Der Autor gilt gemeinhin als legitimer Nachfolger Peter Scholl-Latours, als anerkannter Nahost-Experte sowie als unbequemer Analyst und kenntnisreicher Berichterstatter. Er beschreibt eindrücklich, wieso der geeinte Westen in Afghanistan ebenso scheiterte wie zuvor bereits das britische Empire und die Sowjetunion und warum der Sieg der Taliban alles andere als eine Überraschung sein sollte. Lüders zeigt kenntnisreich, wieso das Thema sukzessive aus den Medien verschwand und von Bundestagswahlkampf, Corona und Regierungsbildung abgelöst wurde. Er stellt auch die Frage nach dem eigentlichen Sinn von Auslandseinsätzen der NATO und nach der Sach- und Fachkompetenz der Verantwortlichen. Lüders gelangt zu der Einsicht, dass alle Afghanistan-Kriege auf Fehleinschätzungen der vermeintlichen Experten beruhten. Er belegt, dass Politik nicht alleine von Rationalität bestimmt ist und alle Einsätze scheiterten, weil es an Wissen über die einheimischen Kulturen, die spezifische Geographie und den Besonderheiten der Bevölkerung mangelte. Diese Hybris des Westens soll letztlich auch eine Mahnung und Warnung sein. Perspektivisch zeigt Lüders auf, wie mögliche Entwicklungen Allianzen mit China und Russland ermöglichen könnten. Die präsentierten Ergebnisse, Berichte und Einschätzungen sind zumeist mehr als unbequem und vielleicht ist das Buch gerade deshalb sehr zu empfehlen.