Ludwig Der Ruepp. Roman Entstanden in der Zeit von Januar bis April 1921, der Autor griff auf frühere Entwürfe von 1913 (Der Gerolts Hof; Die alte treue Dienerin) und vermutlich von 1918 (Der Strumpf, Der Bucherbauer und Die Bucherbauerin) zurück. München (Langen) 1922. Vollständige Neuausgabe mit einer Biographie des Autors. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2013. Textgrundlage ist die Ludwig Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Albrecht Knaus, Mü Piper, 1968. Die Paginierung obiger Ausgabe wird in dieser Neuausgabe als Marginalie zeilengenau mitgeführt. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Hermann Bever, Beim Zitherspiel (Ausschnitt), 1870. Gesetzt aus Minion Pro, 11 pt.
Der Ruepp ist ein Bauer aus dem Dachauer Hinterland. Die Geschichte spielt um 1900. Thoma schildert, wie der verschuldete Bauer durch Streitsucht und Hochmut, Alkohol und Spiel seine Existenz (und die seiner Familie dazu) vernichtet. Das Erbe einer treuen Magd, das eigentlich seinem Sohn zugedacht ist, entgeht dem Hof durch das leichtfertige und rücksichtslose Verhalten des Ruepp.
Thomas simple Geschichte kommt ohne Zufälle und schicksalhafte Wendungen aus. Der Untergang ist stets drohend und vorhersehbar, und der Ruepp entgeht ihm nicht. In virtuoser Weise zeigt Thoma das selbstverschuldete Elend des Ruepps, der sich für klüger und raffinierter hält als seine Mitmenschen und der dabei durch seinen Alkoholkonsum, seine jähzornige, rücksichtslose und selbstherrliche Art alle Mitmenschen gegen sich aufbringt und es geradezu herausfordert, übers Ohr gehauen zu werden.
Ein wenig erinnert die Unvermeidlichkeit des Schicksals an Dostojewski. Andererseits verzichtet Thoma fast gänzlich auf Innerlichkeit, Seelenbeschreibungen und Befindlichkeiten. Seine Figuren äußern ihren Charakter vor allem durch ihr Handeln und ihr Reden - darin wirkt der Roman fast angelsächsisch in seiner direkten und reduzierten Form, die ohne Ausschmückungen und umständliche Beschreibungen direkt zur Sache kommt. Die vielen Dialoge (meist im Dachauer Dialekt) spiegeln in ihrer Sprache meisterlich die soziale Stellung der handelnden Personen, wie die Geschichte überhaupt auch ein sehr exaktes Bild der bäuerlichen Gesellschaft in Thomas Zeit wiedergibt.
Kurz: Ein sprachgewaltiges Meisterwerk des Realismus. Wer von Thoma nur die heiter-sentimentalen Lausbubengeschichten oder seine spaßigen Theaterstücke kennt, wird sich über die Wucht und Düsternis des Ruepp wundern.