisweilen umgangssprachlich, und oft von einem hintergründigen Humor durchzogen. Sehr empfehlenswert.