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Play: Geschichten aus New York

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120 pages, Hardcover

Published January 1, 2002

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Peter Rehberg

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Profile Image for Klaus Mattes.
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April 4, 2026
Peter Rehberg ist einer von denen gewesen, die ihre Texte eingeschickt hatten zum „Literaturpreis der schwulen Buchläden“ (2000, aber auch schon davor und noch ein wenig danach). Unter die drei am Ende Nominierten kam er ebenso wenig wie ich, doch gingen beider Texte ein in den vom Verleger von „Männerschwarm“ herausgegebenen Sammelband, „American Love Story“, war im folgenden Jahr.

Ich weiß noch gut, Joachim Bartholomae, Hamburger Buchhändler, Übersetzer, Lektor, pflegte diese Gelegenheiten zu nutzen, um aus dem Schaulaufen dieser „sozusagen Laien“ eine frische Autorengilde für seinen kleinen Verlag „mit Anspruch“ zu gewinnen. (Seinerzeit geschah schwuler Buchvertrieb in Deutschland immer mit ärgerlichem oder auch neidischen Blick zum Berliner Bruno Gmünder hinüber, der auch noch eigene Zeitschriften, den Video-Vertrieb, mehrere Läden hatte. Mittlerweile sind beide Häuser, Männerschwarm wie Gmünder, zu Sparten der Auffanggesellschaft Salzgeber Medien mutiert, wo der älter gewordene Bartholomae als Berater und Übersetzer noch wirkt.) Vielen von uns wurden Projekte vorgeschlagen. Ich konnte den von mir gewünschten Roman nicht abliefern.

Peter Rehberg lieferte ihn hiermit ab. Obwohl das ein sehr kurzes Buch ohne Geschichte ist, eine Abfolge von ganz rotzig, flüchtig geschriebenen, leider nicht genug redigierten Notizen von einem Aufenthalt des Erzählers in New York, als Hochschuldozent. Von Rehberg sollten bei Männerschwarm noch zwei Bücher kommen. Von den anderen Debütanten dieser Zeit, Peter Tschiche zwei kleine Bücher, ebenso vom unter dem Pseudonym Victor Aadlon arbeitenden Paul Kremp. Dagegen je nur einmal und dann nie wieder gab's Klaus Berndl, Arthur Knebel, Gregorio Ortega Coto. Von anderen, nachmals schon auch noch bekannt werdenden Autoren der Literaturpreis-Story-Anthologien brachten Gunther Geltinger, Marko Martin, Eric Hegmann, Simon Froehling, Karen-Susan Fessel, Corinna Waffender, Markus Dullin, Stephan Niederwieser, Holger Siemann, Peter Nathschläger, Jörg Rehmann, Thomas Endl es zu zum Teil zu wesentlich eindrucksvolleren Verlagsadressen, zu höheren Auflagen, mehr Beachtung, bisweilen, indem sie dann noch ganz was anderes schrieben. Einzig Marcus Brühl gelang bei Männerschwarm der Durchbruch zum schwulen Jungstar, doch brachte er, der vorher Lyriker gewesen war, es zu keinem Unterhaltungsroman mehr und ist dann früh verstorben (nicht an AIDS).

„Play“, das man ja schnell durch hat und das einen bisweilen - in seiner Spielfreude und aufgesetzten Forschheit - sogar amüsieren kann, muss man sich wie Stuckrad-Barre und Sybille Berg fliegen nach New York denken. Späte Neunziger, es spielt an sich im Jahr 1996. Madonnas „Ray of Light“ ist State-of-the-art für Schwucken, wie er das nennt. „Ray of Light“ war zwar erst 1998, wie ich googlen musste, ich habe sie nie gehört, aber er ist hier gerade 30 und also gerade noch jung. Worauf er achtet. Er ist nicht wirklich klein, nicht wirklich passiv, hat diese Glatze nicht wegen Skin rasiert, sondern weil er schon immer zu hoher Stirne neigte. (Heute immer noch Glatze, Brille und Bart sind hinzu gekommen, Bauch hat er immer noch keinen. Im Buch geht er oft zum Gym.) Oder er hat sich halt jünger gemacht um zwei Jahre. Oder er wusste es nicht mehr so genau. Das Buch zog sich irgendwie hin zwischen 1998 und 2002.

Jedenfalls ist es ein Buch, das diese deutsche Schnöseligkeit kultiviert, dass in Deutschland, jedenfalls Schwucken-Deutschland, jedenfalls Berlin, seit das alles offen ist, alles klein und bürgerlich ist, aber da in New York alles so viel anders, wie wir uns gar nicht ausdenken können. Können wir aber. Es hat den journalistischen Atmo-Blick für Nebensachen, wie wenn man Hubert Fichte in afrikanischen Kulten wäre. Da kann man auch immer was anfangen, mixen, gleich wieder abbrechen, zu plan sollte es nicht sein.

Es handelt vom verbrannten Lachs-Abendessen bei seiner Freundin, von Vor- und Nachteilen amerikanischer Sexzeitschriften (mit und ohne Frauen), von irgendwie schwulen Heten, die man im Gym mag, von winzigen, verdreckten Manhattan-Wohnungen, die ein Vermögen kosten, von Kumpels, die Drogen nehmen und Sex hatten, von Schreibtischen, die nicht durch die Türe gehen und deswegen aufs Flachdach geschleppt werden.

Im Gefolge der auf 2000 hin sich im Schwunge befindlichen Zeitgeist-Schreibe werden so Haltungsnoten vergeben. Eine Zeitschrift mit halbnacktem Brad Pitt („Fight Club“ wohl, er nun erst 1999, aber es geht um Coming-soon-Promotion) ist super, Safer-Sex-Jack-off-Partys sind cool, wegen AIDS. The Smiths gehen noch gut. Doch New Yorker Schwulenläden spielen öfter Billy Joel und Joan Jett, die sind übel, fast schon deutsch. Das Folgende gibt den Jazzpolizei-Beiklang wieder, wobei Jazz das Letzte wäre, was diese Menschen sich antun. Original transkribiert von mir mit den grammatischen Verwegenheiten & Rechtschreibfehlern. Ich kann mich da nicht überwinden; ich nehme es den Korrektoren und Verlegern übel, die so was entweder nicht merken oder es als Ausweis genial dilettantischer Unerschrockenheit würdigen. (Verleger und Korrektor dürften dieselbe Person gewesen sein.)

Wieder in Café. Am Nebentisch herrscht Superstimmung. Vier Männer sitzen da und sagen nichts. Das man zu zweit nichts sagt kommt vor. Aber zu viert? Wie geht denn das? Das Schlimmste ist, dass das hier der lokale Schwulenklub ist. Zwei z. B. haben Pullover über den Schultern hängen, was ich schon seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe. Was viel schlimmer ist, alle vier sehen hässlich und unglücklich aus und haben sich wirklich überhauptnichts zu sagen. Schweigen. Schweigen. Schweigen dringt herüber. Also so wird man, wenn man nicht abhaut. So siehts aus, so sieht man dann aus. Selbstschuld. Basta.

Der eine Homo aus der Homogruppe zieht sich jetzt den auf der Schulter zwischengelagerten Wollpullover über. Mit Vau-Ausschnitt und roten und weißen Ringen an den Bündchen. Abwechselnd zupft er sich am Pullover und am Bart herum. Jeder kuckt in eine andere Richtung. Pause. Solln wir? Dann gehen sie. Zwangsgemeinschaft oder alleine bleiben, weiter gibts hier nix.

Rehberg, der Autor, lehrte später in Austin, Texas, ging nach Berlin, wurde Chef beim Schwulenmagazin „,Männer“, das von Gmünder verlegt wurde. (Printausgabe 2017 eingestellt, Rehberg war noch nicht der, der wegen seinen rechts-populistischen Meinungen auffiel.) Auch genoss Peter Rehberg, der in USA zuerst Germanistik, dann Queer Studies unterrichtet hatte, den Bonus eines abrufbaren Experten für „Hipster Porn - Queere Männlichkeiten, affektive Sexualitäten und neue Medien“ für Formate vom Schlage der „Die Zeit“, taz, etlicher Goethe Institute. Heute ist er Chef im Schwulen Museum in Berlin und schreibt keine Romane mehr.
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