Frühjahr 1858: Ein Brief verlässt eine kleine Insel in den Molukken. Sein Ziel ist Südengland, sein ein Aufsatz über den Ursprung der Arten. Kaum ein Jahr später sorgt die Schrift für Aufsehen und wird bekannt als Theorie der Evolution. Doch nicht der Verfasser des Briefes, der Artensammler Alfred Russel Wallace, erntet den Ruhm dafür, sondern sein Empfänger, der Naturforscher Charles Darwin. Von Wallace bleibt lediglich eine nach ihm benannte Trennlinie der Arten im Malaiischen Archipel.Einhundertfünfzig Jahre später stößt der Museumsnachtwächter Albrecht Bromberg auf das Schicksal des vergessenen Wallace. Er begibt sich auf seine Spuren und je länger er mit Wallace unterwegs ist, desto mehr zweifelt Bromberg an, ob alles so bleiben muss, wie es ist. Er fasst einen Plan, der endlich denjenigen ins Licht rücken soll, der bisher im Dunkeln war, und Geschichte wird nicht gemacht, sondern geschrieben.
Ein erstaunlich starkes Debüt von Anselm Oelze, kurzweilig und unterhaltsam. Für mich persönlich hätte der Roman durchaus umfangreicher sein können, dieses interessante Thema hätte es auf jeden Fall hergegeben.
Zwei Kapitel und knapp zwei Stunden im Audiobuch bis zu einer wilden Jagd mit einem Schmetterlingsnetz bringen uns zum ersten klaren Hinweis, was den Hauptcharakter wirklich umtreibt. Bis dahin bleibt er ein entrückter Fremder, ein „junger Bärtiger“, dem vom Autor ein Name verweigert wird. Warum, kann ich nicht nachvollziehen und es macht es mir schwer, Interesse oder Mitgefühl für den Hauptcharakter aufzubauen. Sein Begleiter ist ebenso lapidar „der Indianer“ und hat keinerlei persönliche Züge.
Einen roten Faden hatte ich nicht wirklich entdecken können bis zu diesem Punkt. Dass Ganze ist eher eine Aneinanderreihung von verschiedenen Erlebnissen unseres Bärtigen, seiner Familie oder des Nachtwächters, dem wir zu Anfang in der Gegenwart begegnet sind. Und diverser eher zufälliger Personen, die keinen Bezug zur Geschichte haben und deren Erlebnisse nichts dazu beitragen.
Ich vermisse Gefühle. Das Ganze liest sich etwas wie eine Bedienungsanleitung mit zuvielen Beschreibungen. Da hätte ich auch direkt ein Sachbuch über Wallace lesen können, dann hätte ich zumindest mehr erfahren zur Prämisse dieses Romans.
Eine weitere halbe Stunde des Audios hat tatsächlich etwas Bewegung in die Geschichte gebracht, aber ich bin nicht mehr wirklich interessiert. DNF nach circa 2.5 Stunden bzw. rund 88 Seiten.
Anselm Oelzes Roman Wallace zeichnet das Leben von Alfred Russel Wallace nach, dem ewig Zweiten, dem, der nie als Entdecker der Evolutionstheorie in die Geschichte eingegangen ist. Dabei hat Wallace zur selben Zeit wie Darwin ganz ähnliche Überlegungen zur natürlichen Selektion und zur Entstehung von neuen Arten gemacht. Doch Darwin kommt ihm zuvor, veröffentlicht seine Schriften zuerst und sichert sich so einen Platz in der Geschichte.
Der Roman verleiht Wallace eine Stimme. Er nimmt den Leser mit auf Wallaces Expeditionen in den Regenwald Brasiliens, wo er unermüdlich tausende Käfer und Schmetterlinge sammelt, die ihm die Anerkennung und die Aufmerksamkeit seiner englischen Zeitgenossen zu versprechen scheinen. Doch bei seiner Rückreise nach England fängt das Schiff Feuer und Wallaces kostbare Ladung versinkt im Meer.
Wallace verzagt nicht, macht sich auf die Reise nach Malaysia, entdeckt dort die Trennlinie der Arten zwischen der asiatischen und australischen Region und schreibt Darwin von seinen Überlegungen über die Entstehung neuer Arten.
Anselm Oelze hat einen Roman über das Glück geschrieben, über das Schicksal und seine Wendungen, über das Selbstbewusstsein, den Mut und den Glauben an sich selbst, über Sieger und Verlierer und über Geschichte und Geschichtsschreibung. Er verleiht einer historischen Figur eine Form und Stimme, die es verdient hat, wahrgenommen zu werden. Der Roman setzt Wallace ein wohlverdientes Denkmal, erkämpft ihm nachträglich einen Platz in der Geschichte und macht ihn einem breiten Publikum vertraut.
Ein lesenswertes Buch, das es nicht zu verpassen gilt!
Am Anfang dieses Roman stand vermutlich eine Idee: Wie ungerecht es nämlich ist, dass Darwin und Wallace zwar gleichzeitig auf die Evolutionstheorie kamen, aber nur der eine sich als Ikone der Wissenschaft in das Gedächtnis der Menschheit brannte, obwohl der andere die Idee sogar als Erster aufs Papiergebracht hat: in einem Brief von Wallace an Darwin. Aus dieser Idee entwickelt Oelze zwei Erzählstränge: Zum einen folgen wir dem Leben Wallaces in ausgewählten Streiflichtern, zum anderen dem Museumsnachtwächter Albrecht Bromberg in einem Wendepunkt seines eingefahrenen Lebens. Es ist alles da für einen runden Roman: eine erstklassige Ausstattung durch den Verlag Schöffling & Co., ein faszinierendes Gelehrtenleben, exotische Schauplätze, ein epochaler Konflikt und ein stimmiger Antiheld mit extravaganter Entourage (ein Stammtisch namens „Elias-Birnstiel-Gesellschaft“). Und dennoch halte ich den Roman für misslungen. Warum? Das liegt am Stil und dem schlecht angefassten Personal sowie einer hanebüchenen Wendung. Zunächst ist es die Sprache, die ungemein störend ist. Oelze befleißigt sich eines eigenartigen, umständlichen Stils, bei dem die Zeilen mit Adjektiven geflutet werden, dass jeder Stilkunde die Blätter aus der Bindung rutschen. „Gelbschnabelige Tukane“ (S. 56) bevölkern statt Gelbschnabeltukanen den Urwald, von denen manche auch noch „breitschnabelig“ (S. 57) sind, der „malaiische Maat in seinen ockergeben Puffhosen schlug so laut und energisch mit dem messingenen Klöppel gegen das glänzende Gehäuse der Glocke“ (S. 8), „sommersprossige Bananen“ (S. 225) erfinden ein neues Adjektiv und „vielförmig gemusterte Jaguare“ (S. 57) lassen den Leser sich wundern, wie wohl einförmig gemusterte Jaguare aussehen würden. Gepaart wird diese Lust am Attributieren mit einer verirrten Wortwahl, die sich offenbar aus der falschen, aber unmittelbar benachbarten Schublade bedient: „Weltgewandtheit“ statt Weiterfahrenheit (S. 59), „Auskommen“ statt Lebensgrundlage (S. 66) und dergleichen mehr. Am unerklärlichsten bleibt die Entscheidung des Autors, seinem Titelhelden das ganze Buch über seinen Namen zu verweigern. Von den ersten Szenen bis zum Schluss wird Wallace in seinem Erzählstrang konsequent als „der junge Bärtige“ bezeichnet, der später dann zum „Bärtigen“ reift. Unerklärlich ist diese gekünstelte Distanz zur Person auch deshalb, weil sie den Schwerpunkt nicht etwa auf den Forscher, Weltreisenden, Denker oder Geographen legt, sondern auf das äußere Merkmal des Bartträgers. Hierin war Wallace seinem Evolutionszwilling immerhin voraus: Wallace hatte schon einen bemerkenswerten Bart, als Darwin noch auf den Backenbart beschränkt war (im Alter von 45 Jahren). Aber so bemerkenswert ist das dann auch wieder nicht. Überhaupt dieser Titelheld: Alfred Russel Wallace ist gewiss keine einfach zu fassende Persönlichkeit gewesen. Sein Lebenslauf ist eher krumm - zum Naturforscher wurde er erst „auf dem zweiten Bildungsweg“, einen ersten durchschlagenden Erfolg verhinderte der schicksalhafte Verlust von fünf Jahren Forschungsleistung in Brasilien bei einem Seeunglück, und am Ende protestiert Wallace nicht einmal, als Darwin das ihm zugesendete Manuskript über die Entstehung der Arten nicht nur nicht veröffentlicht, sondern einen eigenen Aufsatz mit denselben Ideen veröffentlichte. Warum nicht? Ist es die Schüchternheit Wallaces, von der uns Oelze in seinem Roman berichtet? Ist es die Unsicherheit, ob die Theorie überhaupt ankommt und in der Öffentlichkeit bestehen kann? Oder ist es vielleicht auch die Tatsache, dass Wallace schon gewusst hat, dass Darwin mit einer solchen oder ähnlichen Idee seit Jahren schwanger ging, weshalb er sich gar nicht ausgestochen gefühlt hat? Wissen wir nicht - die Darwin- und die Wallace-Biographen wissen es auch nicht, geben aber unisono Darwin den Vorzug. Zurück zur Figur Wallaces: Ist er eigentlich ein Naturforscher? Einer, der für die Verbreiterung des menschlichen Wissens kämpft? Der für das Wissenschaftlerleben brennt? Er ist es nicht. Er ist ein Sammler, und zwar ein richtig guter, nicht nur was Käfer betrifft. Er bedient - auch aus finanziellen Gründen - das Bedürfnis von Sammlern in England und sammelt auf seinen Reisen nach Brasilien und Indonesien mit den Absichten des Verkaufs. Die so gelehrt daherredenden Herren sind seine Sache sowieso nicht (S. 87) - und als er nach dem Brasiliendesaster erneut aufbrechen möchte, lässt er sich nicht etwa von einem eigenen Erkenntnisinteresse, einer eigenen Forschungsidee leiten, sondern lässt sich Malaysia vom Präsidenten der Geographischen Gesellschaft empfehlen (S. 135). Wallace ist kein Visionär, er ist ein Sammler und Beobachter mit guten Ideen. Zum Beispiel zum Ursprung der Arten und zur Biogeographie („Wallace-Linie“), aber auch zu gesellschaftlichen Problemen und spiritistischen Modellen. So schwer das Leben des historischen, wirklichen Albert Wallace zu fassen ist, so schwer ist es auch Oelze gefallen, seinen literarischen Titelhelden zu fassen. Der „junge Bärtige“ bleibt unverständlich und funktioniert als Romanfigur nur so lala, auch weil er so, wie er angelegt ist nicht zum Helden taugt. Was darüber hinaus unbegreiflich bleibt - weil sie das eigentlich Interessante an Wallace ist, wenn man ihn Darwin gegenüber stellt -, ist die mangelhaft ausgeführte Forscherinnensicht: Erst zum Ende hin dürfen wir Wallace einen klugen Gedanken zu Ende denken lesen. Zuvor auf S. 66 f. wird diese wichtige Szene verschenkt: Wallace fragt sich nach dem Ursprung der Vielfalt und mithin nach dem Ursprung der Arten – einem Kern von Wallaces Schaffen! Und was macht Oelze aus der Szene? Sie mündet in einem Urwaldklamauk, bei dem der "junge Bärtige" nackt den Schmetterling jagt. Dieselben Gedanken versenkt Oelze dann auf S. 86 erneut in der Nackedeigroteske. Vielleicht ist das verzögernde Absicht? Damit entscheidende Erkenntnisse erst später, im malaiischen Dschungel geliefert werden können? Selbst dann aber empfinde ich die clowneske Unterbrechung als schlechte Autorentscheidung. Was ist mit der zweiten Hauptfigur Albrecht Bromberg? Er funktioniert ziemlich gut - ein talentierter Mensch ohne persönlichen Ehrgeiz landet er nach einigem Herumstudieren als Nachtwächter im Naturkundemuseum. Hier richtet er sich in einem Leben ein, das er dank eingetaktetem Ablauf nicht mehr hinterfragen muss. Solchen Menschen kann man immer wieder begegnen - und dass sie sich dann doch irgendwann für eine Sache begeistern, kommt immer wieder vor. Soweit, so plausibel. Wie genau Brombergs Interesse geweckt wird, finde ich diskutabel (der „Stolperer“), aber egal. Brombergs morgendlicher Stammtisch - die „Elias-Birnstiel-Gesellschaft“ - ist der Höhepunkt des Buchs. Die skurrilen Figuren hier (es hätte auch ein Frau dabei sein können …) knattern ihre intellektuellen Wortspiele nur so herunter und reißen einige großen Themen an - Geniebegriff, Theodizee, Voltaire versus Leibniz etc. -, womit auch ein paar Flanken abgedeckt sind, die man braucht, wenn man die Ungerechtigkeit von Darwin/Wallace, die ich als Ursprung des Romans bezeichne, thematisieren möchte. Das ist nicht zu tiefgeschürft und unterhaltsam. Auch der Antiquar Schulzen würzt das Personal des Romans mit seinem skurrilen Auftreten. Alles wäre nochmal gut gegangen, wenn Oelze nicht mit Rosa die Frau in Brombergs Leben hätte treten lassen, die den Charakter des Romans mit einer Schnapsidee umkehrt: Sie schlägt vor, den verschwundenen Begleitbrief Wallaces, in dem er Darwin um Veröffentlichung des zugesendeten Aufsatzes bittet, zu fälschen. Zwar wäre damit immer noch nicht Wallace der Erfinder der Evolutionstheorie - da sind in Fachkreisen sowieso Darwin und Wallace gleichberechtigt -, aber Darwin stünde als mieser Kollege da, der dem anderen den Ruhm gestohlen hätte, als erster publiziert zu haben. An dieser Stelle (S. 231) bricht die Urmotivation des Romans heraus, Wallace zu retten, hier werden Oelze und Bromberg/Rosa eins, denn Oelze lässt in einem letzten, lahmen Kapitel Wallace tatsächlich einen solchen Brief geschrieben haben. Im Übrigen wird dieser Brief nicht zitiert, sondern nur beschrieben, dass er existiert. Wie überhaupt Oelze nicht ein Schriftstück mit eigenem Wortlaut reden lässt, Nicht einmal das kurze Telegramm des verhinderten Brautvaters, das eine so niederschmetternde, auf Seiten ausgebreitete Wirkung auf den abgewiesenen Wallace hat, wird wörtlich wiedergegeben (S. 131 f.). Fad. Dafür spickt Oelze den Roman mit mehr oder minder passenden Exkursen - zum Überleben der Zikaden dank Primzahlenintervall (S. 116 ff.), zur Landkartenverzerrung (S. 191 ff.), zu wählerischen Bienenvölkern (S. 205 ff.), zum Wunderbaren (S. 217 ff.) u.s.w. Fast immer „nice to know“, aber fremd in der Geschichte. Als Fazit bleibt mir nur, die Befürchtung Brombergs zu bemühen, dass manche als „Knaller“ gedachte Idee „als armselige, kleine Böllerchen“ verrecken (S. 227). Ein schöner Roman mit viel Potenzial ist hier misslungen.
Ich kann hier eigentlich nur die Review vom User "Von Beust" wiederholen. Die Idee hinter dem Roman, unbekannte Tatsachen aufzudecken und das auch noch auf zumindest gewollte unterhaltsame Art, fand ich gar nicht schlecht. Aber gewollt ist nicht gekonnt und somit war der Erzählstrang von Wallace irgendwie langweilig. Weder konnte ich emotional zum Wissenschaftler aufschließen, noch war das Buch fachlich tiefgehend und dadurch interessant. So habe ich eigentlich nur darauf gehofft dass seine Kapitel zu Ende gehen und wieder von Bromberg aus der Gegenwart erzählt wird. Hier war der Mensch und seine Gedanken zumindest ganz witzig und auch sein Leben als Nachtwärter im Museum mal was anderes. Dass Rosa am Ende des Buches eingeführt wurde fand ich gar nicht verkehrt weil Bromberg dadurch zumindest ein wenig über sich hinauswächst. Allerdings hätte man sein Unterfangen auch nach Juhas Besuch beenden können.
Ein Buch was man lesen kann und an manchen Stellen unterhält, aber was man am Ende auch wieder ohne nochmal darüber nachzudenken zurück ins Regal stellt.
Wallace è il mio eroe, ancora più di Darwin. Certo, è impossibile non ammirare Darwin, tanto che sono convinta che, pur senza scomodare la teoria dell'evoluzione, anche se mai non avesse avuto questa straordinaria pensata, egli sarebbe stato ricordato comunque come un grande scienziato: metodico, pignolo, dagli ampi interessi. Anche perché la posizione della sua famiglia lo ha aiutato sin dall'inizio, e il bestseller che fu il suo racconto di viaggio lo espose a onori e gloria prima che le critiche e il suo stato di salute precario lo facessero rintanare in un ambiente più protetto e un po' più lontano dalle luci della ribalta. Ma Wallace è stato un elusivo, un modesto, uno con le spalle molto meno coperte, che arrivò comunque a simili conclusioni geniali - e questo a dimostrazione del fatto che le menti brillanti sono comunque figlie di ciò che "è nell'aria" quando queste menti si formano e crescono. Uno che in una paginetta sintetizzò i mattonazzi che Darwin teneva nel cassetto, senza sapere bene quando tirare fuori questo coniglio dal cappello. Wallace è il mio eroe. E per questo mi dispiace ammettere che questo libro, che del mio eroe dovrebbe parlare, è stato una noia mortale. La trama è esile e la scrittura iperaggettivata e piena di riempitivi, che purtroppo non risultano molto coinvolgenti, e questo soprattutto perché si sente che il romanzo è acerbo. Qualcosa non va: è come un ingranaggio non oliato che si inceppa e tutto suona come forzoso. Tutti i personaggi parlano nello stesso modo, si parlano con un linguaggio da libro stampato - ok, questo È un libro stampato, ma quello che intendo è che i dialoghi suonano innaturali e che, se fossero stati interpretati da personaggi anonimi in quasi totale assenza di contesto, sarebbe stato identico (forse anche meglio). Anche il corso degli eventi sembra piegato forzosamente alla volontà dell'autore, con cose che guarda caso, inverosimilmente, succedono. All'entrata in scena della deus ex machina della bibliotecaria, magicamente interessata alle richieste di Bromberg, mi sono sentita in imbarazzo e mi sono chiesta se non stessi leggendo un romanzo rosa, per fortuna quello sviluppo mi è stato risparmiato. Ma il corso della storia è molto spigoloso e, pur provando a essere dettagliata, la scrittura rimane a due dimensioni: manca decisamente di profondità. Mi viene da pensare che l'intento fosse quasi quello di raccontare una specie di fiaba, intento che però non ho apprezzato, non mi piace molto l'idea che il mio eroe venga raccontato in una fiaba. Forse è solo una scusa per parlare di Wallace, ma, allora, meglio un saggio.
Den meisten Menschen der Welt, die das Glück hatten und haben, eine Schule besuchen zu dürfen, ist Charles Darwin vermutlich ein Begriff. Der Begründer der Evolutionstheorie. Weniger bekannt dürfte den Meisten hingegen Alfred Russell Wallace sein, der praktisch parallel zu den gleichen Ergebnissen gelangte, mit denen zeitlebens Charles Darwin verbunden ist. Als Alfred Bromberg, Nachtwächter im Museum für Natur- und Menschheitsgeschichte, zufällig auf ein Foto von Wallace stößt und von einem befreundeten Antiquar dessen Lebensgeschichte erfährt, beginnt er auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, ob Darwins Ruhm nicht eigentlich Wallace zusteht. Kann er, Bromberg, ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen? Abwechselnd zu Brombergs Geschichte wird auch von Wallaces Leben erzählt, seinen Reisen nach Südamerika wie auch Asien. Der Autor besitzt einen herrlichen, leicht altertümlich liebenswürdigen Stil, der einem praktisch die gesamte Lesezeit ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ein richtiger Lesegenuss! („Umringt von den Kindern räumte er seine Kisten an Land. Ein kleines, langhaariges Mädchen befühlte zaghaft den groben Stoff seiner Hose, ein anderes grub, während er sich nach unten beugte, vorsichtig ihr dünnes Händchen in das haarige Knäuel unter seinem Kinn.“ Oder „… (er) wünschte, es würde sich in diesem Moment seine Diarrhö bemerkbar machen. Mit jenem Grummeln im Unterleib, das von außen so klang und sich von innen so anfühlte, als braue sich ein Gewitter zusammen.“) In den Erzählungen über die beiden Männer finden sich neben manch naturwissenschaftlichen Abhandlungen (die problemlos zu lesen und zu verstehen sind) auch Exkurse zu philosophischen Gedanken: Was ist Gerechtigkeit? Gibt es sie überhaupt? Ist ein Mensch mehr wert als der andere? Stets sehr anschaulich und unterhaltsam geschrieben, was bei solchen Themen nicht unbedingt selbstverständlich ist. Dennoch störte mich etwas. Die Beziehung Brombergs zu Wallace leuchtete mir während des Lesens immer weniger ein. Mir blieb unklar, weshalb diese historische Persönlichkeit einen solch großen Einfluss auf Brombergs Leben zu nehmen beginnt. Und so empfand ich den Zusammenhang der beiden Geschichten immer weniger glaubwürdig, fast schon aufgesetzt. Schade, denn beide Teile für sich genommen sind überaus lesenswert! Nichtsdestotrotz bleibt es eine empfehlenswerte Lektüre.
Darwin kennt jeder. Der Naturforscher hat nachhaltig große Beiträge zur Evolutionstheorie beigetragen. Doch habt ihr schon mal in diesem Zusammenhang etwas von Wallace gehört? Ich nicht!
In dem Roman „Wallace“ geht es genau um diesen Naturforscher, der die Tierarten untersucht und eine briefliche Korrespondenz mit Charles Darwin führt. Doch nicht Wallace heimst den Ruhm seiner Forschungen ein, sondern Darwin. Rund 150 Jahre später entdeckt der Museumswächter Albrecht Bromberg auf das Schicksal des unbekannten Wallace und setzt sich für seine Berühmtheit ein.
Anselm Oelze hat, wie ich finde, ein sehr interessantes Thema für seinen Debütroman gewählt. Da ich wirklich noch nie etwas von Wallace gehört habe, fand ich es sehr spannend ihn bei seiner Arbeit, seinen Überlegungen und Expeditionen begleiten zu dürfen. Der Einsatz des Museumswächters, Wallace endlich zu seinem verdienten Ansehen zu bringen, fand ich einen gelungenen Einfall. Der Sprachstil des Autors hat mir nicht immer zu gesagt, da dieser oftmals komplex und nicht so gut lesbar war. Oelze versucht mit vielen Adjektiven und Beschreibungen die komplexe Geschichte zu veranschaulichen, dennoch konnte man nicht so recht in den Disput hineinfinden. Auch Wallace, der im übrigen nur „der junge Bärtige“ genannt wird, wird dem Leser nicht näher gebracht, da sein Charakter weitestgehend unklar und schwammig bleibt. So recht habe ich nicht verstanden, wie Alfred Russel Wallace dargestellt werden sollte: als Geograph? Naturforscher? Schüchterner Mensch? Dabei hat Wallace gewiss eine sehr interessante Biografie die weitestgehend außer Acht gelassen wurde. Der Nachtwächter Bromberg ist interessanter gezeichnet, da er ein äußerst intelligenter Typ ist ohne jeglichen Ehrgeiz, der sich nun jedoch für Wallace Ruhm einsetzt. Die Wendung war mir persönlich zu platt.
📖 Ein äußerst interessanter Roman mit einem wirklich spannenden Thema, welches meiner Ansicht nach einige Schwachstellen aufweist und mich nicht überzeugen konnte. [3/5]
Zu Beginn war meine Begeisterung sehr groß. Wallace kannte ich tatsächlich aus dem Biologieunterricht und empfand die Geschichte damals schon als unfair. Also tolles Thema! Zur Mitte hin habe ich keine große Lust mehr gehabt das Buch zu lesen, leider hat auch das Ende es nicht geschafft mich zu überzeugen. Ich habe immer auf den Zeitpunkt gewartet, an dem beide Erzählstränge zusammengeführt werden, was leider nie passiert ist. Die Philosophischen Fragen nach Schicksal, Gerechtigkeit und Ruhm waren toll, hätten nur mehr ausgeführt werden können. Außerdem habe ich gehofft, dass mir Wallace ungerechte Lage ans Herz gehen würde, leider hat der Erzählstil das nicht geschafft. Ich kann aber den Stil hinsichtlich ekliger Beschreibungen loben, es war so lebendig geschrieben, dass ich mich sehe gegraust habe. Schlussendlich hätte ich mir ein paar Seiten länger gewünscht, beide Hauptfiguren hätten noch mehr Tiefgang bekommen können
Ich hatte große Freude bei der Entdeckung der Evolutionstheorie, der Blick auf die Geschichte aus dieser Perspektive ist sehr erfrischend! Der historische Anteil ist sehr gut recherchiert und schlüssig und die fiktionalen Abschnitte eingebunden, insgesamt eine schöne Geschichte, mit liebevoll entwickelten Charakteren. Der einzige Kritikpunkt muss wohl sein, dass es gerne etwas Umfangreicher hätte sein dürfen, dies fällt allerdings nur auf, wenn man auf eigene Faust beginnt zu recherchieren. Gerade in Kombination mit „und Marx stand Still in Darwins Garten“ ergibt sich ein sehr faszinierendes Bild, der Entdeckung der Evolutionstheorie und den historischen Protagonisten.
Es werden zwei gute Stories erzählt die sich um Wallace drehen. Einmal Wallace wie er auf Entdeckertouren ist und sein Leben verläuft. Gleichzeitig beschäftigt sich eine scheinbar unbedeutende Nachtwache aus einem Naturkunde Museum mit seinem Leben. Er will errausfinden warum nicht Wallace, sondern Darwin mit der Evolutionstheorie bekannt wurde. Für alle die Bio etwas mögen super interessant.
Alcune idee interessanti, ma nel complesso davvero molto esile e macchinoso. Personaggi spesso poco definiti oppure frutto di triti cliché. La parte finale sembra quasi essere tirata via.
„Selbst die größten Umwälzungen der Geschichte beginnen bekanntlich mit einer Kleinigkeit. Und selbst die kleinste Kleinigkeit ist kaum klein genug, um nicht doch am Ende eine große Wirkung zu zeitigen.“
Albrecht Bromberg arbeitet als Nachtwächter im Museum für Natur- und Menschheitsgeschichte. Um sich die monotone Arbeit ein wenig interessanter zu gestalten, pflegt er Kreuzworträtsel im Kopf zu lösen, Vokabellisten des Mordwinischen zu erstellen sowie sich um seine prächtige Sammlung Epiphyten zu kümmern. Den Feierabend lässt er für gewöhnlich mit vier Freunden ausklingen, die sich selbst die Elias-Birnstiel-Gesellschaft nennt. Hier wird, zur großen Erheiterung des Lesers, glühend über Berufe und dazugehörende IQ-Werte, Autoren und ihre Übersetzer sowie das Prinzip der natürlichen Selektion diskutiert. Brombergs eingefahrene Routine wird jäh von einer Fotografie gestört, über die er während einer seiner Museumsgänge stolpert. Auf dieser ist ein bärtiger Mann mit wissendem Schmunzeln im Blick zu sehen, das Bromberg nicht mehr loslässt. Wie er bei seinem befreundeten Antiquariatsbesitzer Schulzen alsbald erfahren soll, handelt es sich bei jenem um den Forschungsreisenden Alfred Russel Wallace, der gleichzeitig mit Darwin die Evolutionstheorie formulierte. In die Analen der Weltgeschichte ist jedoch nur Charles Darwin eingegangen. Warum ist dem allerdings so? Aufkeimender Gerechtigkeitssinn und ein immer stärker werdendes Pflichtgefühl lassen Bromberg den Weg der Wahrheitssuche und Wiedergutmachung einschlagen. Doch lässt sich die Geschichte tatsächlich umschreiben?
Parallel zu Brombergs Ermittlung lernt der Leser den Naturkundler und Forschungsreisenden Alfred Russel Wallace unmittelbar kennen. Er durchstreift mit ihm die Tropenwälder Brasiliens, jagt seltenen Schmetterlingsarten nach und wundert sich über Kakadus auf Lombok. Er kann nicht anders als dem Forscher, den Wissensdurst die Gefahren und Strapazen langer Reisen auf sich nehmen ließ, Bewunderung und Sympathie entgegen zu bringen. Weit entfernt vom Kehlmannschen Karikieren und Durch-den-Dreck-ziehen bedeutender historischer Persönlichkeiten, zeichnet Anselm Oelze ein einfühlsames Portrait eines Forschers, den die Geschichte auf ewig dazu verdammt hat in Darwins Schatten zu stehen. Ob den Mann, der die Einsamkeit liebte, das jedoch jemals gestört hat?
Anselm Oelze ist mit seinem Roman ein vielschichtiges Werk über Alfred Wallace und seine Zeit gelungen. Es besticht durch fundiertes Wissen, Sprachvirtuosität, lebhafte Figuren, spritzige Dialoge und Situationskomik. Gleichzeitig liefert sein Roman Denkanstöße zu wichtigen Themen wie der Frage nach Gerechtigkeit. Als romankompositorischen Missklang empfand ich lediglich den Weg, welchen Bromberg einschlägt, um Wallace zu dem wohlverdienten Platz in der Weltgeschichte zu verhelfen. Nach meinem Empfinden steht dieser in innerer Unstimmigkeit zum restlichen Werk. Sehr gut gefallen hat mir dagegen die deutliche sprachliche Trennung zwischen den Kapiteln, die Bromberg respektive Wallace gewidmet sind. In den Wallace-Kapiteln greift der Autor gekonnt die attributschwangere, verschachtelte Sprache der vergangenen Jahrhunderte auf. Markante Merkmale früherer Romane mit Wiedererkennungswert sind nicht zuletzt auch die kurzen Kapitelinhaltsangaben, die wir unter anderem aus Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ oder Henry Fieldings „Tom Jones“ kennen, sowie das augenzwinkernde „Selbstverständlich ist dies eine wahre Geschichte“, das der Autor in Anspielung an die früher oftmals praktizierte Herausgeberfiktion an den Romananfang setzt. Nicht zuletzt ist Anselm Oelzes Roman somit als eine Art Hommage an die Literatur der vergangenen Jahrhunderte zu verstehen. Ich spreche hiermit gerne eine warme Empfehlung für diesen komplexen Roman aus!
Wer im Biologieunterricht aufgepasst hat, dem ist Charles Darwin sicherlich ein Begriff. Zumindest von seiner Theorie um die Entstehung der Arten hat jeder schon einmal gehört. Sehr viel weniger bekannt hingegen ist der britische Naturforscher und Artensammler Alfred Russel Wallace. Während die meisten Schulbücher Wallace ignorieren, oder ihn lediglich in einem Nebensatz erwähnen, widmet Anselm Oelze ihm nun ein gesamtes Werk und rückt seine Persönlichkeit aus dem Schatten des großen Darwin. In einer äußerst gelungenen Verknüpfung aus Fakten und Fiktion erzählt er die Geschichte des Museumswärters Albrecht Bromberg, der eines Nachts wortwörtlich über den vergessenen Naturforscher stolpert und sich daraufhin auf dessen Spuren begibt. Der für den Debütpreis der lit.COLOGNE 2019 nominierte Abenteuerroman setzt ein Denkmal für die Außenseiter des Lebens und der Geschichte. Wer Verschwörungstheorien und Abenteuerreisen mag, wird sehr viel Freude an „Wallace“ haben. Mich persönlich hat es sehr gut unterhalten!