Fußball 2.0? „Die Fußball-Matrix“ von Christoph Biermann ist ein handliches Buch, etwa in der durchschnittlichen Länge eines Romans, wie sie heutzutage in den Buchhandlungen feilgeboten werden. Seine Protagonisten sind Fußballerspieler und Fußballtrainer, seine Handlungsschauplätze die bekannten Sportarenen des Fußballsports und seine literarischen Zutaten sind mathematische Analysen wie der „Player Quality Index" und die „Benchmark-Abweichung". Sein Anspruch ist der eines Sachbuches; „Die Fußball-Matrix“ ist deshalb nur bedingt spannend. Interessant sind die Artikel „Der Fluch der drei Punkte“ und „Der verschwundene Heimvorteil“, der Rest ist mit begrenzten Erkenntnisgewinn ausgestattet. Die Recherche bleibt an der Oberfläche, die Kapitel haben eher kolumnenhaften Charakter. Das hat den Vorteil, dass man die einzelnen Kapitel durcheinander und mit großen zeitlichen Abständen lesen kann. Schwach ist der Artikel „Dark Side of the Moon“, der suggeriert, Doping im Fußball sei allein ein italienisches Problem. Das ist natürlich nicht so.
Ein Zentrum hat das Buch nicht, auch ist es stark der Interpretationsfähigkeit des Lesers überlassen, wohin der Autor will. Entsprechende Ansagen macht Biermann nicht, Schlussfolgerungen sind selten und ein Gesamtfazit wird ebenfalls nicht gemacht. Christoph Biermann schreibt ansonsten für den „Spiegel“ und „spiegel-online" und genau derselbe oberlehrerhafte-salbungsvolle Ton, den wir von diesen Medien kennen, wird auch in „Die Fußball-Matrix“ verwendet. Spaß, so etwas zu lesen, macht es nicht.
„Die Fußball-Matrix“ ist ein Buch zum Schmökern, aber nicht, um das Fußballwissen wesentlich zu erweitern. Es versucht vergeblich zu belegen, dass das 22-köpfige Treten eines Balls auf 7140 qm in ein digitales Zeitalter eingetreten ist, das ihn grundlegend verändern wird. Alle Computer dieser Welt können eines nicht überdecken: Fußball wird von den Menschen gestaltet, die diesen Sport betreiben. Und diese, eigentlich spannennste Komponente des beliebten Rasenballsports, kommt in „Die Fußball-Matrix“ so gut wie überhaupt nicht zu Geltung.
Sorry, in Deutschland gibt es weitaus bessere Fußballbücher, deshalb von mir nur ein Stern.