„Warum bist Du so?“ – eine Historikerin zeigt, warum wir in die Geschichte schauen müssen, um unsere Eltern und uns selbst besser zu verstehenWie wurden meine Eltern, wie sie sind? Und wie haben ihre Erfahrungen mein Leben geprägt? Die Historikerin Miriam Gebhardt zeigt, wie Nachkriegseltern und Babyboomer über die deutsche Geschichte miteinander verbunden sind. In „Unsere Nachkriegseltern“ geht es um das emotionale Erbe der deutschen Geschichte seit 1945. Viel hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg geändert. Doch gerade bei den privaten Themen, bei den Vorstellungen von Ehe, Familie, Erziehung und Sexualität, von Geschlechterrollen, Arbeit und Schmerz findet sich auch viel Kontinuität. Gebhardts neues Buch basiert auf zahlreichen biografischen Zeugnissen und auf den generationellen Erfahrungen ihrer eigenen Familie. Sie erzählt deutsche Geschichte als Familiengeschichte, ergänzt um den persönlichen Blick einer Babyboomerin auf ihre Nachkriegseltern.
Fakten, Zitate aus Tagebüchern, viele Verweise auf andere Autor:innen hat die Autorin passend in Themen zusammengefasst, die für Menschen in ihrem Privatleben, Familienleben relevant sind. Ohne große Emotionen, ohne Vorwürfe, stellt sie mögliche Wirkungen dar. Mich nimmt sie mit und bringt mich weiter in meinen Fragen zu meiner Familiengeschichte und regt an, weiter zu forschen.
"In den Vordergrund rücken die Nachkriegseltern. Sie waren Kinder in der NS-Zeit und im Zweiten Weltkrieg, aber sie waren auch Jugendliche in den Fünfzigerjahren und junge Eltern in den Fünfziger- und Sechzigerjahren. Inwieweit hat das die Generation der Babyboomer, die sich heute so intensiv erinnern will, zu dem gemacht, was sie heute ist?" "Die Einteilung von Erinnerungsgenerationen hat natürlich Schwächen." "Die Generationenperspektive ist schließlich eher ein 'Kommunikationsangebot' als eine analytische Kategorie."
Diese Zitate fassen das Buch für mich sehr gut zusammen. Es hat mich sehr bewegt und zum Nachdenken gebracht. Gerade wo heute so oft "Die Babyboomer" gegen die "jüngeren Generationen" ausgespielt werden sollen und so getan wird als wären wir alle so unterschiedlich bringt mich dieses Buch den Generationen die vor mir kamen deutlich näher. Es lässt mich verstehen woher sie kommen und was sie erlebt haben.
Sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen setzt immer auch die Gegenwart in Perspektive. Große Empehlung!
Die zitierten Autoren sind so viel besser als die verbindenden Texte, das Literaturverzeichnis ist wirklich interessant und wichtig. Die Autorin wiederholt sich gern, also insgesamt nicht wirklich relevant.