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Arthur Schnitzler was an Austrian author and dramatist.
The son of a prominent Hungarian-Jewish laryngologist Johann Schnitzler and Luise Markbreiter (a daughter of the Viennese doctor Philipp Markbreiter), was born in Vienna in the Austro-Hungarian Empire, and began studying medicine at the local university in 1879. He received his doctorate of medicine in 1885 and worked at the Vienna's General Hospital, but ultimately abandoned medicine in favour of writing.
His works were often controversial, both for their frank description of sexuality (Sigmund Freud, in a letter to Schnitzler, confessed "I have gained the impression that you have learned through intuition — though actually as a result of sensitive introspection — everything that I have had to unearth by laborious work on other persons")[1] and for their strong stand against anti-Semitism, represented by works such as his play Professor Bernhardi and the novel Der Weg ins Freie. However, though Schnitzler was himself Jewish, Professor Bernhardi and Fräulein Else are among the few clearly-identified Jewish protagonists in his work.
Schnitzler was branded as a pornographer after the release of his play Reigen, in which ten pairs of characters are shown before and after the sexual act, leading and ending with a prostitute. The furore after this play was couched in the strongest anti-semitic terms;[2] his works would later be cited as "Jewish filth" by Adolf Hitler. Reigen was made into a French language film in 1950 by the German-born director Max Ophüls as La Ronde. The film achieved considerable success in the English-speaking world, with the result that Schnitzler's play is better known there under Ophüls' French title.
In the novella, Fräulein Else (1924), Schnitzler may be rebutting a contentious critique of the Jewish character by Otto Weininger (1903) by positioning the sexuality of the young female Jewish protagonist.[3] The story, a first-person stream of consciousness narrative by a young aristocratic woman, reveals a moral dilemma that ends in tragedy. In response to an interviewer who asked Schnitzler what he thought about the critical view that his works all seemed to treat the same subjects, he replied, "I write of love and death. What other subjects are there?" Despite his seriousness of purpose, Schnitzler frequently approaches the bedroom farce in his plays (and had an affair with one of his actresses, Adele Sandrock). Professor Bernhardi, a play about a Jewish doctor who turns away a Catholic priest in order to spare a patient the realization that she is on the point of death, is his only major dramatic work without a sexual theme. A member of the avant-garde group Young Vienna (Jung Wien), Schnitzler toyed with formal as well as social conventions. With his 1900 short story Lieutenant Gustl, he was the first to write German fiction in stream-of-consciousness narration. The story is an unflattering portrait of its protagonist and of the army's obsessive code of formal honour. It caused Schnitzler to be stripped of his commission as a reserve officer in the medical corps — something that should be seen against the rising tide of anti-semitism of the time. He specialized in shorter works like novellas and one-act plays. And in his short stories like "The Green Tie" ("Die grüne Krawatte") he showed himself to be one of the early masters of microfiction. However he also wrote two full-length novels: Der Weg ins Freie about a talented but not very motivated young composer, a brilliant description of a segment of pre-World War I Viennese society; and the artistically less satisfactory Therese. In addition to his plays and fiction, Schnitzler meticulously kept a diary from the age of 17 until two days before his death, of a brain hemorrhage in Vienna. The manuscript, which runs to almost 8,000 pages, is most notable for Schnitzler's cas
Schnitzler Gesellschaftskritik zeigt die schale k.u.k.-Society beim Tanz am Abgrund, ein wenig düstere Prophezeiung eines nahen Endes dieser Verhältnisse schwingt schon mit, auch wenn Zeitgenosse Schnitzler nicht das Wissen seiner Kollegen Musil und Roth haben kann, die 1930ff und 1932 versucht haben, sämtliche Faktoren einzubinden, die zu Weltkrieg und Untergang des Vielvölkerstaats geführt haben. Karl Kraus, dessen Gesellschaftsszenen in den letzten Tagen der Menschheit wie die Fortsetzung von Schnitzlers Dramen wirken, bilden so eine Art Übergang, als Regisseur würde ich wohl eine Collage aus Das weite Land und Die letzten Tage der Menschheit auf die Bühne bringen. Historischer Anknüpfungspunkt in Sachen des Alpha-Männchens Hofreiter, ist eher Balzacs Baron Hulot, den die Tugendhaftigkeit seiner Frau aus dem Haus und immer niedrigere Abgründe in Sachen Liebesleben, bis hin zum Kauf vom Verkehr mit immer jüngeren Mädchen über Süßigkeiten treibt.
Das bürgerliche Ehedrama
Ein derart verkommenes Subjekt ist der Glühlampen-Fabrikant natürlich nicht, die Verbindung zu Balzac ist eher eine Art moralisches Ungleichgewicht zwischen den Ehepartnern. Friedrich versteht nicht, warum sich seine Frau Genia den Avancen des Pianisten Korsakov entzogen und den sensiblen Poeten am Piano in den Selbstmord getrieben hat, denn angesichts seiner fortgesetzten Eskapaden hätte er vollstes Verständnis für eine kleine Revanche ihrerseits unter Freunden gehabt. Bei der Aussprache wirft er ihr auch vor, dass ihre vollkommen verfehlte Tugendhaftigkeit einen schmerzhaften Riss in den Freundeskreis gerissen hat, - wirklich behaglich war die Villa Hofreiter aber schon vorher nicht. Dieses Unbehagen über das man permanent oberflächlich hinweg konversieren will, vermitteln die ersten beiden Akte sehr trefflich, auch ein gewisse Gefühlskälte Genias, die zu sehr in den Betrieb, das eigene Unglück und das Aufrechterhalten der Fassade eingesponnen scheint, um ihren Anteil am häuslichen Unglück und der Tragödie des Musikers zu begreifen. Bis zum Ende des zweiten Akts gelingt Schnitzler eine hervorragende Bilanz bei den wechselseitigen Versäumnissen des Ehepaares, natürlich ist fortgesetzte Fremdgeherei das größere Verbrechen, allerdings hat Genia, die wohl als unerfahrenes Gänschen dem Prachtgockel ins Garn gegangen ist und danach die enttäuschten Gefühle auf das Kind projiziert hat, auch ganz entscheidende Defizite, ist auf eine gewisse Art stehen geblieben oder auf einem gewissen Level eingefroren. Bei der Erstlektüre vor gut 30 Jahren hatte ich mich noch sehr mit der betrogenen Ehefrau solidarisiert, inzwischen kann ich leichter nachvollziehen, dass diese Frau für ihren Gatten nicht nur fad geworden ist, sondern durch ihre verfehlte Tugendhaftigkeit, das ohnehin schon geringe häusliche Behagen weiter vermindert hat, indem mit der musikalischen Perle ein repräsentativer Freund weg gefallen ist.
Doppelmoral unter Freunden
Natürlich ist es seinerseits trotzdem eine Unverschämtheit seinerseits, seiner Frau derartige Vorwürfe zu machen und sich dann ins nächste Abenteuer zu flüchten, damit macht Hofreiter aber auch den Weg frei, führ ihre kurzfristige emotionale Befreiung durch die Affäre mit dem idealistischen Fähnerich Otto, während Hofreiter nach dem Gipfelglück mit Jung-Erna dämmert, dass er mit Scheidung und Heirat der nächsten unerfahrenen Gattin wieder in denselben Teufelskreislauf geraten würde. Der fleißige Schriftsteller mit der unterbeschäftigten jüngeren Gattin in der Sommerfrische fungiert dabei vielleicht auch als warnendes Beispiel. Mit eingesponnen in den dritten Akt, ist ein weiteres Kapitel von Hofreiters Doppelmoral, als Alpha-Männchen schlechthin muss er seinem Freund erst mal die Vorfahrt bei Erna nehmen, bevor der sich erklärt und seinen absehbaren Korb kassiert hat. Insofern dezimiert der Fabrikant und Tausendsassa den eigenen Freundeskreis viel entscheidender und wird im finalen Akt ja noch einen echten Mord drauf legen.
Denn Egoisten wie Hofreiter sind nur zur Einsicht in eigene Fehler in der Lage, deren Wiederholung das persönliche Wohlbefinden bald wieder einengen würde, aber sobald dem eigenen Ego die geringste Verletzung droht, folgt die harsche Überreaktion. Mit der Einbindung der Tragödie des Alterns schürzt Schnitzler einen raffinierten dramatischen Knoten, dass ihn seine Frau ausgerechnet mit einem Jüngeren betrogen hat, während er der jüngsten Affäre mit einem nur allzu willigen Küken entsagt hat, ist zu viel für den Gockel, er provoziert ein Duell mit Genias Liebhaber, dem der in solchen Angelegenheiten unerfahrene Otto unterliegt.
Das Rätsel der finalen Tragödie
Warum ein junger, ausgebildeter Soldat im Training einem Lebemann in mittleren Jahren unterliegt, war für mich beim erstmaligen Lesen die ganz große Glaubwürdigkeitslücke, inzwischen gestehe ich Hofreiter die größere psychische Robustheit und eine viel höhere Motivation zum Sieg über die Jugend zu, auch eine geradezu mörderische Entschlossenheit. Vielleicht hat der von Genia zuletzt doch ziemlich kalt abgeduschte Otto auch nicht mehr genügend Lebenswillen, womöglich war er immer nur ein Fachidiot in Uniform? Schnitzler verlangt seinem Publikum, bzw. den Regisseuren generell ziemlich viel zusätzliche Reflexionsarbeit ab, mögen die Anweisungen für die Kulissen noch so photorealistisch ausgeführt sein. Vor diesem Hintergrund stört mich dieser blinde Fleck im letzten Akt wirklich sehr, zumal diese Ansammlung von finalem Unglück doch einen etwas faden Beigeschmack von Autorenwillkür bei der Anhäufung von maximalen Schadenseffekten hinterlässt. Inzwischen bin ich mir auch nicht mehr sicher, ob Schnitzler der emotional doch ziemlich verstümmelten Genia nicht doch einen Moment der Wärme hätte gönnen können, die lässt sich zwar kurz auftauen, fällt aber ohne Einsicht in die Konvention zurück, bei Friedrich sehe ich zumindest einen Moment der Einsicht, vor der Entscheidung das Altern in Gestalt eines jungen Mannes totzuschießen, dem die Rolle des Liebhabers aus dem Freundeskreis nicht zukommt. Fazit: Idee und Absicht Fünf Sterne, Umsetzung und eigentliches Lesevergnügen drei Sterne.
Eigentlich könnte man Schnitzlers Werk Das Weite Land als komplett irre Tramödie bezeichnen, in der ein paar läppische Petitessen, wie fehlende eheliche Treue, die selbst aus der Sicht der darstellenden Protagonisten nicht ernst genommen werden, recht unverständlich durch gekränkte männliche Eitelkeit zu einem absoluten Drama hochstilisiert werden. Auch das ist ein spannender Ansatz, wie das Werk zu lesen ist. In meiner Reclam Ausgabe des Werkes war im Anhang aber auch eine durchaus erhellende Analyse zur Auslegung der damals geltenden Duell-Regelungen, die mich zu einer spannenden alternativen Auslegung der Geschichte kommen lassen. Dazu aber später.
Schnitzlers Oeuvre ist auch insofern spannend, denn ihm waren seit jeher nicht nur die Verwerfungen, Nadelstiche und Gemeinheiten, die sich Ehepartner so gegenseitig im Laufe ihres gemeinsamen Weges antun können (wie beispielsweise in der Traumnovelle) ein Anliegen. Er schrieb auch gegen die gesellschaftliche Moral der Ehre einer Frau an, damals sehr polarisierende Werke, die sich mit Schande und Selbstmord (wie bei Fräulein Else) beschäftigen. Noch dramatischer war sein Kampf gegen den falschen männlichen Ehrbegriff beim Militär und die Regeln des Duells bei solchen narzisstischen Kränkungen beim Leutnant Gustl, der ihm sogar seine Approbation als Militärarzt gekostet haben.
In all diesen Werken wird eine Kleinigkeit, die auch zu damaliger Zeit durch andere Aktionen vernünftig hätte beigelegt werden können, durch gesellschaftliche Konventionen so aufgebauscht, dass die Angelegenheit im absoluten Drama und meist im sinnlosen Tod der Protagonisten enden soll. Dabei überspitzt Schnitzler die Petitessen und die inadäquaten gesellschaftlichen Reaktionen darauf derart, dass sogar einigen seiner Zeitgenossen mitunter diese Konventionen in Schnitzlers erfundenen Szenarien total bekloppt anmuten mussten.
So könnte es auch im Weiten Land sein und das ist eine sehr schlüssige Interpretation. Es könnte aber sein, dass das Weite Land sogar als Weiterentwicklung und als Synthese von Leutnant Gustl und Fräulein Else zu sehen ist, indem sowohl die Wiederherstellung der gekränkten militärischen Ehre als auch jene, des gehörnten Ehemanns auf die Schippe genommen wird und eigentlich zwei tiefe innige Partnerschaften dem entgegenstehen und durch Intrigen in ein gesellschaftliches Dilemma gedrängt werden, das sich zwangsläufig nicht anders lösen lässt.
In modern Sprech würde man sagen, im Theaterstück Das weite Land trifft sich regelmäßig eine Clique der Upperclass, in der die Ehepaare aber auch die Ledigen relativ ungezügelt durcheinanderschnacksln (poppen). Damals traf man die Gesellschaft außerhalb Wiens bei der Sommerfrische in Baden, in den Alpen oder am Semmering, dem Hausberg der Wiener Selbst in den Konventionen nach der Jahrhundertwende, war der Begriff und die Einhaltung der ehelichen Treue in den reichen bürgerlichen Schichten ganz stark mit der typischen österreichischen Mentalität verwoben, die man am besten mit einem Zitat von Bruno Kreisky beschreiben kann, die aber schon seit Jahrhunderten in Österreich gang und gäbe war und noch immer ist.
„Okay, machts es, aber machts es unter der Tuchent.“ (Bettdecke)
Was so viel bedeutet, dass alles, was gesellschaftlich-moralisch nicht akzeptiert ist, erst dann eine Bedeutung bekommt, wenn die Bettdecke weggezogen und das ganze öffentlich gemacht wird. So lange es jeder weiß, es aber nicht öffentlich verlautbart und angeprangert wird, wird zwar darüber geklatscht, aber keinen juckt es, niemand muss den Kontakt zu einer untreuen Ehefrau aufgeben, auch wenn man ganz gewiss ist, dass der Betrug stattgefunden hat.
Erst durch das Duell, die öffentliche Verlautbarung, die Hinzunahme von Sekundanten, die Festlegung des Duellgrundes und die nachträgliche nach jedem Duell erforderliche sehr genaue gerichtliche Untersuchung, bei der das gewollte Ziel eines Duells – die Verletzung oder der Tod eines der Kontrahenten, aufgeklärt wird, sind die beteiligten Personen meist gesellschaftlich erledigt.
Die untreue Ehefrau sowieso, an der bleibt der Vorwurf, egal ob er wahr oder falsch ist, ab dem Zeitpunkt des Duells und der Verlautbarung der Untreue kleben.
Der gehörnte Ehemann, sofern er überlebt, ist ebenso gesellschaftlich erledigt, wenn er seine Frau anschließend nicht verstößt. Ehebruch kann der Frau also durchaus verziehen werden, so lange kein Duell stattgefunden hat und der Mann nicht als Gehörnter gebrandmarkt ist.
Ein lediger oder verheirateter Mann, der in eine Ehe einbricht, ist nach einem Duell, sofern er überlebt, meist auch erledigt (zumindest wenn er nicht den Ort des Geschehens verlässt).
Ähnlich verhält es sich bei einem Mitglied des k&K Militärs, das von einem anderen mehrmals (ich glaube es bedarf einer Wiederholung der Kränkung) in seiner Ehre gekränkt wurde. Beim Militär muss das aber jetzt nicht eheliche Untreue sein, die narzisstische Militärseele ist schon bei sehr geringfügigen Kleinigkeiten so schnell gekränkt, dass auch eine minimale Beleidigung einer Satisfaktion auf Leben und Tod bedarf.
Zu den Duell-Regeln zählt auch noch der Umstand, dass derjenige, der zum Duell aufgefordert wird, auch das Privileg der Waffenwahl besitzt. Dabei muss es nicht um richtige Waffen gehen, auch Kartenspiele und Billardpartien zählen zum ehrvollen Wettkampf der Kontrahenten. Natürlich muss das eigentliche Ziel zur Wiederherstellung der Ehre oder dem Tod trotzdem erfüllt sein und der Verlierer in solchen Spielen muss sich anschließend selbst entleiben.
In der vorliegenden Gesellschaft haben wir den umtriebigen Glühlampenfabrikanten Friedrich Hofreiter, der sich noch nie durch eheliche Treue ausgezeichnet hat. Seine Frau Genia hat in früheren Jahren darunter gelitten, mittlerweile hat sie sich aber damit abgefunden. Man könnte vermuten, dass Hofreiter sich selbst in der Beziehung etwas herausnimmt, was er seiner Frau zwar theoretisch prinzipiell zugesteht aber dann, wenn sie ihm tatsächlich untreu wird, aus männlicher Kränkung doch ahnden will. Einige Belege, Friedrichs Einstellungen und private Erklärungen an seine Frau und Meinungen, die er zwar durchaus ändern könnte, lassen aber auch noch eine alternative Interpretation der Beziehung zu. Friedrich liebt seine Frau tatsächlich innig, vielmehr als gleichberechtigte Partnerin denn im geschlechtlichen Sinne und er will diese Ehe auf keinen Fall beenden.
Zusätzlich braucht der alternde Stenz Hofreiter aber eben noch immer ein bisschen seine Abenteuer und die sind zahlreich. Zuerst ist da einmal Adele Natter, die in seinem Freundeskreis verkehrt und mit der seine Affäre schon beendet ist. Wie sagt man „Guat is gangan nix is passiert“. Sogar Friedrichs Frau grollt der ehemaligen Geliebten nicht und lädt sie sogar zu sich ins Haus ein. Der Mann von Adele, der Bankier Natter, weiß auch um die Affäre, er liebt seine Frau so verzweifelt, dass er ihre Verfehlung und die zwangsläufige Verstoßung nie durch ein Duell herausfordern würde. Er verzeiht seiner Frau, aber er grollt Friedrich nachhaltig und sinnt auf Rache, um ihn irgendwie an seiner Schwachstelle zu erwischen. Mittlerweile dreht sich das Liebeskarussell der Clique wie wild weiter, denn der sensible Künstler Alexei Korsakov hat sich nach einem Billardspiel mit Friedrich plötzlich erschossen. Friedrich vermutet, weil er eine Affäre mit seiner Frau hatte und ist fast erleichtert, dass nun so etwas wie ein Gleichgewicht im Betrügen wiederhergestellt ist. Doch Genia ist ihm treu geblieben, sie hat Korsakov abgewiesen und kann das auch durch den Abschiedsbrief des Künstlers beweisen, was Friedrich fast ein bisschen ärgerlich macht, da er seine moralische Reinwaschung durch Heimzahlung des Ehebruchs sehr herbeigewünscht hat. Irgendwie strebt er so etwas wie eine offene Ehe auf Basis von Liebe und Partnerschaft an.
Der alternde Gigolo kann aber das Mausen beziehungsweise seine Jagd auf Frauen nicht lassen und hat sich auch gleich wieder ein junges, wahrscheinlich noch jungfräuliches Ding angelacht, das er seinem besten Freund dem Doktor Maurer auch noch ausspannen muss, denn dieser ist sehr an Erna interessiert. Bei einer Bergtour entscheidet sich Erna für Hofreiter, in den sie schon seit sie ein kleines Mädchen war, verliebt ist. Friedrich kommt aber nach einem einfachen Kuss zur Besinnung, denn er will seine Ehe auf keinen Fall beenden und hat sein Glück schon zu viel zu oft herausgefordert. Bei Bekanntwerdung der Verführung einer Jungfrau aus bestem Hause wäre auch sein Renommee dahin und seine Freunde Geschichte. Zudem hat ihm die Jagd auf die Frau und die Bestätigung, dass sie ihn dem Freund Maurer vorgezogen hat, ohnehin fürs Selbstvertrauen gereicht. Mittlerweile ist er ja in die Jahre gekommen und will fortan auch mit den Affären zurückstecken.
Als er von der Bergtour zurückkommt überschlagen sich die Ereignisse. Zuerst entdeckt er, dass seine Frau nun endlich in ausgleichender Gerechtigkeit ein schlampertes Verhältnis mit dem Marine-Fähnrich Otto eingegangen ist. Das macht ihn eigentlich froh, denn selbst in dieser Situation gleicht Genia nicht nur das Betrugskonto der Ehe aus, damit sich Friedrich endlich moralisch gleichwertig fühlen kann, sie ist auch noch so liebe- und rücksichtsvoll, dass sie die Affäre erst ein paar Tage vor der Abreise von Otto in einen dreijährigen Militärdienst weit weg in Istrien beginnt und somit der Konkurrent eigentlich gar keiner ist, weil er Friedrich nicht mehr in die Quere kommen kann.
Somit wären doch jetzt alle froh und die Eheleute könnten bis an ihr Lebensende in einer glücklichen Partnerschaft leben, die im Alter sogar irgendwann auf ehelicher Treue beider Partner basieren könnte.
ABER:
Jetzt kommt der bisher im Schatten gebliebene Antagonist, der gekränkte Bankier Natter, aufs Tapet. Er grollt Friedrich schon lange und hat seine Achillesferse endlich gefunden. Er setzt in einer beispiellosen Intrige das Gerücht in die Welt, dass der Tod Korsakovs gar kein normaler Selbstmord war sondern eigentlich ein Duell in Billardform zwischen Friedrich und Korsakov gewesen ist. Wenn die Behörden davon Wind bekommen, muss dies von offizieller Seite untersucht werden. Obwohl Friedrich zur Unschuld seiner Gattin sogar Beweise hat, ist sie dennoch gesellschaftlich erledigt, denn sobald durch behördliche Untersuchungen die Tuchent aufgehoben wird, verliert entweder sie oder beide, wenn er mit ihr zusammenbleibt, jeglichen gesellschaftlichen Status und alle Freunde. Das kann er Ihr und beiden als Partner nicht antun. Was hier in einem sehr freundlichen Dialog von Natter angedeutet wird, ist eine gemeine Erpressung und fiese Intrige des Bankiers, um Friedrich, doch noch ohne seine Frau Adele zu verlieren, für die Affäre mit ihr büßen zu lassen.
Friedrich versucht einen Befreiungsschlag, um die Ehre seiner Frau und ihre Beziehung zu retten, der nun auch durch den Umstand gewahr wird, dass er den Militär Otto zwei Mal einen Feigling nennt, ihn bei der militärischen Ehre packt und somit Otto in ein Duell zur Satisfaktion hineindrängt. Es ist also offiziell überhaupt keine Rede davon, dass das Duell wegen einer Affäre stattfindet (von der ja nur Friedrich und Maurer wissen, weil Genia so diskret war), sondern Friedrich nutzt die militärische Kränkung, um seine Frau offiziell gesellschaftlich reinzuwaschen, inoffiziell aber natürlich ein anderes Gerücht einer Beziehung zu nähren, das das alte Gerücht von Natter aufhebt. Hier braucht es auch keine weitere behördliche Ermittlung zur Treue der Frau denn die Kränkung (Feigling) eines Angehörigen des Militärs und der Modus der Satisfaktion sind ja mit allen Sekundanten offiziell und gesetzeskonform festgelegt. Im Duell will der mit allen Wassern gewaschene Friedrich, der sicher auch vorab schon wegen seines Lebenswandels ordentlich geübt hat, natürlich viel verzweifelter, intensiver und brutaler gewinnen. In seiner Abgebrühtheit ist er sich sogar sicher, dass er seine Frau letztendlich nach Amerika mitnehmen kann und alles gut wird.
Die Tragik ist aber, dass Friedrich, der sich bisher aus jeder Situation herauslaviert, sich ausgerechnet in der Zielgeraden seiner Pläne diesmal verschätzt hat, denn Genia ist erschüttert, dass der junge Leutnant quasi als Kollateralschaden nur Stunden vor seiner Abreise sein Leben lassen musste, sie kennt ja die Erpressung von Natter nicht und glaubt, ihr Mann hätte das Duell aus Bosheit und Kränkung initiiert. Sie ist außerdem angewidert, wie unverschämt Friedrich die Mutter von Otto angelogen hat. So hat Natter letztendlich gewonnen: Er hat Friedrich bei seiner Achillesferse getroffen und ihn chirurgisch von seiner geliebten Frau getrennt – am Wegesrand liegt selbstverständlich ungewollt und als Kollateralschaden, die Leiche von Fähnrich Otto.
Fazit: In dieser verzwickten Interpretation lag dann für mich die eigentliche Größe des Werkes. Denn Schnitzler prangt mit den Mustern seiner bisherigen Novellen und Dramen diesmal in einem Rundumschlag nicht nur den moralischen Umgang mit Ehe und Treue an, er demaskiert durch Lächerlichmachung in einem doppelten Hieb die österreichische Gesellschaft mit den sinnlosen Duellen, egal um der militärischen Ehre oder der ehelichen Treue wegen. Er entwickelt wie immer mit seinem bösen anarchischen Humor aus einer Mücke durch sinnlose gesellschaftlichen Konventionen und diese zu umschiffen, ein veritables Drama, das einem dann auch noch diese nutzlosen Tode vor Augen führt, indem er sie der Lächerlichkeit preisgibt.
P.S.: Wie immer bin ich von der Reclam Ausgabe begeistert, in der nicht nur die Duellregeln und deren Analyse im Zusammenhang mit dem Stück standen, sondern auch Vorversionen des Werkes.
Am entzückenden fand ich ein Register, in dem Schnitzlers konzipierte Figuren mit den Lebensläufen und Geschichten der real existierenden und von Schnitzler persönlich beobachteten Vorbildern abgeglichen wurden. Portier Rosenstock im Hotel Völser Weiher war beispielsweise der Portier Karl Roster des Südbahnhotels am Semmering, dem Schnitzler ein Exemplar von Das Weite Land mit Widmung gesendet hat. In den Memoiren Rosters berichtet dieser 1984 über Arthur Schnitzler.
„All die Gestalten sind aus dem Leben genommen; wenn man von der Portierloge aus die Gäste näher betrachtet, so weiß man sofort, woher Arthur Schnitzler seine Figuren nahm. Er war jährlich öfter bei uns, lebte ziemlich zurückgezogen, machte nie Bekanntschaften, beobachtete aber stundenlang die Menschen. Beim Mittagessen blieb ER immer bis 3 Uhr im Speisesaal und hat jeden Gast genau beobachtet. Seine Taschen waren voll mit verschiedenartigsten Bleistiften und wenn er vom Speisesaal in die Halle kam, sah man ihn stundenlang in seinem Notizbuch Aufzeichnungen machen. Das Weite Land entstand eigentlich hier. Ich könnte ohne weiters die Namen aller seiner Gestalten aus unserem Fremdenbuch heraussuchen."
A complex play set in the bourgeois and professional layers of Vienna at the beginning of the twentieth century, dealing with deceit, hypocrisy and self-delusion as an older traditional morality is incompletely replaced by newer and more liberal mores. On the one hand nearly everyone in the play is having an affair, or has just finished having an affair, or is trying to have an affair, and everyone privately claims to be liberated and free from any sort of philistine moral hangups, that love affairs are just a "game"; but at the same time, they all pretend in public that they are all conventionally respectable, and in fact below the surface are all the emotions, envies and jealousies that they pretend to be free from. The private emotional scenes take place within a matrix of public social posturing; they are continually interrupted by others wandering in and out chattering about tennis or the weather. Much of the dialogue is comic, although never so unrealistic as to be farce; but the contradictions between the private and public moralities lead to tragedy in the end.
Toneelstuk dat omgangsvormen en vrije moraal van de Oostenrijkse elite beschrijft. Alles is spel totdat echter de realiteit haar intrede doet. De figuren zijn echter niet in staat om de omslag van spel naar ernst te herkennen. In zekere zin is dit een langere en m.i. mindere versie van Der grüne Kakadu.