»Ich weiß, wie wenig selbstverständlich es ist, dass das Gespräch zwischen den Generationen am Lebensende glückt.«.Was wissen wir wirklich über das Leben unserer Eltern, der Kriegskinder? Wann ist der richtige Zeitpunkt, zum Archäologen des eigenen Lebens zu werden und die Eltern zu befragen? Jürgen Wiebicke folgt den Berichten seiner Eltern, die konfrontiert mit dem Tod von einer radikalen Offenheit getrieben sind und ihre Erlebnisse nicht mehr für sich behalten wollen. »Man hat den Tod eines Menschen mit dem Brand einer Bibliothek verglichen. Bestimmte Geschichten können anschließend nicht mehr erzählt werden. In dieser Hinsicht ist der Tod ein einziger Skandal, ein großer Vernichter.« Als sich für die Mutter von Jürgen Wiebicke das Lebensende abzeichnete, wollte er es besser machen als beim Tod des Vaters. Mit beiden führte er – in dieser Intensität zum ersten Mal – Gespräche über deren Leben und Erfahrungen, damit die Erlebnisse der Generation, die Krieg und Nationalsozialismus als Jugendliche miterlebt hat, nicht mit dem Tod verschwinden. Doch nur bei der Mutter schrieb er mit. Alles aufzuschreiben scheint besonders wichtig, weil die Geschichtsleugner und Hassbereiten wieder aus den Löchern kriechen, während die letzte Generation der Zeitzeugen abtritt. Liegt das auch daran, dass Zyklen von Krieg und Frieden mit verblassender Erinnerung zusammenhängen? Jürgen Wiebicke erzählt exemplarisch von einer Generation, die den Krieg mit voller Wucht abbekam, und zieht die Parallelen zur heutigen Zeit. Und er schreibt über das Sterben und den Tod in der heutigen Gesellschaft, für die der Umgang mit dem Thema Endlichkeit immer problematischer wird.
So Würde ich gerne die Lebensgeschichten meiner Eltern erzählen…. Beeindruckend was möglich war für Herrn wiebicke und seine Eltern. Versöhnung mit dem Leben und dem Sterben müssen.
Lebens- und Familiengeschichte von der Mutter von Jürgen Wiebicke. Der sympathische, kluge Philosoph und Moderator blickt zusammen mit seiner Mutter auf ihr Leben zurück. Wichtig! Note: 2
Ich war persönlich bei einer Lesung und begeistert von dem Buch und den Anregungen, die es mit sich gebracht hat. Als ich es allerdings selber gelesen habe, war ich oft verwirrt vom Schreibstil: ist er gerade in der eigenen Erinnerung an eins der Gespräche, befinden wir uns in einer Erinnerung seiner Eltern oder anderen Familienangehörigen? Ich fand es sehr undurchsichtig geschrieben und war mir häufig nicht ganz sicher, wessen „Mutter“ jetzt gemeint war. Die Geschichten sind in Gedanken immer wieder gesprungen, was vermutlich daran liegt, dass sie auch mit diesen Sprüngen erzählt wurden. Dies macht es für den Leser jedoch nicht einfacher das Ganze zu verstehen.
Ich muss allerdings sagen, dass mich das Buch und vor allem die Lesung sehr bewegt haben und ich froh bin, dass der Autor diese intimen Geschichten seiner Familie mit uns Lesern unverblümt teilt.